Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen

Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturen

1. Einleitung:
Im folgenden Text wurden Informationen über die Bestattungsriten verschiedener Religionen und Kulturen zusammengetragen.
Es dürfte mittlerweile der umfassendste Text zu diesem Thema in dieser Form überhaupt sein.

Es gehört sich, meiner Meinung nach, im Internet nicht, eine unfertige Seite zu präsentieren. Hier muß ich es dennoch tun und zwar aus einem sehr gut nachvollziehbaren Grund: Es kommen ständig neue Informationen hinzu und beinahe jeden Tag meldet sich ein Leser, oft Angehöriger einer mir fremden Religion, mit neuen Hinweisen. Deshalb lebt dieser Text und wandelt sich stetig.
Da er quasi niemals fertig ist, würde er nach meiner Regel, unfertige Seiten nicht zu präsentieren, auch niemals erscheinen. Also MUSS ich von dieser Regel abweichen.

Verbesserung und Änderungsvorschläge bitte gerne an undertaker@europa-host.de

2. Bestattungsriten in den verschiedenen Religionen

2.1. Christentum

Das Christentum ist eine monotheistische Religion (es gibt nur den einen, einzigen Gott).
Christen berufen sich auf Jesus Christus und die Heilige Schrift. Bedeutung in der Bibel hat der Gedanke der Sünde. Durch die Auflehnung Adams gegen Gottes Gebot wurden die Menschen aus dem Paradies vertrieben, sie wurden sterblich. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt. Jesus ist gekommen, um die Sünder zur Buße zu rufen und ihnen zu vergeben. Durch den Tod Jesus am Kreuz wurden die Menschen von ihren Sünden erlöst. Jesus Auferstehung drei Tage nach seiner Kreuzigung bedeutet für Christen die Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Tod, auf ein ewiges Angenommensein vor Gott.
Es bekennen sich weltweit etwa 1,8 Milliarden Menschen zum Christentum.
Jedoch gibt es Untergruppen der Gläubigen die trotz dem gleichem glauben an den nur einen einzigen Gott immer noch Unterschiede in ihren verschiedenen Bestattungskulturen aufweisen.
Einigkeit herrscht jedoch im weitgehenden Verzicht auf anonyme Bestattungen. Der Mensch hat in der Taufe vor Gott einen Namen bekommen und kann daher nicht als anonymes Wesen behandelt werden.
Als Symbol bei christlichen Trauerfeiern wird das Kreuz verwendet, das Sinnbild für den Kreuztod Jesus. Eine Variante praktiziert der griechischkatholische Zweig, der ausschließlich auf das dreiarmige Kreuz zurückgreift, in der Heraldik als „orthodoxes Kreuz“ bezeichnet.

2.1.1. Protestanten:

Sie betreiben allgemein wenig Pomp rund um den Tod. Sargbeigaben sind nicht üblich. Für die religiöse Handlung aus Gebeten, Lesungen, einer Predigt, dem Votum und dem Segen werden keine Kultgegenstände benötigt. Erd- und Feuerbestattungen sind gleichermaßen üblich. Am Sonntag vor dem ersten Advent wird der Ewigkeitssonntag begangen (Totensonntag).In einem Gottesdienst werden die Namen der im vergangenen Jahr Verstorbenen verlesen. Inzwischen hält bei Protestanten und selbst Konfessionslosen der katholische Brauch Einzug, an diesem Tag auf den Gräbern Kerzen zu entzünden.

2.1.2. Katholiken:
Seit der Papst 1963 das Verbot der Feuerbestattung aufhob, ist es auch für Katholiken möglich, sich verbrennen zu lassen. Durchgesetzt hat sich dies unter ihnen jedoch nicht. Die römisch-katholische Trauerfeier besteht aus Gebeten, dem Wortgottesdienst, einer Lesung, einer Ansprache, Fürbitten, der Grabsegnung und einem abschließenden Segenswort. Als Sargbeigabe kann auf Wunsch der Angehörigen ein Handkreuz oder ein Rosenkranz mitgegeben werden. Im katholischen Raum spielen die beiden Toten-Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen noch heute eine große Rolle als Familienfest. Die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden haben, wähnt man vor ihrer Aufnahme in den Himmel an einem Ort der Reinigung. Durch Messopfer und Gebete können die Angehörigen dazu beitragen, diese Zeit zu verkürzen.

Üblich ist es auch, eine vollständige Messe (also nicht nur Wortgottesdienst, sondern auch Eucharistie mit Kommunion) vor der Beerdigung zu feiern und dann geht es auf den Friedhof mit Prozession zum Grab. Oder aber man feiert in kurzem Abstand zur Beerdigung noch das Requiem als Totenmesse.

Und sowohl bei der Totenmesse vorher, als auch bei Beerdigung und Requiem wird wenn möglich die Feier mit Kreuz-Tragen und Weihrauch gestaltet.

In vielen Regionen wird auch Wert auf das so genannte Sechswochenamt gelegt. Genau sechs Wochen nach der Beerdigung treffen sich nochmals alle Trauernden in der Kirche und feiern eine gemeinsame Eucharistiefeier zum Gedenken an den Verstorbenen.

2.1.3. Altkatholiken:

Sie verzichten auf den Rosenkranz, auf Weihrauch und Weihwasser, ebenso auf Gesang in lateinischer Sprache und Marienverehrungen.

2.1.4. Griechisch-katholische:

Ihre Zeremonien dauern sehr lange. Je nach Nationalität der Familie werden Gebete, Lesungen, Fürbitten und Lossprechungen in kirchenslawischer, ukrainischer oder deutscher Sprache gehalten. Psalmen und Segnungen werden vom Kirchensänger übernommen.
2.1.5. Zeugen Jehovas:

Jehovas Zeugen glauben an ein Ende der Welt, dem all Ungläubigen zum Opfer fallen werden. Sie glauben, dass Gott bald auf der Erde eingreift und alle Menschen richtet. Sie glauben nicht an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod, sondern gehen von einer Auferweckung des körperlichen Menschens zum Leben auf eine paradiesischen Erde aus. Da nach ihrer Überzeugung Christus an einem Pfahl starb, wird das Kreuz als Symbol vermieden. Dem Verstorbenen wird keine Erde in das Grab nachgeworfen. In der Bestattungsfeier wird gesungen und gebetet. Fälschlicherweise wird in manchen Publikationen behauptet, die Zeugen Jehovas verzichteten auf eine individuelle Würdigung des Toten. Tatsächlich gehört es aber zu den Beerdigungsfeiern, daß der Tote erwähnt und in den Ansprachen ausgiebig berücksichtigt wird. Weltliche Musikstücke werden von den Zeugen Jehovas eher nicht toleriert.

2.1.6. Heilige der Letzten Tage (Mormonen):

Grundsätzlich kann die Bestattung von einem normalen Bestatter durchgeführt werden. Zu den Beerdigungsritualen gehört, daß Glaubensbrüder (bei Männern) bzw. Glaubensschwestern (bei Frauen) den Verstorbenen einkleiden. Heilige der Letzten Tage bereiten sich vom Eintritt in die Glaubensgemeinschaft an auf den Besuch eines ihrer Tempel vor und sind angehalten diese Tempel häufig zu besuchen. Die Tempelbesuche sind u.a. mit dem Tragen einer rituellen Tempelkleidung verbunden. Überdies tragen Mormonen stets das sogenannte Garment eine Unterwäsche, der eine besondere religiöse Bedeutung beigemessen wird.

