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Wie wirbt ein Bestatter?

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Inwieweit darf bzw. macht man als Bestatter denn Werbung? Ich habe mal eine Todesanzeige gesehen, da stand dann ganz unten „Betreuung durch das Bestattungshaus…“
Geschickt gemacht wie ich finde. Regional bei den Kirchen im öffentl. Fenster hängt dann noch ein Zettel, dass das „Bestattungshaus….“ einmal monatlich eine Gesprächsgruppe im Gemeindehaus anbietet. Ist ja auch ne Art Werbung.
Welche Werbung habt ihr schon genutzt und was meint ihr zu der Werbung in der Anzeige? Danke!

Bestatter können werben wie andere Unternehmen auch.
Manche Verbände empfehlen ihren Mitgliedbestattern, nicht in der Nähe von Friedhöfen, Hospizen und Krankenhäusern oder Altenheimen zu werben.

Ansonsten ist erlaubt, was der Bestatter bezahlen und mit seinem guten Gewissen vereinbaren kann.

Es ist immer eine Gratwanderung, denn was der eine als mutig und innovativ empfindet, sieht der nächste bereits als pietätloses Schachern um jeden Kunden.

Insgesamt gehen wir sehr offensiv mit unserem Gewerbe um und sehen es nicht ein, daß man sich als Bestatter verstecken oder in übertriebener Weise kleine Brötchen backen muß. Das Sterben gehört zum Leben nunmal dazu und das Interesse der Allgemeinheit mit diesem Thema nicht belästigt zu werden, hat für uns aus verschiedenen Gründen einen niedrigeren Stellenwert als für manch anderen Bestatter.
Einerseits wollen wir bewußt informieren, andererseits wollen wir Thema Tod enttabuisieren und darüberhinaus haben wir ein berechtigtes und durchaus zugegebenermaßen wirtschaftliches Interesse daran, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Wir haben selbstverständlich eine etwas hervorgehobene Anzeige in den Telefonbüchern. Hierbei achten wir darauf, daß man uns gut findet und wir uns von den anderen Bestattern in der Reihe abheben. Jedoch vermeiden wir es, die größte Anzeige zu haben, da wir unseren Kunden vermitteln, daß letztlich die Kunden die Werbung bei der Bestattung mitbezahlen.

In Wochenblättern, Tageszeitungen, Vereins- und Verteilheftchen werben wir regelmäßig. Hier ist uns wichtig, daß wir immer mal wieder präsent sind und die Leute, wenn sie einen Sterbefall haben, möglicherweise dann unsere Nummer aktuell parat haben.

Sehr viel werben wir mit Notizblöcken, Kugelschreibern und anderen Verteil- und Geschenkartikeln, damit der Name des Unternehmens möglichst oft präsent ist.

Als einziges Unternehmen weit und breit fördern wir einen lokalen Sportverein und haben ein Stück der Bande für unsere Werbung gebucht.

Wir werben nicht auf Stadtplänen, Straßenbahnen, Taxis und an den eingangs genannten Orten, wie Altenheimen, Krankenhäusern, Friedhöfen und Hospizen. Dies bezieht sich auf Plakat- und Schilderwerbung. Die Pietät Eichenlaub hat beispielsweise direkt gegenüber einem Krankenhaus eine große Werbung aufgestellt „Im Sterbefall sofort zu uns!“.
Jedoch werben wir in den genannten Institutionen durch dezente Ansprache der Verantwortlichen und das Auslegen von Informationsmaterial (vorzugsweise zu Bestattungsvorsorgen) an den dafür vorgesehen Stellen.

Selbstverständlich führen wir auch Informationsveranstaltungen zu den verschiedenen Themen in Schulen und Altenbegegnugsstätten durch. Hier steht aber die Weitergabe von Informationen im Vordergrund, oft wird ausdrücklich gewünscht, daß nicht werbend gesprochen wird, was wir berücksichtigen.

