Als Bestatter hat man immer mal wieder mit der Polizei zu tun. Nicht alle Menschen versterben hochbetagt und friedlich im Bett. Es gibt sehr viele Fälle, in denen die Polizei eine Rolle spielt.
In einem anderen Beitrag im Bestatterweblog widme ich mich der Frage, wie oft so etwas vorkommt.
Um daraus zu zitieren: Es gibt bei weitem nicht so viele Tötungsdelikte, wie der Laie gemeinhin annimmt.
Aber es gibt eine große Zahl von Fällen, in denen die Polizei einfach routinemäßig näher hinschaut. In den meisten Fällen steckt nichts dahinter, aber die Polizei ist eben dabei.
In einem Fall waren wir zu einem Tatort gerufen worden. Der Verstorbene bot keinen schönen Anblick, er hatte sich mit einer Schrotflinte den Kopf demoliert.
Trotzdem wollten die Beamten eine Fremdeinwirkung nicht ausschließen, und so wurde der gesamte Tatort penibel untersucht. Diese kriminaltechnischen Untersuchungen waren noch im Gange, als wir eintrafen.
Infokasten: Wann die Polizei bei einem Todesfall automatisch eingeschaltet wird
Viele denken, die Polizei kommt nur bei Mord oder offensichtlicher Gewalt. Das stimmt so nicht. In der Praxis wird sie immer dann hinzugezogen, wenn ein Tod nicht eindeutig natürlich ist.
Das bedeutet: Sobald ein Arzt Zweifel hat oder die Situation nicht sofort erklärbar ist, muss er den Todesfall als „ungeklärt“ einstufen – und dann ist die Polizei automatisch im Spiel.
Typische Situationen sind zum Beispiel:
- ein Tod im Freien oder an einem ungewöhnlichen Ort
- plötzliche Todesfälle bei jüngeren oder zuvor gesunden Menschen
- Verstorbene, die längere Zeit unentdeckt geblieben sind
- sichtbare Auffälligkeiten oder Verletzungen
Auch bei scheinbar klaren Fällen wie einem Suizid oder einem Tod zu Hause wird häufig genauer hingeschaut. Es geht dabei nicht um Misstrauen, sondern um eine einfache Regel:
Ein nicht natürlicher Tod darf nicht übersehen werden.
Deshalb gilt in Deutschland im Zweifel: lieber einmal zu viel ermitteln als einmal zu wenig.
Für Bestatter bedeutet das: Polizei am Einsatzort ist nichts Ungewöhnliches – selbst dann, wenn sich später herausstellt, dass alles einen ganz natürlichen Hintergrund hatte.
Ein Kriminalbeamter hatte dem Toten einen Plastiksack über den Kopf gezogen. Unsere Aufgabe bestand darin, den Mann in der Kunststoff-Transportwanne zum rechtsmedizinischen Institut zu bringen.
Einer von den Männern in den weißen Papieroveralls fragte in den Raum: „Brauchen wir die Fingerabdrücke von den Leichenmännern?“
Ach ja, das wäre ja keine schlechte Idee, denn so könnte man uns als Täter ausschließen, bzw. unsere Fingerabdrücke von denen anderer Leute unterscheiden.
Aber einer der wohl Ranghöheren rief zurück: „Die tragen doch Gummihandschuhe!“ und nickte uns auffordernd zu.
Also erledigten wir unsere Arbeit, ohne Fingerabdrücke abgeben zu müssen.
Selbstverständlich haben Bestatter solche Schutzanzüge. Wie oft kommen sie in Situationen, in denen schon der Selbstschutz das Tragen erforderlich macht. Aber zu der Zeit, in der die o.g. Tat begangen wurde, trugen noch nicht einmal alle Polizisten am Tatort solche Schutzanzüge. Außerdem schützen diese Papieroveralls in Kombination mit Kopfhauben, Mundmasken, Handschuhen und Schuhüberziehern nur bedingt gegen das Kontaminieren mit eigenem Genmaterial. Sie minimieren es nur, können es aber keinesfalls gänzlich verhindern. Deshalb sind von allen Ermittlern selbstverständlich auch Genproben zum Ausschluss vorhanden.
