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Wie bringe ich es Oma und Opa bei? Bestattungsvorsorge

Ich möchte gerne versuchen mit meinen Großeltern darüber zu sprechen was sie sich für ihre Beerdigung wünschen. Das letzte Gespräch lief nur so 2-3 Sätze. Dann war mein Opa mit Tränen in den Augen in seinem Zimmer verschwunden und meine Oma saß nur da und ich merkte das sie gar nicht wußte was sie jetzt sagen sollte. Damit war das Thema durch. :/

Wie stelle ich das am besten an? Soll ich versuchen einzeln mit den beiden darüber zu reden oder soll ich einfach mal zu einem Bestattern gehen und fragen ob er es mal versuchen kann, aber ich glaub damit überrumpele ich die dann doch oder?

Ich habe gerade den 2ten Sterbefall von Bekannten hinter mir und merke immer wieder keiner weiß nix aber alle reden und leider sind bei beiden die Familien zerstritten.

So etwas wünsche ich mir nicht für meine Großeltern und leider würde das in meiner Familie passieren. Deswegen, was rätst du mir in dieser Situation zu tun?

Schonmal Danke im Vorraus.

Ich möchte die Frage am liebsten an die Leserinnen und Leser weitergeben.
Es ist für mich auch nicht einfach, Dir da einen konkreten Rat zu geben. Wenn sich jemand absolut sträubt, über das Thema Sterben und Bestattung zu sprechen, dann kann man ihn nicht (zu seinem Glück) zwingen.
Das mit dem Glück klingt möglicherweise aufs erste Lesen etwas deplaziert, aber meine Kollegen die hier mitlesen und alle die schon eine Bestattungsvorsorge gemacht haben, werden einstimmig bestätigen, daß sich kurz danach bei den Kunden ein Gefühl der Erleichterung eingestellt hat.
Das reichte vom einfachen nur erleichtert sein, daß man diese unangenehme Sache jetzt hinter sich hat, bis hin zu erstaunlich euphorischen Ausbrüchen an Albernheit. Ja wirklich, manche Leute sind so erleichtert und zufrieden, daß sie gar nicht mehr aufhören möchten, noch einen und noch einen Witz über Sarg, Tod und Beerdigung zu reißen.

Es ist eben so, daß man -wenn man aktuell nicht von einem Sterbefall belastet ist- doch viel freier über alles sprechen kann und viel mehr Ruhe hat, alles ausführlich zu besprechen.

Man könnte versuchen, Deinen Großeltern klar zu machen, daß Du ja gar nicht willst daß sie überhaupt sterben, aber das gehe ja nun mal leider nicht und so würden sie Dir eine ganz große Bürde abnehmen, wenn sie wenigstens mal kurz eben mit Dir über das Thema sprechen.
Du möchtest doch nur wissen, wie sie eigentlich mal beerdigt werden wollen; Erd- oder Feuerbestattung?
Fange bei der Oma an, Frauen sind da meistens vernunftbegabter und zugänglicher wenn es um dieses Thema geht. Das liegt daran, daß Frauen etwas länger leben als Männer und sich eher mal mit der Frage beschäftigen, wie denn der vor ihnen versterbende Mann unter die Erde kommen soll.
Vielleicht öffnet sich der Opa dann, wenn er sieht, daß die Oma schon alles besprochen hat.

Ich würde immer erst versuchen, das Wichtigste für mich selbst in Erfahrung zu bringen. Dann als nächster Schritt „damit man es hinter sich hat und NIE WIEDER drüber sprechen muß“ könnte man fragen, ob man einen Bestatter zu sich nach Hause einladen kann, der einem mal erklärt, was es so alles gibt und wie das so alles geht. „Dann ist doch endlich mal alles geklärt und ich stehe später nicht so hilflos da, Ihr würdet mir so sehr helfen!“

Bildquellenangabe: Ingrid Ruthe / pixel io.de

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Peter Wilhelm 5. Februar 2014


10 Kommentare von 141202.

  1. ich denke, vieles kann man aus Andeutungen herauslesen, vielleicht nicht die Bestattungsform, aber wie die Trauerfeierlichkeiten ablaufen – z.B. ob die Großeltern irgendwelche Lieblingsblumen haben oder Lieblingslied, das kann man einbauen, oder wie sie sind naturliebend, ob sie eher traditionell sind und sich an die bräuche im Ort/in der Stadt richten etc.

  2. Wenn Opa bei dem Thema nah am Wasser gebaut hat, dann hat er vielleicht große Angst vorm Sterben und auch durchaus seine Gründe dafür. Ich würde nicht mit der Oma alleine darüber sprechen, damit bringst du sie womöglich in die Bredouille. Mein erster Gedanke war, dass ich ihnen einen Brief schreiben würde. In dem sage ich um was es mir geht, dass ich mehrfach erlebt habe wieviel Streit und Gezerre es in Familien geben kann wenn nicht beizeiten informiert wird und Wünsche abgeklärt werden.
    Schreib ihnen, dass du sie sehr liebst und achtest und es dir daher ein Anliegen wäre dafür zu sorgen, dass die letzte Ehre würdig und in ihrem Sinne gestaltet wird.

