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Nehmt ihr meinen Vater?

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Es ruft mich heute jemand an und fragt, ob wir seinen Vater, Herrn B. haben wollen. Ich hörte mir seine Geschichte an:

Als 1961 die Mauer gebaut wurde kam unser Anrufer, nennen wir ihn mal Ronny, gerade zur Welt. Zwei Jahre später ist sein Vater in den Westen, ohne sich von der Familie zu verabschieden. Niemals wieder hat er sich gemeldet. 1992 ist dann Ronny mit seiner Frau ebenfalls in den Westteil der Republik gereist, die Mutter ist inzwischen verstorben und das nahm Ronny auch vom Vater an.

Dieser lebte aber bis vor ein paar Tagen und ist nun verstorben; die Stadtverwaltung hatte wenig Mühe unseren Ronny als Bestattungspflichtigen ausfindig zu machen. Normalerweise dauert sowas Wochen und Monate und da ist so ein Verstorbener auch schon mal längst beerdigt, bis so ein gefundener Verwandter etwas davon erfährt. Hier ging das mal erstaunlich schnell, vielleicht hatte der Vater aber auch irgendwie die Adresse seines Sohnes ermittelt und daheim aufbewahrt, keine Ahnung. Jedenfalls hat man Ronny angerufen und gebeten, nun die erforderlichen Dinge zu regeln und natürlich die Kosten zu übernehmen.

Das will unser Ronny aber gar nicht. Er erzählt mir, dass sein Vater jahrzehntelang mit einer Frau zusammengelebt habe und er der Meinung sei, daß die jetzt auch für die Bestattung einstehen könne. Er sähe es gar nicht ein, nach 44 Jahren für einen Vater, den er gar nicht wirklich kennt, die Beerdigung zu bezahlen.

Ich frage ihn, was er denn von mir wolle. Nun, da nicht sofort die Angehörigen zu finden gewesen wären und die Lebensgefährtin alles von sich gewiesen habe, sei sein Vater jetzt bei der Stadtverwaltung gelandet und würde wohl bald eingesargt und dann beerdigt und er solle dann die Kosten von rund 2.300 Euro übernehmen. In der Zeitung habe er aber gelesen, daß wir das günstiger erledigen können.

Er möchte die preisgünstige Anonymbestattung. Bei dieser Bestattung wird der Verstorbene von einem Krematorium im Rheinland abgeholt, dort eingeäschert und auf dem Friedhof der dortigen Gemeinde anonym beigesetzt. Kosten komplett unter 800 Euro.

Irgendwie kann ich ihn verstehen.

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Peter Wilhelm 28. Mai 2012


14 Kommentare von 141354.

  1. Hallo, da ist ein N zuviel im letzten Wort:

    "Normalerweise dauert sowas Wochen und Monate und da ist so ein Verstorbener auch schon mal längst beerdigt, bis so ein gefundener Verwandter etwas davon entfährt."

    Kannst meinen Kommentar dann ja einfach löschen.

    Gruß, Benni

  2. … ich meine mal irgendwo hier einen link gesehen zu haben, die ihn davon befreit die kosten zu übernehmen, wenn der vater keinen unterhalt für ihn gezahlt hat und auch kein kontakt besteht. käme das vielleicht für ihn in frage??? oder habe ich mich da kolosal verlesen?

  3. Kann man denn nicht (erst recht in einem solchen Fall) das Erbe ablehnen und muss sich dann auch nicht um die Bestattung kümmern?

  4. Das höre ich mindestens zweimal in der Woche: "Ich schlage das Erbe aus, also muss ich auch nichts bezahlen."

    Ich bin ja kein Jurist und gebe meinen Kunden nur Hinweise, aber meines Wissens ist es einfach so: Wäre man vor dem Gesetz erbberechtigt, ist man auch bestattungspflichtig. D.h. der den zuerst das Erbe treffen würde, treffen auch die Kosten. Sicher, da gibt es Ausnahmen usw. aber als Faustregel taugt es allemal.

