DIREKTKONTAKT

Frau Ü. beschwert sich

Von

„…hatte sich mein Sohn bei Ihnen als Praktikant beworben. Sie haben ihn nicht genommen und begründeten das mit seinen Piercings in der Zunge und den beiden Lippen. Ich halte das für eine Ausrede und glaube vielmehr, dass Sie meinen Sohn diskriminieren wollten, weil er einen türkischen Vater hat. Ich bitte um Ihre Stellungnahme!“

„Sehr geehrte Frau Ü.,

da wir es in unserem Gewerbe mit einer vorwiegend älteren Kundschaft zu tun haben, die den modernen Formen der Körperverzierung durch Tätowierungen und Körperstechschmuck in den meisten Fällen skeptisch gegenüberstehen, habe ich Ihren Sohn lediglich gefragt, ob er bereit sei, das kleine Vorhängeschloß, das er in der Oberlippe trägt und die dünne Kette, die seine Unterlippe mit dem rechten Ohrläppchen verbindet, wenigstens bei Anlässen, die einen persönlichen Kundenkontakt erfordern, herauszunehmen. Leider konnte ich seine Antwort aufgrund der in der Zunge befindlichen Gegenstände nur schwer verstehen, deutete sie aber als ein ‚Never, Alter‘.

Mit der ethnischen Verwurzelung Ihres Sohnes hat meine ablehnende Haltung nichts zu tun, wohl aber mit der Tatsache, dass er sich während des Bewerbungsgespräches dazu hinreißen ließ, ein Päckchen Tabak aus der Gesäßtasche zu holen, sich eine Zigarette zu drehen und die abgerissenen Tabakreste von beiden Enden der eben hergestellten Zigarette auf den Teppichboden meines Büros zu werfen.“


Peter Wilhelm 28. Mai 2012

0 0 Stimmen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
51 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
51
0
Was sind Deine Gedanken dazu? Kommentiere bittex