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Vom Zug überfahren

Ich hatte kürzlich am Bahnhof längere Wartezeit, da sich laut Durchsage ein „Personenschaden“ ereignete. Da hab ich mir einfach mal so meine Gedanken gemacht.

1. Darf ein Lokführer einfach weiterfahren auch wenn er bewusst wahrgenommen hat, dass er soeben einen Menschen überfahren hat
Angenommen der Zug hält, wie wird nun weiter vorgegangen? Ich meine wenn Polizei, Arzt, Bestatter usw. auf den Gleisen arbeiten ist doch auch an ein Befahren der Strecke durch andere Züge (Mehrspurige Strecke) gar nicht zu denken.
3. Ich nehme mal an, dass von einem Menschen wenig heile bleibt wenn er sich denn von solch einem Zug überfahren lässt. Werden die Überreste nun in Eimer oder Säcke gepackt, oder wird gleich alles in einen Sarg gepackt welcher dann eben auch zur Beisetzung verwendet wird?

Was geschieht mit den Reisenden in diesem Zug? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass solch ein Zug (verschmutzte Lokomotive) in den nächsten Bahnhof einfahren darf. Aber man kann ja die Leute auch nicht auf offener Strecke aussteigen lassen.
Ich würd mich über die Beantwortung der Fragen freuen und bedanken.

Hier lesen so viele Retter mit, ich lass das mal unbeantwortet und verweise auf die Kommentare.
Ansonsten stehen die Antworten, verstreut über etliche Artikel, alle schon im Weblog.

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Peter Wilhelm7. September 2012

48 Kommentare von 140574.

  1. Ich werd’s mal in Kurzfassung versuchen, aus meiner Feuerwehrerfahrung heraus:

    1. Nein. Wie bei einem „normalen“ Verkehrsunfall auf der Straße auch. Manchmal scheint man es nicht zu merken, oder es wird „nur“ ein „Möglicherweise Tier angefahren“ gemeldet, dann fährt ein Triebwagenführer u.U. auch weiter.

    2. Die Strecke ist dann dicht, zum einen zur Sicherheit der arbeitenden Kräfte, zum anderen, falls man die komplette Breite der Strecke absuchen muss (je nachdem, wie der Unfall abgelaufen ist).

    3. Kommt drauf an. Manche Menschen sind erstaunlich „ganz“. Ich habe leider auch schon anderes erlebt. Eimer kommen hier gar nicht zum Einsatz! Bei einem derartigen Einsatz haben wir (Feuerwehr) gemeinsam mit den Bestattern in einen mit Folie ausgeschlagenen Transportsarg „eingesammelt“ (ein anderes Wort passte leider nicht mehr). Ob dieser Sarg dann zur Beerdigung verwendet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis – ich gehe aber ob der Beschaffenheit des Sarges nicht davon aus.

    4. Die Reisenden verbleiben zunächst (auch zur eigenen Sicherheit) im Zug, wenn dieser auf offener Strecke angehalten hat. Die Reinigung der Lokomotive wird, wenn nötig, zumeist durch die Feuerwehr vor Ort vorgenommen. Nicht schön, aber es gibt m.E. keine Alternative.

  2. Aus eigener Erfahrung (nicht als Lokführer, sondern als Passagier): Das war damals etwa 20 km südlich von Hamburg. Der Zug hat an der Stelle zunächst etwa 1,5 Stunden gestanden (Feuerwehr etc. war alles vor Ort). Dann sind wir langsam weitergefahren in den nächsten Bahnhof, dort konnten dann die Leute, die es wollten, in Regionalzüge Richtung Hamburg umsteigen (vorher war die Strecke natürlich komplett gesperrt). Zu der Zeit war es noch nicht sicher, ob der Zug komplett weitergefahren wird (war ein ICE Richtung München), und es hieß, er fährt evtl. nur bis Hannover. Sie haben dann aber wohl einen Ersatzlokführer bekommen, der den Zug durchgefahren hat.
    Deine erste Frage kann ich nicht mit Sicherheit beantworten, aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass er weiterfahren dürfte. ich würde sogar soweit gehen, dass die Bahn inzwischen entsprechende Anweisungen herausgegeben hat, dass der Zug bei der nächsten Möglichkeit anhalten muss, wenn der Lokführer z.b. einen Schlag oder ähnliches wahrgenommen hat (nicht unbedingt von einem Menschen, aber z.b. Steine etc.).

  3. Hallo Tom,

    ich übernehme mal für dich.

