Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Da legt sie grossen Wert drauf – mit Nachtrag

Soweit ist alles besprochen. Die Witwe scheint erleichtert, dass wir ihr so viel abnehmen und schnieft noch einmal in ihr Taschentuch.

„Ach, einen Wunsch hätte ich noch.“

„Ja, und welchen?“

„Auf dem Gesteck für den Sargdeckel sollen bitte Poseranzen sein, ganz viele schöne blühende Poseranzen. Da lege ich großen Wert drauf.“

Ich habe den Ausdruck Poseranzen noch nie gehört, bin aber weder Botaniker, noch Gärtner und schreibe das einfach mal so auf. Dazu sage ich meinen Standardspruch, dass nicht alle Blumen zu jeder Zeit zu bekommen seien und welche Blumen wir denn nehmen dürften falls es zufälligerweise ausgerechnet jetzt gerade keine Poseranzen gäbe.

„Nein, nein, Poseranzen gibt es doch immer, sagen Sie dem Gärtner einfach, dass es Poseranzen sein müssen.“

Also gut.

Bei drei Gärtnern habe ich angerufen. Kein Mensch kennt Poseranzen. Selbst die heilige Wikipedia gibt keine Auskunft.
Dienstag soll die Beerdigung sein.

Was um Himmels Willen sind Poseranzen???

Nachtrag 10.08.2007, 08.10 Uhr:

Das hat uns keine Ruhe gelassen und heute Morgen habe ich nochmals mit der Guten telefoniert. Ob man die Blumen vielleicht auch unter einem anderen Namen kenne. Nein, sagte sie, die müssen so heissen, mein Mann hat immer von Poseranzen gesprochen.
Aus welchem Teil des ehemals großen deutschen Reiches sie denn stamme, will ich wissen, denn vielleicht kennt man den Ausdruck nur bei den Oberschlesiern oder Ostpreußen. Nein, sie sei von hier und die Blume heißen ganz bestimmt Poseranzen.
Ob sie mir die Blumen denn mal beschreiben könne. Natürlich! Die haben so ganz gerade Stiele mit etwas Grün dran und oben so kleine bis mittelgroße buschige Blüten, die ganz toll riechen.
Am besten wäre es, sage ich, wenn sie man nachschauen könnte, ob sie nicht irgendwo ein Foto hat, wo Poseranzen drauf sind.
Ach was, sagt sie, sie gehe heute mal zum Gärtner und bestelle selbst welche, sie habe dort nämlich immer einfach nur auf die Blumen gedeutet und Poseranzen bestellt.
Ihr Mann habe da immer, vor allem im Urlaub so ein Lied gesungen, in dem die Poseranzen vorkommen.

Warten wir’s ab!

Herr Mittermayer ist tot

„Herr Mittermayer ist gestorben, können Sie die Beerdigung übernehmen?“

„Ja, selbstverständlich.“

„Herr Mittermayer liegt jetzt bei uns zu Hause neben dem Ofen, wir haben eine Decke drübergetan, weil der so eklig aussieht, dem hängt seine Zunge raus.“

„War denn der Arzt schon da und hat die Totenpapiere ausgestellt?“

„Muss man das machen?“

„Ja sicher, bevor der Arzt nicht den Tod bescheinigt hat, können wir nichts unternehmen.“

„Der ist ganz sicher tot, der war doch schon ganz alt, schon 16 Jahre hatte der auf dem Buckel.“

„Moment mal, ist Herr Mittermayer ein Mensch?“

„Nein, unser Bernhardiner.“

Was bringt Menschen dazu, ihren Hund „Herr Mittermayer“ zu nennen?????

Bewegen sich Tote noch?

Ein Leser möchte gerne wissen:

Kann es wirklich möglich sein, dass da noch Nerven zucken und sich plötzlich etwas bewegt?

In 20 Jahren, die ich mit Verstorbenen zu tun habe, habe ich so etwas persönlich noch nicht erlebt. Man hört in der Branche immer mal wieder solche Geschichten und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es sowas gibt. Mir hat mal ein Kollege erzählt, dass sich ein Leichnam plötzlich aufgesetzt habe. Ein anderer berichtete, eine Tote hätte den Arm gehoben.

