Henning -7-

Ihr kennt mich doch! Ihr wißt doch genau, daß ich kein Freund von offenen Enden bei Geschichten bin.

Aber jetzt gerade mußte ich dringend weg, Bestatter leben von Sterbefällen, nicht vom Bloggen. :-)

Nun aber kann ich die Geschichte von Henning weitererzählen.

Der letzte Teil endete damit, daß Huber, unser Werkstattmann, zu dem eben rausgeworfenen Henning sagte:

“Ach ja, stimmt ja. Du, sag mal, hast Du einen blassen Schimmer, wo mein Drucklufttacker ist?”

Was erwartet man nun von so einem Henning? Jedenfalls hatte ich nicht das hier erwartet:

Henning stiefelt ins Mitarbeiterzimmer, da wo die sich aufhalten, mal Karten spielen, Pausen machen, Kaffee trinken und wo sie eben auch ihre Klamotten aufbewahren, nimmt seinen Rucksack und wirft den Herrn Huber direkt vor die Füße: „Da habt ihr euren Scheiß!“

Jetzt platzt mir der Kragen: „Was soll das denn? Bürschchen, wenn du den Krempel nicht binnen einer Sekunde ausgepackt hast, kannst du was erleben!“

Mürrisch tritt Henning vor den Rucksack und sagt: „Leck mich, Alter!“ Er will sich umdrehen und davonlaufen, hat jedoch nicht mit Herrn Huber gerechnet, der direkt hinter ihm steht und rammt diesem beim Umdrehen seinen Ellenbogen vor die Brust.

Ich habe es gar nicht kommen sehen und weiß bis heute nicht, wie es genau passiert ist, aber binnen eines Augenblicks klatscht es und Henning liegt am Boden. Huber hat ihm während der Drehung von Halbrechts-Südsüdost eine Backpfeife verpasst.

„Drecksau!“ brüllt Henning und tritt um sich. Huber setzt sich kurzerhand auf seine Beine und erfüllt nach der Körperverletzung nun auch noch den Tatbestand der Freiheitsberaubung. Mit einer Hand zieht Huber den Rucksack von Henning zu sich heran, öffnet den Verschluss und kippt den Inhalt neben Henning auf den Boden.

„Na, was haben wir denn da?“ sagt er und fingert das Zeug auseinander, das noch von einem Pulli bedeckt ist. Zum Vorschein kommt als Allererstes unser Drucklufttacker, dann schiebt Huber noch eine Rolle Lotband und etwa ein Dutzend Sargschrauben zur Seite und zieht dann aus dem kleinen Haufen einen Schlüsselring mit einem guten Dutzend Schlüssel hervor. Es ist der Ring mit nahezu allen Schlüsseln vom ganzen Haus, den Huber für den Fall der Fälle in seinem Tisch eingeschlossen hat.

„Ihr Schweine!“ kreischt Henning, zappelt und spuckt in meine Richtung.

„Jetzt mach mal halblang“, brülle ich ihn an und muß ehrlich sagen, daß es auch mir in den Fingern juckt. Huber gibt ihm einen Puff mit dem Ellenbogen und sagt: „Halt die Klappe, Du Laus.“

„Ich mach Euch alle fertig, mein Bruder kennt einen Auftragsmörder von der Mafia, ich mach Euch alle!“

„Ich würd‘ mich mal beruhigen“, sage ich, „wir rufen jetzt mal die Polizei und dann wird sich alles klären.“

Auf einmal schlägt der Auftragsmörder-Beauftrager ganz andere Töne an: „Nee, bloß keine Bullen! Das können Sie nicht machen!“

„Und ob ich das machen kann“, sage ich und zücke mein Handy.

Fortsetzung folgt

(Aber nur, weil ich Euch das hier schon lesen lassen möchte, ich schreibe jetzt gleich weiter.)

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 25. November 2007
  • 16 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

16 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. nicht schon wieder eine Fortsetzung hatte mich gerade gefreut, dass Teil 6 nun weitergeht….

