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So gesehen

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Schadenfroh soll man ja nicht sein. Ich konnte es mir trotzdem nicht verkneifen, heute am Nachmittag dem Geschäftsführer der Pietät Eichenlaub, Herrn Michaels, ganz zufällig über den Weg zu laufen. Ich hatte beim Steinmetz neben der Eichenlaub-Hauptstelle zu tun und da war es natürlich unvermeidlich, daß ich ausgerechnet den Geländewagen des guten Herrn Michaels zugeparkt hatte.

So trafen wir dann aufeinander und ich lud ihn auf einen Kaffee in die Friedhofsgaststätte ein. Zu gerne wollte ich doch erfahren, was die Eichenlaubs dazu bewogen hat, die Filiale bei uns gegenüber im Verlaufe nur weniger Stunden, Knall auf Fall, zu räumen.

Er wiegelte ab, das sei eine ganz normale Entscheidung „die dicht am Markt orientiert gewesen sei“ und die „außerhalb seiner Kompetenzebene“ aufgrund bundesweiter „Entwicklungsvorgaben“ gefällt worden sei. Auf Deutsch: Die Filiale hat sich nicht gerechnet und die von ganz oben haben ihm vorgeschrieben, das Ding zuzumachen.

Na denn, mir soll’s recht sein!

Besonders gut leiden können Michaels und ich uns nicht, ich kann das gar nicht verstehen, denn die meisten anderen Leute finden mich sehr nett. Meine Frau meint, das läge aber hauptsächlich daran, daß ich Michaels mal auf einer Sitzung öffentlich als Arschloch tituliert habe. Der wird doch wohl nicht nachtragend sein?

Dazu war es so gekommen: Der Verwaltungsdirektor, der hier das Friedhofsamt leitet, gleichzeitig Geschäftsführer des privatwirtschaftlichen städtischen Bestattungsunternehmens ist und dessen Frau die Geschäftsführerin der Krematoriumsbetriebsgesellschaft ist, hatte zu einem Gespräch aller Bestatter eingeladen. Nach seiner Aussage wollte er alle mal an einen Tisch holen, um bestehende Schwierigkeiten auszuräumen und künftig eine bessere Zusammenarbeit zu bewirken.

Was er wirklich wollte, lag klar auf der Hand und konnte weder von ihm, noch von seinem Stellvertreter ausreichend verdeckt werden. Man wollte schlicht und ergreifend, daß die privaten, niedergelassenen Bestatter den Konkurrenzkampf gegen das städtische Bestattungsinstitut aufgeben und sich aus bestimmten Geschäftsbereichen zurückziehen. Dafür köderte man die Bestatter mir einigen Vergünstigungen, wie verbesserten Annahmezeiten am Krematorium usw.
Erreichen wollte man, daß die Bestatter ihre Bestrebungen einstellten, gegen die Übermacht des städtischen Bestattungsinstitutes anzugehen. Zum Beispiel war es seit Jahrzehnten so, daß Polizeiüberführungen ausschließlich von den Städtischen gemacht wurden. Entsprechende Vorschriften, daß sowas ausgeschrieben werden muß, ignorierte man seit Ewigkeiten geflissentlich.

Dagegen war ein kleiner Bestatter vorgegangen und hatte beim Regierungspräsidium Beschwerde eingelegt und mit einer Klage gedroht. Nun wurde diese Transporttätigkeit offiziell ausgeschrieben und es kamen nur die Pietät Eichenlaub und wir dafür in Frage. Die anderen erfüllten die technischen Vorgaben nicht und hätten allenfalls mitbieten können, wenn sie sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen hätten, was sie aber aus Kurzsichtigkeit nicht taten.

Nun lagen also die Angebote der Städtischen, von Eichenlaub und von uns zur Entscheidung vor und der Friedhofverwaltungsrat wollte uns dazu bringen, diese Angebote im Tausch gegen kleine Vergünstigungen zurückzuziehen.

Statt daß sich Michaels von Eichenlaub nun auf ein faires Wettrennen mit uns eingelassen hätte, pokerte er in absolut schleimiger Art um jeden kleinen Vorteil und verstieg sich schließlich in die Aussage, nur sein Unternehmen sei kompetent und technisch in der Lage das korrekt auszuführen. Und mit Blick auf mein Unternehmen fügte er hinzu, wir seien ja ein Unternehmen das zu sehr in Traditionen verhaftet und dem Modernen gegenüber nicht aufgeschlossen sei. Dann dienerte er sich dem Verwaltungsdirektor als Kooperationspartner an und meinte, man könne doch die ganze Ausschreiberei bleiben lassen und in Zukunft machen das eben die Eichenlaubs und die Städtischen im Wechsel.
Ja und genau in dem Moment ist mir das ‚Arschloch‘ über die Lippen gehuscht. Eine Verbalinjurie, gewiss, aber eine die ohne Folgen blieb, vermutlich hatte ich nur etwas gesagt, was Michaels ohnehin schon wußte.

Im Endeffekt ging die Sache aus, wie das Hornberger Schießen, die Pietät Eichenlaub hatte das günstigste Angebot abgegeben, konnte aber leider die technischen Voraussetzungen nicht erfüllen. Man hatte keine separate, abschließbare und versiegelungsfähige Leichenkammer für beschlagnahmte Leichen vorzuweisen. Wir aber schon! Also wurde neu ausgeschrieben, wir schraubten unseren Preis herunter und die Eichenlaubs trennten eine Leichenzelle für den erforderlichen Zweck ab. Am Ende lagen wir gleichauf und bekamen den Auftrag im wöchentlichen Wechsel beide zugeschlagen.

Im Grunde also keine guten Voraussetzungen, um sich zu mögen. Mir würde es ja schon reichen, wenn man sich tolerieren würde, aber selbst dafür reicht es meistens nicht.
So gesehen war der gemeinsame Kaffee heute schon etwas Besonderes und waren die Eingeständnisse des Herrn Michaels doch recht tiefgreifend.

Aber man muß auch sehen, daß der ja, im Gegensatz zu mir, nicht frei schalten und walten kann, sondern immer an Konzernvorgaben gebunden ist. Ob ihm bestimmte Vorgehensweisen nun passen oder nicht, er muß die Ideen aus der Konzernzentrale umsetzen.

Immerhin ist die Filiale gegenüber jetzt weg und das ist gut so.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „vermutlich hatte ich nur etwas gesagt, was Michaels ohnehin schon wußte.“

    DAS hättest du ihm ins Gesicht sagen müssen 😉

  2. Lieber Tom,
    hast Du schon mal daran gedacht Dich als Bundesaußenminister zu bewerben?
    Ein paar Turnschuhe für Dich müssten sich doch finden lassen 😉

  3. Hatte Tom nicht in einem der Einträge über die neue „Filiale“ der PE gemutmaßt, daß die sich eh nur 3 oder 6 Monate hält???

  4. Seit Nachts um 3 lese ich Ihren Blog und komm aus dem schmunzeln nicht mehr heraus; aber die Story mit Ihrem „leidigen“ Mitbewerber hat den Vogel abgeschossen! Sie sind ein ausgekochtes „Schlitzohr“! Und das meine ich durchaus positiv.
    Ich überleg mir allen ernstes, mich von Ihnen würdig in einem passenden Erdmöbel versenken zu lassen.Weiter so! Gruß aus München, Luigi

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