    Wenn ein Personenschaden auftritt dann wird der Lokführer von einem Kollegen der eingefahren wird abgelöst. Egal wie es ihm geht. Für den verlierer der Kollision (was meist der Mensch ist) wird natürlich die Rettung alarmiert, Polizei und Notfallmanagment der Bahn kommt auch dazu. Es wird gerettet, geborgen geschaut und gemanaget. Dann kommt oft noch der Bestatter. (Habe es aber auch schon erlebt das die Rettung erstmal erfolgreich war und der Patient erst im Krankenhaus verstorben war).
    Wieviel von dem Menschen über bleibt, ist eine Frage des Aufpralls und ist schwer zu sagen. Viele werden von dem Luftstrom mitgerissen und kommen dann seitlich auf den Zug auf oder unter den Zug.

    Zu guter letzt die Reisenden sind meist angepisst, geschockt oder was auch immer setzen ihre Reise aber normal fort. Auf offener Strecke darf man im Normalfall den Zug auch nicht verlassen, was alleine schon wegen der hohen stufe (ca. 1 m geschätzt) schwer wird.

    Gruß

    Jan

  4. Zu 1.: Natürlich nicht!

    Zu 2.: Die Strecke wird komplett gesperrt, solange die Bergungsarbeiten andauern.

    Zu 3.: Behelfsmäßiger Metallsarg, denke ich mal.

    Zu 4.: Die Leute bleiben drin, der Zug fährt weiter, nachdem alles aufgenommen ist. Die „Brocken“ werden soweit es geht entfernt, sowie auch eventuelle Blutlachen.

  5. ich hatte bisher das „Glück“ noch nicht, deshalb muß ich einiges mal vermuten. 2 Kollegen von mir hatten das mal direkt im Bahnhof erlebt.
    zu 1. Weiterfahren, nein darf er nicht, er dürfe nicht mehr in der Lage sein, das Fahrzeug zu führen (relativ hohe Schockwarscheinlichkeit, insofern darf er es auch nicht seitens der Bahn denke ich mal, schau evt mal http://www.bz-berlin.de/archiv/schmerzen-eines-u-bahn-fahrers-dem-einer-vor-den-zug-sprang-article71001.html) und § 323c BGB gilt auch für ihn (unterlassene Hilfeleistung). Theoretisch ist also jeder zur ersten Hilfe verpflichtet (wobei das natürlich keinen Sinn macht, wenn wie im Fall meiner Kollegen, der Kopf nur noch an einem Hautlappen am Körper hing). Da wurde dann erstmal der Strom abgeschaltet (vorher dürfen die Gleise nicht betreten werden) und dann war RD und Arzt und Notfallmanager schon da. Strecke wurde dementsprechend gesperrt (wobei auch Frage 2 geklärt sein dürfte).
    3. kann ich nur vermuten, ich denke mal das es dann so ein Wasserdichter Sack sein wird?
    Für die Reisenden und auch den Lockführer kann Unterstützung bzw Betreuung durch KIT (Krisenintervention, Psychosioziale Notfallhilfe bzw. Notfallseelsorger) organisiert werden.
    Wie der genaue Ablauf ist, kann ich wieder nur vermuten, aber warscheinlich wird der Zug nach einer vorläufigen Spurensicherung langsam bis zum nächsten Bahnhof fahren und dort zumindest die Lok abgestellt (evt Spurensicherung und Untersuchung auf Schäden). Wenn die Fahjrgäste nicht mitfahren können, wird die Bahn dann einen Bustransfer zum nächsten Bahnhof organisieren.

  6. Hi,
    Aus meinen Zugunglücken (Feuerwehr/Rettungsdienst) kann ich oben beschriebenes nur bestätigen.
    Der Lockführer wird getauscht, der Ersatz zum Zug gebracht. (Früher gab es da richtig dicke Prämien, wenn er weiter gefahren ist.Ist nun aber verboten.)
    Die Passagiere werden im Zug behalten und dürfen NICHT aussteigen, solange die Bergung stattfindet. Ist der Zug noch fahrbereit, fährt er mit neuem Zugführer weiter, ansonsten werden die Reisenden mittels Taxi o.ä. zum nächsten Bahnhof oder auch ganz nach Hause gebracht.
    Während der Bergung ist entweder die Feuerwehr oder das DRK (bzw eine äquivalente Hilfsorganisation) mit der Betreuung der Passagiere im Zug betraut.
    Die Lok selbst wird vor Ort von der Feuerwehr mittels Tanklöschfahrzeugen gereinigt (also abgespritzt) und kann je nach Erfolg den Dienst zumindest bis zum nächtmöglichen Lokwechselpunkt weiter verrichten.
    Zum „Einsammeln“ kann ich nichts sagen, da ich entweder bei den Passagieren war, oder das Unfallopfer „intakt“ und ansprechbar war. Nichts desto trotz ein Job, der keinen Spaß macht.