Wiegesagt, persönlich erlebt habe ich so etwas noch nicht. Meiner Meinung nach sind die Verstorbenen auch zu lange tot, als dass es zu solchen Erscheinungen kommen kann. Anders sieht das aus, wenn jemand in einem Krankenhaus für hirntot erklärt wird. Hier wird ja der Körper oft noch für die geplante Organentnahme am „Leben“ gehalten. Hierbei kann es zu Körperreaktionen kommen, die aber nicht mehr vom Gehirn gesteuert und auch nicht vom Hirntoten wahrgenommen werden.

Was wir allerdings immer wieder erleben und was für „Neue“ sehr erschreckend wirkt, ist es, daß Verstorbene stöhnen.
Die in der Lunge befindliche Luft entweicht beim Umbetten der Verstorbenen oft und regt die Stimmbänder zu einem Geräusch an.
Das war’s dann aber auch schon, mehr machen die Toten nie.

Gothic-Sarg

Meine Güte, wie sah die denn aus?
Mit den hohen Absätzen war die junge Frau vielleicht zwei Meter groß, ganz in Schwarz gekleidet, viel Leder, viele Ketten. Schwarze Haare, grellweiß geschminktes Gesicht, schwarz lackierte Fingernägel.

Ihr Begehr: Sie wollte gerne einen Sarg kaufen. Einen grossen, in dem sie dann immer schlafen könne…

Normalerweise habe ich nichts dagegen, wenn sich jemand einen Sarg als Bett oder Schrank herrichtet, aber wir verkaufen keine Särge für solche Zwecke. Uns ist die Gefahr zu groß, dass mit dem Sarg dann Schindluder getrieben wird und das dann auf unser Haus zurückfällt.

Einzige Ausnahme sind Theater- oder Schauspielgruppen, die ein Schreiben von der Theaterintendanz vorlegen können.

Totenfernsehen

EOS-TV soll es heißen und es soll ein neuer Fernsehsender werden. Ab November will man in Brandenburg ein Programm speziell für Menschen über 60 ausstrahlen, das sich vornehmlich mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen soll.

Finanziert werden soll das Ganze durch Trauernachrufe, die wohl ähnlich die die „fröhliche Glückwunschantenne“ funktionieren wird. Angehörige lassen über den Sende an den „lieben Franz“ erinnern. Desweiteren ist von Programmpaten die Rede, woanders wo noch klar denken Zuschauer vor der Glotze sitzen, nennt man sowas wohl eher Sponsoren und mein in beiden Fällen Firmen, die Geld dafür bezahlen, dass man sie ein bißchen belobhudelt. Hier ist von Treppenliftherstellern und Pflegeeinrichtungen die Rede. Aber auch öffentliche Mittel sollen da wohl fließen, schließlich schaffe man mit dem Senderangebot ja auch Arbeitsplätze. Toll, mir hat noch nie einer was geboten, wenn ich einen einstelle.

Aber haben wir das nicht schon? Gibt es nicht schon einen Sender, vor dessen Ausstrahlungen die Senioren der Nation sitzen und sich in den Werbepausen Treppenliftwerbung anschauen müssen und erfahren, dass die Kraft der blauen Weinlaubs gegen Hämorrhoiden hilft und Millionen Menschen nachts raus müssen, weil sie sich keine Kürbiskerne irgendwo hineingesteckt haben?
Doch, einen solchen Sender gibt es und es der Sender „Zahlungskräftig, Dement, Finanzstark“ (abgekürzt ZDF).

Einmal mehr steht zu vermuten, daß hier möglicherweise mit ein bißchen „Unterhaltung“ und Informationen ältere Menschen zum Abschluss von Bestattungsvorsorgeverträgen bewegt werden sollen und auf Unternehmen eines bestimmten Verbandes bzw. bestimmter in diesem Verband stark positionierter Firmen geprägt werden sollen.

Aber gut, wir leben auch mit den feuchten Uschis, die Tag und Nacht angerufen werden wollen und den ehemaligen Bahnhofswirtinnen, die sich uns mit rauchiger Stimmer als astrologische Lebensberaterinnen empfehlen und den daueraufgeregten „Warum ruft hier keiner an? Will denn keiner die Kohle“-Schreiern sogenannter Quizsender. Dann werden wir auch noch EOS ertragen können.

