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Duft

Gegen Werbung habe ich ja im Grunde nichts. Wir machen ja auch Werbung und Klappern gehört ja bekanntlich zum Uhrwerk Handwerk. Aber manche Werbemaschen sind schon lästig oder passen so ganz und gar nicht zu unserem Gewerbe.

Eine Masche, die in den letzten Monaten ganz besonders beliebt ist, besteht darin, daß freundliche Leute irgendwelche Koffer oder Kollektionen bei uns im Büro lassen. „Ich lasse Ihnen das einfach mal da, schauen Sie es sich an und wenn sie etwas haben wollen, einfach auf der Liste abhaken, Preis steht daneben. Ich komme in zwei Tagen wieder und hole den Rest wieder ab und kassiere.“

Auf diese Weise ist schon mal eine Riesenkiste mit allerlei Bastelkram bei uns gelandet, dann war mal jemand mit Kinderbüchern da und schließlich auch einer mit einem Koffer voller Parfüm und Rasierwasser usw. Man kennt doch diese Duftwässer, die so riechen sollen wie was anderes, die auch so ähnlich heißen wie was anderes, aber nicht das andere sind, obwohl der Verkäufer ja keinen Hehl daraus macht, daß das sowieso alles aus der selben Fabrik komme…

So, und dieser Koffer mit den Rasierwässern und Parfüms steht jetzt schon ein halbes Jahr bei uns im Büro. Zwei Mitarbeiter haben sich je eine Flasche rausgenommen und auch bav auf der Liste abgehakt, aber der Verkäufer ist nie wiedergekommen. Auf dem Abhakzettel steht nur „Impressario Dienstleistungen“ und auf den Verpackungen der Produkte nur „Fragrance International, New York, London, Paris, Mailand“. Keine Spur von einer Adresse oder so.

Dürfen wir den Quatsch jetzt behalten? Aufs Fundbüro müssen wir das ja wohl kaum bringen, weil wir es ja nicht gefunden haben.

Der erste beste Erstbeste

Den Kunden führe ich in den Ausstellungsraum und bitte ihn, sich doch einmal in Ruhe umzuschauen. So lasse ich die Leute, wenn sie gefasst genug sind, dann vier bis fünf Minuten alleine, um die Unterlagen schon mal rüber ins Büro zu geben. Dort machen die Mitarbeiter dann die nötigen Kopien und Ausdrucke und meistens klappt es, daß wenn ich mit dem Kunden ins Beratungszimmer zurückkomme, die Kundenmappe schon fertig daliegt.

Dieser Kunde lässt mich aber nicht gehen, sondern sagt: „Ich will den erstbesten Sarg.“

Den erstbesten wird er sicher nicht wollen, sondern den ersten und besten und ich freue mich, denn des Kunden Wille geschehe und fülle meinen Beutel der ewigen Habgier. „Sie haben die freie Auswahl“, sage ich und mache eine Handbewegung so über unser Sortiment hinweg.

Er tritt einen Schritt zurück und sicher wird er jetzt zielgerichtet die dunkelbraune Truhe nehmen, die ist besonders teuer und sicher für ihn das Erste und Beste. Stattdessen legt er den Finger an den Mund, so wie das die Moderatoren von diesen Gewinnspielsendern immer machen, wenn sie uns wieder mal vorlügen, daß kein einziger Anrufer eine Obstsorte mit ‚B‘ kennt und wo der erste Anrufer, der durchkommt, dann ‚Bambelmuse‘ oder ‚Bockwurst‘ sagt.
So steht er da, mit den ausgestreckten Finger vor den Lippen, geht noch einen Schritt zurück und deutet dann auf den hellgrauen Eschensarg in der Mitte. Und ich wette, der hat leise abgezählt. Irgendwas wie „Ene, mene miste, das ist meine Kiste“ oder so. Ich wette!

Ruhe

„Sind’se mir nich bös‘, aber ich will nur das Billigste. Ich bin froh daß die Alte endlich Ruh‘ gibt. Die hat 40 Jahre nur genörgelt und gemeckert. Ich mach‘ alles, was sich gehört, aber ich geb‘ da keinen müden Pfennig unnötig aus.“

Wenigstens ehrlich, oder?

Damit dem den Telekom

Da stolziert vorhin so ein Fuzzy in unser Büro, der schon vom Äußeren her eher so aussah, als habe er die Nacht eher unter, als auf einer Parkbank verbracht. Er komme von der Telekom und wolle „dem Geschäftsführer“ sprechen. Normalerweise behelligen mich meine Leute mit solchen Besuchern nicht, aber ich kam zufällig des Weges und hörte, wie Sandy gerade mit ihm herumdiskutierte. Nein, wir hätten keine Störungen, meine sie, aber er beharrte darauf: „Hier in der Nachbarschaft haben alle Störungen und ich bin beauftragt, bei Ihnen die Störungen abzustellen.“ Dabei tippt er auf seine kunstlederne Schreibmappe.

