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Mal sehen

…ob ich heute viel zum Schreiben komme. Lauter ganz normale Beerdigungen. Freitag ist eben ein besonders beliebter Beerdigungstag.

Und wie immer müssen wir uns bei den Feuerbestattungen sputen. Die sind traditionell am späten Vormittag bzw. über Mittag und ab 12 Uhr rühren die Jungs vom Krematorium keinen Finger mehr, reagieren nichtmal auf Klopfen und Klingeln.
Manchmal fahren wir dann in die Nachbarstadt, wo man wesentlich flexibler und auch 30 Euro kostengünstiger ist. Das mag dann der Amtsleiter der hiesigen Friedhofsbehörde nicht und meckert mich bei jeder Gelegenheit wegen des „Fremdgehens“ an.

Das überfordert mich jetzt doch

Ich bin ja kein ErbrechtsExperte und dennoch befragen mich die Leute immer wieder, wie es jetzt mit dem Erben so weitergeht. Nun, so ein ganz kleines bißchen kennt man sich aufgrund seiner beruflichen Erfahrung aus, um wenigstens die grundlegendsten Antworten geben zu können. Aber für alles was darüber hinaus geht, verweise ich die Kunden dann an einen Anwalt oder Notar.

Gestern Nachmittag war ein Ehepaar bei mir und hat einen sehr interessanten Auftrag erteilt und eine sehr seltene Rechtskonstellation geschildert. Die Eltern des jungen Mannes sind in den Vereinigten Staaten mit dem Wohnmobil verunglückt und ums Leben gekommen. Bedauerlich für die Betroffenen, aber ein interessanter Auftrag für uns, da der Rücktransport geregelt werden muss und wir auf diese Weise mit amerikanischen Kollegen zusammenarbeiten werden. (Nebenbei bemerkt: Die Verstorbenen wurden drüben eingeäschert und demnächst sollen nur die Urnen hierher kommen; sehr vernünftig, weil kostengünstig.)

Der Knackpunkt ist aber folgender: Die beiden sind gleichzeitig verstorben. Der Vater hatte in seinem Testament seine Frau und eine Tochter übermäßig bedacht, während die Mutter nur den bei mir erschienenen Sohn bedacht hatte. Abgesehen von den Pflichtteilen stellt sich nun nämlich wohl die Frage, wer jetzt erbt.
Wiegesagt, ich bin kein Anwalt und stehe da etwas ratlos da. Aber nach meinem Verständnis können sich die verstorbenen Eltern nicht gegenseitig beerben, weil die ja gleichzeitig verunfallt sind. Um erben zu können, denke ich mir, müsste man den Erbfall auch erleben.
Demnach könnte es so sein, daß jetzt Tochter und Sohn gleichermaßen erben.

Nach amerikanischem Recht soll es aber so sein, daß man grundsätzlich, zur Vermeidung solcher Konflikte, annimmt, der Ältere der beiden gleichzeitig verstorbenen sei als erster gestorben.

Das ist auch der Grund, warum die Urnen schon seit mehr als 2 Monaten in den USA stehen und noch nicht überführt wurden. Wenn nämlich amerikanisches Recht zur Anwendung käme, wäre der Vater als Älterer angenommenerweise zuerst verstorben und somit seine Frau und die Tochter Erben des größten Teils des Vermögens und der Sohn könnte nur auf seinen Pflichtteil aus diesem Erbfall hoffen, sowie auf den Teil, der im als Erbe seiner Mutter zusteht.

Es ist klar, daß die Tochter nun alles versucht, daß amerikanisches Recht zur Anwendung kommt, während der Sohn das nicht will.

Aber wie gesagt, ich kann nur mutmaßen und gehe einmal grundsätzlich davon aus, daß sowieso nur deutsches Recht gilt, denn der Erbfall bezieht sich ja auf deutsche Rechtsbezüge. Da ich mich aber nicht genug auskenne, habe ich die beiden erst einmal zu einem Anwalt geschickt, um sich beraten zu lassen.

Mal sehen, wann die Urnen dann überführt werden können. Und gespannt bin ich auch, ob auf den amerikanischen Urkunden eine unterschiedliche Uhrzeit steht.

Ist ja schon interessant. Falls so ein Fall exakt um Mitternacht passiert, wären die beiden Betroffenen ggf. sogar an unterschiedlichen Tagen verstorben.

Verordnung zur Durchführung des Feuerbestattungsgesetzes

Verordnung zur Durchführung des Feuerbestattungsgesetzes
vom 10. 8. 1938 (RGBI. I S. 1000)
[Die Verordnung gilt nicht mehr in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, NRW, Rheinland-Pfalz und Sachsen.]