Im Fernsehen erfreuen sich ja sogenannte Cold Cases besonderer Beliebtheit. Alte, ungelöste Fälle werden neu aufgerollt und mit den Mitteln moderner Kriminaltechnik gelingt es teilweise auch nach 20 und mehr Jahren, den Täter doch noch zu ermitteln.
Nach dem Schrotflinten-Selbstmord waren gewiss 8 bis 10 Jahre vergangen. Da stand eines Tages ein junger Herr in unserem Bestattungshaus. Er wollte unbedingt den Chef sprechen, und als Frau Büser ihn nicht durchlassen wollte, präsentierte er einen Polizeiausweis.
Der Mann in Jeans und Kapuzenpulli war aber auch an der unter seinem Pulli hervorlugenden Dienstwaffe erkennbar.
Nun habe ich noch nie in meinem Leben etwas Kriminelles gemacht. Ich habe schon Verbotenes gemacht. Ich hatte schon Ärger mit der Polizei. Aber ich bin echt kein böser Mensch. Ich würde mich alles das, was Böse so machen, gar nicht trauen. Aber trotzdem bekomme ich immer einen trockenen Mund und ein schlechtes Gewissen, wenn mir jemand einen Polizei-Dienstausweis unter die Nase hält.
Wie geht es Dir in solchen Situationen?
Aber der Mann war super freundlich und entschuldigte sich mehrfach für sein Ansinnen. Denn er wollte von mir wissen, welche meiner Mitarbeiter am soundsovielten im Jahr Neunzehnhundertirgendwas am Tatort mit der Schrotflinte gewesen waren.
Na, das waren Manni und ich.
Ja, ob wir bereit wären, nun eine DNA-Probe abzugeben, es gäbe da neue Ermittlungsansätze, und mittels neuer Methoden, die es damals noch nicht in dem Maße gegeben habe, wolle man jetzt noch einmal an den Fall herangehen.
Und, um Täterspuren von sogenannten Alltagsspuren unterscheiden zu können, bräuchte man jetzt unsere DNA.
Ich ließ Manni hochkommen. Auch er war ziemlich aufgeregt. Keine Ahnung, was der für Leichen im Keller hat, aber angenehm war ihm der Besuch des Polizisten offensichtlich auch nicht.
Aber natürlich haben wir uns bereiterklärt, dem Kriminalbeamten zu helfen. Aus dem Auto holte er dann ein Köfferchen. Darin waren so eine Art Reagenzgläser mit Wattestäbchen. Damit fuhr er uns links und rechts in den Backentaschen herum. Dann beschriftete er Aufkleber und markierte die Röhrchen. „Das war’s schon, vielen Dank.“
Ich hab dann noch gefragt, ob man erfahren könne, was dabei herauskommt. Aber der Polizist zuckte nur mit den Achseln: „Wenn was rauskommt, steht’s vielleicht irgendwann mal in der Zeitung.“
Manni wollte dann noch wissen, ob die Probe jetzt für immer gespeichert bleibt. Ich hatte den Eindruck, dass der Polizist das gar nicht wusste. Er sagte nur sinngemäß, das würde sowieso automatisch passieren, und es sei ja nur zum Abgleich.
Mir kamen dann später aber noch Bedenken.
Wenn die einmal Deine DNA haben und die Daten abgespeichert sind, warum sollten die das löschen wollen?
Es könnte ja sein, dass auch ehemalig nur unbeteiligte Zeugen irgendwann einmal böse werden.
Und irgendwo müssen die „Treffer in der DNA-Datenbank“ ja herkommen. Da sind doch bestimmt nicht nur ehemalige Straftäter oder so gespeichert.
Infokasten: DNA-Probe als Zeuge – wird sie automatisch gelöscht?
Viele Menschen gehen davon aus, dass eine freiwillig abgegebene DNA-Probe als Zeuge automatisch wieder verschwindet. Das ist nicht ganz so einfach.
Grundsätzlich gilt: Wird eine DNA-Probe als Zeuge freiwillig abgegeben, darf sie nur für den konkreten Zweck verwendet werden – etwa zum Abgleich mit Spuren aus einem bestimmten Verfahren.
Sobald dieser Zweck entfällt (z. B. nach Abschluss der Ermittlungen), müssen die Daten gelöscht werden.
Aber: In der Praxis geschieht diese Löschung nicht immer automatisch und sofort.
