Die Kuschelurne

Gestern hatten wir den sprechenden Grabstein und heute die Kuschelurne.
Kuscheliger Kunstfaserplüsch in Teddy-Form umhüllt die sterblichen Überreste aus dem Krematorium:

Da kann man dann abends vor dem Kamin oder im Bett mit dem eingeäscherten Verblichenen noch ein bißchen kuscheln.
Erstrebenswert?

Zu bekommen für rund 150 $ hier.

Wer den Weg über die Niederlande geht, kann sich auch hier in unserer Republik so etwas ins Haus kommen lassen.
Jetzt ist die Kuschelurne nämlich auch in NL erhältlich:

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  • Veröffentlicht am: 29. November 2012
  • 19 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Ok, bei einer Urnenbestattung eines Kindes kann ich mir vorstellen, dass man evtl. dazu tendieren könnte, so einen Teddyüberzug zu wählen. Aber wenn ich mir vorstelle, so ein Teddy kommt dann mit ins Urnengrab oder in die Urnenwand, beschleicht mich so ein ganz leichtes Gruseln und Schaudern. Denn als Andenken, sprich die Urne wird vor der Bestattung dann vom Teddykleid befreit und die Angehörigen kriegen das dann überrreicht, das will ich mir dann erst recht nicht ausmalen…

    Also mein Ding wär’s nich.

    • @MsTaxi:
      Tja, ist auch mehr für „Totenasche zu Hause“ gedacht. :-)
      Ich kenne viele, die die Totenasche nicht in einer herkömmlichen Urne zu Hause haben und anders damit umgehen als mancher es sich vorstellen kann.
      Bei mir ist das auch so. :-)
      LG Ingrid Ch. Hoerner

  2. Das Kopfkino hinterläßt ein sehr merkwürdiges „error“ Gefühl in meinem Bauch. Irgendwie ist das nix. Vielleicht liegt es daran, dass ein Teddy immer etwas positives, kuscheliges ausstrahlt und dann in Verbindung mit Tod und Bestattung und Verlust und Trauer….., wo doch ein Teddy per se darüber hinwegtrösten könnte, wenn man ihn kuschelt, aber wenn der dann das „Schicksal“ innehat- das geht irgendwie nicht.

    Das ist wie Schoko mit eingebauter Diätpille oder so…

  3. die frage ist doch, warum es so vielen menschen heutzutage so schwer faellt, los zu lassen und abschied zu nehmen.

    • Das klingt ja sehr kühl, nach dem Motto, wenn ein Mensch oder ein Tier, das Dir nah stand stirbt, ok, kein Problem?
      Um die Frage zu beantworten, ich kann mir vorstellen, das es daran liegt, das Menschen das nie gelernt haben, ist ja auch kein Schulfach wie z.B. Mathe oder Physik.
      LG Mona

      • natuerlich ist das ein „problem“. natuerlich trauert man. aber es ist doch nicht gesund, sich so fest zu klammern. ich bezweifle, dass der verstorbene angehoerige gewollt haette, dass man in der trauer versinkt. ich jedenfalls wuerde wollen, dass meine familie und freunde nach vorne schauen.

    • Ich möchte jetzt nicht zynisch klingen, aber vielleicht haben die Leute einfach zuviel Zeit.
      Früher hatte eine Mutter, die ihr Kind verlor, vielleicht noch 4 andere zu versorgen und gar nicht den Kopf, sich so in ihre Trauer reinzusteigern. Oder man hatte zuviel Arbeit für sowas.
      Oder der Tod war viel selbstverständlicher als heute, da er auf Grund unserer fortschreitenden Medizin auch, nun, immer seltener wird. Man nahm ihn vielleicht selbstverständlicher hin.

