Die Schwestern

Die beiden Schwestern sind im ganzen Stadtteil bekannt. Man weiß heute gar nicht mehr, ob sie jemals verheiratet waren, seit Ewigkeiten leben sie zusammen in einem großen Haus neben der Schule.

Es gibt auch niemanden, der ihnen konkret irgendetwas vorwerfen könnte, aber man sagt ihnen nach, sie seien schwierig und nur schwer zufriedenzustellen.

Als sie anlässlich eines Sterbefalles zu uns kamen, machte ich auch gleich einen Termin mit dem Pfarrer. Auch dem waren die beiden bekannt und er stöhnte leicht auf, als ich ihren Namen sagte. „Na hoffentlich geht das gut!“

Doch dann kam alles ganz anders.

Gegen vier Uhr nachmittags kamen die beiden Schwestern zum Beerdigungs-Gespräch zum Pfarrer und der erlebte das so:

„Innerlich hatte ich mich auf ein schwieriges Gespräch eingestellt, doch als ich ihnen öffne, läuft ihnen unsere schwarze Katze Maya entgegen. Die beiden Damen sind völlig begeistert: „Oooch! Sie haben eine Katze! Ist die süüüsss!“ – „Ne ganz Schwarze! Und wie niedlich die ist…“

„Ja“, sag ich, „das ist ne Pfarrerskatze, ganz schwarz und ein Beffchen am Hals.“ Die beiden Damen gucken genau hin, und es stimmt: Maya hat am Hals einen großen weissen Fleck.

Inzwischen sind wir im Dienstzimmer angekommen; die beiden Damen sitzen in den bequemen Stühlen, und Maya lässt sich genussvoll den Hals kraulen. Das Eis ist gebrochen und das Gespräch läuft recht gut.

Aber Maya langweilt sich bald, und sie läuft im Zimmer herum. „Jetzt werde ich sie bestimmt bald rauswerfen müssen,“ sag ich noch, „sie ist erst sieben Monate und immer so verspielt…“ Da passiert es auch schon: Maya springt ins Blumenfenster und lässt sich von der Gardine herab in die Kakteen fallen.

Also fang ich an, – mitten im Bestattungsgespräch – die Katze durch das Dienstzimmer zu jagen, die sich natürlich nicht fangen lassen will. Die beiden alten Damen feuern mich noch an: „Gleich haben Sie sie!…“ und ich denke, dass das wohl eine so absurde Situation ist, wie nicht einmal Monty Python sie sich hätte ausdenken können.

Nichts ist von meiner amtsträchtigen Erhabenheit geblieben, von Trauer bei den beiden Damen keine Spur, die ganze Feierlichkeit und Stille des Moments ist dahin. Ich hechte quer durch den Raum, beinahe hätte ich die Katze gehabt, aber junge Katzen sind flink, wendig und gerissen.

Immer wieder feuern mich die Damen an, geben mir Hinweis: „Jetzt da rechts, schneiden sie ihr den Weg ab!“
Ich sause nach rechts, Maya nach links, sie schlägt Haken wie ein Hase, beinahe hätte ich sie gehabt, dann springt sie in die Luft, quer über den Sessel und wieder ist sie mir entwischt.

Den alten Damen laufen Tränen über die Wangen, aber es sind keine Tränen der Trauer, sondern sie weinen vor lauter Lachen.

Ich glaube, die beiden Damen kommen am Freitag völlig entspannt zu der Trauerfeier – besser hätte es wohl nicht gehen können… “

Merke: Tier und kleine Kinder ziehen immer!

Eingesandt von Richard. Bearbeitet. Richards Weblog ist hier zu finden, und man achte mal drauf, sogar der Pfarrer hat Werbung auf seinen Seiten.

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  • Veröffentlicht am: 1. Juni 2008
  • 11 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

11 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. „Gegen vier Uhr nachmittags kamen die beiden Schwestern zum Beerdigungs-Gespräch zum Pfarrer und der erlebte das so:“
    Was ist daran so schwer zu verstehen?

  2. oh, jetzt war ich ganz durcheinander gekommen, weil ich bei jedem „ich“ was ich las an dich, Tom, dachte.

    Gastbeiträge finde ich gut aber kannst du die vielleicht weiter oben kennzeichnen, dass man nicht so durcheinander kommt? Das wäre toll :)

  3. Stimmt. Das Leben ist manchmal komishcer als jede Komödie. Als Hollywodd-Film wäre das nicht durchgegangen. Wegen political correctness und der Pietät dem Verstorbenen gegenüber…
    Aber was schert das eine Katze? ;-)

  4. nein, nicht der pfarrer hat werbung auf seiner seite, sondern blog.de die damit ihren lebensunterhalt finanzieren…

  5. DIESER KOMMENTAR WIRD IHNEN PRÄSENTIERT VON: SIEMENS; DEUTSCHE TELEKOM; WOLFGANG SCHÄUBLE UND SEITENBACHER MÜSLI

    Nein, der Pfarrer hat sein Weblog bei blog.de und die blenden Werbung ein, aber sicher nicht ohne daß der Pfarrer es weiß und sicher nicht ohne daß er einen Nutzen davon hat, und sei es nur, daß er deswegen umsonst bloggen darf.

    Ich habe doch aber auch gar nichts dagegen, daß es so ist. Soll doch jeder genau so machen wie er meint.

    Ich amüsiere mich halt immer wieder, wer alles wofür wirbt und daß man ausgerechnet mir dann immer schreibt, ich sei ein ganz Böser, weil ich auch ein bißchen Werbung mache.

    DIESER KOMMENTAR WURDE IHNEN PRÄSENTIERT VON: SIEMENS; DEUTSCHE TELEKOM; WOLFGANG SCHÄUBLE UND SEITENBACHER MÜSLI

  6. ROFL
    Tom, würdest du verstehen, wenn ich sage „du bist bescheuert“?

    Breit grinsende Grüsse

    Kerstin

  7. In Betreuungssituationen, die sich über Stunden hinzogen saß man auch nicht ununterbrochen mit verständnisvollem Leidensblick herum. Beim Zeitvertreib wegen des Wartens bis der Enkel kommt, dass seine Oma nicht allein ist, beim Durchblättern der Fotoalben, beim Rückblick an fröhliche Zeiten – was haben wir da schon gelacht. Um im nächsten Moment schon wieder ernsthafte Gedanken und Pläne zu haben.
    Es ist schön mit dem Gefühl zu gehen: „Wir haben uns verstanden.“

  8. Hallo…

    Der Pfarrer weiß, dass auf seinem Blog Werbung ist und freut sich darüber, dass er deshalb kostenlos bloggen darf. Der Pfarrer verdient nichts daran; aber er macht das ja auch nur aus Spass an der Freude…

    Die Werbung wird übrigens von einem Computerprogramm ausgewählt, das kontextsensitiv arbeitet, und darum „passt“ die Werbung immer „irgendwie“ – meistens ist das sehr witzig… Da schreibt der Pfarrer was über Missverständnisse zwischen Evangelischen und Katholiken bein Aschermittwochsgottesdienst und in der Werbung werden dann geschnitzte Marienstatuen angeboten…

    Der Pfarrer fragt sich jedesmal, wenn er etwas Neues bloggt, welche Werbung wohl von diesem Eintrag „provoziert“ wird…

  9. oh gott .. saitenbacher .. jetzt hab ich das wieder im kopf
    hmmm saitenbacher, saitenbacher, lecker lecker lecker SAITENBACHER aaaaah .. es kam so lange nicht mehr im radio, und nu fängst du damit wieder an :(

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