Im Glaubensbild der Heiligen der Letzten Tage ist das irdische Dasein nur eine Übergangsphase. Sie glauben aus der göttlichen Nähe zu kommen, eine Weile auf Erden zu leben und dann wieder in die göttliche Nähe zurückzukehren. Deshalb ist es besonders wichtig, daß auch durch das Anlegen der rituellen Kleidungsstücke beim Verstorbenen gezeigt wird, daß dieser auf die kommenden göttlichen Segnungen vorbereitet ist.

Einäscherungen sind erlaubt aber eher unüblich, sie ’sollen‘ nicht durchgeführt werden.
Zur Trauerfeier werden Choräle oder sonstige Lieder aus dem Gesangbuch dieser Kirche gespielt oder klassische Stücke. Die Grablegung unterscheidet sich nicht grundlegend von der anderer christlicher Religionen.
Oftmals wird statt Erde oder Sand auf Blütenblätter als Wurfgabe ins Grab zurückgegriffen.
Die Trauerfeiern finden, dort wo es gestattet ist, in den Gemeindehäusern des jeweiligen Kirchensprengels statt. Hierbei wird zumeist auf brennende Kerzen verzichtet, was keine religiösen Gründe hat; in den Gemeindehäusern der HLT ist aus versicherungstechnischen Gründen das Entzünden von Feuer verboten.

Das Singen von Liedern am Grab ist ebenfalls nicht unüblich.

2.2. Das Judentum

„Sint der Tojd is aufgekimmen, is´m nicht sicher mit en Leben.“

Im Mittelpunkt der jüdischen Religion steht der Glaube an den einzigen Gott „JHWH“, dessen Name aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen wird. Im Judentum wird das Leben an sich als hoher Wert betrachtet. Naht die Todesstunde, verabschiedet sich der Sterbende mit dem „sch´ma jis´rael“ (Höre Israel: Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist der Einzige!)
Es ist Pflicht für alle Nahestehenden, an der Bestattung teilzunehmen. Eine spezielle Bestattungs-Bruderschaft, die „Chewra Kadischa“ übernimmt die rituelle Waschung der Leiche am Morgen vor der Beisetzung. Für Männer und Frauen gibt es eigene „Chewra Kadischa“. Die Chewra übernimmt alle Aufgaben, die mit dem Tod und der Bestattung verbunden sind, für die Angehörigen ehrenamtlich. Die Chewra wird möglichst schon vor dem Ableben benachrichtigt. Sie sorgt für die Überführung zum Friedhof und die «Tahara» (Waschung) sowie die anschliessende Einkleidung mit einem einfachen, weissen Totengewand und die Einsargung in einem Sarg aus einfachem unbearbeitetem Holz.

Der Tote soll möglichst nicht allein gelassen werden, die Wache soll Tag und Nacht erfolgen. Die Bestattung sollte möglichst schnell erfolgen, aber natürlich nicht an einem Sabbat oder Festtag. Die Feier findet direkt auf dem jüdischen Friedhof statt.
Dem Verstorbenen wird ein Säckchen Erde aus Israel in den Sarg gelegt. Nach dem Herablassen des Sarges in die Gruft spricht der Sohn oder ein anderer männlicher Verwandter das Kadisch der Leitragenden. Direkt anschliessend von den männlichen Angehörigen mit Erde bedeckt.

Ergänzend zu dem eben Gesagten ist noch zu erwähnen: Es gibt ganz klare Verpflichtungen, wer zum Kaddisch sagen verpflichtet ist: Im orthodoxen Judentum der Sohn/die Söhne, der Vater und der Ehemann.
Im liberalen Judentum – und dem gehören die meisten religiös praktizierenden Juden an – sind Männer und Frauen gleichberechtigt, woraus sich ergibt, daß Vater/Mutter – Ehemann/Ehefrau – Söhne/Töchter zum Kaddisch sprechen verpflichtet sind: Das erste Mal bei der Beerdigung und dann ein Jahr lang sowie nach dem Trauerjahr bei bestimmten Gelegenheiten.

Zum Zeichen der Trauer zerreißen die nächst Angehörigen noch auf dem Friedhof den Kragen oder Revers ihrer Kleidung. Die ersten sieben Tage nach dem Tod sind für die Angehörigen eine strikt einzuhaltende Trauerzeit. Man sitzt schweigend auf niedrigen Hockern. Während dieser Zeit kommen viele Besucher und versorgen die Trauernden mit Lebensnotwendigem.

Die Trauerzeit dauert insgesamt ein Jahr, das in unterschiedliche Phasen aufgeteilt ist.

Feuerbestattungen finden nur unter besonderen Ausnahmeregeln statt. Die Grabsteine sind nach Osten in Richtung Sonnenaufgang ausgerichtet. Der Tote blickt damit nach Jerusalem, wo am jüngsten Tag der Messias erscheinen wird. Auf den Grabstellen findet sich auf jeden fall eine symbolische Inschrift, bestehend aus fünf hebräische Buchstaben, zu Deutsch: Möge seine Seele eingebunden sein, im Bunde des ewigen Lebens. Beim Besuch des Grabes werden Steine auf dem Grabmal hinterlassen. Dieser Brauch entstand in einer Zeit, als die Grabhügel aus Steinen aufgeschichtet wurden. Wer einen Stein mitbrachte, wirkte an der Erhaltung des Grabes mit. Heute zeigt man, der Tote hat Freunde und Familie hinterlassen, er ist nicht vergessen. Für männliche Friedhofsbesucher ist es die Pflicht ihr Haupt zu bedecken, Frauen sollten bescheiden gekleidet sein.

Jüdische Gräber werden niemals eingeebnet oder neu belegt. Alle Juden werden in gleichen Särgen und gleicher Totenkleidung bestattet. Denn im Tod sind alle gleich.

Viele kommunale Gemeinden unterhalten jüdische Abteilungen auf ihren Friedhöfen oder separate jüdische Friedhöfe, oftmals bestehen auch private jüdische Friedhöfe, die unter der Obhut der jeweiligen jüdischen Gemeinde stehen.
Wegen der ewigen Grabesruhe und dem Platzbedarf durch die nahezu ausschließlich erfolgten Erdbestattungen kommt es dazu, daß viele jüdische Friedhöfe irgendwann einfach voll sind. Es wird dann entweder eine Friedhofserweiterung notwendig oder, wo das nicht möglich ist, ein neuer Friedhof angelegt.
Da durch die Gräber für die Ewigkeit es oft vorkommt, daß alle Nachfahren des Bestatteten auch verstorben sind oder längst nicht mehr in der Nähe wohnen, zeigen sich manche jüdischen Friedhöfe wegen ihrer verfallenen Grabsteine in einem wildromantischen Ambiente.