  7. Ein San-Ausbilder beim Bund erzählte aus seiner Rettungssanitäterzeit unter anderem, dass bei der Bergung jedes Teil zusammengesucht werde, was durchaus auch schon Stunden dauern könne. Nicht dass ein Kind oder Hund einen Knochen findet…

  8. Ich füge hinzu zu Tobi: die Passagiere dürfen auf offener Strecke generell nie aussteigen, solange der Zug noch Fahrbereit ist. Nur wenn der Zug kaputt ist, werden die Fahrgäste in andere Fahrzeuge umgeladen.
    Der Zugbegleiter hatte mir in so einem Fall mal gesagt, dass erst der Staatsanwalt die Strecke wieder freigibt. Ob er das telefonisch macht oder vor Ort sein muss, hat er aber nicht gesagt. Das kann sehr gut einige Stunden dauern, es geht ja nicht nur um Rettung/Bergung sondern auch um die Ermittlung. Fahren erst wieder alle Züge, lässt sich schwer feststellen, warum da ein Mensch auf den Gleisen war.

    In unserem Dorf kam einmal der Bundesgrenzschutz zum suchen. Der Lokführer hatte nächtens einen seitlichen Aufprall bemerkt, war aber nicht sicher, ob es ein Tier oder Mensch war. Leider hat er auch nicht die richtige Stelle angegeben, der Unfall war vor einem Bahnübergang, er brachte den Zug aber erst weit dahinter zum stehen und als er weder Blut noch sonstige Beweise entdecken konnte, ist er nach Absprache weiter gefahren, der BGS hat übernommen.
    Es war ein Mensch, der neben den Gleisen her ging, der Zug hatte ihn nur gestreift aber er ist, weil er nicht rechtzeitig gefunden wurde seinen Verletzungen erlegen.

    Ein anderer Fall ist mir bekannt, in dem der Verunfallte später offen aufgebahrt wurde, obwohl er genau auf den Gleisen war und der Zug (RE) ungebremst auftraf. Es ist wohl immer eine Frage der Verletzungen.

  9. Noch son Feuerwehrler, der seinen Senf dazugibt:
    @2:
    Ach, wart ihr der Zug, wo die Zugbegleiterinnen mit nem Arzt eigenständig auf der ungesperrten Strecke rumgeturnt sind?

    Insgesamt zu 1: Vor einer Vollsperrung und Abschaltung der Oberleitung geht keiner auf die Gleise. Der Gleisabschnitt wird in der Regel bei solchen Bergungen nicht geerdet. Warum auch?

    Zu 3) Von Menschenteilen, verteilt über mehrere Kilometer, unbemerkten Teilen unter der Lok bis zum fast perfekt abgetrennten Kopf ist alles dabei.

    Im Falle der weitverteilten Teile wird tatsächlich erst in behelfsmäßigen Tüten gesammelt, weil es einfach unpraktisch ist, einen Sarg mehrere Kilometer zu tragen. Auch der Transport von der Strecke zum Sarg(auch wenn der unmittelbar daneben steht) ist immer wieder eine Überwindung und geht mit Tüte leichter. Nicht an jeder Stelle gibts Fahrwege, die parallel zur Bahnstrecke verlaufen.

    Zu den Reisenden: Bahnreisende dürfen nicht auf der Strecke aussteigen, alleine schon wegen der riesigen Stufe – wehe da knickt einer um – das umknicken im Gleisbett geht auch gut ohne Stufe und mit dicken Feuerwehrstiefeln. Also fährt der Zug mindestens in den nächsten Bahnhof mit neuem Lokführer. Je nach Bedarf wird gereignet, wir hatten meistens Loks ohne größere Verschmutzungen durch den Unfall. Auch gibt es bei einem mir bekannten Nahverkehrsunternehmen mit eigenem Fuhrpark Prämien für die Reinigung von Personenschäden für deren Wartungspersonal.

    Wenn der Zug fahrbereit ist – was die Regel ist – geht es einfach weiter. In der Regel liegt man ja nicht blutend an der Spitze des Zuges, sondern wird einfach zerrissen – viel Zeit zum am Zug bluten bleibt da nicht.