      • @Christians Ex:
        Ich kenne Personen, die den Verlust eines Kindes verarbeiten müssen und es gehört einfach zu den schwierigsten Dingen, die wir aufgebürdet bekommen können.
        Wohl dem, der das nie ertragen muss.
        Es ist klar, jeden kann es treffen und auch zu jeder Zeit.
        Und es ist sicherlich richtig, dass man nicht in Trauer versinken muss und sollte, denn es macht einen Menschen den wir lieb hatten nicht wieder lebendig.
        Aber jeder sollte mit dem Verlust und der Trauer so umgehen dürfen, wie er es selbst möchte und braucht.
        „Dem Toten kann man nicht viel Gutes tun, sondern das Augenmerk muss auf den lebenden liegen, die damit leben lernen müssen“. Das hat mir mein niederl. Bestatter beigebracht und ich finde es seit vielen Jahren richtig, was ich von ihm gelernt habe.
        Deshalb kämpfe ich auch für die Freigabe der Totenasche „Urne zu Hause“.
        Denn eine Beisetzung von Totenasche, die heute oft auf anonymen Grabfeldern oder im Friedwald bzw. Ruheforst vorgenommen wird, hat für mich nur noch etwas mit „Entsorgung auf die feine Art“ zu tun.
        Hier muss sich niemand mehr kümmern, denn eine Grabpflege entfällt.
        Das lassen sich die Anbieter: Friedwald, Ruheforst und Friedhöfe auch entsprechend bezahlen.
        Kann ich aber selber machen und viel Geld sparen. :-)

  4. Für eine Kinderbeerdigung kann mich mir den Teddy-Urnenbezug gut vorstellen, vielleicht ist der Teddy für die Eltern eine Art „Erinnerung“, den sie nach der Beerdigung mit nach Hause nehmen?
    Allerdings kann ich das aufgrund nicht vorhandener Kinder nicht wirklich beurteilen.
    LG Mona

  5. Vielen Dank für die Verbreitung solcher Konzepte, solcher (leider noch) möglichen Umwege, lieber Tom!
    Nur so können die deutschen Gesetze gelockert werden.
    Mein Freund und ich „erlauben“ uns testamentarisch die Überführung der Asche in die Schweiz zwecks Diamanten-Herstellung, ich glaube, das habe ich auch von hier.

    Es ist mir unverständlich, warum die Gesetze hier in Deutschland so strikt sind, warum man in Punkto Trauerarbeit so bevormundet wird.

    Gibt es plausible Gründe dafür?

    Mein Bruder und ich haben unseren Bestatter zufällig auf dem Friedhof getroffen – mein Bruder hatte die Idee mit dem Holzkreuz schon telefonisch angekündigt (http://bestatterweblog.de/wohin-mit-dem-alten-grabkreuz/) – besagter Bestatter ist vielleicht („erst“) Mitte 40 – kannte weder (einen) Blog, noch diesen Umgang mit den Holzkreuzen oder den möglichen Hintergrund (kein Geld für ein ordentliches Holzkreuz), den wir ihm erläuterten.
    Er wirkte eher genervt. Schade. Ich glaube, er ist der einzige Bestatter des Ortes.

    Also… Danke für diese Arbeit!

    • Du weißt aber schon, dass das Testament erst Wochen nach der Beisetzung eröffnet wird.
      Auch hier nachzulesen.
      Also am Besten das Ganze auch noch so festhalten, dass der Bestatter das auch mitbekommt.

      • Yipp, die betreffenden Personen wissen natürlich Bescheid. Und wenn die nicht mehr sind, dann isses eh egal. Wir leben in einer Großstadt und wissen nicht, wohin das Leben uns treiben wird, daher gibt es keine Vorsorge bei einem Bestatter. Alles juti.

  6. Ich fand das jetzt auf Anhieb anrührend, der Gedanke, einen geliebten Verstorbenen so in den Arm nehmen zu können.

  7. Kurze Frage: bin ich jetzt pervers wenn ich das schön finde? Bin da grad selbst im Zweifel…

    • Die Geschmäcker sind nun mal verschieden.
      Und darüber sollte man nicht streiten.
      ;-)

      • @Big Al:
        So sehe ich das auch. Leben und Leben lassen!
        Nur leider in Deutschland nicht ohne Umwege möglich, da wir der Bestattungspflicht unterliegen. :-(
        Aber über die Niederlande ist es einfach sich seine Wünsche kostengünstig – 200 € – zu erfüllen. :-)
        LG Ingrid Ch. Hoerner

    • @Yeti:
      Nein, ich nehme meine Mutti auch morgens und abends in den Arm. :-)
      Mache es deutschen Menschen schon seit 2002 möglich, mit der Totenasche so umgehen zu können, wie sie es brauchen.
      LG Ingrid Ch. Hoerner

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