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Was ist, wenn jemand im Hotel stirbt? Tote im Hotel

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Ich wollte Dich mal fragen, ob es in Hotels denn besondere Vorkehrungen im Todesfall gibt. Abholung nur bei Nacht? Besonders gründliche Zimmerreinigung? Auslegen eines Kondolenzbuches beim Empfang? Hast du so etwas schon mal erlebt? Erzähl doch darüber bitte mal in Deinem Weblog. (Ich muss ja nicht sagen, dass ich ein riesen Tom-Fan bin!) Es ist ja fürchterlich eklig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen da schon gestorben sein könnten.

Es liegt in der Natur des Hotelgewerbes, daß man um verstorbene Gäste keinen großen Wirbel macht.
Die Abholung des Verstorbenen muß stets diskret und möglichst so erfolgen, daß keine anderen Gäste etwas davon mitbekommen.
Lieferanteneingang, Tiefgarage, Personalaufzug oder sogar Lastenaufzug, das sind da die Stichworte.

Die anderen Gäste haben den Verstorbenen ja meist gar nicht gekannt und sind vielleicht in einer sehr angenehmen Sache unterwegs oder gar zur Erholung in diesem Hotel, da möchte man denen den angenehmen Aufenthalt nicht mit einer Leiche verderben.

Ein Kondolenzbuch am Empfang habe ich nur ein einziges Mal erlebt, als bei einem Ärztekongress einer der Teilnehmer plötzlich verstarb, da war aber das gesamte Hotel nur mit diesen Kongressärzten belegt und die Voraussetzungen waren demnach anders.

Ansonsten: Möglichst unbemerkt und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen.

Der Ausdruck unter Hotelbediensteten für einen Hotelgast, der verstorben ist, lautet übrigens „kalte Abreise“.
Das wird natürlich nicht nach außen hin kommuniziert, sondern nur intern verwendet. Das ist so, damit man sich über den Sachverhalt unterhalten kann, auch wenn andere es hören könnten, ohne dass diese gleich verstehen, um was es geht.

Selbstverständlich werden Zimmer und Betten, in denen jemand verstorben ist, ausreichend und in besonderer Weise gereinigt. In Hotels der höheren Kategorien ist es selbstverständlich, daß dann die Matratze getauscht wird.

Wenn jemand von den Lesern in der Hotelbranche tätig ist, würde ich mich freuen, wenn er/sie entsprechende Erfahrungen hier teilen könnte.

© 2009, ergänzt

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Peter Wilhelm 13. Januar 2017


23 Kommentare von 141366.

    • @Leptharius:
      Also ich will ja nichts sagen, aber bei den meisten Todesfällen ist ein Arzt während dessen oder in näherer Vergangenheit im Spiel… und wenn dann so viele Ärzte… naja… mich wundert es nicht 😉

  1. Wenn Hotels wie Billigflieger funktionieren würden, könnte man im Kleingedruckten vermutlich folgendes lesen:
    „Im Falle Ihres plötzlichen Ablebens erlischt Ihr Recht auf Rückerstattung der nicht in Anspruch genommenen Leistungen. Weiterhin behalten wir uns vor, Ihnen für die Aufwände des Bestattungsunternehmens eine Abwicklungspauschale in Höhe von 250 Euro in Rechnung zu stellen“

  2. @Leptharius(1):
    die Teilnehmer an Fachtagungen jeglicher Art (also auch medizinischer) sind durchaus auch jenseits der 70. Da kann es schon mal vorkommen, daß einer stirbt.

  3. Wir kamen mal in einem kleineren, familiären Hotel in Berlin an, und wollten nach einer Nachtfahrt (PKW) etwas groggy das Zimmer beziehen.