    Auch war da mal ICE mit eingeknickter Nase, der durfte dann noch zum nächsten Bahnhof und dann gabs Ersatzzüge.

  10. Langsamer Zug, seitlich erwischt: Leichte Verletzungen bis hin zum Gliedmaßenabriss, durchaus aber noch mit Überlebenschance.

    ICE frontal: Das ergibt dann ein V-förmiges Spritzbild. Viele kleine Teile die etwa auf 5 bis 20 Meter Breite und durchaus auch mal 200 Meter Länge verteilt sind. Diese kleinen Teile, die (vor Ort) auch mit Anatomiekenntnissen kaum zu identifizieren sind, kleben dann am Schotter, den Schwellen, Signalanlagen, Schildern, Weichenstellern und den Schraubenköpfen sowie den Klammern, die die Gleise halten.

    Zwischen den beiden Fällen ist fast alles möglich.
    Ich erinnere mich noch an eine TV-Vorabendserie wo eine U-Bahn Springerin dann in der Pathologie gezeigt wurde. Nette freundliche Räume, die Schauspielerin lag mit ansehnlicher nackter Brust auf dem Stahltisch und war nett geschminkt mit nur einer kleinen Schramme am Kopf. So ist es NIE!!!!!!!! (Gruß an Terry Pratchett)

    Und wer immer noch liest bekommt nun meine drei Lieblingsfälle:

    I
    Nachmittags, der Bestatter besucht seine Autowerkstatt, sieht von dort aus den Zug halten, bekommt mit, wie Polizei und Rettungsdienst hinfahren und ahnt was los ist. Bestatter wird DREI Stunden später alarmiert, zwei von 4 Gleisen sind schon freigegeben und werden LANGSAM mit Schrittempo befahren (damit die Passagiere auch genug Zeit zum gucken haben) und dann hängt einem da ein Notfallmanager der Bahn im Nacken: Beeilung, Strecke frei, alles unter Faustgröße bleibt liegen.
    Vielen Dank auch – ich nehme doch ALLES mit, was ich finde, auch den Kleinkram.

    II
    Winter, nachts, eigentlich gute Bedingungen, guter Zugang von der Straße zur Bahnstrecke, Feuerwehr ist vor Ort und hat zwei von diesen Leuchtmonden hochgefahren. Leider aber einer von den Fällen mit V-förmiger Verteilung. So breit wie ein Tennisfeld, so lang wie 5 oder 6. Dummerweise lag der Aufprallzeitpunkt auch hier schon einige Stunden zurück und all die kleinen Stückchen waren am Schotter oder Gleis festgefroren und es ist sehr viel Schotter mit in der Leichenhülle gelandet.

    III
    Nachts, Hochsommer, Schwül. Bahndamm etwa 5 Meter hoch und sehr steil. Wir irren 20 Minuten herum, nirgends ist etwas zu sehen. Ah, endlich, da steht ein Wagen der Bahnpolizei. Super. Nein, doch nicht. Ein sehr junger Bahnpolizist hält seiner noch jüngeren Kollegin, die hemmungslos weint und auf einen Haufen ihres eigenen Erbrochenen starrt, die Schultern und redet ihr gut zu. die beiden sind nicht ansprechbar.

    Wir schlagen und alleine weiter durch und finden endlich den Notfallmanager der Bahn. Ein einsames Männchen mit einer Taschenlampe, die so hell ist, wie 3 Kerzen leuchtet uns dann, während wir die Teile einsammeln. Und auch der hats eilig. Schneller, Beeilung, Strecke frei. (Feuerwehr, Polizei. Licht und ähnliches möchte er aber nicht anfordern).

    —————
    Falls das zu drastisch war, dann schmeisst den Kommentar raus – aber wie sagte Tom neulich? Hier ist das Bestatterblog, nicht die Teletubbies.

    —————

    Gibt es noch mehr Kollegen, die regelmässig auf die Eisenbahn müssen? Ich entwickele gerade ein Fahrgestell (Draisine ;) ) für den Notsarg. Hätte jemand Interesse? Hier habe ich oft sehr unzugängliche Bahndämme. Meine Idee ist, mit dem Bestattungswagen dort nah an die Strecke zu fahren wo es gut möglich ist und dann lieber im Gleis (ohne Schlepperei) den Weg zum Aufprallort zurückzulegen.

