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Wiederholungstäter

Von

Neulich erst schrieb ich über Kunden, die bei Erhalt der Rechnung einen kleinen Nachlass aushandeln wollen. Heute hatte ich einen älteren Herrn am Telefon, der folgendes Argument für seinen Wunsch äußerte:

„Bei uns wird ja viel gestorben.“

Damit verbinde ich die Beantwortung einer Frage:

Gibt es bei Euch Mengenrabatt?

Wenn ein Kunde binnen kurzer Zeit zwei oder gar drei Mal bei uns im Büro sitzt und jeweils einen Sterbefall anmeldet, kommen wir ihm schon mit den Preisen entgegen. Das ist wie bei jeder größeren Geldausgabe, wenn man beim Händler kurz hintereinander drei Autos kauft, darf man auch auf einen Nachlass hoffen. (Wobei die Formulierung „auf einen Nachlass hoffen“ bei Sterbefällen ja auch wieder doppeldeutig ist 🙂 )

Nee, echt jetzt, oder?

Von

Es gibt echte und unechte Diamanten, vielleicht kann man zu einem besonders zuverlässigen Kameraden auch sagen, daß das ein „echter Kerl“ oder „echter Freund“ ist. Als aber so Mitte der 70er Jahre (für Pisa-Opfer: das war die Zeit als es schon Autos und Fernsehen, aber noch keine Handys gab) das Wort „echt“ als permanente Satzverschönerung in Mode kam, habe ich persönlich mich von diesem unnötigen Zierrat ferngehalten. „Das ist echt geil“ wäre also eine Formulierung die ich nicht verwende, ich befleißige mich da eher einer vornehmeren Ausdrucksweise und würde stattdessen sagen: „Das ist voll krass geil, odda Alter?“

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Henning -13-

Von

Kurz nach 17 Uhr komme ich am Friedhof an. Es ist der Haupfriedhof mit recht weitläufigen Anlagen und tagsüber wuseln hier bestimmt zwei Dutzend Bedienstete herum. Der Friedhofsverwalter von dem ich hier berichte, ist nur einer von vier Verwaltern, zwei davon sind für die Leichenzellen und die Annahme von Verstorbenen zuständig, die anderen beiden betreuen die Trauerhalle und die Feiern.

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Olugulade -14-

Von

Am rechtsmedizinischen Institut mußte ich eine Weile suchen, in der kleinen Trauerhalle dort war ich nämlich noch nie. Doch dann sah ich Huber von weitem winken und mußte nur noch einen Parkplatz finden. Unterwegs war mir noch die Idee gekommen, daß es vielleicht gut gewesen wäre, auch einen Pfarrer mitzunehmen, aber dafür war es jetzt zu spät.

Langsam näherten wir uns der Tür, Huber trat an die Seite und ich drängelte mich vor, um der Erste zu sein. Insgeheim hatte ich vor, die Situation sofort zu beenden und den Besuch bei Herrn Olugulade doch nicht zuzulassen, wenn es zu schlimm wäre. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was in diesem Moment alles an Eindrücken auf mich einströmte. Meine Augen waren überall, binnen Bruchteilen von Sekunden hatte ich die Situation erfasst und mein Kopf rauschte. In diesem Moment wusste ich, daß man den Besuch zulassen konnte, ich war mir aber auch klar darüber, daß ich tierische Kopfschmerzen bekommen würde. Mir war das alles ein wenig zuviel. Doch nun war Frau Olugulade die wichtigste Person.

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Feuer

Von

„Hier brennt grad die Hütte“ ist eine Redewendung und meint, daß ich zu dem Zeitpunkt viel um die Ohren hatte.
Das nur für die, die mir per Mail ihr Beileid für den Feuerschaden ausgesprochen haben.
Nix passiert! Haus steht noch!

Olugulade -13-

Von

Was tun? Die Frau will unbedingt ihren verstorbenen Mann sehen, der mit Sicherheit nicht schön anzusehen sein wird. Mir blieb nichts anderes übrig, als zwei meiner Männer loszujagen und zwar in die nächste Stadt, wo das rechtsmedizinische Institut ist. Bewaffnet mit allem, was unser Keller an Wiederherstellungmaterialen zu bieten hat, machten sich Huber und Klaus auf den Weg.

Es war an mir, Frau Olugulade nun zu beschäftigen und solange es im Raum stand, daß sie dann zu ihrem Mann gebracht wird, war sie auch gefügig, trank Kaffee mit mir und erzählte mit mir und meiner Frau (die das Baby gar nicht mehr hergeben wollte).

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