Es ist eine uralte Sitte, dass Juden auf jedes Grab einen Grabstein setzen, zum Zeichen der Ehre und des Respekts für die Verstorbenen, sodass sie nicht vergessen werden und ihr Grab nicht entweiht werde. Der hebräische Text auf dem Grabstein muss nach den religiösen Vorschriften geschrieben werden. Wie der Grabstein gestaltet wird, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Zeitgeistes. Das einzige Kriterium bei der Anlage eines Grabes ist die Erfordernis, es so zu gestalten, dass nicht über das Grab geschritten wird. Da die Gräber normalerweise in exakt ausgerichteten Reihen angelegt werden, ist dieses Erfordernis leicht zu erfüllen.

Die Gräber sollten wenn immer möglich in Richtung Jerusalem – bei uns also nach Osten – ausgerichtet werden. Über den Zeitpunkt der Grabsteinsetzung gehen die Meinungen auseinander. In Israel geschieht dies bereits nach 30 Tagen, im deutschsprachigen Raum meist erst nach einem Jahr. Es ist üblich, bei einem Grabbesuch einen Kieselstein auf den Grabstein zu legen.

Warum legt man kleine Steine auf jüdische Grabsteine?

Oft werden wir nach der Bedeutung und Herkunft der überall anzutreffenden Sitte gefragt, auf jüdischen Grabsteinen und Denkmälern Steinchen, meist Kieselsteine abzulegen. Allgemein wird dies auch von sog. Fachleuten mit einer für „Nomaden“- oder „Wüstenvölker“ angeblich typische Bestattungspraxis erklärt. Demnach legte man auf die Grabstätte Steinhaufen, um den Leichnam vor wilden aasfressenden Tieren zu schützen. Der Vorstellung nach haben Angehörige bei jedem Besuch ab und an weitere Steine dazugelegt, um diesen Schutz zu erneuern, woraus sich sodann der entsprechende Brauch entwickelt habe. Sollte es ein solches Brauchtum tatsächlich jemals gegeben haben, so hatten die (wann eigentlich?) „nomadisierenden“ Juden ihn wohl bereits vergessen, als sie in Israel sesshaft wurden, zumindest kennt auch der Talmud keine entsprechende Praxis. Sie wäre auch gänzlich unnötig, wenn man den Leichnam tief genug begräbt …

Tatsächlich geht die Praxis aber wohl doch auf die im antiken Israel übliche Bestattung zurück, die jedoch in vielen Einzelteilen von der heutigen abweicht. In aller Regel wurden Tote selten auf Äckern oder eigenen Grabfeldern bestattet, sondern in Grabhöhlen, die meist einzelnen Familien gehörten und oft auch wie im antiken Ägypten eigens für den Zweck der Bestattung künstlich geschaffen wurden und nicht selten über einen Zugang mehr oder minder tief unter die Erde, bzw. in den Felsen reichten.

Die Bestattung vollzog sich anders als heute in zwei Schritten. Zuerst wurde der Leichnam auf einer Art Steinbett zur raschen Verwesung aufgebahrt, später wurden die Knochenreste eingesammelt und gesammelt, um sie endgültig in einem kleinen, platzsparenden, meist in etwa quadratischen Steinbehälter, lat. Ossarium („Knochenhaus“) zu sammeln, welches sodann in einer Nische כוך (kùch) in einer Seitenwand der Familiengruft beigesetzt wurde. Sehr häufig wurden diese Behälter beschriftet mit dem Namen des Verstorbenen. Die Grabhöhle oder der Teilbereich einer Grabhöhle, etwa der der einer einzelnen Familie gehörte, wurde mit einem beweglichen, גולל (golèl) genannten Stein verschlossen, der seinem Namen nach meist rundlich war, aber auch in quadratischer Form belegt ist. Zur Festigung oder Sicherung dieses Golel-Steines nun benutzte man kleine Steine, den sogenannten דופק (dofèk), der nach jedem Besuch der Grabhöhle neu gelegt wurde, wörtlich etwa „der (An)Klopfer“ (vom Verb דפק dafak = (klopfen) und im heutigen Sprachgebrauch der (medizinische) Puls. Schon bei der Bestattung heißt es deshalb entsprechend דופק סתימת הגולל – der Dofèk verschließt den Golèl (Ket. 4b, Sanh. 47b, u.a.).

Als Dofèk nun durfte man nichts verwenden, was selbst gelebt hat, also nichts was von einem Tier oder einer Pflanze stammte, weshalb der Einfachheit halber der Brauch entstand, keilförmige oder andere kleine Steinchen als Abschluss zu nehmen. Im sprichwörtlichen Sinne führte dies auch zu Redensarten wie לא דופק לסוכה … ולא גולל לקבר – (wörtlich: kein golel für die Sucka [da zu groß] und kein golel fürs Grab [da zu klein]), sinngemäß etwa: weder das eine, noch das andere (nichts Halbes und nichts Ganzes, weder Fisch, noch Fleisch, etc.).

Der Brauch, einen Stein ans Grab zu legen stammt demnach aus der antiken Bestattungskultur der nahöstlichen Grabhöhlen, für deren Existenz uns schon die Thora das Beispiel der Machpela – Höhle bei Hebron gibt, die Abraham für seine Familie erwirbt. Sie ist keineswegs auf das Judentum beschränkt, so wie sich der Brauch kleine Steine auf das Grab zu legen auch in manchen katholischen Gebieten Italiens erhalten hat. Auch das Christentum überliefert z.B. im Evangelium Markus 16 den Golel.

Es ist zunächst die praktische Funktion des Dofèk, der als eine Art Riegel oder Sperre das unbeabsichtigte Wegrollen oder Verrutschen des meist runden Golèl verhindern soll, zugleich ist es aber im Wortsinn auch ein „Anklopfen“ (des Steinchens an den Grabstein) und deshalb ohne die frühere praktische Funktion als „Gruß“ an den Toten zu verstehen.

Abschnitt „Warum legt man kleine Steine…?“:
Quelle: http://jhva.wordpress.com/2010/11/16/warum-legt-man-kleine-steine-auf-judische-grabsteine/
Mit freundlicher Genehmigung des „Jüdisch historischen Vereins in Augsburg“.

Anhang:

Das jüdische Kaddisch-Gebet:

Jitgadal w’jitkadaš, Sch’meh rabah, b’Alma di hu Atid l’it’chadata.

Erhoben und geheiligt, sein großer Name, in der Welt die er erneuern wird.
Uleachaja Metaja, uleasaka jatehon leChajej Alma,
Er belebt die Toten, und führt sie empor zu ewigem Leben,
ulemiwnej Karta di-Jeruschelejm
Er erbaut die Stadt Jiruschalajim
uleschachelala Hejcheleh beGawah,
und errichtet seinen Tempel auf ihren Hoehen,
ulemaeeakar Palchana nucheratah min-Areaa,
Er tilgt die Goetzendienerei von der Erde
welaatawa Palchana di-Schmaja leAtra,
und bringt den Dienst des Himmels wieder an seine Stelle,
wejamlich Kudescha berich hu beMalchuteh Wikareh
und regieren wird der Heilige, gelobt sei er, in seinem Reiche und in seiner Herrlichkeit,
beChajejchon uweJomejchon
in eurem Leben und in euren Tagen
ubeChajej dechal-Bejt Jiserael
und im Leben des ganzen Hauses Israel
baAgala uwiSeman kariw,
schnell und in naher Zeit,
weimeru Amejn.
Und sprechet: Amejn.

