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Coco Chanel

„Chef, was machen wir denn zu Frau Büsers Geburtstag?“ fragt Sandy.

„Wie, zu Frau Büsers Geburtstag?“

„Ja, irgendwie müssen wir doch was machen. Die hat nächste Woche.“

„Wir machen das wie immer, wir legen alle zusammen und kaufen ihr dann was Schönes. Antonia kann bei der Gärtnerei einen dicken Strauß holen und fertig ist die Laube.“

Für mich ist die Sache damit erledigt. Ich habe das Höchstmaß an notwendigen Informationen abgesondert und erwarte nun, daß Sandy mit diesen Instruktionen mein Büro verläßt und den Rest mit den anderen Mitarbeitern bespricht.
Doch die langbeinige Amerikanerin lehnt sich in einem der Sessel, die meinem Schreibtisch gegenüberstehen, zurück und ruft: „Antooooooniaaaaa!“

Es pfeift in meinen Ohren und ich sehe die Notwendigkeit der Anschaffung einer Hörhilfe näher rücken.

Antonia kommt und Sandy klopft mit der freien Hand auf den Platz neben sich und Antonia setzt sich. Sandy sagt: „Der Chef hat mit uns was zu besprechen.“

„Nee, hab ich nicht, ich muß diese Auswertung für die Kammer fertigmachen, ich habe keine Zeit.“

„Ja aber, wenn Frau Büser doch Geburtstag hat…“

„Hat die jedes Jahr, ich hab doch schon gesagt, wie ich mir das vorstelle.“

Sandy wendet ein: „Ja, aber wir haben noch nicht besprochen, was wir ihr kaufen!“

„Egal, irgendwas Schönes. Ich mache das bei meiner Familie immer so, daß ich das ganze Jahr darauf achte, was für Wünsche die äußern und dann weiß ich immer, was ich an Geburtstagen und zu Weihnachten kaufen kann.“

Antonia glotzt nur und zuckt mit den Achseln: „Keine Ahnung.“

Sandy grübelt und auf einmal leuchten ihre Augen und sie ruft: „Heuschrecka! Ich habs!“

„Was denn?“ fragt Antonia.

„Na, das perfekte Geschenk! Neulich hat mir Frau Büser erst erzählt, daß Sie gerne dieses Parfüm von Coco Chanel hätte. Das ist zwar ziemlich teuer, aber wenn wir zusammenlegen…“

„Kein Problem“, sage ich, „kauft es, ich lege schon genug drauf, daß wir es uns leisten können.“

Sandy erklärt Antonia dann nochmals genau, was wir brauchen, denn Antonia will am nächsten Tag in die Stadt.

Am nächsten Tag hat Antonia aber kein Parfüm in der Stadt gekauft. Nein, sie habe das bestellt und das komme garantiert rechtzeitig.
Doch die Woche geht zu Ende und das Parfüm ist immer noch nicht da. Am Dienstag hat Frau Büser Geburtstag.

Am Montag bekommt Antonia während der Arbeitszeit einen Anruf von ihrer Nachbarin Tanja. Das Paket sei angekommen und Tanja habe es entgegen genommen. Erleichterung!

Dienstag, Frau Büsers Geburtstag.
Ich stehe im feinsten Anzug da, mit dem Blumenstrauß und einem Umschlag mit einem Geldgeschenk von der Firma in der Hand, und erwarte Frau Büser.
Die ganze diensthabende Belegschaft wartet mit mir.

Ach Gott, was die Frau sich freut!

„Daß Sie daran gedacht haben! Ach, wie schön. Ach, wie toll!“

Dann gibt Antonia Sandy das Päckchen. Sandy soll es überreichen, Antonia hat es hübsch eingepackt.

Frau Büser packt ihr Geschenk aus. Antonia hat es sehr gut gemeint und neben einer Unmenge unzerschneidbarem Klebeband und sehr viel Geschenkpapier auch noch üppig geraffte Folie verarbeitet, so dauert es eine Weile, bis Frau Büser das eigentliche Geschenk in Händen hält.
Es ist eine Parfümflasche.

