Andere Sitten

Ich hab ja nix gegen Muslime. Hätte ich irgendwelche Vorbehalte oder Bedenken, hätte ich diesen Praktikanten gar nicht genommen. Sein Name ist Khalid Rufad-Ali, sein Vater Pakistani, die Mutter Deutsche. Khalid macht ein Zusatzjahr im Berufsbildungswerk und muß sechs Monate Praktikum in einer Firma nachweisen.

Das Fortbildungswerk zahlt die Hälfte des Praktikantengeldes und in der Buchhaltung und im Archiv können wir gut noch jemanden gebrauchen. Groß ist er, sieht gut aus, ist ruhig, ach, den können wir auch mal bei Bestattungen ans Kondolenzpult stellen oder sonstwo einsetzen, wo er nichts mit den Verstorbenen zu tun hat.

Mittwoch:
Khalid stellt sich vor. Macht einen guten Eindruck, auch meine Frau meint, dass der ganz gut wäre.

Donnerstag:
Wir rufen ihn an, er könne Montag anfangen, Khalid freut sich. Also Tschüß bis Montag um Acht.

Montag:
Nix. Es ist Acht, kein Khalid, es ist Neun, kein Khalid. Ich lasse da mal anrufen.
„Was? Das ist schon heute? Ich dachte, Sie rufen mich nochmal an! Ich komme dann morgen, okay?“
„Nein, heute und zwar hopp, hopp!“

Es ist 14 Uhr und Khalid kommt. „T’schuldigung!“

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Report München

So, das war er jetzt der Beitrag in Report München. Viel Sensationelles dürften die Leser meines Weblogs nicht erfahren haben.

Über den von bösen Zungen als Moloch angesehen Mammut-Bestatter „Ahorn Grieneisen“ werde ich zu gegebener Zeit meine Meinung äußern. Auch die lukrative und in meinen Augen moralisch verwerfliche Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz soll später noch einmal ein Thema sein.

Was haben wir sonst erfahren?

Nun, Altenheime nehmen Provisionen, es scheint da sogar Vertragsmodelle von Ahorn-Grieneisen zu geben.
Kleinere Bestatter drücken mal einem Mitarbeiter einen Fuffi in die Hand, auch nichts Neues.

Ein größerer Bestatter in Düsseldorf soll einen Sarg gleich 90 mal verkauft haben und nach Aussage des unkenntlichen Kapuzenmanns im Fernsehen sogar mit immer demselben Blumenschmuck. Erstaunlich, wie lange sich in Düsseldorf die Blumen so halten…

Rund 17 Leute sterben jeden Tag in Düsseldorf, knapp die Hälfte, also sagen wir 8 werden davon eingeäschert. In Düsseldorf gibt es Dutzende von Bestattern sodass selbst der „große“ Düsseldorfer Bestatter kaum mehr als 3 Feuerbestattungen am Tag durchführen dürfte. Das würde bedeuten, daß der die Nummer mit dem immer wieder verkauften Sarg mit Blumenschmuck quasi einen ganzen Monat Tag für Tag durchziehen müsste.

Die Zuschauer haben in dem Bericht nichts Sensationelles erfahren. Wo es ums Geld geht wird es auch immer schwarze Schafe geben.

Was da aber durch Ahorn-Grieneisen auf uns zukommt, die durchorganisierte Sterbeindustrie, das wird noch manchem Kopfzerbrechen bereiten.

Spickzettel

Griechisch orthodox, das haben wir auch nicht so oft. Aber von der Abwicklung her ist das kein Problem. Die Söhne des Griechen bitten darum, ihren Vater selbst ankleiden zu dürfen; dürfen sie. Ansonsten möchten sie, dass alles ganz deutsch abläuft, der Vater hier erdbestattet wird, nur der Pfarrer der griechisch-orthodoxen Gemeinde soll bitte die Trauerfeier abhalten.

Bei der Aufbahrung wird der Tote ganz oft geküsst, viele streicheln ihm die Hände, es wird viel und auch laut geweint. In der Trauerhalle später gibt es statt Orgelmusik Musik von der CD, das klingt aber weder westlich, noch griechisch, eher ein bißchen türkisch, finde ich.

Dann kommt der orthodoxe Pfarrer herein. Tolles Gewand! Und was macht der? Der stellt sich nicht an das Rednerpult, sondern an das Kopfende des Sarges, um von dort zu sprechen. Warum nicht? Doch direkt nach seinem Einzug in die Trauerhalle sehe ich, dass er einen kleinen Zettel dabei hat, dann beugt er sich vor und pinnt den Zettel mit einer Heftzwecke (Reißnagel) am Kopfende des Sarges fest.
Der hat einen Spickzettel!

Naja, dann sagt er wenigstens die richtigen Namen und Hauptsache er macht den Zettel wieder weg, wenn er fertig ist…

Urnentransport

Frage an den Bestatter: „Sag mal, Du schreibst immer, dass Leichen oder wie ich jetzt gelernt habe ‚Verstorbene‘ in einem Bestattungswagen transportiert werden müssen. Wie ist das denn mit den Urnen?

Wir sind ja sowieso fast jeden Tag am Krematorium, um Särge dort abzuliefern, dann nehmen wir die bereits fertigen Urnen, die dort für uns stehen, natürlich im Bestattungsfahrzeug mit. Ansonsten genügt ein normaler PKW.

Der eigentliche Verstorbene ist durch die Verbrennung im Krematorium vergangen, was jetzt in der Urne noch übrig ist, sind die unverbrennbaren Überreste, die Totenasche; und das kann ohne Seuchen- oder sonstige Gefährdung sogar als Postpaket verschickt werden.