Jehe Schemeh raba mewarach, leAlam uleAlmej Almaja!
Sein großer Name sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!

Jitbarach wejischtabach
Es sei gelobt und verherrlicht

wejitromam wejitnasej
und erhoben und gefeiert
wejithadar wejitealeh
und hocherhoben und erhoeht
wejitehalal Schemeh deKudescha berich hu,
und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,
leajla min-kal-Birchata weSchirata,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,
Tuschbechata weNechaemata
jede Verherrlichung und jedes Trostwort,
daamiran beAlma,
welche jemals in der Welt gesprochen,
weimeru Amejn.
Und sprechet: Amejn.
Jehi Schem Adonaj Meworach meAtah wead Olam!

Es sei der Name des EWIGEN gelobt, von nun an bis in Ewigkeit!
Jehe Schelama raba min-Schemaja,

Es sei Fülle des Friedens vom Himmel herab,
weChajim,
und Leben,
alejnu weal-kal-Jiserael,
über uns und über ganz Israel,
weimeru Amejn.
Und sprechet: Amejn.

Aeseri me’im Adonaj, Oseh Schamajim waArez.
Meine Hilfe kommt vom EWIGEN, dem Schoepfer des Himmels und der Erde.
Oseh Schalom biMeromaw,
hu jaaeseh Schalom alejnu weal-kal-Jiserael,

Der Frieden schafft in seinen Hoehen,
er schaffe Frieden unter uns und ueber ganz Israel,
weimeru Amejn.
Und sprechet: Amejn.

2.3. Islam

Im Mittelpunkt der Islam steht der Glaube an Allah, den einzigen Gott. Verkünder seines Willens ist der Prophet Muhammad. Er wurde in Mekka geboren, der heiligsten Stadt und wichtigstem Wallfahrtsort der Muslime. Das heilige Buch des Islam ist der Koran. Muslime glauben, dass das Leben das Schicksal des Menschen und die Stunde seines Todes von Allah vorherbestimmt sind. Sie glauben an eine Wiederauferstehung, an Bestrafung und Belohnung in einem ewigen Leben. Am Jüngsten Tag wird Gericht gehalten und das Urteil über die guten und schlechten Taten gefällt. Entsprechend erwartet jeden Einzelnen der Aufenthalt im Paradies oder die ewige Verdammnis.
Von seiner Familie wird der sterbende Muslim in der Regel nicht erst in seinen letzten Stunden begleitet, sondern schon als alternder Mensch behütet. In der Todesstunde nehmen die Weggefährten Abschied und erinnern den Sterbenden an alles Gute, das Gott ihm in seinem Leben geschenkt hat. Sie bitten um Vergebung all seiner Sünden und beten mit und für ihn das Islamische Glaubensbekenntnis. Das Gebet soll helfen, den Übergang vom Leben zum Tod möglichst leicht und schmerzlos zu machen. Es ist auch Brauch, das „Herz des Korans“, die 36. Sure Yasin zu rezitieren.
Der Sterbende wird auf seine rechte Körperseite gedreht, mit Blick in Richtung Mekka. Ist das nicht möglich, wird dem auf den Rücken liegenden ein Kissen unter den Kopf gelegt, damit sein Blick nach Mekka gerichtet werden kann. Sobald der Tod eingetreten ist, werden die Augen des Verstorbenen geschlossen. Mit einem Tuch werden die Kiefer aneinander gebunden, damit der Mund nicht geöffnet bleibt. Arme, Hände und Beine werden ausgestreckt. Danach wird der Leichnam entkleidet und mit einem Tuch bedeckt. Bei Frauen werden die Hände auf die Brust gelegt. Es ist üblich, den Verstorbenen so schnell wie möglich für das Begräbnis vorzubereiten. Im Orient wird innerhalb von 24 Stunden bestattet. Rituelle Waschung, Einhüllung, Totengebet und Beisetzung sind wesentliche Bestandteile der Bestattung für alle Muslime, egal welcher Glaubensrichtung sie angehören oder in welchem Land sie leben. Der Leichnam wird nach einem festen Schema in der Regel von drei Angehörigen gewaschen: Verstorbene Frauen von Frauen, Männer von Männern. Nicht- Muslime dürfen diese Waschungen nicht vornehmen. Der Tote wird dazu in Richtung Mekka auf ein niedriges Holzgestell gelegt. Die Geschlechtsteile werden mit einem Tuch abgedeckt. Sie dürfen nicht mit bloßer Hand gewaschen und weder vom Waschenden noch von den Anwesenden betrachtet werden.
Die Waschung kann allerdings nur erfolgen, wenn mehr als die Hälfte des Körpers vorhanden ist. Ebenfalls nicht gewaschen werden Fehlgeburten, bei denen die Extremität noch nicht voll entwickelt sind. Der ganze Körper wird dreimal gewaschen nachdem wird wie beim täglichen Pflichtgebet rituell Mund, Nase, Gesicht, Kopf und Füße gereinigt. Kopf- und Barthaare werden nicht gekämmt und nicht geschnitten.
Der Körper wird mit möglichst körperwarmem Wasser gewaschen, die Körperöffnungen mit kleinen Stücken aus Leintuch verschlossen.
Die Benutzung eines Sarges ist im islamischen Ländern unüblich dafür werden sie in mehreren Leinentüchern gehüllt bei Männern drei Tücher und bei Frauen fünf Tücher deren reinfolge zum einhüllen genau festgelegt ist.
Werden Muslime in Deutschland bestattet, müssen sie sich an die Sargpflicht halten. Für diesen Fall wurden speziell einfache Holzsärge entwickelt.
Särge für muslimische Bestattungen sind sind am Kopfende etwas erhöht, also insgesamt leicht schräg. Der erhöhte Kopfteil soll dabei den Himmel und das niedrige Fußteil die Hölle symbolisieren. Die Särge sind oft aus glattem, unbehandelten Holz.
Am Boden des Grabes wird eine kleine Mulde geformt, in die der Leichnam mit seiner rechten Seite in Richtung Mekka gelegt wird. Dann wird über dem Toten ein Dach aus Holz, Ästen und Schilf errichtet. Gegenstände kommen nicht mit in das Grab.
Ein letztes Mal wird dem Verstorbenen das Glaubensbekenntnis vorgesprochen. Jeder Anwesende nimmt zuerst drei Handvoll Erde, dann wird gemeinsam das Grab, beginnend am Kopfende, zugeschaufelt und handbreit über der Erdoberfläche zu einem Hügel erhöht. Die Angehörigen bleiben noch eine Zeit lang am geschlossenen Grab stehe, beten oder lesen Suren aus dem Koran. Es werden keine Kerzen angezündet, es gibt auch keine anderen Feierlichkeiten.
Bis zu 40 Tage nach der Beerdigung tragen die Trauernden gedeckte Kleidung und entsagen weltlichen Freuden.
Außer dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten finden sich mitunter Verse aus dem Koran oder der Halbmond auf den einfachen Grabsteinen. Oft wird die letzte Ruhestätte auch einfach nur von einem Holzstück oder einem Stein kenntlich gemacht, ohne Hinweise auf den Verstorbenen. Blumen und ähnliche Grabbepflanzungen gibt es nicht. Die Toten genießen ein ewiges Ruherecht, niemand soll sie je stören.