  2. tja, mit den schlüsseln wollte er wohl noch mal nen besuch abstatten. das mit der polizei ist das einzig richtige, man hat dann eine rechtlich handhabe, und anders wird man ihm wohl nciht her.

  3. Wie lange war den Honk jetzt bei dir in der Lehre? Ich hoffe auch, du hast noch ein Wort mit dem „Vermittler“ der dir den Hansel eingebrock hat.

  4. Lasst uns zusammenlegen für einen Tippkurs (oder eine Blog-Sekretärin) :-)

  5. hehe, damit sollte sich jeglicher „schutz“ erledigt haben und wie ich schon vorher geschrieben hab bei H#6 wird hier jemand bald viel freie Zeit auf Staatskosten haben.

    Und das is es doch, was er wollte, oder?

    – freie Wohnnung mit Grossraumdusche, Sportraum, gesichterte ZImmer und andere nette Dinge

    – keinen Stress weil man nicht mehr taeglich arbeiten muss

    – beste Kontaktmoeglichkeiten zur oertlichen Mafia und so weiter

    oh man, was es fuer (sorry) asoziales gesocks gibt, unglaublich!

  6. Wie wäre es mit Podcasts?
    Kein Tippen, nur sprechen. Und jeder Kann es sich auf seinen MP3 Player laden und hören :)

  7. „und erfüllt nach der Körperverletzung nun auch noch den Tatbestand der Freiheitsberaubung“

    Nicht unbedingt. IANAL und AFAIK ist es gerechtfertigt, einen ertappten Täter festzuhalten, bis die Polizei da ist, solange man nicht übermäßige Gewalt anwendet oder über das hinausgeht, was zum Festhalten nötig wäre.

    Ich bin eigentlich dagegen, dass man jemandem in dem Alter wegen einer Lapalie wie Diebstahl durch einen Eintrag ins Führungszeugnis das Leben kaputtmacht.

    Aber in dem Fall: Mehr als verdient.

  8. Ana: Lappalien bleiben ja nicht für alle Ewigkeiten im Führungszeugnis, von daher sollte man sich da nicht zu viele Gedanken machen.

  9. Sorry Leute, hier hilft nur volles Programm. Ohne Gnade schon wegen des zerstörten Vertrauens. Solange bis es süß kommt. Wenn die Grünen kommen, bekommt er automatisch Hilfe beim aufräumen seines Zimmers. Es wird dann so sorgfältig aufgeräumt, dass er sich nachher wundert, wie viel Platz auf einmal herrscht. Strafe hat er nicht zu befürchten, höchstens 40 Sozialstunden.

  10. @Gerhard: Jau – wenn Tom eins kann, sind es Cliffhanger. *g

  11. @Ana:
    Naja, ob das Festhalten nach § 127 Abs. 1 StPO gerechtfertigt ist, ist fraglich, würde ich denken.

    Aber auch wenn es gerechtfertigt ist, ändert das nichts daran, dass der Tatbestand erst einmal erfüllt ist.

  12. Nur der Vollständigkeit halber –
    das Festhalten beim Ertappen auf frischer Tat bis zum Eintreffen der Polizei ist in §127 STPO geregelt:

    http://dejure.org/gesetze/StPO/127.html

    Die Identität steht zwar fest, aber Fluchtgefahr besteht eigentlich immer…

    Man kann da kuriose Stilblüten ergoogeln, aber im vorliegenden Fall Henning glaube ich kaum dass es da ernsthaft Diskussionen gäbe.

  13. ich glaub das mit den mafiamördern würd besser kommen wenn ihr nich praktisch von ihren `hinterlassenschaften´ leben würdet… xD

  14. Erst die Nummer mit dem Auto und der Wohnung und dann so ne Menge Sachen gestohlen. Incl. einem Schlüsselbund mit so vielen wichtigen Schlüsseln. Nein, da wäre auch bei mir Schluß mit lustig. Alles muss man sich wirklich nicht gefallen lassen. Hoffentlich fällt die Strafe ordentlich aus. „Nur“ Sozialstunden fände ich zu wenig. Ich befürchte, dass er die Show nicht zum ersten Mal abzieht

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