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Der Hausarzt hat inzwischen angegeben, er habe zwar Spuren am Hals des Kindes gesehen, diesen aber keine Bedeutung beigemessen. Wir sind inzwischen alle nochmals befragt worden, ich kann nur das sagen, was ich schon schrieb: Das Hemdchen des Mädchens hat einen Rüschen- oder Spitzenkragen, weiß nicht genau, wie man sowas nennt, und der verdeckte den Hals komplett. Einen so langen Hals haben so kleine Kinder nicht.

Maria ist sechs Monate alt geworden und befindet sich im Rechtsmedizinischen Institut.
Die Polizei war inzwischen bei den Eltern. So wie ich erfahren habe, sollen die Beamten die Anwesenden vor die Wahl gestellt haben, dass entweder der ganze Clan jetzt mal verschwindet, damit man die Eltern befragen kann oder die beiden müssen mit auf die Wache.

Erstaunlicherweise hat sich noch für heute Abend der Vater angekündigt. Er will mit mir alles besprechen.
Mal sehen, was der mir erzählt.

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Zum Thema Aktualität

Das meiste was hier erscheint ist vom zeitlichen Ablauf so geschehen, wie es hier beschrieben wird: heute, gestern usw.
Manche Sachen sind schon etwas älter, ich habe schon immer Internettagebuch geführt, aber nur für mich; dass es sowas wie Weblogs gab, habe ich erst kürzlich kennengelernt, daher auch mein Enthusiasmus.

Ich bin so voll von Geschichten… Mein Tagebuch ist so voll… Ich freue mich ganz arg, dass ich das mal erzählen kann und wenn es Euch dann auch noch interessiert dann ist was wohl sowas, was man heute einen win-win-Effekt nennt, oder?

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Ihr hattet ja schon häufiger gefragt, wie das denn so sei mit ungeklärten Todesfällen, was wir da machen, ob so etwas vorkommt usw.
So etwas kommt ganz selten vor, aber jetzt haben wir aktuell so einen Fall. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Bis jetzt sieht es so aus:

Es erfolgte gegen 12.20 Uhr der Anruf eines Mannes, seine Tochter sei verstorben und wir sollen bitte kommen.
Unsere Männer rücken aus und rufen vom Einsatzort aus an, es handele sich um ein Kind, wir sollten uns schon mal darauf einstellen, dass die Familie etwas Besonderes sei: „Alles Italiener, alle sehr aufgeregt und ziemlich laut.“

Die Leichenschaupapiere lauten auf „Plötzlicher Kindstod“.

13 Uhr: Maria ist bei uns eingetroffen und wenig später ruft mich Herr Huber aus dem Einbettungsraum an, ich solle mal kommen.
Das Kind hat am Hals, durch ein Rüschenhemdchen verdeckt, Würgemale.

Scheiße!

Ich rufe die Polizei an. Die lassen sich Zeit, um 14.15 Uhr kommen zwei Zivilbeamte. Es wird fotografiert, wir müssen erzählen, wie es war und dann wird die Kleine als sichergestellt erklärt und wir sollen sie mal in die Rechtsmedizin bringen.

Jetzt fahren die zu den Eltern.

Und ich hätte jetzt am Liebsten einen Schnaps.

Das ist aber unser Toter!

Ich telefoniere schon den ganzen Morgen einer Leiche hinterher :-(

In dieser Woche hat Firma Pietät Eichenlaub Polizeidienst. Das machen die Bestatter hier im Wechsel.
Da ist also einer verstorben und der Arzt hat nicht den natürlichen Tod bescheinigt. Keine Ahnung, was da war, das werde ich noch sehen. Jedenfalls mußte der Verstorbene in die Rechtsmedizin gebracht werden und deshalb hat die Polizei die Pietät Eichenlaub angerufen und die haben den Verstorbenen auch dahin gebracht.

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Der Sohn des Verstorbenen hat aus dem 300 km entfernten R. angerufen und uns den Auftrag erteilt, seinen Vater zu bestatten. Er kommt dann morgen, bleibt vier Tage und es wäre günstig wenn die Beerdigung am Freitag sein könnte.
Also rufe ich bei der Staatsanwaltschaft an, wir brauchen eine Freigabe. „Jaja, die könnt ihr holen, da war nichts dahinter, ist natürlicher Tod“, sagt Staatsanwalt Dr. M.
Meine Mitarbeiterin sattelt den smart und flitzt in die Stadt, um die Freigabe zu holen, zwei Männer nehmen den Viersargwagen und fahren zum rechtsmedizinischen Institut. Von dort rufen sie an und teilen mir mit, dass der Verstorbene schon von Pietät Eichenlaub geholt worden ist, ohne Freigabe ohne Papiere.
Ich rufe bei den Eichenlaubs an. Nein, die Tante am Telefon stellt sich dumm, sie hat keine Ahnung, von dem Toten wisse sie nichts.

