Suse 1

Natürlich ist Suse ein Chamäleon. Sie wohnt in einem eigenen, geräumigen Terrarium, in dem alle erforderlichen Dinge wie UV-Lampe, Wärmelampe, Benebelungsanlage und ständig fließendes Wasser vorhanden sind. Suse schläft abends exakt um 18 Uhr ein und wacht morgens um 06.30 Uhr auf. Pünktlich, jeden Tag.

Nach einem 5minütigen Dehnen und Strecken marschiert Suse unter ihre Wärmelampe, macht einen runden Buckel (siehe Bild) und tankt als wechselwarmes Tier erst einmal Wärme. Das weckt in ihr die Lebensgeister und gibt ihr Kraft.
Dann klettert sie zu ihrem Wasserfall und trinkt etwas. Anschließend gibt es einen Rundgang durch das ganze Terrarium, mal gucken ob noch alles da ist. Jeden Tag das selbe Ritual.

Wenn wir ins Büro kommen, machen wir irgendwann gegen 9 Uhr die seitliche Tür am Terrarium auf und wenn sie Lust hat, klettert Suse dann auf den Ficus. Terrarium und Ficus stehen unten in der Halle. Als äußerst standorttreues Tier hat Suse noch nie versucht, den Ficus zu verlassen. Obwohl sie im Terrarium immer mal wieder auf den Boden geht, macht sie das beim Ficus nie.

Suse gehört meiner Frau, die sich auch um die Fütterung usw. kümmert.
Bevor da wieder jemand seinem Meldeeifer und seiner Vorliebe für das Denunziantentum erliegt: Suse ist ein Jemenchamäleon, die Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen, unser Tier stammt aus deutscher Nachzucht, hat Papiere und ist beim zuständigen Regierungspräsidium angemeldet.

Erwachsene Besucher nehmen Suse gar nicht wahr. Wenn die das Terrarium sehen, halten sie es für einen Pflanzenschaukasten und wenn Suse in ihrem Baum sitzt, ist sie als Meisterin der Tarnung gar nicht wahrnehmbar. Kommen jedoch Kinder zu uns, dauert es oft nur Sekunden, bis sie das Tier entdeckt haben. Wenn viele Gäste im Haus sind, hat Suse Stubenarrest und bleibt im abgeschlossenen Terrarium.

Nachtrag 2016:

Bitte keine Nachfragen, wann und wo man Suse besichtigen kann.
Der Artikel oben ist von 2008. Die Lebensdauer von Jemen-Chamaeleons ist nur begrenzt. Suse ist inzwischen leider längst tot.

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  • Veröffentlicht am: 21. April 2008
  • 22 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

22 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Das erinnert mich an das, was Terry Pratchett schreibt. Erwachsene sehen nur das, was sie sehen wollen, also das, was sie für richtig erachten. Kinder sehen aber das, was wirklich da ist. „Mama, da steht ein Skälätt.“ „Pscht sei still, der Mann kann doch nichts dafür, dass er so dünn ist.“
    (Das Kind sieht den Tod in einem Gasthaus.)
    Und wer erwartet schon ein Chamäleon mein Bestatter?

  2. Auf ein Chamäleon wäre ich nie im Leben gekommen :)
    Cool, dass ihr sowas habt.

  3. Kennt jemand Gespenster-Heuschrecken (oder so ähnlich)? Die haben dieses Blatt-Im-Wind-Spiel auch drauf. Seh erheiternd, eines der Tiere leicht anzupusten und dann zuzusehen, wie sich alle welken Blätter im Terrarium noch Minuten lang nachbewegen.
    Geht das bei Suse auch? Anpusten und sie wackelt fröhlich vor sich hin?

  4. Mensch Tom, damit hast du sicher wieder Horden von Hobby-Tom-Enttarnern aufgescheucht die jetzt quer durch Deutschland rasen und bei jedem Bestattungshaus mal reingucken. Irgendwie Slapstick-tauglich: Tür geht auf, ein gehetzter Kerl kommt rein. „Wie können wir ihnen helfen?“ Kerl guckt sich hektisch um „Kein Chamäleon? Verdammt!“.