- Die Probe selbst wird in der Regel vernichtet
- Das daraus erstellte DNA-Profil (reine Zahlen und Daten in einer Datenbank) kann vorübergehend gespeichert bleiben
- Eine endgültige Löschung erfolgt oft erst nach Prüfung
Wer sichergehen will, sollte aktiv nachfragen oder einen Löschungsantrag bei der Landespolizeibehörde oder beim Bundeskriminalamt stellen.
Wichtig: Eine als Zeuge abgegebene DNA darf nicht ohne Weiteres dauerhaft gespeichert oder für andere Ermittlungen verwendet werden.
Fazit: Auch bei freiwilliger Abgabe gilt: Die Löschung ist vorgesehen – aber es schadet nicht, selbst ein Auge darauf zu haben.
Ich hatte immer vor, irgendwann mal nachzufragen. Aber dann habe ich mir gesagt: Was soll’s? Du machst ja eh nix Kriminelles.
Wie siehst Du das?
Bildquellen:
- dna-probe_800x500: Peter Wilhelm KI

















Warum tragen Bestatter welche ein potentielles Mordopfer zur Gerichtsmedizin transportieren müssen, eigentlich keine spezielle Schutzkleidung (wie die Spusi) weil die Leute tragen ja extra Overall, Haarabdeckung, Mundschutz und Überzug für die Schuhe, damit sie am Tatort kein eigenes Genmaterial hinterlassen.
Diese spezielle Kleidung sollte Bestattern entweder von der Kriminalpolizei gestellt werden, oder Bestatter besorgen sich diese selbst und können sie steuerlich absetzen.
Weil dann stellt sich die Frage ja kaum bis gar nicht, ob beim Abtransport der Leiche Genspuren durch Bestatter entstehen erst gar nicht…..
Selbstverständlich haben Bestatter solche Schutzanzüge. Wie oft kommen sie in Situationen, in denen schon der Selbstschutz das Tragen erforderlich macht.
Aber zu der Zeit, in der die o.g. Tat begangen wurde, trugen noch nicht einmal alle Polizisten am Tatort solche Schutzanzüge.
Außerdem schützen diese Papieroveralls in Kombination mit Kopfhauben, Mundmasken, Handschuhen und Schuhüberziehern nur bedingt gegen das Kontaminieren mit eigenem Genmaterial. Sie minimieren es nur, können es aber keinesfalls gänzlich verhindern.
Deshalb sind von allen Ermittlern selbstverständlich auch Genproben zum Ausschluss vorhanden.
Danke für die Erklärung, ich weiß aus True Crime Dokus (TV, nicht YouTube) dass minimale Genspuren vom Tatort oder Mixspuren mittlerweile ausgeschlossen werden, denn auch vorher haben ja schon zufällige Besucher vor der Tat Genspuren hinterlassen, am wichtigsten sind die Spuren an Toten, möglichen Tatwerkzeugen oder zuletzt genutzten Gläsern ect.
Das Fernsehen ist natürlich eine bessere Informationsquelle als eine adäquate Ausbildung.
Aber wie gesagt, die Geschichte spielt ja erkennbar im letzten Jahrtausend.
Also so allgemein, ist eine ÖR Doku für mich noch besser recherchiert, als durch eine Privatperson von Youtube. Ist doch interessant wie sich das Fortentwickelt mit der Spurensicherung u Suche nach Genspuren. Damit eben Bestatter von Morgen nicht mehr Genmaterial abgeben müssen zB.
Denn und das ist ja der Punkt, wer sowas schon mal abgegeben hat, fragt sich zurecht wird das wirklich in der Datenbank gelöscht.
Ja, da stimme ich Dir zu. Gute Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bieten deutlich mehr als das meiste, das uns von Schwurblern und Nichtwissern in den sozialen Medien um die Ohren gehauen wird.
Ich muss aber gestehen, dass es vor allem im Nischenbereich, wo das ÖR gar nicht berichtet, im Netz auch sehr gute Sachen zu finden sind.
Darüberhinaus gibt es auch auf YouTube unglaublich guten Content. Ich zeige Dir mal ein Beispiel, von dem ich begeistert bin:
Leider fehlt den meisten wohl die Medienkompetenz, um so gute Beiträge von ganz schlechten unterscheiden zu können.