Die Nennung in den Familienanzeigen ist unsere Spezialität. Ich muß dazu sagen, daß es Gegenden gibt, in denen regelmäßig unten in der Traueranzeige eine kleine Fußnote erscheint, die das betreuende Bestattungshaus nennt.
Das lehnen wir ab, weil wir der Auffassung sind, daß der Verstorbene und seine Familie im Vordergrund stehen sollten.
Was wir machen, wir freuen uns sehr offensiv, wenn uns die Angehörigen in der späteren Danksagung erwähnen.
Hier bedanken sie sich bei Pflegeschwestern, einer ganzen Horde von Ärzten, dem Pfarrer, Kirchendiener und allen möglichen anderen Leuten, warum also nicht auch beim Bestatter?
Wir sprechen die Kunden ganz offen auf die Danksagung an und oft kommt die Frage: „Bei wem bedankt man sich denn da?“ Und dann sind wir ehrlich genug, zu sagen: „Man kann sich beispielsweise auch beim Bestattungshaus für die gute Betreuung bedanken. Das wäre eine gute Empfehlung für uns, für die wir sehr dankbar wären.“
Die allermeisten Leute machen das dann sehr gerne.

Peter Wilhelm 22. Juni 2012


19 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. ich habe jetzt in wien direkt auf dem friedhof so eine art „stecker“ gesehen. die bestatter haben auf eine art metall-pflock ihre werbung geklebt und diesen direkt auf/in die grabstätte gerammt. für meinen geschmack war das unangebracht, scheint aber so gang und gebe zu sein, da verschiedene firmen vorhanden waren… auf dem friedhof selbst macht es für mich sinn werbung zu machen – aber die gräber selbst so zu „verzieren“ ist zu viel

  2. @ sanja.
    Wenn ich sowas ohne Absprache auf einem Grab von meinen Angehörigen finden würde, wüßte ich was der Schrotthändler demnächst von mir bekommt!
    B. A.

  3. Wie passend: Ein Bestatter wirbt bei einem Sportverein. Sport ist bekanntlich Mord.

    Da fällt mir ein: Warum nicht eure Kulis in Tabakläden auslegen? 😉

  4. „Gratwanderung“? Vorsicht Rechtschreibfalle! Temperaturen werden immer noch in Grad gemessen. Gradwanderung heisst ja, dass man sich bei der Wanderung die Füsse verbrennen kann.

  5. @Roswitha:

    Sollte das Ironie sein? Der angesprochene Grat kommt mitnichten von der Temperatur, sondern verweist auf einen Grat an einem Gebirge, also mithin eine nach zwei Seiten recht steil abfallende Kante, die entlangzugehen äußerster Vorsicht bedarf. Etymologisch liegt auch die Gräte nah, die sich beispielsweise im Rückgrat wiederfindet.

    Die Herleitung mit der Temperatur finde ich aber ausgesprochen amüsant…

  6. @Roswitha:
    Das passiert aber auch nur, wenn man bei der Gratwanderung über glühend heiße Kohlen läuft.

  7. Bei uns richtet der ein oder andere Bestatter Infomartions- und Themenveranstaltungen aus. Z.B. über Bestattungsarten und Rituale, oder über Trauer & Tod.
    Ansonsten das Übliche: Kugelschreiber, Werbung am Seitenrand des Telefonbuchs,… Trikot-Werbung gabs allerdings noch keine 😉

  8. @3 Oliver: Herrlich. Ich muss sagen ich mag die Werbung. Aber auch da gilt wieder das jeder Mensch anders auf Werbung reagiert.

  9. „Und wenn sie noch heute sterben bekommen sie dieses hübsche Sargkissen gratis dazu“
    „Ihr Bestattungshaus Müller. Bei uns liegen sie richtig“
    „Sterben Sie. Wir kümmern uns um den Rest“

  10. *Räusper*
    „Heute Familientag. Kinder zahlen die Hälfte.“
    So heißt`s zumindest bei uns auf dem Rummel…
    B. A.

  11. @sanja:
    Das waren nicht die Bestatter, sondern die verschiedenen Gärtnereibetriebe, die die Gräber pflegen.

  12. Passenderweise habe ich gerade heute eine Anzeige auf der Titelseite der Lokalzeitung von Essen (NRW) gesehen, in der ein Bestatter eine kostenlose Tagesfahrt ins Krematorium in Venlo (NL) anbietet. Mit freier Zeit zum Shoppen in Venlo, einer Führung durch’s Krematorium und anschliessendem Kaffee und Kuchen im Krematorium.
    Klingt zwar ein bischen nach Kaffeefahrt, aber an sich finde ich die Idee nicht schlecht…

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