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Islam

Im Islam sind manche Vorschriften mit den jüdischen vergleichbar. Jeder Muslim hofft, nach dem Tod und dem Gericht über sein Leben im Jenseits, im Paradies bei Gott leben zu dürfen. Der Körper bleibt im Grab bis zur Auferstehung am Tag des Jüngsten Gerichts. Deshalb kennen Muslime auch die ewige Grabesruhe.

In Genf wurde in der Schweiz die erste richtige Moschee gebaut, und bereits 1978 konnten die dort ansässigen Muslime ihren eigenen Teil auf dem Friedhof Petit-Saconnex eröffnen. Bestattungen nach islamischem Ritus sind dort inzwischen eine Selbstverständlichkeit. In der Moschee besteht ein eigener Leichenraum mit Kühlfächern und einem Leichenwaschtisch. Zunächst blieb dies der einzige Muslimfriedhof der Schweiz. Erst im Jahr 2000 zogen Bern und Basel nach. Seither sind an mehreren Orten separate Grabfelder für Muslime realisiert worden, an anderen liegen entsprechende Bewilligungen oder Projekte vor.[8]

Die Bestattung von Muslimen bietet mannigfache Probleme: Die Leiche muss rituell gewaschen werden.[9] Die Bestattung sollte so rasch als möglich erfolgen. Die Leiche darf nur in ein Leichentuch eingewickelt werden und muss ohne Sarg der Erde übergeben werden. Die Ausrichtung des Grabes[10] und die Ausgestaltung[11] müssen stimmen. Das Grabfeld darf nur mit muslimischen Gräbern belegt sein. Die ewige Grabesruhe muss gewährleistet sein. Die Gräber dürfen nicht mehrfach belegt werden. Manche Muslime verlangen sogar, dass auf einem bestehenden Friedhof die Erde ausgewechselt werden muss, wenn vorher dort Nichtmuslime bestattet gewesen waren.

Dies sind Maximalforderungen, die kaum alle erfüllt werden können. Die Muslime erklären sich in der Regel zu Kompromissen bereit. So gibt es unterdessen «Fatwas» (Rechtsgutachten), aus welchen ersichtlich ist, dass die Aussage über die so genannte ewige Ruhefrist nicht zutrifft. Was bleibt, sind erfüllbare Forderungen: so die Waschanlage für die rituelle Leichenwaschung. In Spitälern ist es schwierig, aber auf einzelnen Friedhöfen gibt es das bereits. Da die Waschung mit fliessendem Wasser – vorzugsweise mit einem Schlauch – erfolgt, muss der Leichenwaschtisch oder Raum entsprechend ausgestattet sein.

Muslime benötigen ein eigenes Grabfeld, auf dem die Gräber so ausgerichtet sind, dass die Verstorbenen in einer speziellen Grabnische auf die rechte Seite gelegt, mit dem Gesicht in Richtung Mekka liegen. Es gibt keine Trauerfeier im üblichen Sinne, sondern nur ein spezielles Totengebet. Dieses kann am Grab oder in einer Trauerhalle erfolgen, wenn diese keine «islamisch unüblichen Symbole» enthält wie zum Beispiel ein Kreuz oder ein (religiöses) Bild. Dieser Forderung kommen grosse Friedhöfe nach, indem sie einen religionsneutralen Raum zur Verfügung stellen.

Eine übertrieben kostspielige Bepflanzung und Ausgestaltung der Grabstätten ist unerwünscht.[12] Die Realität sieht allerdings oft anders aus. So finden wir auf dem Grabfeld in Genf und auf dem Islamischen Friedhof in Berlin vom einfachsten Grab ohne jeden Schmuck und sogar ohne Grabstein die ganze Palette bis hin zum Grabmonument.

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2.4. Buddhismus

Den Buddhismus als einheitliche Religion mit festgeschriebenen Ritualen und Zeremonien gibt es nicht. Diese weit verbreitete Religion findet je nach Region sehr unterschiedliche Interpretationen.

In den mehrheitlich buddhistischen Ländern Südostasiens (also Laos, Thailand, Myanmar, Vietnam und Kambodscha) hat der Buddhismus z.B. zumindest im ländlichen Raum eine starke animistische Tradition, die jedoch mit dem Buddhismus amalgamiert ist (so treten zB Mönche als Geisterausteiber auf etc.)
http://www.thaivisa.com/forum/blog/thai/index.php?showentry=652 ist ein Bericht über eine Bestattung im ländlichen Thailand

Buddha („der Erleuchtete“) war der Ehrentitel für den indischen Prinzen Siddharta. Buddhisten betrachten den Tod wie ein Tor in eine andere Welt. Angesichts des Todes zeigen die Menschen eine größere Gelassenheit als in unseren Breitengraden. Dass Angst vor dem Tod dennoch präsent ist, zeigen sprachliche Wendungen. Statt direkt zu sagen, jemand sei tot, spricht man davon, er sei seinen Ahnen gefolgt, er sei hinter dem Berg verschwunden oder auf dem Kranich in den Himmel geflogen.

Buddhisten gehen davon aus, dass das Leben aus Leiden besteht. Antwort auf die Frage nach dessen Überwindung geben die vier edlen Wahrheiten. Den Weg zum Glück weist der achtfache Pfad durch die Lossagung von irdischen Gütern. Gelingt dies nicht, kann die Seele nicht zur Ruhe kommen und der Mensch wird nach seinem Tod in einem neuen Körper wiedergeboren.

Nur wer keine Wünsche mehr hat, wird erleuchtet. Erst dann sind die Gedanken frei für das Mitgefühl für andere Menschen, Tiere und Pflanzen. Nur unter dieser Voraussetzung lässt sich das höchste Ziel eines jeden Buddhisten -das Nirwana- erreichen, die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten.

In diesem Zusammenhang spielt auch der Begriff Karma eine zentrale Rolle. Er besagt, dass das Schicksal eines Menschen nach dem Ablauf maßgeblich auf seinem abgelaufenen Dasein beruht. Je nach seinen Taten wird ein Verstorbener im Himmel, in der Hölle oder auf der Erde als Mensch, Tier oder Pflanze wiedergeboren. Verschiedene Zeremonien während der Bestattung und an den jährlichen Todestagen sollen helfen, die Verdienste des Menschen auf den Toten zu übertragen, um damit eine gelungene Wiedergeburt zu gewährleisten.

Für einen sterbenden Buddhisten ist es außerordentlich wichtig, in der letzten Phase Gelassenheit zu erlangen. Hektische Ärzte oder Krankenschwestern stören den Sterbenden bei seiner Vorbereitung auf den Tod.
Viele Religionen, denen der Reinkarnationsglaube innewohnt, tendieren dazu, ihre Toten zu verbrennen. Buddhisten kennen in der Regel nur die Kremation des Verstorbenen. Eine Erdbestattung wäre für sie undenkbar. Die Kremation findet in aller Regel drei Tage nach dem Tod statt. In der Zeit bis zur Bestattung erinnern Mönchen singend an die Vergänglichkeit. Vielerorts wird der Tote in weiße Tücher gehüllt, die schmucklos sein müssen, um die Seele beim Verlassen des Körpers nicht aufzuhalten.