Nachtrag:
Wie auch im Kommentar zu lesen, wird der Urnentransport oft den Angehörigen noch in Rechnung gestellt. Wir berechnen das nicht, aber es ist durchaus behörden- und branchenüblich. Bitte lest auch meinen Kommentar weiter unten.

Kosten von 300 Euro für den Urnentransport sind ungerechtfertigt.

Erbsensuppe

Das war wieder so ein typischer Bestattersonntag. Irgendwie war den ganzen Tag was zu tun und jetzt ist es bald 21 Uhr und ich bin immer noch nicht fertig. Morgen habe ich eine Traueransprache, da muss ich noch den Text fertigschreiben und dann wird es gegen 22 Uhr sein.
Das mit den Traueransprachen mache ich nicht oft, aber es kommt vor. Mich hat mal ein Pfarrer einfach sitzenlassen.

Die Halle voll mit Trauergästen und der Organist fängt pünktlich an, wer nicht kommt ist der Pfarrer. Handy raus, Pfarramt anrufen, die Bürotante sagt nur, dass der Herr Pfarrer jetzt seine Suppe ißt und nicht gestört werden will. Ich dränge und nörgle, bittele und bettele. „Das tut mir Leid, der Herr Pfarrer hat strenge Anweisung gegeben, dass wir ihn beim Suppeessen nicht stören.“ Spricht’s und legt auf.

Drinnen spielt der Organist schon das zweite Lied. Was tun? Was macht man jetzt zuerst? Am Besten ist es, zuerst die Familie zu informieren, damit die ruhig bleiben. Ich flüstere der Witwe zu, der Herr Pfarrer verspäte sich, es dauere noch ein paar Minuten. Dann rauf auf die Empore, der Organist soll weiterspielen, das hält die Leute in Andacht und bei Laune, bis jetzt denkt nämlich jede, das sei alles so gewollt.
Der Organist nickt, als ich ihm „Weiterspielen!“ zuflüstere und beginnt sein drittes Lied.

Ich gehe vor die Halle, pfeife unseren Fahrer herbei: „Marsch, Marsch den Pfarrer holen, notfalls mit Gewalt!“

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Anonymität

Also, liebe Weblogleser. Es hat wirklich keinen Zweck, herausfinden zu wollen, wer und wo ich bin. Ein Bestatterkollege aus einem völlig anderen Teil Deutschlands hat mich vorhin angerufen und mir mitgeteilt, jemand habe ihn angerufen und am Telefon gesagt: „Siehst Du, war doch gar nicht so schwer, Dich zu finden, Tom!“

Dieser Kollege kennt mich, weil er sich per Mail an mich gewandt hat und mich wegen eines Gebrauchtsfahrzeugs angesprochen hat.

Es gibt über 4.000 Bestatter, bitte ruft die jetzt nicht alle an, okay?

Bestatter sind inkompetent: Mutter in der Urne

Ich melde mich: „Bestattungshaus.“

„Ja Meinerzhagen hier. Können Sie bitte meine Mutter abholen, die ist verstorben.“

Ich erfrage die notwendigen Angaben. Dann sagt die Frau am anderen Ende der Leitung:

„Sagen Sie mal, können Sie die Mutter gleich mit der Urne abholen?“

„Wie bitte?“

„Mit der Urne!“

„Entschuldigen Sie bitte, aber wie sollen wir Ihre Frau Mutter denn mit der Urne abholen?“

„Das weiß ich doch nicht, bin ich der Bestatter oder Sie?“

„Das ist schon richtig, aber für gewöhnlich holen wir die Verstorbenen mit einer Trage oder einem Sarg. In die Urne kommt man doch erst nach der Einäscherung.“

„Jetzt hören Sie mir aber mal zu! Wenn Sie Ihren Beruf nicht richtig verstehen, dürfen Sie auch nicht so eine Werbung in der Zeitung machen.“

„Ich glaube, ich verstehe nicht ganz, was Sie möchten. Wir würden kommen, Ihre Mutter mit der Trage abholen und nach der Einäscherung im Krematorium hätte man dann eine Urne.“

„Ich will aber, dass sie gleich mit der Urne kommen. Sie schreiben doch in Ihrer Werbung dass Sie Erd- und Feuerbestattungen machen und auch sonn- und feiertags Dienst haben.“

„Das stimmt ja auch alles, heute ist Sonntag und wir haben Dienst und wir machen im Falle Ihrer Mutter ganz sicher auch die Feuerbestattung, aber zuerst müssen wir sie doch abholen.“

„Wen? Mich?“

„Nein, Ihre Mutter.“

„Ja dann aber mit der Urne.“

„Das geht nicht!“

„Sie wollen nicht, richtig?“

„Selbst wenn ich wollte, ginge das nicht.“

„Sagen Sie es doch gleich, daß Sie keine Feuerbestattungen machen.“

„Machen wir aber. Wir holen bloß nicht in der Urne ab.“

„Haben Sie keine Urnen?“

„Doch. “

„Und warum machen Sie das dann nicht einfach so, wie wir das gerne hätten? Haben Sie keine Lust?“

„Es geht einfach nicht.“

„Ich ruf jetzt woanders an! Ich sehe schon, das hat mit Ihnen keinen Zweck. Sagen Sie Ihrem Chef, dass ich Sie inkompetent finde.“

„Ja, mach ich.“

„Tschüß!“

„Tschüß!“