Doch Sandy guckt so irritiert, stimmt da was nicht?
Frau Büser schaut auch etwas befremdet, ringt sich dann aber ein Lächeln ab und bedankt sich artig. Alle gratulieren ihr nochmal und dann geht’s wieder an die Arbeit. Mittags werden wir ein bißchen feiern.

In meinem Büro:

Sandy hat Antonia am Wickel: „Was haste denn da gekauft?“

„Das was Du gesagt hast! Parfüm!“

„Ja, aber was für eins?“

„Na Kokosparfüm eben, vom Channel. Also vom Shopping-Channel. Du hast doch gesagt ‚Kokos vom Channel‘!“

„Nein, ich habe gesagt Coco Chanel!“

„Ebent!“

„Nix eben! Coco Chanel war eine französische Modetante und deren Firma macht geiles Parfüm. Das hättest Du kaufen sollen.“

„Ich hab genau gemacht, was Du gesagt hast, Kokos vom Channel, und billig war es auch noch. Wir haben 90 Euro gesammelt und das hat nur 19 Euro gekostet. Ich hab noch über 70 Euro übrig, davon können wir Frau Büser noch einen Gutschein machen, damit sie mit ihrem Mann essen gehen kann.“

Mir wird das zu bunt, ich schiebe die beiden zur Tür hinaus auf den Gang.

Coco, Kokos, Chanel, Channel… Weiber!

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Peter Wilhelm4. Juni 2013

28 Kommentare von 140455.

  1. Dafür hat mein Cousin als Kind mal über der Katze eine nagelneue und damit volle Flasche Chanel No. 5 ausgekippt – damit sie besser riecht…

    Weder Katze noch seine Eltern (war ein Geschenk ihres Gatten zu Weihnachten…) waren amused…

  2. Eine Frau die nicht weiß wer oder was Coco Chanel ist! Wie geil ist das denn! Aber davon ab, wenn man sich für sowas nicht wirklich interessiert kann das vorkommen

    • Egal, Parfums enthalten immer genug Allool damit man das promillefürdernd innerlich andwenden kann. Ist nur eine Frage, das Zeug erfolgreich in den Magen zu verfrachten.

  3. Ein Missverständnis was hierhin passt, gab es in meiner Kindheit.

    Mein Grossvater wohnte in der „Ostzone“ wie wir sagen mussten, und da konnte man kaum hinfahren und auch nicht hin telefonieren. Wenn etwas war, schickte man sich einen Brief und in sehr dringenden Fällen ein Telegramm.

    Eines Tages starb eine Bekannte aus der Nachbarschaft in diesem thüringischen Dorf, die alle nur die „Baba“ nannten. Neine Tanten setzten also ein Telegramm auf mit dem Inhalt „Baba ist tot“. Telegramme wurden irgendwie mit Morsezeichen an das hiesige Postamt übermittelt und hier niedergeschrieben und dann zugestellt. Der Postbeamte glaubte an einen Fehler und schrieb auf „Papa ist tot“. Das wurde dann zugestellt.
    Mein Vater war schockiert und trommelte seine 2 Brüder zusammen, die auch hier im Westen leben.
    Sie kauften einen Kranz und Fahrkarten und setzten sich in den „Interzonenzug“ der nur 1 mal täglich fuhr. Mit dem Telegramm liess man sie tatsächlich den „antifaschistischen Schutzwall“ passieren und sie kamen bei meinem Grossvater an, der sie freudig begrüsste,

  4. Erinnert mich ein wenig an meinen Papa.
    Meine Mutter hatte sich auch einmal zum Geburtstag „Chanel No. 5“ gewünscht. Im ersten Jahr nach der Wunschäußerung bekam sie dann „Jil Sander No. 4“. Im zweiten dann tatsächlich ein Chanel-Parfüm, aber eines mit dem Zusatz „pour homme“. Ich glaube, dass er es dann endlich hinbekommen hat, denn mittlerweile hat sie ein Fläschchen davon.

  5. Immer wenn ich im Blog etwas überAntonia lese habe ich das Bild von Cindy aus Marzahn vor mir.
    Gibt es da eine Ähnlichkeit?
    Gruß Dieter aus dem hohen Norden

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