    Benutzt jemand von euch Werkzeug zum einsammeln der Kleinteile? Ich bin ja inzwischen auch schon fast so alt wie Jopi Heesters und 1-2 Stunden in gebückter Haltung vertrage ich nciht mehr so gut.

    • @Stefan: Dein Plan mit der Draisine klingt nicht schlecht. Dann müsstest Du aber bei der DB Netz AG eine Zugnummer für eine Sperrfahrt beantragen. Ein kleiner Kurs in Signalkunde wäre dann auch nicht schlecht. :-)

  11. @ Undertaker J. A. Fox
    Antrieb lassen wir mal, aber Halterungen für ein paar gute helle Taschenlampen oder evtl. LED Flutlicht kommen ran.
    (Und ich hatte nicht dran gedacht – Kopf –> Tisch)

    Stefan

  12. Auch wenn es nicht sehr pietätvoll klingt.

    Wir haben das Problem mit Rabenvögeln. Denen ist es egal welche Art Aas sie fressen. Da hilft oft nur der blaue Müllsack. Da ist Schnelligkeit wichtig.
    Alles zusammen wird dann in einen Blechsarg gelegt.
    Das man da einen Menschen einsammelt muss man ausblenden man darf es allerdings auch nicht vergessen.

  13. Einen Personenschaden habe ich noch nicht miterlebt, aber bezüglich des Aussteigens auf der Strecke kann ich anderes berichten. Ich wurde einmal völlig unvermittelt auf der Strecke aus dem Zug geworfen, weil der Zug nicht mehr fuhr. Und nachdem wir uns 15 Minuten neben der Strecke die Beine in den Bauch gestanden hatten, sollten wir wieder einsteigen, weil der Zug doch noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren konnte. Es war ein ziemlicher Kraftakt alle Kinder, Gepäckstücke und Rentner die 1-Meter-Stufe runter und wieder hoch zu bekommen. Von einer Zugbegleiterin erfuhren wir dann, dass der Ersatzzug zu uns länger gebraucht hätte als wir für die Reststrecke im Schneckentempo. Das zu klären, bevor man die Passagiere rausschmeißt, hatte wohl niemand in Erwägung gezogen.

  14. @ Reader

    Ich habe schwarze Müllsäche ;) – und bei aller Pietät – es muss auch praktikabel sein. Niemand der sowas je gesehen hat, würde die Verwendung von zusätzlichen Hilfsmitteln (Müllsack) verwerflich finden.

    Die großen Teile legen wir übrigens anatomisch korrekt an die richtigen Stellen, bei den Kleinteilen (die man sich gern als weit verteilte Mischung aus Geschnetzteltem, Mett und Paket-Bindfaden-Gewirr vorstellen kann) geht das natürlich nicht. Falls das jemand verurteilen möchte, der soll sich bitte melden. Ich nehme sie/ihn dann gern mal mit.

  15. @ Stefan.
    Viel Glück mit der Hilfsdraisine. Wahrscheinlich muß so etwas bei unseren Bürokraten bundesbahnamtlich auf „Mast-und-Achsbruch“ geprüft werden…
    Und wenn sich jemand über die Müllsäcke mokieren sollte möge er/sie Vorschläge machen. Werkzeuggebrauch beim Einsammeln sehe ich nicht als verwerflich an. Nützt doch keinem etwas wenn die Bestatter auch noch mit Hexenschuß geborgen werden müssen, Jopi hin oder her (meinen ersten Hexenschuß hatte ich mit 19 Lenzen, aua) ;-)
    Lechthaler

  16. Vor zwei Jahren hat sich jemand vor die Schnellbahn geworfen, in der meine Frau und ich saßen. Der Zug stoppte schneller als gewöhnlich und blieb halb in der Station stehen. Als ich das Fenster öffnete, um zu sehen, was los war, winkte mir direkt unter uns die Leiche entgegen. Nicht zu retten. Ein makabrer Anblick, aber – wenn man das sagen darf – trotzdem mit einer gewissen Eleganz. Seltsam.
    Wir wurden dann durch den Zug nach vorne beordert und konnten dort aussteigen. Dem Lokführer, weiß wie eine Wand, tat unser Zuspruch sichtlich gut. Es dauerte allerdings noch einige Zeit, bis die offiziellen Kräfte eintrafen – wir gingen schließlich wieder unserer Wege…

  17. Zugführer – Verantwortlicher Mitarbeiter (meist im Fahrgastbereich) der für die ordnungsgemäße Abwicklung der Zugfahrt verantwortlich ist.
    Triebfahrzeugführer – Lokführer (fährt den Zug logischerweise)

  18. @Ozie: Ihr seid rausgeschmissen bzw. rausgeworfen worden? Unglaubwürdig. Bleib bei der Wahrheit. So was macht man nicht mal bei den Fallschirmjägern.

