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Kann ich die Knochen meines Opas einfordern?

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Meine Eltern haben das Grab meines Opas freigegeben, weil sie die Kosten nicht tragen wollten.

Leider habe ich zu spät davon erfahren (die Familie ist zerstritten). Beim Pfarramt bekomme ich keine Informationen, und der örtliche Bestatter hat nach meiner Frage aufgelegt.

Die Frage: ich denke, nach 25 Jahren ist nicht mehr viel vom Körper übrig. Der Rest (Schädel?) kommt ins Gebeinhaus, richtig? Falls die Gemeinde sowas hat? Was passiert sonst damit? Habe ich eine Möglichkeit, die Gebeine meines Großvaters sozusagen „einzufordern“? Ich würde ihn gern wieder richtig bestatten lassen.

Ich fände es wirklich nett, wenn ich eine Antwort bekäme. Der Gedanke, daß mein Opa wie Abfall entsorgt wurde, geht mir nahe. Danke!

Wenn Gräber aufgegeben werden, verbleiben die sterblichen Überreste der früher dort bestatteten Personen zumeist an Ort und Stelle.

Natürlich gibt es mancherorts auch Gebeinhäuser, in denen die übriggebliebenen Knochen weiter aufbewahrt werden.
In aller Regel sind solche Knochenhäuser aber aus der Mode gekommen und man gibt keine neuen Knochen mehr hinein.

Wie Abfall werden aber auch die Verstorbenen nicht entsorgt, die nicht in ein Gebeinhaus kommen, sie verbleiben einfach an Ort und Stelle. Manchmal gibt es auch Sammelstätten in abgelegenen Friedhofsteilen und die mit Knochen durchsetzte Erde von zig Gräbern wird gelegentlich in einer Art Grab gesammelt beigesetzt. Das wird ganz verschieden gehandhabt.
Aber weggeworfen werden die sterblichen Überreste nicht.

Läuft ein Grab ab, kann man an machen Orten innerhalb einer gewissen Frist die Umbettung in ein Wahl- bzw. Familiengrab beantragen. Das ist natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.
Hier kann nur die zuständige Friedhofsverwaltung Auskunft erteilen.

Man kann die Knochen seiner verstorbenen Ahnen nicht „einfordern“, um sie z.B. zu Hause aufzubewahren oder selbst irgendwo zu bestatten. Mit der Ablauf der Ruhezeit gilt die Sache als erledigt, der Mensch als vergangen und die Grabstelle als frei.
Irgendwann muß ja auch mal Schluß sein.

Peter Wilhelm 15. Juni 2012


17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich kann mich irgendwie nicht wirklich damit abfinden, dass ein Grab nur auf Zeit ist. Irgendwie scheint das so eine Erfindung der Neuzeit zu sein… Ich muss dann immer an spätere Generationen denken, die sich irgendwie zu erklären versuchen, warum von uns nichts übrig ist und Gräber aus früheren Epochen sehr wohl da sind. Ich will mich jetzt nicht mit Cheops vergleichen, aber habe ich als normaler Mensch nicht auch das Anrecht, dass man irgendwann mal mein Grab sieht und sich fragt, was da für ein Mensch liegt?

  2. Natürlich hast du das Recht.

    Bau dir ne Pyramide in den Garten, oder konvertiere zu einer Religion, die Gräber für die Ewigkeit anlegt.
    Du kannst auch in die USA auswandern.

    Für die Normalen Leute wurde bisher selten solch eine Möglichkeit geboten.
    Sonst müssten Millionen von Gräbern aus dem alten Ägypten exiastieren. Diese Erfindung mit dem Grabablauf ist also auch nicht so neu.

  3. Irgendwie haben wir aber auch ein paar mehr Leute und auch ohne Friedhöfe, die sich über Quadratkilometer erstrecken nicht sonderlich viel Platz übrig.

  4. Man muß anderweitig dafür sorgen, wenn man der Nachwelt in Erinnerung bleiben will. Das ist auch gut so. Ich stelle mir grad vor, wie es wäre, wenn von jedem Menschen ein Grab erhalten bliebe. Wo leben dann die Lebenden?

  5. Der Platz ist begrenzt. Und von einfachen Menschen, die vor Jahrhunderten gestorben sind, findest du in aller Regel auch nichts mehr.

  6. Streut meine Asche in den Mittelkreis des BVB-Stadions!

    Tatsächlich ist es mir persönlich allerdings völlig egal was mit meinem Körper gemacht wird wenn ich tot bin. Am praktischsten für die Angehörigen empfinde ich ein anonymes Urnengrab.

  7. Vor vielen Jahren hatte meine Großmutter große Schwierigkeiten damit, dass das Grab ihrer lange Jahre zuvor verstorbenen und sozusagen in der alten Heimat begrabenen Mutter „plötzlich“ verschwunden war. Sie fand damals Trost in dem Gedanken, dass das Grab als Gedenkort und faktischer Ruheort der letzten Überreste erhalten bleibt, nur eben mit einem neuen Namen an der Tür, sozusagen.