Buddhisten benötigen normalerweise keine Aussegnungs- oder Trauerhalle und eigentlich auch keinen Friedhof. Sie verrichten das eher bescheidene, kleine Ritual vor der Kremation in der Kremationshalle. Die eigentliche Trauerfeier der tibetischen Buddhisten findet etwa eine Woche später mit der Urne in buddhistischen Klöstern oder Ritualstätten statt. Dort wo das nicht möglich ist, weil die Urne nicht ausgehändigt wird, müssen sie zwangsläufig eine kurze Zeremonie in der Trauerhalle durchführen und die Urne entsprechend den Vorschriften beisetzen.. In der Regel bevorzugen sie das Einstellen der Urne in eine oberirdische Urnenwand oder Urnenhalle.

2.5. Hinduismus

Hinduismus ist ein Sammelbegriff für weit mehr als 100 unterschiedliche Religionen und Glaubensformen. Aus diesem Grunde gibt es auch keine festgelegten, für alle Hindus gültigen Bestattungsregeln.

Doch bei allen Unterschieden, die sich aus den verschiedenen Ausprägungen des Hinduismus ergeben, ist der gemeinsame Nenner der Glaube an die Wiedergeburt, nach dem der Mensch wie jedes Lebewesen nicht nur einmal lebt.

Nach hinduistischem Glauben sucht sich, wie auch im Buddhismus, die Seele des Menschen nach dem Tod einen neuen Körper. Die Entscheidung für die neue Erscheinungsform, egal ob Mensch Tier, Pflanze, Stein oder übernatürliches Wesen wird dabei vom Karma bestimmt, gewissermaßen einer Zwischenbilanz aller Taten- guter wie schlechter- aus den vielen bereits gelebten Leben.
Um das Ziel –die Erlösung- zu erreichen, müssen sich Hindus von der materiellen Welt lossagen und von ihrem physischen Körper trennen. Angesichts des Todes sind alle irdischen Güter und Freuden wertlos. Der Tod wird zur Frage des Seins oder Nichtseins an sich, bedeutet nicht Verzweiflung, sondern ist Befreiung, ist der Übergang von einer alten in eine neue Existenzform. Das heißt nicht, dass Hindus beim Tod eines Menschen nicht trauern. Nur ist der Tod vertraut und Bestandteil der alltäglichen Routine. Waschung, Leichenverbrennungen und Totenprozessionen sind öffentliche Ereignisse. Der Brauch, die Leichen verstorbener Hindus zu verbrennen und die Asche der Natur zu übergeben, ist so alt und ungebrochen, dass es in der hinduistischen Kulturen keine Grabsteine und keine Friedhöfe gibt. Der innigste Wunsch eines Hindus ist es, an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu sterben. Darum werden täglich Tausend von Kranken dorthin gebracht. Wer vor dem Sterben nicht mehr baden kann, dem wird Wasser vom Fluss gebracht. Die Familienmitglieder geben dem Sterbenden reihum löffelweise davon zu trinken. Und so beginnt eine Sterbe- und Totenritual, das mit und für den Sterbenden beziehungsweise Toten vollzogen wird. Denn der Sterbende muss seinen Tod annehmen und rituell darauf vorbereitet sein. Er wird auf einen Platz vor sein Dorf getragen und auf den Erdboden gelegt. Die Stelle wird gereinigt, mit Kuhmist bestrichen oder Blumen bestreut. Der Kopf wird in Richtung Süden gelegt, wo man den Totengott Yama vermutet. Am Kopf wird eine Öllampe mit Butterfett entzündet. Die Angehörigen setzen sich im Kreis um den Sterbenden, bitten die Götter, ihm Schutz zu gewähren und rufen einen Priester der aus den Veden, den ältesten religiösen Sammlungen Indiens, rezitiert. Bereits Tage vor ihrem Ende trinken Sterbende oft nur noch heiliges Wasser und essen nichts mehr, um ihr Inneres von Schmutz zu befreien. Ist der Tod eingetreten, sprechen die Anwesenden Mantras und singen spirituelle Lieder. Der Tote wird gewaschen, gesalbt, geschmückt, in neue Kleider gewandet und aufgebahrt. Die Todesnachricht wird verbreitet und Verwandte, Freunde und Nachbarn können nun Abschied nehmen. Das Feuer als eine Erscheinungsform des Gottes Shiva soll der Seele helfen, sich vom Körper zu lösen. Überall im Land gibt es eigens dafür vorgesehene, als Ghat bezeichnete Verbrennungsplätze.
Heute werden in städtischen Ballungsgebieten die Leichen zunehmend im Krematorium verbrannt, auf Totenrituale wird dagegen nicht verzichtet.
Männliche Angehörige bringen auf einer Bambusbahre oder in einem offenen, geschmückten Sarg den in weißen Tücher gehüllten Leichnam zum Verbrennungsplatz. Der erstgeborene Sohn geht voran. Ihm ersatzweise auch Bruder, Ehemann oder Totenpriester, obliegt es, die Totenrituale durchzuführen. Die Füße des Leichnams werden im Fluss gebadet. Der Verbrennungsplatz wird rituell gereinigt und der Tote auf den oben abgeflachten Holzstoß gebettet.
Alle Anwesenden nehmen noch einmal Abschied und legen Opfergaben, wie Blumen oder Früchte, Reisbällchen oder Süßigkeiten ab. Ein Hindupriester spricht ein Gebet und umkreist den Scheiterhaufen mit einer Öllampe. Mit Wasser besprenkelt der Sohn des Toten nun den Leichnam. Den dafür benutzten Tonkrug zerschlägt er im Anschluss auf dem Boden als Symbol dafür, dass dieses Leben ein brüchiges Gefäß ist. Nun wird noch Butterfett auf die Holzscheite geträufelt, dann setzt er das Feuer in Gang. Beim Mann am Kopfende, am Fußende bei einer Frau. Am dritten tag nach der Verbrennung, wird der niedergebrannte Scheiterhaufen nach Knochenresten durchsucht. Diese und die abgekühlte Asche werden in Tücher gewickelt und dem Ganges, einem Fluss in der Nähe oder dem Meer übergeben oder auch in einem Tontopf in einem Samibaum gehängt.
Sexuelle Enthaltsamkeit gilt für die Söhne eines Verstorbenen einen Monat lang, für die Witwe den Rest ihres Lebens.
An jedem Todestag wird ein Bild des Verstorbenen aufgestellt und mit Blumengirlanden geschmückt. Sein Lieblingsessen wird gekocht und er wird eingeladen, davon zu probieren.
Bis in die jüngste Vergangenheit war es nicht unüblich, dass die Witwen ebenfalls sterben mussten. Hinter den berüchtigten Witwenverbrennungen stand auch der Gedanke der Opferdarbringung. Die Witwen wurden dabei lebendig mit verbrannt. Die hinduistische Tradition sah dies so eigentlich nicht vor. Der Tod der Ehefrau war nur symbolisch zu vollziehen. Witwenverbrennungen sind heute verboten.

Anmerkung eines Lesers:

Bei den Hindus erscheint mir noch wichtig, dass im Feuer unbedingt der Schädel platzen muß, damit die Seele entweichen kann – notfalls wird nachgeholfen.