    Die verantwortliche Tante des Hotels war aber im Stress, zog sich gerade Einweghandschuhe aus und meinte „wir haben hier einen Todesfall“ – worauf mir irgendwie schlagartig alles „verging“ …

  4. Das sieht dann so aus wie im Film: Sandy und Manni bekommen Kleidung vom Hotel geborgt und bekommen einen langen Servicewagen wo man den Sarg unten, unter der weißen Decke, reinschieben kann. Oben stehen dann gläser, Putzzeug und Handtücher drauf. So bekommt keiner was mit. 😀

  5. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch den Begriff „kalte Abreise“, der wohl vom Hotelpersonal in solchen Fällen verwendet wird.

  6. Das erinnert mich an eine Geschichte aus „Das HaHandbuch der Psychotherapie“:

    Der Sohn der Familie kommt für einen Urlaub nach Hause. Seit vielen Monaten war er zur Ausbildung in der fernen Stadt. Die Familie ist begierig zu Iwron, wie es ihm an der Lehrstelle gefällt. Man hat sich schon sehr georgt, daß die Lehrstelle in einem Begräbnisinstitut vielleicht doch nicht das richtige fürihn sei. Die Erleichterung ist bei den Eltern außerordentlich groß, als der Sohn mit leuchtenden Augen von seinem Lehrherrn und seiner Ausbildung zu sprechen beginnt. Er erklärt, daß dieser Beruf von großer Bedeutung sei und es eine Vielzahl von Dingen zu lernen gäbe. Der Lehrherr sei ein wahrer Meister im Umgang mit delikaten Situationen, die bei der Bestattung von Toten immer wieder auftreten.

    Die Familie wird neugierig, und der Sohn berichtet ein Beispiel:

    „Gerade kürzlich gab es einen ganz besonderen Fall, wo das Ansehen und der Name zweier bedeutender Familien und das Ansehen eines renommierten Hotels auf dem Spiel standen. Ein Sohn und eine Tochter aus besagten Familien hatten sich unsterblich ineinander verliebt. Die Familien hatten jedoch eine Heirat strikt untersagt, weil seit Generationen Feindschaft zwischen den Familien herrschte (siehe auch „Mehrgenerationperspektive“). Die beiden gingen schließlich zusammen in das berühmte Hotel, nahmen sich ein teueres Zimmer und begingen gemeinsam Selbstmord. Sie lagen nun beide tot im Zimmer, und die Aufgabe war, die Leichen diskret den beiden Familien zu übergeben, ohne daß der Selbstmord und die ganze Geschichte ruchbar und ohne daß der Ruf des Hotels in Mitleidenschaft gezogen wird. Nun, mein Lehrherr zog sich seinen besten schwarzen Frack an, streifte die weißen Handschuhe über, setzte sich seinen teuren Homburg auf den Kopf und nahm den lackschwarzen Spazierstock mit dem Elfenbeinknauf. Dann forderte er mich auf, ihn zu begleiten. Ich war über dieses Vertrauen außerordentlich erfreut.

    Wir gingen in dieses Hotel, fuhren mit dem Aufzug nach oben und gingen zu dem Zimmer, dessen Nummer man uns genannt hatte. Wir betraten mit angemessener Scheu leise das Zimmer. Aber wie soll man diese Situation beschreiben? Da lagen diese beiden fast völlig nackten, wunderschönen Menschen im Bett. Sie waren eng umschlungen. Die Lippen der beiden waren leicht geöffnet, wie wenn sie noch etwas sagen wollten. Es war ein Bild, das selbst meinen erfahrenen Chef beinahe zu Tränen rührte. Da war nur ein Problem.“

    Die versammelte Familie hing ihm an den Lippen und rief beinahe wie aus einem Munde: „Was für ein Problem?“

    „Ja, nun“, fuhr vor der Sohn fort, „sie waren so eng umschlungen, so eng zusammen, daß ich persönlich keinen Weg sah, außer Gewalt anzuwenden. Sie gemeinsam wegzutransportieren erschien ebenfalls als sehr schwierig. Ich sah, wie es im Kopf meines Chefs arbeitete, und plötzlich ging ein Leuchten über sein Gesicht. Mit seiner Erfahrung und seiner Genialität schien er wie immer eine Lösung gefunden zu haben.