  8. @9
    meine Großeltern wollten anonym auf einer Blumenwiese verstreut werden und so haben sie es auch durchgesetzt. Wir fanden es schrecklich, auch die Verabschiedung im Krematorium, das hatte was von Fegefeuer.
    Aber das eigentliche „Problem“ ist die fehlende Anlaufstelle zum Trauern und sie zu besuchen.
    Wir haben noch 200 Jahre alte Gräbern unsere Ahnen auf dem Friedhof und haben so manche Familiengeschichte neue entdeckt- sie erzählen einem ja aber nicht immer alles. Da hatte der Uropa rechts und links eine Frau neben sich liegen, die dritte lebte noch etc pp. Ich fand und finde diese Friedhofbesuche immer interessant.
    Meine Tante hat sie nun auch alle (bis auf eins) plätten lassen, da wurde wir und auch andere Verwandte nicht informiert. Bei uns muss man die Gräber 25 Jahre pachten, es geht aber auch wesentlich länger. Ich habe ja mal geschrieben, nun ein neues großes Familiengrab gepachtet, da passen wir alle rein. Das war nun auf dem alten Friedhof freigeworden, der wunderschön ist, auf dem es noch Gräber aus viele aus anno 18xy gibt.
    Mit einer alten Mauer für die Katzen in der Nacht und altem Baumbestand…natürlich kann es sein, dass in dem Grab, auch noch Knochen oder was zu finden sind, aber ich glaube, das stört uns weniger, wir sind und waren immer eine gesellige Familie. 😉
    Das waren auch ganz nette Leute, von daher…das wird mit den Jahren ein richtiger DNA Mus in den Gräbern, aber man will doch dort nicht nach Klonmaterial buddeln, oder? Das würde witzige Effekte geben. 😉

    Mich würde interessieren, warum die Gräber nun immer so schnell zusammensacken und man neue Erde auffüllen lassen muss, irgendwie waren die Särge früher stabiler als heute, Tom kannst Du dazu was schreiben?

    Liebe Grüße Smilla

  9. Genau dieser Gedanke: „Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein“, der ist so schwer zu verkraften. Dieses letzte Loslassen ist nicht so einfach, wie es klingt.
    Dennoch: Es ist gut, dass es so ist, wie es ist.

  10. Als eher stiller Mitleser möchte ich Tom erstmal für seine Arbeit hier danken.

    Bei uns in der Familie ist es so das meine Eltern und Großeltern ca 250 km von meiner Wohnort im Fammliengrab beigesezt sind . Wir Kinder war uns einig das man nicht eine Grabstelle braucht um an sein Angehörigen zu denken.

  11. In Oppenheim am Rhein befindet sich ein Beinhaus hinter der evangelischen Kirche.
    Da kann man durch eine Gittertür auf, die bis zur Decke gestapelten, Gebeine schauen.
    Lichtschalter ist da.
    Foto kann ich auf Wunsch ins Forum stellen.
    Gruß an alle.

  12. Hallo Smilla,
    ich denke das schnelle Zusammensacken hat weniger mit dem Sarg zu tun.
    Da die aufgefüllte Erde nicht verdichtet wird, setzt sie sich mit der Zeit.
    Bodenverdichter oder Walze macht sich nicht gut auf dem Friedhof.
    LG Arno

  13. @13
    daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wird der Boden nicht befestigt? Die fahren doch auch mit kleinen Baggern zum Grabausheben auf dem Friedhof herum oder mit dem Friedhofsbulli, mich würde da eine Walze nicht irritieren.
    Anfänglich ist da doch auch der aufgeschüttete Berg mit den ganzen Kränzen, dann werden die ganzen Kränze und Co weggeholt und irgendwann ist der Berg auch weg. Ich werd´mich morgen mal schlaumachen, ob das schlicht mit der Schüppe gemacht wird.

    Eine Tante von mir stellt sich nie auf das Grab, um zu harken, sondern balanciert immer nur auf dem Marmorrand entlang. Und schreit, wenn jemand drüber läuft, habe ich als Kind mal gemacht: „Nicht Kind, Du kannst doch einsacken! immer auf dem Rand gehen.“

    Ich gestehe, dass war eine bleibende Erinnerung. Mir ist seitdem immer mulmig dabei, wenn ich die Fläche betreten muss. Bei uns aus dem Friedhof wurde und wird noch viel Schabernack von Jugendlichen getrieben, Katzen in der Nacht vergraben und bei Vollmond wieder ausgebuddelt, so dass man nie weiß, was da gerade unter einem los ist.

    Aber ich gehe noch von dem Zusammenfallen des Sarges aus, dass ist recht fiel, was da aufgefüllt werden muss und es passiert ja erst nach Jahren. Ich poste mal morgen, was ich so rausbekommen habe. Da bin ich jetzt auch neugierig geworden…

    Grüße Smilla

  14. @Smilla
    Nach Jahren wirds wohl die Kiste sein.
    Bei einem Kiefernsarg schätze ich mal im Schnitt 5-7 Jahre.
    Das mit dem Balancieren wird wohl an dem Gefühl liegen auf den Verstorbenen zu stehen.
    LG
    Arno

  15. [quote=Smilia]mich würde da eine Walze nicht irritieren.[/quote]

    Dich vielleicht nicht, aber eventuell gibts Angehörige, die es etwas befremdlich finden, wenn man den frisch verbuddelten Opa Horst noch mit der Walze traktiert. Hat was von „der soll da bloß nicht wieder rauskommen“ 😉

  16. Hehe, daran habe ich noch gar nicht gedacht. 🙂 Aber ob die jetzt mit einer Schüppe draufhauen oder die Erde festtreten oder mit so einer niedlichen Walze drüber, aber vielleicht geht das mit der Walze vom Gewicht her nicht, nicht dass dann wirklich der Opa Horst mit Kiste zermalmt wird.
    Whatever, mich hat man heute bei meiner Frage nur komisch angeguckt und zwar so, dass ich davon ausgehe, dass keine Walzen eingesetzt werden. 🙂

    Dabei gibt es doch so kleine Handwalzen…?

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