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Sind Leichen eingefroren?

Erneut erreichte mich die Frage einer Leserin. Wenn auch Du Fragen hast, dann scheue Dich bitte nicht sie zu stellen.

Frage:

Bei wieviel Grad wird der Leichnam aufbewahrt wenn er in der Kühlkammer liegt? Werden die eingefroren? Sind das minus 30 Grad oder was?

Wir bewahren Verstorbene bei 4 Grad Celsius auf. Das hat sich nach unseren Erfahrungen als die beste Temperatur erwiesen. Das Einsetzen der Verwesung wird ausreichend lange gehemmt und die Geruchsbildung unterdrückt. Bei höheren Temperaturen geht das schneller, bei niedrigeren besteht die Gefahr, dass der Leichnam gefriert. Das ist einerseits vom „Handling“ her unpraktisch und andererseits bildet die Zellflüssigkeit beim langsamen Gefrieren nadelspitze Kristalle, die die Zellwände durchstechen.
Wird der Leichnam dann wieder aufgetaut, setzt die Verwesung aufgrund der zerstörten Zellen oft umso rasanter ein.

Manchmal müssen Leichen tiefgefroren werden, etwa wenn sie zum Zwecke der rechtsmedizinischen Untersuchung länger aufbewahrt werden müssen.

In anderen Ländern, etwa in bestimmten Regionen Kanadas, werden Leichen über die Wintermonate regelmäßig eingefroren und dann bestattet zu werden, wenn im Frühjahr die Böden wieder aufgetaut sind.
Das ist zum Beispiel in einigen Regionen Kanadas so der Fall.
Meist wird hier dann die Feuerbestattung gewählt. Das heißt, der Verstorbene wird zeitnah eingeäschert und die Urne dann bis zum Frühjahr aufbewahrt.
Dann findet die Bestattung der Urne bei besserem Wetter statt.
Hat der Verstorbene oder haben seine Angehörigen aber auf einer Erdbestattung bestanden, dann hängt es davon ab, wie stark der Boden gefroren ist. Oft wird mittels eines Gasbrenners das Erdreich aufgetaut und die Bestattung dann durchgeführt.
Kann das aber nicht realisiert werden, bleibt der Verstorbene bis ins Frühjahr eingefroren.

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Peter Wilhelm13. Januar 2017

8 Kommentare von 140489.

  1. also für die größe der Kristallen ist die Temperatur nich soooo wichtig, eher die Zeit. Wenn was sehr schnell eingefrohren wird gibt es nur sehr kleine Kristallen, die sind nicht so problematisch

    ich schätze in manchen Fällen ist 3 Monate eingefrohren und dann zügig bestattet besser als 3 Monate bei 4 °C gelagert

  2. @dieRichi: "jock2" hat Recht, es kommt eigentlich gar nicht auf die Temperatur, sondern auf die Geschwindigkeit an, mit der eingefroren wird. Den Unterschied kennt man selbst sehr gut, wenn man einmal fertiges Speiseeis aus der Tiefkühltruhe genossen hat. Es ist sehr cremig und weich. Friert man selbst eine Mischung aus Sahne usw. ein, wird diese sehr rauh und unangenehm auf der Zunge. Letzteres liegt fast ausschließlich an dem langsamen Gefrieren, eben weil sich diese Nadelkristalle bilden.

    Muss ein Verstorbener nun länger aufbewahrt werden, ist ein Eingefrieren oft nicht zu umgehen, wenngleich so etwas sehr selten notwendig wird. Hier ist dann nach der Freigabe ein doch recht zügiges Bestatten angesagt.

    Drei Monate bei 4 Grad geht gar nicht.

  3. Hallo,
    zum Thema der Kühltemperatur für Leichen.
    Vieleicht spielt die Eigenschaft des Wassers bezüglich der Temperatur eine Rolle!?
    Wasser hat bei exakt 4°C die besondere Eigenschaft, das kleinstmögliche Volumen und die grösste Teilchen dichte aufzuweisen!

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