Auf Grund des § 10 des Gesetzes über die Feuerbestattung vom 15. 5. 1934 (RGBl. I S. 380)
wird verordnet:

§ 1

Die vor Inkrafttreten des Gesetzes auf Formblatt eines Feuerbestattungsvereins abgegebene, eigenhändig unterschriebene Erklärung, durch die der auf Feuerbestattung gerichtete Wille bekundet ist, bleibt, auch wenn sie nicht eigenhändig geschrieben ist, wirksam.

§ 2

(1) Die Polizeibehörde des Einäscherungsortes hat über alle von ihr genehmigten Feuerbestattungen, gegebenenfalls für jede selbständige Anlage gesondert, ein Verzeichnis zu führen, in das unter fortlaufenden Nummern einzutragen sind:
1. Zu- und Vorname des Verstorbenen,
2. Geburtstag und Geburtsort,
3. Todestag und Sterbeort,
4. letzter Wohnort,
5. Stand oder Beruf,
6. Konfession,
7. Todesursache,
8. Tag und Stunde der Einäscherung,
9. Ausstellungstag und Nummer der Genehmigungsurkunde,
10. Beisetzungsort der Aschenreste,
11. Änderungen des Beisetzungsortes der Aschenreste (§ 10 Abs. 2).
(2) Das Verzeichnis ist mit den der Genehmigung zugrunde liegenden Bescheinigungen und Nachweisen 30 Jahre nach der letzten im Verzeichnis erfolgten Eintragung aufzubewahren.

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Kann man eine Bestattung selbst machen?

Ohne Bestatter selbst machen? Selber machen eine Alternative?

Bis es den Beruf des Bestatters gab, haben die Menschen Bestattungen in weiten Teilen der Republik selbst abgewickelt. Es ist auch heute nirgendwo zwingend vorgeschrieben, einen Bestattungsunternehmer mit der Abwicklung zu beauftragen. Damit man eine Bestattung selbst abwickeln kann, muß man den gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich des Aufbewahrung und des Transportes des Verstorbenen Rechnung tragen.

Da Verstorbene nur in einem Sarg und nur in einem Bestattungsfahrzeug transportiert werden dürfen, wird man in den seltensten Fällen umhin kommen, wenigstens für die Sarglieferung und die Fahrt zum Friedhof ein Bestattungsunternehmen bestellen zu müssen.

Bis zu 36 Stunden darf man den Verstorbenen in aller Regel in den eigenen Räumen behalten. Diese Zeit sollte normalerweise genügen, telefonisch Preisvergleiche anzustellen und abzuklären, welcher Bestatter (bzw. Schreiner/Leichentransporteur) diesen Auftrag übernimmt.
Wichtig ist, daß für alle weiteren Schritte die ordnungsgemäßen Leichenschaupapiere und die Todesbescheinigung des Arztes vorliegen und in den entsprechenden teils verschlossenen Umschlägen verbleiben.

Bis der Sarg geliefert wird, kann man den Verstorbenen waschen, ankleiden und frisieren, damit man ihn zügig in den Sarg einbetten kann, sobald dieser eintrifft. Zu berücksichtigen ist, daß man einen komplett ausgestatteten Sarg mit den vorgeschriebenen Einlagen und keinen rohen Sarg bestellt. Als Kissen und Decke können gewöhnliches Bettzeug oder ein Leintuch dienen. Bei einer geplanten Einäscherung sollte man am Besten an eine Einkleidung in ein Baumwollnachthemd bzw. einen Pyjama denken.

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Bewerbung vom 5.9.2007

Aus dem Zeugnis:


Deutsch: ausreichend
Mathematik: mangelhaft
Englisch: ausreichend
Biologie: ausreichend
Physik: mangelhaft
Religion: -
Sport: befreit lt. ärztl. Attest
Fehlstunden: 166

Aus dem Bewerbungsschreiben:

Die Schule war nicht inderlage meine wahren Fähikeiten zu zeigen was sich im Zeugnis widerspiegelt. Hartes Arbeiten bin ich gewöhnt da schon mein Vater im Strassenbau tätig war. Diese Leerstelle würde mir sehr weiterhelfen. Für einen Vorstellungstermin wäre ich Ihnen dankbar da ich ja geburtenschwach bin.

Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde, das Zeugnis oder die Bewerbung.

Pleiten, Pech und Pannen

„Sarg auseinandergefallen? Leiche verwechselt? Falscher Friedhof?“
Ist sowas wirklich schonmal passiert?
Sarg auseinandergefallen knan man ja auf Materialfehler zurückführen, aber die anderen beiden Dinge, da muss ja in der Organisation geschlampt worden sein.

Du nimmst Bezug auf einen Artikel, in dem ich schrieb, daß mir solche Gedanken durch den Kopf schießen, wenn mich unvermittelt einer meiner Mitarbeiter von einer Trauerfeier anruft.