    Wenn. sie. das. so. möchten.

    Es ist ein Angebot die Dinge vorab zu klären, wenn sie es nicht machen wollen, ist das genau so gut. Damit wirst du leben müssen. Und es lebt sich leichter damit wenn du sie tatsächlich achtest und ihren Willen respektierst.
    Du hast dann gefragt und sie haben dir ihre Antwort gegeben. Mehr ist nicht zu tun.

  3. Grade in dem Alter haben viele aktiv den Krieg erlebt und haben Probleme mit dem Tod umzugehen. Sie haben zuviel schreckliches erlebt und verdrängt.

    Sie bei diesem Thema zu bedrängen, damit sie sich damit beschäftigen müssen, klappt meist nicht.

    Vielleicht ergibt es sich ja, dass du von deiner Bestattungsvorsorge erzählen kannst.
    Das regt dann vielleicht unbewusst zum denken an.

    Ich habe bei meinem Vater schon lange eingesehen, dass ein Gespräch darüber sinnfrei ist.
    Da könnte er dann wieder tagelang bzw. nächtelang nicht schlafen.
    Ich weiß nicht, was mein VAter alles in seiner Kriegsgefangenschaft erlebt hat, aber es ist tief vergraben und jetzt auch nicht mehr auszuarbeiten!

  4. Meine Mutter kam da irgendwann ganz von allein damit an. Ich denke, sie werden darüber reden, wenn sie so weit sind, oder eben nicht. Und wenn sie sich nicht äußern, dann machen die Hinterbliebenen eben so, wie sie meinen. Um so besser. Denn was tun, wenn jemand sich eine aufwändige Bestattung wünscht, die Hinterbliebenen aber finanziell dazu gar nicht in der Lage sind, geschweige denn, eine 20jährige Grabpflege zu gewährleisten? Ich persönlich bevorzuge Ruhehaine. Ein schöner Gedanke, mit dem eigenen Tod einem Baum das Leben zu erhalten.

  5. Es ist immer eine Sache von „das hab ich gemeint“ und „das hab ich gehört“.

    GEMEINT hast du: Ich hab euch lieb, ich will nicht, dass es bei eurer Beerdigung, die ja nun mal aufgrund des doch fortgeschrittenen Alters irgendwann ansteht, zu einem Familienstreit kommt.

    GEHÖRT haben die vermutlich: „Können wir dem nicht schnell genug sterben? Braucht der das Erbe so dringend oder nerven wir ihn? Gott, sind wir schon so alt? Die Hochzeit war doch erst gestern, wir können doch nicht sterben, wir doch nicht…“

    Und dazu kommt noch ne Portion Angst. Das ist das Problem, wenn man jemanden auf seinen irgendwann bevorstehenden Tod anspricht.

    Das muss im Regelfall von einem selbst kommen, sonst wird das nix. Du wirst jemanden, der sich mit dem Tod nicht auseinandersetzen will, nicht dazu zwingen können, das zu tun. So traurig das klingen mag…

    Doof, ich weiß, aber nicht zu ändern.

  6. Meine Großmutter hat ihre Bestattung minutiös vorgeplant und auch das Geld dafür geparkt. Es war genau festgelegt, welcher Pfarrer die Trauerrede zu halten hatte (musste extra eingeflogen werden), welche Lieder zu singen waren und von welcher Konditorei die Kuchen zu kommen hatten. Meine Mutter hat das genauso geregelt. Auch mein Vater hat schon eindeutig erklärt, wie er das für sich haben möchte.
    Wenn ältere Leute darüber nicht reden wollen, sollte man sie nicht dazu zwingen. Allenfalls könnte man seine eigene Vorsorge regeln und seien Eltern, beziehungsweise seine Großeltern davon unterrichten „Sollte mir etwas zustoßen, will ich nicht dass ihr deswegen Arbeit habt. Ich habe deshalb schon alle nötigen Schritte vorbereitet“. Wenn die Eltern dann sehen, dass man so seinen Grabstein selbst aussuchen kann, ist das vielleicht eine Anregung

  7. Mit meinen Eltern kann man auch nicht drüber reden.
    Meine Mutter ist immer beleidigt, weil man ja ganz sicher nur frägt weil man ihr den tod wünscht und mein Vater will immer einfach irgendwo verscharrt werden. Mehrmalige erklärung dass das nicht Legal ist bringen auch nix.
    Mir wird nichts bleiben als mir dann selbst was auszudenken was gar nicht so leicht fällt.