    Stromabschaltung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Bei U-Bahnen, bei denen der Pluspol über eine dritte Schiene seitlich dem Zug zugeführt wird macht es Sinn. Ebenso, wenn das Fahrzeug angehoben, bzw. aus- oder eingegleist werden muß. Ist eine normale Fahrleitung vorhanden, spricht nichts dagegen, das Gleis zu betreten. Zumal der stehende Zug verhindert, dass ein weiterer kommt. Das betrifft natürlich nicht das Nachbargleis dorthin wird oft der Durchfahrtsverkehr umgeleitet.
    Auf die anderen Bereiche des Themas möchte ich nicht näher eingehen, da ich von allen beteiligten Seiten aus (als Bahnführer, Bahnbetriebsaufsicht, Rettungsdienstler und Kriseninterventionberater), während meines Berufslebens oft damit konfrontiert war.

  19. es gibt doch diese netten müllaufsammelgabeln, so c.a. einen meter lang, wo vorne ein greifer dran ist, wäre das nichts zum einsammeln ?

    ich hab übrigens vor jahren mal einen unfall mit einer kuh in rumänien erlebt, aufprall bei c.a. 50 sachen, von dem tier ist nicht viel übrig geblieben, die fahrgäste haben sich einfach so bedient und der zug ist nach 15 minuten weitergefahren inklusive c.a. 80% der kuh in einzelteilen in diversen plastikbeuteln der fahrgäste :D

  20. Ich hab im TV mal einen Bericht über die Polizei gesehen.Die mußten einen Zug auf „Reste“untersuchen.An einem Rad hingen noch Haare und Blut.Leider weiß ich nicht mehr ob die das auch eingesammelt haben.Der Zug stand aber schon auf einem anderen Gleis, so das der Zugverkehr nicht mehr weiter behindert wurde.

  21. Soweit ich mich erinnere einmal gelesen zu haben (Stern oder Spiegel vor einigen Jahren), gab es mindestens einmal den Fall, dass ein Selbstmörder unbemerkt vor den Zug sprang (es war dunkel und nur ein leichter Schlag zu spüren) und mit dem Brustkorb sauber vom Kupplungshaken der Lok aufgenommen wurde. Die Einfahrt im nächsten Bahnhof soll sehr interessant gewesen sein.

  22. @McKaber,
    ich habe „Rausschmeißen“ eher mit „aussteigen lassen“ übersetzt.

    Es kommt immer auf die lokalen Gegebenheiten an. Die Düsseldorfer U-Bahn, bei der ich einen Selbstmord miterlebt habe, fährt z.B. mit Oberleitung, teils unterirdisch, teils ebenerdig als Straßenbahn und auch mit einigen Passagen auf Schotteraufschüttung und höhergelegter Trasse.

  23. Ich habe mir mal sagen lassen, dass unter den Leuten in den Betriebszentralen der Bahn für solche Fälle auch den Ausdruck „200 Meter Gulasch“ kursiert. Hat wohl seinen Grund…

  24. Tja, solche Vorfälle sind für die Beteiligten oft sehr schwierig. In Wien hatten wir einmal den Fall, dass die Leiche derart unter dem U-Bahn-Wagen verklemmt war, dass der Zug ein paarmal hin- und zurückgeschoben wurde, um den Körper zu zerteilen und bergen zu können. Und vor einiger Zeit gab es in der Steiermark am Gleis eine Leiche ohne Kopf – diesen hat man am nächsten Tag etwa 70 Kilometer weiter übern Semmering in Niederösterreich gefunden. Da gibt es immer wieder Triebfahrzeugführer, aber auch Helfer, die das nicht verkraften können, trotz der psychologischen Dienste, die in Anspruch genommen werden können.

  25. Laut Aussgae eines MA des ICE-Betriebswerks HH ist es wohl so, dass die Nasen der ICE recht einfach austauschbar sind, falls jemand mal davor“fälllt“. Fand ich krass, aber leider auch plausibel.

    Ich hatte das (als Passagier) im Fernverker noch nie, aber im ÖPNV passiert das hier häufiger. Anfangs wars ein Personenschaden, dann ein Notarzteinsatz *im* Gleis, jetzt ist es wohl u.a. eine Störung im Betriebsablauf. Euphemismen sind was tolles.