  5. Ich habe gleich an ein Chamäleon gedacht. Möchte auch schon seit Jahren eines haben, habe auch schon diverse Bücher zu dem Thema gelesen und gucke in diversen Foren herum, aber irgendwie haben die vielen möglichen Komplikationen (minimal falsche licht/wärme/feuchtigkeitsverhältnisse führen zu üblen Krankheiten, abgerissene Zungen wasauchimmer) immer etwas davor zurückschrecken lassen mir wirklich eines anzuschaffen.

  6. Och wieeeee süüüüüüüüüüüüüüß :D

    Freut mich auch zu hören, dass Suse alles hat was sie braucht.

  7. Oh man bin ich ein gestörter Nerd, ich hab mich doch jetzt echt bemüht aus den ersten 2 Absätzen eine (Suse)Linux Parodie herauszulesen :D … Das es sich bei Suse auch um einen weiblichen Namen handelt … naja :D

  8. @new_media_junkie
    Ich glaube eher, dass die die Register mit Jemenchamäleons durchforsten (weiß zwar nicht wie man da rankommen sollt, diese Leute finden aber immer einen Weg)
    Und wie heißt es so schön : No risk, no fun :-)
    Und Tom, ich wette Suse hat mit einem Todesfall zu tun, sonst hättest du nicht suse1 geschrieben (übrigens schon wieder ein Cliff-hanger)oder stellt es jetzt das Maskottchen des Blogs da?

  9. das foto ist niedlich…hätt ich keine katze würde ich jetzt über die anschaffung eines chamälion nachdenken

  10. @jemand und @new_media_junkie

    zumindest wissen wir jetzt, dass Tom nur aus Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Sachsen kommen kann. Alle anderen Bundesländer haben keine Regierungspräsidien (mehr).

    Und nachdem mein Bundesland rausfällt ist es mir eigentlich Wurst, wo Tom sitzt.

  11. @isidor: Ich glaube, so leicht verrät sich Tom nicht, vielmehr dürfte er auch mal Bezeichnungen von Verwaltungseinheiten/Ämtern einstreuen, die es in seinem Bundesland nicht (mehr) gibt.

    Wird z.B. ganz leicht daraus deutlich, dass es Samtgemeinden nur in Niedersachsen gibt. Demnach dürfte Tom also aus gar keinem Bundesland kommen…

    Und, wie bereits gesagt, es ist ja auch vollkommen Wurst, wo Tom sitzt.

  12. „Die Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten. Jedoch sind Orte, Namen, Berufe und Handlungszeiten frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, sowie Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt“

    In Wirklichkeit ist es bestimmt ein Fisch :D

  13. Vielleicht findet sich ja noch jemand der Suses Auge (das ja in Richtung Kamera schaut) 6.500fach vergoessert. Also inne Faernsehn drinne geht das…

    Ich finde so ein Chamäleon sehr bestattertauglich :) Ein eher bedaechtiges, im Zweifelsfall komplett unsichtbares und nicht ganz alltaegliches Tier das sich nicht aus der Ruhe bringen laesst.

    Hoffentlich kommt nicht mal ein Kunde mit Hund? Letzterer faende das sich ziemlich interessant :)

  14. Klasse! Mir geht es da wie lovely, ich hätte auch gerne eins und hab mich schon viel damit beschäftigt aber es ist wirklich anspruchsvoll und ich hätte auch den Platz nicht für eine artgerechte Behausung. Schade! Vielleicht irgendwann mal.

  15. Ich finde das totalen Schwachsinn!

    Wieso sollte ich Geld für ein Haustier ausgeben, daß ich nicht immer sehen kann, wenn ich will? :)

  16. Macht keinen Krach und frißt nicht viel. Beißt nicht und wuselt nicht davon. Nur mir ist das etwas zu ruhig. Da lob ich mir meine Goldfische, bei denen ist immer was los.

  17. Leider lese ich den Artikel erst heute und jetzt ist das Suse-Bild weg. Der Link führt auf die erste Seite des Bestatterweblog…
    Sehr schade. :-(

  18. Pingback: Herr Tilto Bestatterweblog Peter WilhelmBestatterweblog Peter Wilhelm

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