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Müssen die Namen der Angehörigen in die Traueranzeige?

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Zunächst einmal herzlichen Dank für Dein ansprechendes Blog. Leider habe ich nun einen nicht erfreulichen Grund, Dir zu schreiben. Mein Vater ist völlig unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben.
Er war überall sehr beliebt, uns haben zahlreiche Menschen besucht und alle waren fassungslos, tieftraurig und teilweise sogar wütend über den plötzlichen Tod eines eigentlich gesunden Endsechzigers. Ich habe noch nie so viele gestandene Männer weinen sehen.
Wir haben einen guten Bestatter, aber trotzdem wollen wir einige Dinge selbst erledigen. Z.B. die Todesanzeige. Die soll keine Standard-Anzeige mit einem irgendwo her kopierten Standard-Spruch sein, allerdings auch kein ausgefallen-flippiges neumodisches Design. Darum wollten wir statt eines Standard-Spruchs unsere Eindrücke der letzen beiden Tage schildern.

Hier der (Ausschnitt aus dem) Entwurf:

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Der Bestatter hat uns dankenswerterweise eine Mappe mit vielen älteren Todesanzeigen zur Ansicht mitgegeben. Eine Sache ist uns dabei allerdings aufgefallen:
In jeder Todesanzeige stehen die Namen der Angehörigen. Wir finden das allerdings nicht wichtig, es geht nicht darum, unsere Trauer in den Vordergrund zu schieben. Vielmehr ist es uns wichtig, zu sagen, wie viele Menschen fassungslos und traurig sind. Deshalb haben wir unsere Namen weggelassen und etwas flapsig geschrieben „Es trauert ganz … (Ort wo er sein ganzes Leben gelebt hat.)“

Nach dieser langen Einleitung nun endlich meine Frage:
Kann man das so ohne Namen aufgeben oder muss der Name der Angehörigen zwangsläufig dabei stehen?

Schönen Dank für die ganze Mühe, die Du dir seit Jahren mit diesem Blog und den lesenswerten Büchern machst!

Die Anzeige, die mir ja komplett vorliegt, gefällt mir sehr gut. Ich finde, Ihr habt das zum Ausdruck gebracht, was Euch bewegt und gleichzeitig die wichtigsten Informationen gegeben.
Das ist ja der Sinn und Zweck einer Traueranzeige. Sie ist so ziemlich das Einzige, was man für „die Leute“ macht. Der Verstorbene kann sie nicht mehr lesen und die Angehörigen wissen selbst am besten, was sie gerade fühlen und denken.
Die Traueranzeige und eventuell der Totenbrief sind Benachrichtigungen an die Öffentlichkeit oder einen ausgewählten Personenkreis, damit die Menschen vom Tod einer Person erfahren.
Gleichzeitig sollen die Menschen aber durchaus auch erfahren dürfen, wer jetzt in Trauer ist und wem sie eventuell zu kondolieren haben.

Das ist der Grund, warum die Menschen ihre Namen und Verwandtschaftsbeziehungen unter dem Stichwort „in tiefer Trauer“ auflisten.
So haben andere die Möglichkeit zu erkennen, warum man sich vielleicht im Moment anders verhält.

Aber selbstverständlich ist das kein Muß. In dem von Dir geschilderten Fall sieht es ja so aus, als ob sowieso jeder in dem Ort Bescheid weiß, wenn er nur den Namen in der Zeitung sieht. So braucht man auch keine weiteren Angaben zu den Angehörigen.
Darüberhinaus ist es sowieso keine Pflicht, die Angehörigen aufzuführen, oft steht da nur „die Familie“ oder gerade einmal der Name der Witwe mit dem Zusatz „im Namen aller Angehörigen“.

Eure Anzeige ist sehr gut.

Peter Wilhelm 16. Februar 2013


4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe selber Traueranzeigen gemeinsam mit den Angehörigen entworfen. Auch wenn ich die Anzeige nur teilweise sehe, spüre ich, dass es eine persönliche aber vom Standard abweichende geworden ist. Viele fragen dabei oft was „man da machen soll“ – ich habe immer dass es hier KEIN „man“ gibt. Es soll eine Anzeige werden, die den Vorstellungen der Angehörigen entspricht den Verstorbenen entsprechend darzustellen – auch wenn diese nicht genannt werden.
    ja und noch was: je mehr Namen angeführt werden, je weiter der Kreis der zu nennenden – auch entfernter- Verwandten wird, umso eher wird einer übersehen, weil in der Hektik nicht alle Namen einfallen.

    • erfahrungsgemäss einer der grössten stolpersteine: wenn die trauernde witwe für die aufzählung die namen der enkel und urenkel aufschreiben soll und an den irren modenamen-kombinationen verzweifelt. „der heisst duhsdinn-scheermähn, aber wie schreibt man das denn?“

  2. Ich bin auch der Meinung, dass es bei solchen Anzeigen nicht auf die Einhaltung irgendwelcher Konventionen ankommt. Allerdings ist die Bekanntgabe von Namen der engeren Familienangehörigen trotzdem manchmal sinnvoll, da das die Zuordnung des Trauerfalls erleichtert. Nicht jeder kennt vielleicht den Verstorbenen persönlich aber vielleicht den Enkel- und kann sich ihm gegenüber entsprechend verhalten. Wenn die Informationen (wie in diesem Fall offensichtlich) sowieso im Dorf bekannt ist und darüberhinaus nicht bekannt werden soll- dann sind Namen sicher unwichtig.

  3. Ich finde es wohltuend, dass sich jemand wirklich Gedanken macht. Denn, wer ist eigentlich betroffen? Doch zum Ersten der/die Verstorbene.
    Ich gebe aber auch zu, dass es nicht einfach ist, den Standards zu entkommen. Mir ist es bisher nur sehr unzureichend gelungen.
    Es kommt mir jedoch immer wieder (auch bei mir selbst) verlogen vor, wenn immer nur (egoistische) Empfindungen in den Vordergrund kommen. Ist es nicht eher so, dass in vielen (sicherlich nicht in allen) Fällen der/die Verstorbene nicht so ganz freiwillig diesen Planeten verlassen hat?

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