  26. @MacKaber:
    Rauswerfen sollte natürlich bedeuten, dass wir höflich vom Zugpersonal gebeten wurden den Zug zu verlassen.
    Ich wollte mit der drastischen Ausdrucksweise nur verdeutlichen, dass es sehr schnell ging und offensichtlich unüberlegt war.

  27. Was hier glaub ich noch nicht erwähnt wurde:
    Ein Notarzt muss immer vor Ort sein, damit der Verunglückte offiziell für tot erklärt werden kann.
    Ist zwar meistens relativ offensichtlich, muss aber dennoch gemacht werden!

  28. Vor jahren hatte ich einmal einen „Patienten“, der den Kopf auf ein Gleis gelegt hat (vielleicht wollte er hören wann der nächste Zug kommt?). Der war ziemlich komplett, nur hinten am Schädel hat ein keilförmiger Teil des Knochens und das gesamte Gehirn gefehlt. Wahrscheinlich hat der Lokführen noch frühzeitig gebremst und ihn nur noch leicht mit dem Rad berührt.

    @ Stefan:
    Die Feuerwehr hat bei uns zwei Plattformen zum Einsatz auf den Gleisen, groß genug für zwei Tragen (oder Särge). Die muß allerdings geschoben werden, Aber besser schieben, als tragen.

  29. @ Claudia – Gerne
    @ Birger – Die „technischen“ Störungen usw. und auch die relativ schweigsame Presse sollen Nachahmer gar nicht erst auf Ideen bringen.
    Meine persönliche Bitte an alle Suizidalen: Nicht ins Wasser, nicht vor den Zug, nicht vors Auto.

    @ Veit – Danke für den Hinweis, das habe ich hier noch nicht im Einsatz gesehen. Was ähnliches schwebt mir auch vor, aber es muss extrem leicht sein. Hier in der Gegend fahren wir nun mal mit dem „schönen“ Bestattungswagen (kein Transporter) und sind meist nur zu zweit.
    Großartige Hilfe von Polizei oder Feuerwehr ist nicht zu erwarten. Ausserdem zahlt der Landkreis auch diese Einsätze extrem schlecht – sonst würden wir natürlich selber mit mehr Leuten und mehr bzw. schwererem Gerät rausfahren.

  30. Stefan,
    bei extrem leicht denke ich an zwei in der Mitte mit Gelenk verbundene Diagonalstreben. An den vier Enden jeweils drei Rollen,(wie beim Einkaufswagen)b die das Schienenprofil wie bei der Einschienbahn umgreifen. Aufklappen, aufs Gleis und einrasten. Passt auch auf Schmalspurbahnen. Trage drauf und fertig.
    (bloß mal so ein unausgereifter Gedanke) ;-)

  31. @ Christians Ex: Vor vielen Jahren kam in der Strassenbahn, für alle mithörbar die Durchsage der Leitstelle:“Wegen eines Schadens an der Oberleitung ist die Strecke……!“
    Da rief der Betriebsleiter in den Funk hinein: „Die Oberleitung bin ich, was sie meinen ist die Fahrleitung!“

  32. @30 (Birger): Der Mann hat sich möglicherweise nur wichtig gemacht. Unter den „Nasenhauben“ der ICE steckt die Kupplung; die Hauben sind geteilt und können zum Kuppeln zweier Züge geöffnet werden. Und natürlich, ähnlich wie Stoßstangen am Auto, leicht ausgetauscht werden, wenn sie beschädigt sind. Schäden werden aber nicht nur durch menschliche Leichen verursacht, auch durch Katzen oder Vögel – oder andere Züge.

  33. Heute auf dem Weg nach Osnabrück war plötzlich unvermittelt Ende der Fahrt in Melle. Die Strecke dazwischen ist seit ca. 11.30 dicht gewesen, ich habe gehört, dass sie etwa um 18.30 wohl zumindest einspurig wieder freigegeben werden sollte. Im Osnabrücker Bahnhof stand als Grund für die Verspätungen bzw. Ausfälle „Notarzteinsatz am Bahnsteig“… Ein Taxifahrer erzählte mir, dass auf dem Abschnitt wohl öfter mal Leute „zu Schaden kommen“…
    Genauer brauche ich da nichts zu wissen.

  34. Ich kenne es auch so, dass der Zug erstmal vor Ort bleibt bis die Polizei ihre Arbeit gemacht hat. Dann wir gesäubert bzw. gesammelt und der Zug darf wieder weiterfahren. Wenns länger dauert kann es auch mal sein, dass die Gäste den Zug verlassen und anders weiter transportiert werden.

