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Woher kommen die ganzen weissen Leichenwagen in Haltern?

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Gestern wurden die sterblichen Überreste von 18 Opfern (16 Schüler, 2 Lehrerinnen)1 des German-Wings-Fluges, der vor einigen Wochen wohl in suizidaler Absicht vom Co-Piloten zum Absturz gebracht worden ist, vom Flughafen nach Haltern überführt, wo die Beisetzung stattfinden soll.
Die Bilder davon gingen durch die Nachrichten und viele Zuschauer waren davon beeindruckt, wie eine Kolonne von 16 fast identischen, weißen Bestattungsfahrzeugen in würdevoller Formation die Särge zum Bestimmungsort fuhren.

weisse-kuhlmann

Zahlreiche Fragen erreichten mich noch gestern im Verlaufe des Tages, woher so viele gleiche Bestattungsfahrzeuge stammen.
Gibt es da einen Bestatter, der so viele Fahrzeuge hat?
Sind die aus der Fabrik?
Gibt es staatliche Stellen, die für solche Zwecke Leichenwagen zur Verfügung haben?
So oder ähnlich lauteten die Fragen.

Die Antwort ist recht einfach.
Es handelt sich ausschließlich um Fahrzeuge des Bestattungswagenherstellers Kuhlmann.
Die Firma hat einige dieser Fahrzeuge als Vorführfahrzeuge und fertig zur Auslieferung im Portfolio.
Allerdings werden solche Fahrzeuge nicht „auf Halde“ produziert, sondern fast ausschließlich im Kundenauftrag.
Deshalb hat kaum ein Unternehmen dieser Branche 16 gleiche Fahrzeuge in auch noch der gleichen Farbe auf Lager.
Die Firma Kuhlmann, so wurde mir berichtet, hat ihre Kunden, die bereits solche Fahrzeuge haben, angerufen und gebeten, die Wagen für diesen eindrucksvollen und weltweit beachteten Konvoi zusammenzustellen.
Da habe sich niemand lumpen lassen, heißt es, und die Bestatter von Flensburg bis ins tiefste Bayern haben ihre Fahrzeuge teils über hunderte von Kilometern zum Einsatzort bewegt.
Man erkennt das im Übrigen auch an den vielen verschiedenen Ortsangaben auf den Kennzeichen der Bestattungsfahrzeuge.

Ein wirklich eindrucksvolles Bild!

Ähnlich ist man in den Niederlanden ja vor geraumer Zeit auch vorgegangen, als dort die sterblichen Überreste von Absturzopfern auf einer langen Fahrt überführt wurden.

Hier noch ein Video, aus dem auch mein Foto oben stammt:

1 Die Zahlen bezüglich der Überführung widersprechen sich in den verschiedenen Medienberichten.
Im zweiten Video ist von 14 Schülern und 2 Lehrerinnen die Rede, dann aber von 18 Bäumen, die zum Gedenken an die Opfer gepflanzt wurden.
Richtig ist, daß es sich um 16 Schüler und 2 Lehrerinnen handelt.

Peter Wilhelm 11. Juni 2015


10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Tom,
    ich möchte ja die Zahl der Opfer nicht in die Höhe treiben, aber waren es nicht 16 Schüler?

    • @Magicwoman: Es waren leider wirklich 16 SchülerInnen und 2 Lehrerinnen. Zwei Elternpaare haben für ihr Kind eine andere Form der Überführung gewählt, da sie nicht dieses öffentlich zur Schau stellen für sich und ihr Kind haben wollten

  2. Sehr interessant. Danke für die Klärung dieser Frage, auch wenn ich sie mir gar nicht gestellt habe.

    Schön, dass die Verstorbenen endlich wieder nach Hause konnten, auch wenn es ihre letzte Heimkehr war.

    • @Nickel:

      Ohne persönlich betroffen zu sein, jedoch als Mutter einer Tochter im Schüleraustausch-Alter: Mit der Formulierung „schön, dass“ komme ich überhaupt nicht klar.

      • @melancholia: Yehudi Menuhin wurde einmal gefragt, was für ihn schön sei. Er sagte: „Nach einem zweistündigen Konzert, endlich auf die Toilette dürfen, das ist schön.“

        Ich habe mich vor einigen Jahren mit einem Juden unterhalten, der mehrere KZ und einen Todesmarsch überlebt hat. Er sagte: „Schön, daß meine Eltern mich Geige spielen lehrten, das hat mir das Leben gerettet.“

      • @melancholia: Ich wollte mit der Formulierung nichts anderes ausdrücken, als dass es gut ist, dass die Verstorbenen wieder bei ihren Familien sind, statt noch immer weit weg. Es ist passiert, daran lässt sich nix ändern. Mehr sollte bitte nicht hinein interpretiert werden. Danke.

      • @melancholia:

        Auch nach dem Busunglück im Sierre-Tunnel wurde diskutiert, derartige schulische Veranstaltungen zu verbieten. Ich halte nichts davon. Es hiesse, irgendwann wird das Leben an sich verboten, weil es zu gefährlich ist.
        Sicher, es ist traurig und der Schmerz ist grenzenlos. Aber was ist die Alternative?
        Zu Hause zu sitzen und auf den Tod zu warten.
        Der Hebel muss da angesetzt werden, wo die Risiken verringert werden können. Also durch sicherere Flugzeuge, Piloten, Busse und Straßen.

  3. Die Wagen mit HSK-? 1614 sind von Fritz Mertens aus Meschede. Sind Kuhlmann-Cars, so gut wie neu 🙂

  4. Habe die Bilder gestern Abend auch im Fernsehen gesehen.
    Es hat mich sehr berührt, als die Kolonne so durch die Straßen fuhr und wie viele Menschen dabei am Straßenrand standen.

  5. „Es war ein Spezialauftrag. Zuerst galt: Stillschweigen, niemand durfte vorher davon erfahren. Dann waren gefordert: weiße Leichenwagen, ausschließlich der neueren Generation. Aus ganz Deutschland wurden diese Bestattungsfahrzeuge zusammengezogen. Sie bildeten nach dem Germanwings-Absturz den Konvoi der toten Kinder. Dicht an dicht fuhren sie in Haltern nach der Überführung aus Frankreich die sterblichen Überreste von 16 Schülern an den Trauernden vorbei. Beteiligt war das Bestattungshaus Mertens aus Meschede.“

    „Noch bis zu eine Woche werden die Fahrzeuge in Haltern bleiben, bis die Beerdigungen abgeschlossen sind. Familie Mertens hat für die Zeit zwei Ersatzfahrzeuge zur Verfügung gestellt bekommen – und musste bisher Fragen ausweichen wegen der auswärtigen Kennzeichen: „Wir haben dann von einer Inspektion gesprochen. Wir durften nichts sagen, da im Vorfeld keine Aussagen gemacht werden durften, um die trauernden Menschen nicht noch weiter unnötig zu belasten. Daran haben wir uns gehalten“, sagt Fritz Mertens.“

    Quelle: http://www.bestattungshaus-mertens.de/aktuelles/aktuelle-meldung/wagen-aus-meschede-im-konvoi-der-toten-kinder-von-haltern.html

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