Die Nachrufe kann man übrigens schon zu Lebzeiten drehen lassen, um sich dann im Falle des eigenen Ablebens, mit seiner vorher aufgezeichneten Botschaft an die Nachwelt zu wenden. Endlich mal DIE Chance für den geizigen Opa, der ganzen Welt zu sagen, warum er sein Häuschen nicht seiner Tochter hinterlässt, sondern dem Tierheim oder der Kirche.

Lustig finde ich übrigens, dass die Verantwortlichen nicht müde werden, zu betonen, es gehe ihnen um die Lebenden und nicht um die Toten. Eigentlich überflüssig, das zu betonen, Tote sind wenig eloquent und fotogen.

Weiterlesen

Bügelwäsche

Da kommt eine ältere Dame heute Morgen in unser Büro. Sie ist ganz außer Atem und muss sich erst mal setzen.
Unser Matthias gibt ihr ein Glas Wasser und zeigt sich sehr bemüht. Eine Kundin muss man pfleglich behandeln.

Nach 15 Minuten hat sich die Dame erholt und sagt: „Wenn Sie mir jetzt noch meine Bügelwäsche geben, könnte ich wieder gehen.“

Die Gute war etwas verwirrt. In dem Ladenlokal nebenan, war vor über 40 Jahren mal eine Heißmangel.
Matthias hat sie dann nach Hause gebracht. Wenigstens wusste sie, wo sie wohnt.

FAZ-Leser, herzlich willkommen

An alle Leser der FAZ, FAZ-Sonntagszeitung und FAZ online ein ganz freundliches „Herzlich willkommen!“

Dies ist das privaten subjektive und rein persönliche Weblog eines Bestattungsunternehmers. Ich berichte hier über meine täglichen Erlebnisse und leiste etwas Aufklärungsarbeit über unseren, oft mißverstandenen, Beruf.

Ein Weblog ist die Aneinanderreihung von täglich erschienenen Artikeln. Der neueste steht immer oben, der vorhergehende darunter usw. Ist ein Artikel sehr lang, gibt es mit „Weiterlesen…“ den Rest des Textes. Ein Klick oben auf „Home“ bringt Sie wieder hier zur Startseite. Am Ende der Seite ganz unten, kann man weiter zurückblättern. Probieren Sie es, es lohnt sich bestimmt!

In der Einzelansicht der Artikel, die Sie erreichen, indem Sie beispielsweise auf die Artikelüberschrift klicken, können Sie auch die bereits zu diesem Text abgegebenen Kommentare nachlesen und sich gerne auch an der Diskussion beteiligen oder einen Gruß hinterlassen, ganz wie Sie möchten.

Sollten Sie selbst Fragen zum Thema oder an mich persönlich haben, scheuen Sie sich bitte nicht, diese zu stellen:
undertaker@europa-host.de

faz1.jpg

Wie ich dazu gekommen bin

Ich wüsste gerne mal, wie Du zu dem Beruf gekommen bist und mich würde mal interessieren wie die Anfangszeit war als Du den Beruf gearbeitet hast. Hattest Du Alpträume oder vielleicht auch Angst dich alleine in den Hallen zu bewegen in denen die Leichen aufbewahrt wurden? […] Also erst muss eine Zeit verstreichen lassen bis man das Gefühl des alltäglichen bekommt oder?

Die Sache war gar nicht so schwer, wie man sich das vorstellt. Mein Schwiegervater hatte von seinem Vater eine Hauderei übernommen. Ein Hauderer betreibt ein Lohnfuhrunternehmen und transportiert vom Grundbegriff her eigentlich alles, im engeren Sinne allerdings Verstorbene. Früher nahm man dazu wohl Kutschen, wovon einige Schwarzweiß-Fotos in meinem Büro künden. Seit den späten 30er Jahren aber gibt es bei uns Autos.

Die Schreiner stellten die Särge her, der Hauderer transportierte Särge und Leichen. Früher waren Bestattungen noch nicht so kompliziert. Wenn jemand verstorben war, ging ein Angehöriger zum Schreiner und sagte Bescheid. Der Schreiner richtete den Sarg, der Hauderer holte ihn ab und fuhr, um den Verstorbenen einzubetten und abzuholen. Danach ging es auf den Friedhof.
Kurz gesagt: Eine Hauderei ist ein Taxiunternehmen für tote Leute.

Weiterlesen