    Schöne Grüße

    Flo

  35. hi, wir haben da unfallhüllen die wir auch im gleisbett ziehen können. sehr geil die dinger. gibt es in 2 größen als kleine und große. die kleinen setzen wir da fast immer ein.
    beim rest kann ich nur dem stefan beisteuern, ab und an wie gulasch oder nur getroffen und weggeschleudert
    übrigends für die interesse haben http://www.bs-polizei.de

  36. Wenn das Opfer beim Zusammenprall aufrecht im Gleis steht, genügt schon eine Geschwindigkeit von 120 km/h, um diesen Menschen beim Zusammenprall mit der Lok regelrecht zerplatzen zu lassen. Seine Reste werden dann von den nachfolgenden Waggons dementsprechend weiter verteilt, es bleibt auch noch so einiges vorne bzw. unter der Lok hängen.
    Befindet sich das Opfer bei Dunkelheit liegend im Gleis, bemerkt der Lokführer den Unfall meist gar nicht (weil das charakteristische Geräusch des Zusammenpralls ausbleibt),
    und fährt weiter. Irgendein nachfolgender Zug findet dann die Leichenteile, sobald es hell wird.
    In meinen Fällen übernahmen die jeweiligen Bestatter zusammen mit dem BGS/Bpol alles was hinten lag, also unter/hinter dem Zug, während die Feuerwehr die Grobreinigung an der Lok vornahm
    (Ich spreche von Grobreinigung, weil allzuoft viele Teile unter bzw. sogar IN der Lok verbleiben).
    Diese ganzen Kleinteile fahren zunächst noch mit, und werden erst im nächsten Bahnbetriebshof entfernt und von der Polizei mitgenommen. Besonders an heißen Sommertagen haben wir desöfteren Loks, welche einen gewissen Geruch nach Blut und Verwesung ausströmen…
    Werden solche Kleinteile(Gewebe/Haut/Kleidung) eigentlich dann mit beerdigt, oder landet das alles irgendwo im Abfall?

  37. Das Wartungspersonal der Bahnunternehmen findet immer wieder skelettierte Arme, Beine und sonstiges eingeklemmt unter den Wagons.
    Bei Tempo 250 und mehr bekommt der Triebwagenführer garnicht mit dass er einen Menschen überfahren hat es sei den Körperteile haben den Pantographen (das Ding das sich zum Fahrdraht streckt) beschädigt oder ähnliches.
    Die Chancen sind also gut dass man schlicht nie wieder gefunden wird (vor allem wenn man in der Nähe eines Waldes den Kontakt zum Schienenverkehr sucht).

  38. Hallo ich hatte sowas auch schon mal. Unser Zug wurde damals geräumt und wir mussten mit Bussen weiter. War nicht schön weil wir Fahrräder dabei hatten. Und wir waren in Wagen 8 und der Ausstieg in Wagen 2.
    Waren insgesamt ca. 3H später am Ziel.

  39. ich habe eine Frage: es leuchtet mir ein, daß ein Körper zu Hackfleisch zerfetzt wird, wenn sich jemand in aufrechter Stellung einem Zug entgegenstellt, anstatt auf die Gleise zu legen. Wie wird in einem solchen Fall die Identifizierung vorgenommen? Evtl. handelt es sich um eine alleinstehende Person, die niemand als vermisst meldet. Und selbst dann: eine Zuordnung zu einer kann doch gar nicht möglich sein, denn von den wenigsten Menschen ist ein Genstatus bekannt

    • @Anne Birkner: Meine Tochter hat sich leider auch von einem Zug überfahren lassen. Sie konnte zuerst nicht identifiziert werden, da ihr Gesicht teilweise fehlte. Die Kriminalpolizei hat von mir deshalb eine Speichelprobe entnommen.

  40. Es ist jetzt schon über 30 Jahre her, dass meine Schwester sich im Bahnhhof von Essen-Werden vor den Zug warf. Sie war Schülerin und hatte gerade eine Klausur über die Leiden des jungen Werthers geschrieben. Dieser sonnige Tag im Juni hat mein Leben für immer verändert und mit jedem Jahr fehlt sie mir mehr. Ich denke auch oft an den Lokführer und an das Leid, das sie auch über ihn gebracht hat.
    Ich kann das nicht verstehen und denke, wenn sie das Ausmaß geahnt hätte, sie diesen egoistischen Weg nicht gewählt hätte.

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