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Hinduismus

Hindus kennen nur die Kremation. Normalerweise wird diese auf einem offenen Feuer vollzogen. Da dies bei uns nicht möglich ist, akzeptieren Hindus die Kremation im Ofen. Hindus benötigen keinen Friedhof oder eine Grabstätte, da die Asche in einen heiligen Fluss in Indien gestreut wird, im Idealfall in den Ganges. Tamilische Hindus streuen die Asche in einen ins Meer führenden Fluss auf Sri Lanka oder direkt ins Meer.

Hindus benötigen für die Leichenwaschung einen Leichenwaschraum mit Ablauf am Boden und einen stabilen Stuhl, auf den die Leiche gesetzt wird. In einem Spital ist dies nur schwer realisierbar, deshalb sollten grössere Friedhöfe entsprechend ausgestattet werden. Für die Abdankung wird ein neutraler Raum benötigt mit einem freistehenden Tisch. Es könnte auch ein stabiler Tisch auf Rollen verwendet werden, so dass die Leiche vom Waschraum in die Halle überführt werden kann. Da die Trauergemeinde tiefer sitzen muss als der Verstorbene, dürfen keine festen Bänke im Saal sein. Das letzte Ritual wird im Kremationsraum vollzogen. Der älteste Sohn entzündet normalerweise das Feuer. Im Krematorium ersetzt der Druck auf den Knopf zum Einfahren der Leiche diese Handlung. Kleine Kinder bis zu etwa fünf Jahren werden nicht kremiert, sondern bestattet.

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3. Bestattungsriten in religionsähnlichen Gemeinschaften:

3.1. Anthroposophen:

Die Anthroposophie ist im eigentlichen Sinne keine Religion. Ihre Mitglieder legen besonderen Wert auf eine dreitägige Aufbahrung im offenen Sarg unmittelbar nach dem Todeseintritt. Umrahmt von sieben echten Kerzen nehmen Freunde und Familie mit Gebeten Abschied. Erst nach dieser Zeit wird die Aussegnung vorgenommen. Zwar erlaubt die Christengemeinschaft die Feuerbestattung, allerdings nicht für Menschen die durch Freitod starben. Es wird darauf geachtet, dass Trauerzeremonien für Menschen die nach langer, schwerer Krankheit verstarben, nicht durch den Schmerz der Angehörigen dominiert sind, sondern im Glauben an die Auferstehung des Leibes tatsächlich als Erlösung gefeiert werden.

3.2. Freimaurer:

Es gibt ein Zeremoniell für eine freimaurerische Trauerfeier, welches im Allgemeinen vor der kirchlichen Trauerfeier in der jeweiligen Friedhofskappelle stattfindet.
Manche Brüder Freimaurer möchten auch ohne kirchliche Aussegnung bestattet werden.
Der Meister vom Stuhl und seine beiden Aufseher sind im Dreieck um den mit den freimaurerischen Insignien geschmückten Sarg postiert und führen ein kurzes Wechselgespräch, in welchem mehr die Dankbarkeit als die Trauer um den verlorenen Bruder angesprochen wird.
Es folgt die eigentliche Trauerrede, also eine Würdigung des Verstorbenen, wobei seine positiven Eigenschaften ebenso Erwähnung finden sollen wie seine Fehler.
Zum Schluss der Trauerzeremonie folgt die traditionelle Kettenbildung aller Brüder um den Sarg und damit auch die Entlassung des Verstorbenen aus der irdischen Kette mit Niederlegung der drei Rosen rot – rosa -weiß.
Man sagt: Wir lösen die Kette der Hände, die Kette der Herzen aber bleibt.
Bei einer freimaurerischen Trauerzeremonie können auch Angehörige und Nichtfreimaurer anwesend sein, und man sagt, es sei ein besonders eindrucksvolles Erlebnis.
Es gilt aber auch hier: Erlebnisse kann man nicht schildern, man muss sie halt wirklich erleben und sollten Sie je Gelegenheit haben, an einer frm. Trauerfeier teilzunehmen, werden Sie meine Worte begreifen.

http://www.freimaurerei.de/index.php?id=28

Anhang:
Interview mit Freimaurer Jan Hendrik Taubert zu den Bestattungsriten der Freimaurer

Bevorzugt man die Erd- oder die Feuerbestattung?

Es gibt keine Vorgaben der Bruderschaft hinsichtlich der Art der Bestattung. Jeder Bruder entscheidet zu Lebzeiten, welche Art von Bestattung er sich wünscht.

Ebenso entscheidet jeder Bruder selbst, ob und wenn ja welche Form der freimaurerischen Zeremonie im Falle seines Todes abgehalten werden soll. Hat ein Bruder dies nicht eindeutig festgelegt, entscheiden die Hinterbliebenen über diese Fragen.

Die Brüder werden jedoch während ihres freimaurerischen Lebens ermutigt, selbst zu bestimmen, welche Form der Trauerfeier sie sich wünschen: kirchlich mit einem Geistlichen und ohne freimaurerisches Brauchtum; kirchlich mit einem Geistlichen und mit Niederlegung der drei freimaurerischen Rosen und der Kettenbildung; oder eine Trauerfeier ausschließlich nach freimaurerischem Brauchtum.

Gibt es besondere Wünsche hinsichtlich der Kleidung in der man bestattet wird?

Nein. Das ist jedem Bruder selbst überlassen.

Muß das Grab in besonderer Weise beschaffen sein?

Nein.

Wer spricht bei der Trauerfeier?

Das ist abhängig davon, was sich der Bruder zu Lebzeiten gewünscht hat. Ist eine freimaurerische Trauerfeier gewünscht, richtet der Meister vom Stuhl [der Vorsitzende der Loge, in der der Verstorbene Mitglied war] oder ein ein dem Verstorbenen besonders vertrauter Bruder eine kurze Trauerrede an die Anwesenden.

Müssen Kruzifixe in der Trauerhalle angehängt oder verdeckt werden?

Nein. Freimaurerei ist keine Religion. Es bleibt jedem Bruder selbst überlassen, ob und wenn ja, welcher Religion er sich anschließt. Damit ergeben sich auch die religiösen Symbole bei einer Trauerfeier nicht aus der Zugehörigkeit des Verstorbenen zur Weltbruderkette (so wird die weltumspannende Bruderschaft der Freimaurer auch genannt) sondern aus seiner – eventuellen – Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft.

Kann auch ein christlicher Pfarrer die Trauerfeier gestalten?

Ja, selbstverständlich. Es gilt der Wunsch des Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen.

Gibt es besondere Fristen zu beachten?

Nein.

Gibt es sonst irgendwelche Anweisungen, die der Bestatter zu beachten hätte?

Es gibt keine Anweisungen i. S. von Vorgaben oder gar ‚Gesetzen‘.

Immer wieder wird mir berichtet, Freimaurer hätten besondere Anweisungen bezüglich ihrer Bestattung zu berücksichtigen, jedoch unterscheiden sich die geschilderten Fälle so erheblich voneinander, daß man glauben möchte, es gäbe gar keine besonderen Regeln, sondern jeder habe seine eigenen Ansichten, wie er auch in diesem Fall freimaurerisches Gedankengut am Besten umsetzen kann.