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Ich mische mich ein, als Chef darf ich das nämlich, und frage den Experten von der Telekom, wie er denn gedenke, uns seine Hilfe angedeihen zu lassen. Seine Antwort: „Häh?“ Ich formuliere einfacher: „Was wollen Sie machen?“ Ja, er wolle ‚den‘ Dose prüfen.
Nun, das soll ja kein Problem sein, denke ich und lasse ihn auf allen Vieren unter Sandys Tisch krabbeln, da geht es nämlich rechts in einen Winkel, wo sich so ungefähr zwölf dieser lustigen Dosen versammeln und wo auch die Telefonanlage hängt. Unter dem Tisch keucht es hervor: „Ich sehe schon, da müssen wir was machen.“
„Ach, und das sehen Sie einfach so?“
„Ja.“
„So ganz ohne Messgerät, ohne Schraubenzieher, ohne was?“

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Der Zirkus, das Ende

Die Geschichte mit dem Zirkus ist zu Ende gegangen. Fertig erzählt hatte ich sie im Anfang der Geschichte „Es ist kalt“. Da paßt dieses Ende aber nun nicht mehr rein, weshalb ich es hier noch einmal in ganz kurzer Form bringe:

Im Briefkasten ist eines Tages ein Umschlag, ich werfe einen Blick in den braunen A5-Umschlag und kriege kaum die Kaulade zu, als ich sehe, was da drin ist. Es ist ein kleines Bündel Geld und ein Zettel. Insgesamt sind es, so hat meine Frau später gezählt, 1.200 Euro in 20ern und 10ern. Auf dem Zettel steht:

Von Zirkus. Vielen Dank für alles.

Und dabei liegt eine Art selbstgedruckter Visitenkarte mit der richtigen Handynummer. Kein Wunder, daß ich da niemanden erreicht habe, auch mir passieren Zahlendreher.

Leerer Sarg

Wenn der Verstorbene nicht offen aufgebahrt werden soll… was würde dagegen sprechen, einen leeren Sarg hinzustellen und an ihm die Trauerfeier abzuhalten? Müsste ja niemandem gesagt werden…

Schon wahr und manchmal ist/wäre das die beste Lösung. Aber ich habe da eine innere Bremse, die mich meistens daran hindert, sowas zu machen. Doch davon weiter unten mehr.

Im Grunde geht es manchmal gar nicht anders und wir hatten auch schon Fälle, da war der Verstorbene schon längst eingeäschert und es wurde auf Wunsch der Familie noch eine Trauerfeier mit einem leeren Schausarg gemacht. Aber das sind wirklich große Ausnahmen.

Die innerliche Bremse rührt von einer Geschichte her, die sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Damals fand die Love-Parade noch in Berlin statt und ein Junge aus unserer Stadt ist dorthin gefahren, um richtig abzufeiern. Schließlich landete er, von -sagen wir es mal so- bestimmten Stoffen benebelt, unter einer Eisenbahn. Am Abend ist man durch Berlin gezogen, hat an einer Brücke herumgealbert und schließlich ist der junge Mann erst auf die Oberleitung und dann auf den Schienen gelandet, wo er dann überrollt worden ist.

Die sterblichen Überreste waren in mehrere schwarze Säcke verpackt, als wir sie übernahmen, mehr muss ich wohl kaum sagen.
Aufgrund umständlicher Vorschriften in Berlin und anderer Umstände kam es dazu, daß wir erst 14 Tage nach dem Todesfall die Leichenteile überführen konnten. An eine Einbalsamierung oder offene Aufbahrung war überhaupt nicht zu denken. Am Tag der Trauerfeier haben wir den Sarg mit dem Verstorbenen etwa eine halbe Stunde vorher in unsere Trauerhalle geschoben. Kurz darauf hatten wir es aber mit einer so starken Geruchsentwicklung zu tun, daß es nicht auszuhalten war. Die ersten Trauergäste waren schon im Anmarsch und es ist uns in der Eile nichts Besseres eingefallen, als den Sarg in die Kühlung zurückzufahren und einen identischen leeren Sarg hinzustellen. Ordentlich durchlüften, etwas Raumspray und den Blumenschmuck auf den leeren Sarg.

Die Mutter hat nichts gemerkt und inzwischen ist auch sie verstorben, sodaß ich die Geschichte ruhig erzählen kann.
Aber ich habe immer ein schlechtes Gewissen deshalb gehabt. Sowas möchte ich nicht gerne wieder erleben. Also kommen solche Feiern mit leerem Sarg nur noch mit Wissen der engsten Verwandten und in absoluten Notfällen in Frage.

