Wann sackt das Grab?

Wenn jemand verstorben und begraben in einem Sarg 2 Meter unter der Erde liegt, dann verwest er ja dort. Einmal würde mich interessieren, wie lange das dauert und wenn auch das Holz des Sarges vergammelt ist, dann sackt das Grab doch einige Zentimeter ab, oder stelle ich mir das falsch vor? Oder sackt es immer mal wieder etwas ab, dass man es gar nicht merkt?

Der Leichnam verwest. Das bedeutet, dass vor allem die fleischlichen Anteile des Körpers vergehen. Übrig bleiben die Knochen. Für Erdbestattungen wählt man festere Särge als für Feuerbestattungen. Damit ist der Gedanke verbunden, daß zuerst der Leichnam vergehen soll, bevor das Holz des Sarges zu faulen beginnt und schließlich der Sarg zusammenfällt.

Wie lange dauert es? Es hängt wesentlich von der Bodenbeschaffenheit und der Belüftung des Grabes ab. In manchen Regionen ist der Leichnam nach wenigen Jahren vergangen (8-12 Jahre) in anderen Regionen sind Ruhezeiten von bis zu 40 Jahren notwendig. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Mumifizierung oder zur Bildung von Wachsleichen.

Wie schnell ein Sarg zusammenfällt hängt ebenfalls von den Bodenverhältnissen, aber auch vom verwendeten Holz ab. Harte Eiche und sehr stark harzhaltige Nadelhölzer halten länger als harzfreie Weichhölzer.

Nach der Beisetzung wird das Grab von Friedhofsmitarbeitern aufgefüllt und es wird ein Sarghügel angelegt. Dieser Hügel wird in Verlaufe weniger Wochen komplett nachsacken, weil sich das aufgefüllte Erdreich setzt. Oftmals entsteht jetzt schon eine Kuhle, die mit zusätzlicher Erde aufgefüllt werden muss. Ein weiteres Mal beginnt die Erde zu sacken, wenn Regen und Frost wirken und wenn die Erde zwischen die Füße des Sarges unter den Sarg rutscht.
Manchmal entstehen auch Risse im Sarg, sodass Erdreich in diesen eindringt, was abermals zu einem Absacken des Grabes führt.
Nach Jahren wird der Sargdeckel einbrechen und dann wird es relativ schlagartig zu einer Grubenbildung an der Oberfläche kommen.

Auch nach Ablauf der Ruhezeit, selbst wenn nach weiteren Jahren dieser Abschnitt neu mit Gräbern belegt wird, finden sich im Erdreich noch Knochen, Reste vom Sarg und oft auch von der Bekleidung und Sargausstattung. Entweder belässt man diese dort oder vergräbt sie an anderer Stelle des Friedhofs.

Mit dem ersten Einsacken des Grabes ist nach einigen Monaten zu rechnen. Hier ist dann die Erde nachgesackt, aber der Sarg noch nicht geborsten.
Nach einem bis drei Jahren kann das Holz nachgeben und ein weiteres Einsacken beobachtet werden.
Kommt es dann nach vielen Jahren zu einer massiven Grubenbildung, kann man davon ausgehen, daß der Sarg komplett zusammengebrochen ist. Dann ist aber der Leichnam auch schon vergangen und es sind allenfalls noch Knochen vorhanden.

Download PDF PDF erzeugen
  • Veröffentlicht am: 11. August 2007
  • 9 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

9 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ich glaube ich lasse mich jetzt doch verbrennen….

    Dein Blog ist fast besser als "Six Feet Under" ;)

  2. Eine Frage in diesem Zusammenhang: stimmt es, dass das Erdreich an besonders alten Friedhöfen, auf denen schon Generationen von Menschen begraben wurden, das Erdreich kontaminiert ist ("verfettet") weil eben extrem viel "Biomasse" eingebracht wurde?

    Ein tolles Blog!

  3. Ja, das kenne ich. Nach 25 Jahren ist im Familiengrab der Sarg der Großmutter meines Mannes eingesackt. Die Grube haben wir mit Erde aufgefüllt – kein Problem.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Boden kontaminiert sein soll. Im Wald verwest auch ständig Biomasse und das ist auch gut so. Dem 25jährigen einige Meter hohem Baum auf dem Familiengrab, den meine Schwiegermutter damals anstelle eines Grabsteines gesetzt hat, geht es jedenfalls hervorragend.

  4. Hallo Leute,

    wenn ich die Kommentare lese, muß ich manchmal

    wirklich herzhaft lachen, obwohl das Thema eher ernst

    ist.

    Mich bedrückt auch etwas und habe eine Frage: Wieso fürchtet der Mensch das Leichengift? Tiere geben

    das doch bestimmt auch ab, wenn Sie verwesen. Stimmt das

    das die Särge das auffangen und unten eine Art doppelter Boden ist?

    Übrigens finde ich diesen Forum absolut gut. Man bekommt

    mehr Infos und man fürchtet sich nachher entweder weniger oder noch mehr!

    • Ich bedanke mich für den Einwurf.
      In der Tat fällt die Nase in einem Zeitraum von 25 bis 45 Tagen ab.
      Die Nase wird vom Eisengehalt im Blut am Körper bzw. in Gesicht fixiert. Deshalb fällt Vegetarierern die Nase wesentlich früher ab. Im täglichen Leben kennt ja jeder die hängenden Nasen der Grünschnabel.
      Du musst dir also keine Sorgen machen, die Nase brauchst du ja eh nicht mehr.

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.