Das Bestattergewerbe ist nicht so einfach, wie sich manche das vorstellen. Vielleicht hat es da ein kleiner Dorfbestatter einfacher. Wir aber bedienen 26 verschiedene Friedhöfe in der Region regelmäßig und haben an die 20 Kliniken und über 40 Altenheime ringsum. Unser Einzugsgebiet ist recht groß.

Theoretisch ist die Wahrscheinlichkeit, daß da auch mal Organisationsfehler passieren, recht groß. Glücklicherweise sind wir bislang davon nur in den seltensten Fällen betroffen gewesen. Nur wer arbeitet, kann auch Fehler machen oder „wo gehobelt wird, da fallen Späne“.
Manchmal kommt mir unser Beruf so vor, als gäbe es Tag für Tag 1.000 neue Fettnäpfchen und Falltüren, denen man immer wieder aufs Neue ausweichen muss. Inkompetente Behördenmitarbeiter, unwilliges Personal in Krankenhäusern und auf Friedhöfen und alle möglichen Imponderabilien sorgen dafür, daß immer, immer, immer, irgendetwas schiefgeht. Unsere Kunst besteht darin, diese Fehler auszubügeln, ohne daß die Trauernden davon etwas bemerken und ohne daß größerer Schaden entsteht.

Intern tun wir alles, was möglich ist, um eine möglichst perfekte Organisation zu gewährleisten. Aber es gibt so viele, teils unvorhersehbare Außeneinflüsse, daß wir eigentlich jeden Tag erneut stolz auf uns sind, daß doch wieder alles geklappt hat.

Wenn aktuell mal Pannen passieren, scheue ich mich nicht, die hier im Blog zu erzählen.

Einen auseinandergefallenen Sarg hatten wir allerdings noch nicht. Ich weiß aber aus eigener Anschauung von einem Fall, wo das passiert ist. Nach der Trauerfeier sollte der Sarg angehoben werden und dabei ist der Boden herausgebrochen, allerdings nur zum Teil. Eine Leiche haben wir noch nicht verwechselt. Aber zu einem falschen Friedhof sind wir schon mal gefahren. Aus bekannten Gründen kann ich die Ortsnamen nicht nennen, aber es ist ähnlich die Neuhof und Neudorf. Da gab es einfach ein Verständigungsproblem via Funk. In der Zentrale hieß es Neuhof, angekommen ist im Auto aber Neudorf. Ja und dann haben die Fahrer den Sarg nach Neudorf gebracht.
Glücklicherweise ist der Friedhofswärter von Neudorf ein echter Kumpel und hat uns angerufen, so kam der Sarg dann eine gute halbe Stunde vor der Trauerfeier am richtigen Friedhof an.

Gesetze und Richtlinien

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich mal in loser Folge verschiedene Gesetze und Richtlinien hier zitieren.
Das mag für den einen oder anderen doch mal ganz interessant sein, die anderen können es ja einfach überblättern.

Update: Die Kategorie „Gesetze und Richtlinien“ wurde nach „Kommune, Verwaltung, Gesetze“ verschoben. 16.2.2008

Die Haubenlerche

Bin ja eigentlich kein Morgenmuffel. Im Grunde bin ich gerade morgens ein fröhlicher und aufgeweckter Mensch, vor allem dann, wenn man mich die ersten 1-2 Stunden nicht anspricht, mir ständig Kaffee reicht und mir am besten einfach aus dem Wege geht…

Kurz nach Acht jedenfalls sollte mir keiner begegnen und mir was vorsingen wollen.

Doch heute kam exakt um zwei Minuten nach Acht Frau U. zu mir, um sich zu bewerben. Die Damen vorne im Büro dachten, es handele sich um eine verabredete Besprechung und brachten Frau U. zu mir. Es zeigte sich dann, daß Frau U. Sopranistin ist und gerne hin und wieder auf unseren Beerdigungen singen würde.
Jetzt kommt es aber selten vor, dass sich die Menschen auf dem Friedhof etwas von einem Sopran wünschen, wenn schon dann muss es ein Tenor oder Bariton sein. Frau U. ließ sich aber nicht davon abhalten, mir etwas vorzusingen. So spontan, daß ich mich beinahe mit Kaffee vollgekleckert hätte. Wie eine Haubenlerche trällerte sie mir etwas vor.

Es dauerte auch nur knapp 8 Sekunden, dann standen auch schon die Damen vom Büro bei mir im Zimmer um sich davon zu überzeugen, daß ich der guten Frau U. nichts tue. Die freute sich aber sehr über den unerwarteten Zuwachs an Zuhörern und tirilierte in höchsten Tönen.

Schrecklich!!!!!!

Frau U. kann ja bestimmt schön singen, aber doch nicht morgens kurz nach Acht in meinem Büro!