    Er nahm seinen Spazierstock in die Hand und wiegte ihn wie prüfend einen Moment in seinen Händen. Dann setzte er ihn unglaublich sicher und sanft im richtigen Winkel zwischen den Körpern, an und mit einer plötzlichen Bewegungen fielen die beiden Körper mit einem etwas merkwürdigen Geräusch auseinander.“

    Der Sohn holte Luft und machte eine kleine Pause. Der Vater fragte erregt: „Und das löste dann das Problem. Nicht wahr?“

    „Nun“, sagte der Sohn, „nicht ganz. Wie sich herausstellte, waren wir im falschen Zimmer.“

    Das HaHandbuch der Psychotherapie
    Witze – ganz im Ernst
    von Bernhard Trenkle
    Carl Auer Systeme Verlag
    Heidelberg 1997
    ISBN 3-927809-32-2

    • @akbwl: Hoffentlich verwechselt da ein Koch nicht mal die Kühlkammer, denn sonst gibt es noch wirklich einmal Jägerschnitzel etc…. =;-)

  7. Es gibt doch in den Hotels auf jeder Etage diese Wäscherutschen, da braucht man im Keller nur die Fahrtrage davorstellen.

  8. @ MacKaber.
    Je nach Stockwerk des Einwurfes und/oder Gewichtes des öhm…Kunden ist allerdings die „heavy-duty“-Ausführung der Fahrtrage erforderlich. Auch sind geeignete Maßnahmen gegen unerwünschtes Davonfahren des öhm…Kunden zu treffen. Singt: „Meine Omma fährt im Wäschekeller Motorrad…“
    🙂 Lechthaler

  9. @Lechthaler: Am besten stellt man den Leichenwagen und die Fahrtrage so auf, dass der von oben ankommende Kunde derart auf die Trage plumpst, dass sich diese, bedingt durch den Impuls der Leiche, in Bewegung setzt und direkt in den Leichenwagen fährt. Klappe zu und ab die Post. Das geht schneller und müheloser als die langsame Variante mit manueller Verladung.

    @Matthias: Ja, daran musste ich auch gerade denken… Einige Sätze sind in besagtem Kapitel wirklich zum Schießen 😀

  10. Aaaaalso ich war mal einer der Nachtportiers des besten Hotels einer größeren Stadt.
    Zu Weihnachten und Silvester wurden grundsätzlich keine alleinreisenden „Spontananreisen“ ohne Gepäck aufgenommen. Da hieß es alle Zimmer sind belegt.
    Begründung des Empfanschefs: „Das brauchen wir nicht schon wieder!“

  11. Also ich arbeite schon eine kleine Ewigkeit in Hotels der 5 Sterne Kategorie und das in mittlerweile 8 verschiedenen Laendern. Es kommt selbstredend immer mal was vor. Besonders rund um Weihnachten ist die Selbstmordrate recht hoch. Der Begriff der kalten Abreise ist korrekt, der wird in vielen Hotels verwendet.
    Rein praktisch geht die ganze Procedure recht nuechtern von stattet. Die Leiche wird via Personalaufzug in den Keller gebracht und dort in den Leichenwagen gelegt. Da Personaleingaenge meist auf der anderen Seite des Hotel Haupteingangs sind merkt es niemand wenn da ein schwarzer Wagen raus faehrt.
    Zimmer werden gereinigt und desinfiziert und das war es dann.
    Alles geht sehr diskret und auch ohne viel aufhebens im Bereich des Personals von statten.

  12. „Es ist ja fürchterlich eklig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen da schon gestorben sein könnten.“

    Du gehst dann wohl auch nicht viel in der freien Natur spazieren, oder?

    Salat

  13. Einen Sterbefall im Hotel habe ich noch nie gehabt. Aber das da die diskrete Vorgehensweise absolut gefragt ist, wird wohl Standard sein.

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