Koma -2-

Saskia hatte ihrem Mann noch ein zusammengeknülltes Geschirrtuch hinterher geworfen, doch das hatte der gar nicht mehr mitbekommen. „Blöder Ochse!“ hatte sie gezischt und war sich mit ihren schlanken, langen Fingern durch das bubenhaft kurzgeschnittene blonde Haar gefahren. Ihre Nasenflügel bebten und sie schüttelte verständnislos den Kopf. „So ein Hornochse, der versteht mich überhaupt nicht! Männer hören einem nie zu! Nie!“ sagte sie zu sich selbst und begann den Küchentisch abzuräumen.
Es war doch alles ganz einfach, Klaus müßte sich nur mehr um alles kümmern und ihr zuhören. Mehr verlangte sie doch gar nicht von ihm.
Die Probleme, die sie hatten, die waren überschaubar, und gemeinsam würden sie das alles auch in den Griff bekommen, aber der alte Muffelkopf, der hörte ihr ja nie zu, schaltete immer sofort auf stur und fraß lieber alles in sich hinein, statt es mit ihr haarklein durchzudiskutieren.

Dabei liebte sie ihren Mann über alles und sie war sich sicher, daß auch Klaus sie liebte. Klaus war die große Liebe ihres Lebens und nur mit ihm wollte sie gemeinsam ihr Leben verbringen. „Und mit Dir“, murmelte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und streichelte über ihren schon etwas vorgewölbten Bauch.

Eine knappe halbe Stunde verbrachte sie damit,die Küche aufzuräumen, dann telefonierte Saskia eine Stunde lang mit ihrer besten Freundin Melanie.
Gerade hatte sie den Hörer aufgelegt, da klingelte es an der Haustüre.
Durch die kleinen Glasscheiben konnte Saskia schon von der Küchentür aus sehen, daß zwei uniformierte Polizisten vor der Tür standen, genauergesagt ein Polizist und eine Polizistin.

„Sind Sie Frau Brandner? Wir müssen Ihnen leider eine schlechte Nachricht überbringen, wollen wir nicht lieber reingehen?“

Mit weit aufgerissenen Augen nickte Saskia stumm und ging ins Wohnzimmer voran. Auf diesem kurzen Stück von der Haustüre bis ins Wohnzimmer sausten die Gedanken nur so durch ihren Kopf. Hinterher würde sie darüber sagen, daß ihr zwar tausend Dinge durch den Kopf geschossen sind, sie sich aber dennoch an nichts davon erinnern konnte, so als ob die Gedanken Blitze gewesen waren, die durch dichten Nebel zuckten.

„Was, was ist denn passiert? Ist was mit Klaus? Er ist doch nicht tot? Was ist denn? So sagen Sie doch was!“

„Frau Brandner“, begann die Beamtin und ergriff Saskias Hand: „Sie müssen jetzt sehr tapfer sein. Ihr Mann hatte einen Unfall.“

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Peter Wilhelm15. Juni 2015

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