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Werbevertreter

Tolle Sache! Er hat da so Stadtpläne und ich soll da Werbung buchen. Diese Stadtpläne hängen an den Ausfallstraßen in Schaukästen und nur die besten Firmen dürfen da überhaupt eines der Felder am Rand buchen. 890 Euro kostet da so ein kleines quadratisches Feld.

Das wäre doch toll, meint er.

„Ja aber“, wende ich ein, „ich glaube kaum dass das für uns in Frage kommt. Sehen Sie, wenn jemand stirbt, glauben Sie dann wirklich, die Leute gucken ausgerechnet auf einen Stadtplan am Stadtrand?“

„Und was, wenn Sie einer finden will, so von außerhalb?“

„Dann sage ich immer, direkt am Friedhof und der Friedhof ist ausgeschildert.“

„Aber die Firma Sanitär-Meier, die hat schon ein Feld gebucht.“

„Meinetwegen, obwohl ich auch nicht glaube, daß irgendjemand, der von außerhalb kommt und dort auf dem Stadtplan nach dem Weg sucht, dann spontan zu Sanitär-Meier fährt und mal eben einen Wasserhahn kauft.“

„Naja, wenn Sie das so sehen, dann bräuchte ja überhaupt keiner auf meinen Stadtplänen werben!“

„Eben!“

Andere Sitten

Ich hab ja nix gegen Muslime. Hätte ich irgendwelche Vorbehalte oder Bedenken, hätte ich diesen Praktikanten gar nicht genommen. Sein Name ist Khalid Rufad-Ali, sein Vater Pakistani, die Mutter Deutsche. Khalid macht ein Zusatzjahr im Berufsbildungswerk und muß sechs Monate Praktikum in einer Firma nachweisen.

Das Fortbildungswerk zahlt die Hälfte des Praktikantengeldes und in der Buchhaltung und im Archiv können wir gut noch jemanden gebrauchen. Groß ist er, sieht gut aus, ist ruhig, ach, den können wir auch mal bei Bestattungen ans Kondolenzpult stellen oder sonstwo einsetzen, wo er nichts mit den Verstorbenen zu tun hat.

Mittwoch:
Khalid stellt sich vor. Macht einen guten Eindruck, auch meine Frau meint, dass der ganz gut wäre.

Donnerstag:
Wir rufen ihn an, er könne Montag anfangen, Khalid freut sich. Also Tschüß bis Montag um Acht.

Montag:
Nix. Es ist Acht, kein Khalid, es ist Neun, kein Khalid. Ich lasse da mal anrufen.
„Was? Das ist schon heute? Ich dachte, Sie rufen mich nochmal an! Ich komme dann morgen, okay?“
„Nein, heute und zwar hopp, hopp!“

Es ist 14 Uhr und Khalid kommt. „T’schuldigung!“

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Report München

So, das war er jetzt der Beitrag in Report München. Viel Sensationelles dürften die Leser meines Weblogs nicht erfahren haben.

Über den von bösen Zungen als Moloch angesehen Mammut-Bestatter „Ahorn Grieneisen“ werde ich zu gegebener Zeit meine Meinung äußern. Auch die lukrative und in meinen Augen moralisch verwerfliche Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz soll später noch einmal ein Thema sein.

Was haben wir sonst erfahren?

Nun, Altenheime nehmen Provisionen, es scheint da sogar Vertragsmodelle von Ahorn-Grieneisen zu geben.
Kleinere Bestatter drücken mal einem Mitarbeiter einen Fuffi in die Hand, auch nichts Neues.

Ein größerer Bestatter in Düsseldorf soll einen Sarg gleich 90 mal verkauft haben und nach Aussage des unkenntlichen Kapuzenmanns im Fernsehen sogar mit immer demselben Blumenschmuck. Erstaunlich, wie lange sich in Düsseldorf die Blumen so halten…

Rund 17 Leute sterben jeden Tag in Düsseldorf, knapp die Hälfte, also sagen wir 8 werden davon eingeäschert. In Düsseldorf gibt es Dutzende von Bestattern sodass selbst der „große“ Düsseldorfer Bestatter kaum mehr als 3 Feuerbestattungen am Tag durchführen dürfte. Das würde bedeuten, daß der die Nummer mit dem immer wieder verkauften Sarg mit Blumenschmuck quasi einen ganzen Monat Tag für Tag durchziehen müsste.

Die Zuschauer haben in dem Bericht nichts Sensationelles erfahren. Wo es ums Geld geht wird es auch immer schwarze Schafe geben.

Was da aber durch Ahorn-Grieneisen auf uns zukommt, die durchorganisierte Sterbeindustrie, das wird noch manchem Kopfzerbrechen bereiten.