Es gibt im Prinzip keine offiziellen freimaurerischen Trauerfeiern.

Das Ritualkollegium der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (GL A.F.u.A.M.v.D.) – http://www.freimaurerei.de/ – hat allerdings 1983 ein Zeremoniell für eine „Öffentliche Trauerfeier nach freimaurerischem Brauchtum“ herausgegeben, das als Anhaltspunkt für jene Logen gedacht ist, die in einer öffentlichen Trauerfeier eines verstorbenen Bruders gedenken wollen. Dieses Zeremoniell ist kein Ritual und deshalb auch nicht bindend; es kann entsprechend den örtlichen Gegebenheiten, dem Wunsch des Verstorbenen bzw. der Angehörigen etc. behutsam variiert werden.

Die Große National Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ (GNML 3WK) – http://www.3wk.org/ – hat ebenfalls eine Empfehlung für ihre Mitgliedslogen herausgegeben, die eine freimaurerische Trauerfeier für ihren verstorbenen Bruder gestalten wollen. Auch hier kommt es auf die Wünsche des Verstorbenen, der Angehörigen und der Gegebenheiten vor Ort an, welche der empfohlenen zeremoniellen Handlungen im Rahmen der Trauerfeier angebracht sind und vorgenommen werden sollen.

Im Einzelnen können freimaurerische Trauerfeiern aus folgenden Teilen bzw. Inhalten bestehen:

Freimaurerische Trauerfeier mit einer Zeremonie (d. h. feierliche Musik, Entzünden von Kerzen, Wechselgespräche zwischen den Brüdern, die die Zeremonie leiten; kurze Ansprache des Meisters vom Stuhl [Vorsitzender der Loge, in der der Verstorbene Mitglied war]); Niederlegung der drei freimaurerischen Rosen (rosa, rot und weiß) auf den Sarg bzw. am Grab des verstorbenen Bruders; Kettenbildung der Brüder, die zum Abschied erschienen sind (d. h. die Brüder fassen sich an den Händen und bilden eine Kette um den Sarg oder um das Grab des verstorbenen Bruders. Damit wird der Verstorbene symbolisch aus der Kette der Hände entlassen. Die Kette der Herzen aller Brüder begleitet ihn auch über seinen Tod hinaus.).

Die Brüder, die den Verstorbenen auf dieser Trauerfeier aus der Weltbruderkette entlassen, tragen zum schwarzen Anzug weiße Handschuhe, eine weiße Krawatte und, je nach Tradition der Loge des Verstorbenen, einen hohen Hut (schwarzen Zylinder).

Mit freundlichen Grüßen

Jan Hendrik Taubert
(Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Vereinigten Großlogen von Deutschland – Bruderschaft der Freimaurer.)

4. Bestattungen in den unterschiedlichen Nationen

Oftmals lassen sich neben den religiösen Ausprägungen auch nationale Traditionen ausmachen, die in den folgenden Abschnitten dargelegt werden.

4.1 Schweiz: Einfachheit und Strenge

Bezeichnend für die Eidgenossen, besonders im Westteil des Landes, ist die durch die reformierte Landeskirche geprägte Einfachheit- mitunter als Strenge empfunden- die auch den Beerdigungen anhaftet. Sie verzichten auf jeglichen Pomp, auf Schmuck oder Vergnügen. Es waren über lange Zeiträume nicht nur das Glockenläuten untersagt, sondern auch Grabsteine und Abdankungsfeiern. Jedermann wurde ohne Ansehen der Person in Einheitsgräber verscharrt –sine lux, sine crux et sine deus (ohne Licht, Kreuz und Gott)
Es darf heutzutage nur das Hugenottenkreuz mit Lilien in den Kreuzbalken neben dem Kelch und der Bibel, als Symbol bei Trauerfeierlichkeiten verwendet werden. Ein Gedenkgottesdienst wird nur auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen gehalten.
Heute in der Schweiz sehr verbreitet ist die Feuerbestattung. Zurzeit werden etwa zwei drittel der Verstorbenen kremiert. In den größeren Städten der Deutschschweiz werden die Gräber kaum noch von den Angehörigen gepflegt. Das ist vielerorts sogar ausdrücklich untersagt, selbst das Ablegen von Blumensträußen auf Gräbern. Somit verlieren mancherorts den typischen Friedhofscharakter. Allerdings können die Angehörigen die Urne auch mit nach Hause nehmen genau so wie es gestattet ist eine Bestattung auf Familienbesitz oder das Verstreuen der Asche.
Eine Vorreiterrolle übernahm die Schweiz durch die Idee des Friedwaldes (einer Baumbestattung außerhalb der normalen Friedhöfe) Trotz restriktiver Gesetzgebung folgten dem bislang drei Projekte in Deutschland.

Anmerkung eines Lesers:

Du hättest es nicht schöner durchblicken lassen können, dass die Schweiz etwas kompliziert ist… Die Hugenotten gibt es in der Schweiz an sich nicht mehr, zumindest wirst Du keinen mehr finden können, der sich so nennt (und vermutlich auch in Frankreich nicht). Zwar wurden die Hugenotten stark vom Genfer Reformator Calvin beeinflusst, aber die heute frankophonen Schweizer reformierten werden sich viel eher protestantisch bezeichnen.
Interessant ist aber, dass Du die katholische Kirche in der Schweiz praktisch weggelassen hast. Vor allem die Innerschweizer Kantone sind katholisch, aber auch andere weitere Kantone; andere Deutschschweizer Kantone wie z.B. Zürich und Aargau sind wiederum reformiert (Reformator Zwingli in Zürich). Wie auch immer: die Schweiz hat 26 Kantone und es gab und gibt aus historischen Gründen immer noch etwas Reibereien zwischen den reformierten und katholischen Kantone (die Schweiz entstand 1848 nach einem Religionskrieg (!) von 1847).

Die Beerdigungen zwischen den Katholiken und Reformierten unterscheiden sich auch hier recht stark.

mehr zu den Schweizer Religionen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_der_Schweiz

4.2. Österreich: Schöne Leich

Ganz anders hingegen präsentiert sich das mehrheitlich katholische Nachbarland Österreich. Mit dem Aufkommen der städtischen Bestattungsunternehmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde das Leichenbegängnis ein Schauspiel, das vor allem in Wien für die wohlhabenden Bürger oft unter Anteilnahme des ganzen Wohnbezirkes inszeniert wurde. Die Toten wurden in Prächtigen unter Baldachinen aufgebahrt. Bis heute ist es so, dass man oft jahrzehntelang für die eigene Beerdigung, die „schöne leich“ , spart. Der Trauergemeinde soll nach wie vor ein Prunkvolles Fest geboten werden. Aus diesem Grund finden anonyme Bestattungen keinen Anklang. Das Verstreuen der Asche oder das Aufbewahren der Urne in der Wohnung ist jedoch nicht gestattet.

Anmerkung eines Lesers:

War es in Österreich nicht so, dass die städtischen Bestattungsinstitute gegründet, bzw. die privaten verstaatlicht wurden, gerade weil der Gruppenzwang für „die schöne Leich“ viele Angehörige an den Rand des Ruins brachte und der übermäßige Aufwand unterbunden werden sollte?