  8. Das ist doch das Beste, was Dir passieren kann. Offensichtlich haben die Beiden keine Präferenzen, die sie unbedingt durchgesetzt haben wollen. (Tom hatte vor einiger Zeit schonmal einen Beitrag, in dem er sich darüber geäußert hat, was ist, wenn der Tote was ganz anderes wollte als der Trauernde.)
    Überleg Dir, wie DU gerne eine Beerdigung gestaltet sehen willst, um am Besten mit Deiner Trauer umzugehen. Deine Großeltern sind dann tot, denen ist es egal, ob Du eine 5stündige Beschofsmesse veranstaltest und ein 20m^2 Familiengrab kaufst oder mit einem säkularen Redner eine Urne neben einem Friedwaldbaum versenkst.
    Dir dagegen ist das gegebenenfalls nicht egal (sei es, weil Du in Deiner Trauer keinem alten Mann in einem Kleid , der Deine Großeltern nciht gekannt hat, zuhören willst, oder weil Du nicht damit leben kannst, dass nun Asche in ungeweihter Erde liegt).

  9. Für den Fragenden ist das Kind schon mehr oder minder in den Brunnen gefallen…
    das ist, wie Tante Jay auch feinfühlig andeutet, ein Thema, das den Angesprochenen vor die eigene Endlichkeit stellt und von vielen Leuten gern vermieden wird. Jemanden direkt drauf anzusprechen, „wie möchtest du denn mal unter die Erde kommen, wenn du tot bist“, ist nicht unbedingt glücklich – und ich weiß, es ist eine Karikatur, aber so kommts oft an.
    Einfacher ist der Zugang, wenn man von Dritten sprechen kann. Die hatten so lange diskutiert, bis sie wußten, ob sie nun Erd- oder Feuer wollten, und als der Pfarrer kam, wußten sie auch nicht recht, was sie dem sagen sollten, und…
    Das kann schon mal ein Gespräch auslösen. Alte Leute sind ja nun auch nicht doof, die wissen auch, daß ihre Uhr nicht ewig ticken wird, nicht mal mit Herzschrittmacher. Und sie machen sich durchaus Gedanken darüber, was mal sein soll, nur sagen sie es oft nicht. Weil sie uns Jungen ja auch keinen Kummer machen wollen.
    Ich meine übrigens, nur mal so am Rande, ob Oma und Opa eine kirchliche oder eine säkulare Trauerfeier wollen, sollte man schon halbwegs wissen einfach aus der Tatsache, ob sie Mitglied einer Kirche oder Gemeinde sind und ob sie dann und wann mal an irgendeiner Gemeindeveranstaltung teilnehmen. Für alles andere aber muß man reden – oder post mortem das Beste aus seinen Vermutungen machen.

  10. Ich war da ein bisschen gemein zu meiner Mutter. Aber zuvor: sie hatte bereits eine Sterbegeldversicherung abgeschloßen und mir davon erzählt (ich las die Bedinungen und mir sträubten sich die Haare) und hatte dann nichts besseres zu tun als noch eine zweite ab zuschließen bei einem anderen Versicherungsunternehmen, und was sie uns schon seit Jahren sagt: „Wenn euch etwas gefällt, sagt es mir, dann bekommt ihr es gleich oder ich merke es mir. Das tut sie auch. Und sagt es auch den anderen: „Das bekommt dein Bruder/deine Schwester. Damit Streitigkeiten von vor herein aus geschloßen sind. Dies Jahr läuft das Grab meines Vaters aus und meine Mutter war mit der ganzen Situation überfordert und wollte mit dem Damaligen Bestatter reden. Diese Situation habe ich direkt ausgenutzt. Bin brav auf ihren Wunsch mit ihr Hingefahren und hab, wo wir schon mal da waren, die Bestattungsvorsorge angeleiert. Erst war sie etwas geschockt und beleidigt. Danach hat sich das von Tom oben beschrieben Gefühl eingestellt. Erleichterung. Im übrigen nicht nur bei ihr sondern auch bei mir. Es wird so laufen wie sie es sich wünscht. In frühestens 50 Jahren oder so … *hoff* Sie ist im übrigen 74 ;-) Aber sie sprach halt trotz allem offen und freiwillig mit uns darüber. Ich finde die Idee mit dem Brief gut. Aber wenn sie absolut nicht wollen, kannst du sie nicht dazu zwingen. Leider ist der Tod und das Sterben immer noch ein Tabuthema. Weil es vielen von klein auf so eingetrichtert wurde. Ich wünsch mir das unsere Geneation lernt damit um zu gehen und es an unsere Kinder weiter gibt. Tom leistet da Pionierarbeit. Danke dafür. Bevor ich hier angefangen ahbe zu lesen war dieses Thema auch für mich Tabu, obwohl ich in meinem Beruf und meiner Vergangenheit schon oft damit Konfrontiert wurden bin.

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