  5. on topic: Ich habe hier mal einen netten Kommentar gefunden…

    http://www.frag-einen-anwalt.de/Kosten-Beerdigung

    off topic: Lieber undertaker, bei diesem Teil deiner Nutzungsbedingungen würde ich aber nochmal nachbessern:

    "Wer dennoch Werbung anbringt, erklärt sich bereit, für jeden abgeschickten Werbekommentar 250 Euro zu bezahlen. Rechnung folgt."

    Außerdem ist der Button cool! Ja, ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen und erkläre hiermit, dass ich damit nicht(!!!) einverstanden bin *gg* ;)

  6. Es musste was passieren. Ich lösche jeden Tag rund 50 Kommentare in denen für Urnen, Bestatter und Versicherungen geworben wird.

  7. …kein Problem. Ich kann dich völlig verstehen, ich wollte dich nur auf 2 kleine Problemchen hinweisen: Nummer eins war, dass die Formulierung, die du oben gewählt hast, bestimmt nicht sonderlich gerichtsfest sein dürfte…

    Und zweitens, dass man durch die Formulierung des Buttons nciht im geringsten die Nutzungsbestimmungen akzeptiert, wie ich es im oberen Beitrag deutlich machen wollte…

  8. Hmmm. Das "pid=110" im Link "Bestattungsvorsorge" des Eintrages "Bestattungsvorsorge" bedeutet nicht zufällig "Partner-ID"?

    Honi soit qui mal y pense!

    Aber mal eine anderer Frage, die sich mir nach Lektüre des Beitrag über den verunglückten Moppedfahrer und des von den "leichten Damen" unter die Erde gebrachten Mann stellte:

    Kann jeder jemanden beerdigen lassen? In den Kommentaren hier lese ich von "Bestattungspflichtigen", nicht aber von "Bestattungsberechtigten".

    Wenn nun z.B. der Biker Familie hat (sagen wir mal Geschwister), mit denen nie wirklich verkracht war, aber auch nicht viel Kontakt hatte. Die Bikerkollegen wissen vielleicht nicht viel von der Family, weil er darüber nie gesprochen hat. Aber sie bringen ihn nun "standesgemäß" unter die Erde (*thumbsup* übrigens für die gefundene Lösung).

    Was aber nun, wenn sich dann doch noch ein Bruder oder eine Schwester findet? Wird sowas eigentlich vorher geprüft?

  9. @Malte: Doch,. das pid=110 ist eine Partner-ID. Dass es sich um Werbung handelt habe ich auch in einem Kommentar unter dem Artikel näher beschrieben. Ich bin jung und brauch das Geld! (Comics, Alt-Bier und Marlboro) ((und 'six feet under'-DVDs!))

    Zu Deiner Frage:

    Es ist uns in der Kürze der Zeit nicht möglich, zu überprüfen, ob es irgendwo auf der Welt jemanden gibt, der ein berechtigteres Interesse an der Bestattung hat als der der bei uns erscheint.

    Wir müssen immer, um Sterbeurkunden bekommen zu können, den Familienstand nachweisen und sind deshalb auf Personenstandsurkunden zwingend angewiesen. Das können Geburtsurkunden, Stammbücher usw. sein. Hieraus ergibt sich oft schon die benötigte Information, ansonsten hat uns bislang immer noch das familienbuchführende Standesamt informiert.

    In aller Regel kontaktieren wir beispielsweise eine getrennt lebende, aber noch verheiratete Ehefrau, wenn jetzt statt ihr die letzte Lebensgefährtin die Dinge regeln will.

    Im Grunde müssen wir uns aber auf die Aussage des Auftraggebers verlassen und letztendlich müsste ein Übergangener den Auftraggeber und nicht uns verklagen.

    Der Mann, der von den "Huren" bestattet wurde, war definitiv alleinstehend. Der Biker hat noch eine Mutter, die allerdings von sich aus aktiv wurde und über uns noch einen Kranz bestellt hat und sich nach dem genauen Ablauf erkundigte. Daher gehen wir davon aus, daß der Ablauf mit ihrem Einverständnis und Wissen so geplant wurde.

    Im ungünstigsten Fall könnte es theoretisch aber recht leicht passieren, daß sich da jemand in der Totenarbeit vordrängt und ein anderer übergangen wird.

    Allerdings ist uns sowas noch nicht untergekommen, nur sowas Ähnliches mit drei geschiedenen Ehefrauen.

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