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Nachzutragen habe ich noch, wie es mit dem Zirkusmann weitergeht. Wie ich ja schrieb, verfügte er nur über einen Ausweis, der auf eine Adresse ausgestellt war, an der er jahrelang schon nicht mehr gelebt hatte. In Euren Kommentaren habt Ihr mir gute Ratschläge gegeben, wie und wo man sich da weiterhelfen könnte.

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Um aber zum Ziel zu kommen, nämlich Sterbeurkunden vom Standesamt des Todesortes zu bekommen, muss man eine geeignete Personenstandsurkunde vorweisen können. Ein einfacher Anruf irgendwo oder gar eine Schufa-Abfrage helfen das gar nicht. Zunächst gilt es einmal festzustellen, welchen Personenstand der Verstorbene überhaupt hatte. Ist er ledig, reicht mir eine Geburtsurkunde, die ich beim Standesamt der Stadt anfordere, die als Geburtsort im Ausweis genannt ist. War er aber verheiratet, muss ich mich an die Gemeinde wenden, wo er oder das Ehepaar zuletzt gemeldet waren. Die Adresse in seinem Ausweis muss da nicht unbedingt weiterhelfen, denn es ist fraglich, ob sich die Familie immer ordnungsgemäß umgemeldet hat und ob man überhaupt den Ausweis zwecks Änderung der Adresse vorgelegt hat.
Wenn er also verheiratet war, kann ich eventuell durch Recherchen herausfinden, in welcher Stadt das Familienbuch geführt wird und dort einen Auszug anfordern. Trotz aller deutscher Gründlichkeit bietet das aber noch keine Gewähr dafür, daß der Mann auch wirklich „nur“ verheiratet war und nicht eventuell geschieden oder verwitwet ist.
Im besten Fall ist sowas als Vermerk oder Randvermerk dort verzeichnet, aber die Erfahrung zeigt, daß es leider doch nicht immer so ist. Also gilt es noch zu recherchieren, ob ggf. irgendwo noch ein Scheidungsurteil mit Rechtskraftsvermerk oder eine Sterbeurkunde eines Ehepartners existiert.

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Olaf hat Hunger

Drei Geschwister sind heute Morgen da gewesen, das heißt: zuerst waren nur zwei da. Sie möchten die Beerdigung ihres Vaters abwickeln, man könne schon mal mit den Formalitäten beginnen, weil ihr Bruder Olaf noch fehle, aber der komme dann gleich. Gut, wir setzen uns in einen Beratungsraum und ich schreibe mir die notwendigen Sachen auf. Nur schwer kann ich ein Grinsen unterdrücken, als die beiden sich über verschiedene familieninterne Dinge unterhalten und sich dabei ständig mit den Vornamen anreden. Er heißt Michael und sie Marianne…
Na, wenigstens haben sie nicht gesungen. Aufgrund ihres Alters kann ich mir nicht vorstellen, daß die Eltern damals in irgendeiner Weise an das Volksmusikduo Marianne & Michael gedacht haben könnten. Aber lustig fand ich’s schon.

Die Vordertür hatte ich auf „Durchzug“ gestellt, also den kleinen Schnäpper hochgemacht, sodaß der noch fehlende Bruder einfach eintreten konnte. Es macht dann leise Ding-Dong, wenn jemand reinkommt. Ich bin gerade bei der Frage nach dem Stammbuch, da höre ich eben dieses Geräusch. Marianne und Michael nehme ich gleich mit vor, denn wenn der Bruder Olaf schon mal da ist, können wir auch gleich mal in den Ausstellungsraum gehen und einen Sarg raussuchen.
Wir biegen aus dem Beratungsraum in die Halle, da schlägt mir der Geruch nach frischem Brathähnchen in die Nase. Da steht doch diese Bruder Olaf an einem Sonntagmorgen um kurz vor zehn in meinem Bestattungshaus und frißt ein halbes Hähnchen mit den bloßen Fingern aus der Tüte.

Da stellen sich mir mehrere Fragen auf einmal:
Wo um alles in der Welt kann man sonntagsmorgens ein frisch gebratenes halbes Hähnchen kaufen?
Wie verhindere ich, daß der mit seinen Fettfingern irgendwas anpackt?
Wie kriege ich den Hähnchengeruch wieder aus dem Bau?
Und: Was ist das überhaupt für ein Benehmen, beim Bestatter einen Gockel zu fressen?

Ich habe dann auf die Tüte gedeutet und nur gesagt: „Aber nix anpacken, okay?“
Er hat genickt, seine Tüte leergefressen (anders kann man diesen Akt nicht nennen), die Tüte mit den Knochen zusammengeknüllt und einfach in den Blumentopf einer großen Zimmerpflanze gelegt. Dann hat Olaf seine Finger erst abgeleckt und dann am Arsch seiner Hose abgewischt. Ich bin mit den Dreien dann in das andere Beratungszimmer und habe Olaf den abwaschbaren Plastikstuhl gegeben.

Unmöglich sowas!