Was die Genspuren anbetrifft, so werden die Untersuchungs- und Auswertungsmethoden, wie Du völlig richtig erkennst, immer feiner, besser und genauer.
Und genau das führt dazu, dass dann Jahre später doch nochmal Fingerabdrücke, Genproben oder ähnliches angefordert werden müssen. Es wurden „damals“ einfach Spuren hinterlassen, die damals von keinerlei Belang waren, weil sie nicht ausgewertet werden konnten und keine Bedeutung hatten.
Manchmal gibt es eine gewisse Vorahnung. So hat man bei einigen alten Fällen sorgfältig staubgesaugt, mit dem Ziel, grobe Fasern zu finden. Die Proben hat man glücklicherweise aufgehoben. Vielleicht wird man da eines Tages mehr mit anfangen können. Und tatsächlich: 10 Jahre später kann auch aus damals wertlosen Hautschuppen was gewonnen werden.
Oh ja, Herr „Topfvollgold“ ist ein sehr, sehr guter freier Journalist! Der müsste eigentlich von TV Sendern weggecastet werden.
Was True Crime auf YT angeht, ist viel unsachlich und unnötig sensationsgeil! Wenn ich ture Crime schaue, will ich mehr über Kriminalistik und Forensik wissen, anhand von echten Fällen. Das Leid der Opfer und Angehörigen gehört dazu, aber Bitte mit Respekt, das fehlt vielen YT True Crime Formaten.
Auch True Crime im ÖRR kann reißerisch sein. Leider. Aber nutze ich nur sehr selten, fällt ja auch unter Doomscrolling 🙂
Ich würde das auf jeden Fall mal bald löschen lassen. Sonst stehen die eines Tages vor Deiner Tür und beschuldigen Dich.
Was die einmal in ihren Fingern haben, geben die sowieso nicht mehr frei willig her.
Also zu deiner ersten Frage… ich versuche die Polizei ganz klassisch als Freund und Helfer zu sehen, in meiner Erziehung waren das noch Respektspersonen. Es fällt schwer, klar ich wurde auch schon angehalten, durfte nen Bußgeld bezahlen, hab eine Verwarnung bekommen etc.
Und ich hatte auch schon die Situation, während ich einem Büro gearbeitet habe das auch jemand mit „BKA nächste größere Stadt“ gemeldet hat. Mein erster Gedanke: „wie haben die mich gefunden?“ mein zweiter „was haben die gegen mich in der Hand?“ und erst der dritte Gedanke war „Frag dich erstmal nach worum es geht“, und natürlich ging es um einen Mitarbeiter der wegen etwas gesucht wurde. Aber erstmal hat bei mir auch voll das schlechte Gewissen zugeschlagen.
Zu Deiner letzten Frage… Du tust nichts schlimmes/hast nichts zu verbergen? Gehst Du nackt vor die Tür? Jeder hat etwas zu verbergen…
Und heute sind die DNA Profile gespeichert um dich zu entlasten, morgen sind skrupellose Oarteuen/Idioten an der macht die eine Datenbank von Gegnern pflegen und die aus der Welt schaffen wollen.
Daten, Datenschutz, geheime Kommunikation sind sehr wichtig für eine funktionierende Demokratie… wenn ein Überwachungsstaat erst etabliert ist, dann kann dieser auch missbraucht werden. Heute wird an den Grundfesten gerüttelt um Kinderschänder und Terroristen zu schnappen, morgen sind es die Parteigegner und nicht in die Gesellschaft passenden Individuen.
Weißt Du was Du letzten Sommer getan hast?
Klingt blöde, aber bei einem abgespeichertem DNA-Profil kann das halt sehr schnell u.U. schwer beantwortbare Fragen aufwerfen, wenn mit Tatortspuren auch über 5 Ecken da ein Treffer gelandet wird.
Zwar sehr unwahrscheinlich…nur wie stehen die Chancen auf 6 Richtige beim Lotto?
Daher würde ich da mal anfragen, ob sie bestätigen können, dass die Daten da gelöscht sind, wenn die Sache noch nicht so lange her ist….zudem Du und Manni ja nicht als Verdächtiger getestet wurden.
Sollte zwar automatisch gehen…..nur die Mühlen mahlen langsam und gelöscht ist nicht gleich gelöscht…..
bombjack