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German Wings – Was ist von den Opfern noch übrig?

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Viele Wochen nach dem schrecklichen Flugzeugabsturz der German Wings Maschine wurden nun die Särge mit den sterblichen Überresten der Verunglückten überführt.
Im Netz wurde vielfach die Frage gestellt, was denn nun in den einzelnen Särgen enthalten ist.
Natürlich waren wieder viele Allwissende und Nichtswissende mit schnellen Antworten bei der Hand, die oft wenig Substanz hatten.

German Wings Absturz Opfer

Zunächst einmal müssen wir uns darüber im Klaren werden, welche Kräfte bei einem Flugzeugabsturz eine Rolle spielen.
Ich habe dazu einmal ein entsprechendes Video herausgesucht.
Bei dem Test ließ man einen Kampfjet gegen eine Betonwand prallen. Das ist zugebenermaßen ein anderes Szenario, aber der Film verdeutlicht, welche Kräfte da wirken:

In Anbetracht der Bilder in diesem Film und der Aufnahmen vom Absturzort des German Wings Fluges in Frankreich dürfte jedem klar sein, daß von einer solchen Unglücksstelle keine ganzen Körper mehr geborgen werden.
Auch die lange Zeit der Suche nach den Überresten spricht dafür, daß nach eher kleinen und kleinsten Teilen gesucht werden mußte. (Was für eine Belastung für die Suchmannschaften!)

Um nicht geschmacklos zu werden, was im Netz bei solchen Themen ja Mode ist, möchte ich es so formulieren, daß die Arbeit der Gerichtsmediziner und Polizisten hinterher einem Puzzle gleicht.

Nachdem die Zuordnung der Teile so gut es eben geht vollbracht ist, werden die zu einem Körper gehörenden Teile in „Body Bags“, Leichenhüllen, gelegt.
In diesem Fall fand in Anbetracht der Witterung und Zeitdauer eine intensive Kühlung statt. Diese erfolgt bei Temperaturen nahe unterhalb des Gefrierpunktes und nicht wie bei der herkömmlichen Verstorbenenkühlung bei Kühlschranktemperaturen über Null Grad.
Nur so ist eine Aufbewahrung über einen so langen Zeitraum möglich.

Vor der Freigabe erfolgte eine intensive Benetzung mit Desinfektionsmitteln und den Särgen wurden Hilfs- und Duftstoffe beigegeben.
Die Särge sind überdies nahezu luftdicht versiegelt.
Eine Abschiednahme vom Verstorbenen am offenen Sarg ist definitiv nicht möglich.

Man darf sich nach einem solchen Unglück nicht der Illusion hingeben, einen Sarg mit einem völlig intakten Körper zu bekommen.
Das ist leider traurige Realität.

Peter Wilhelm 11. Juni 2015


18 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Peter Wilhelm,

    vielen Dank für die Aufklärung. Das nimmt hoffentlich den bildhaften Spekulationen ein wenig den Wind aus den Segeln. Es ist grauenhaft, sich vorzustellen, wie die Eltern sich fühlen. Ich glaube auch, dass die Tatsache, dass sie das tote Kind nicht noch mal sehen können, wahnsinnig belastend ist. Denn alles beruht nun auf Vertrauen in die Rechtsmediziner und die Suchtrupps. Ich kann mir vorstellen, dass einige noch lange nicht die Hoffnung verlieren, dass ihr Kind vieleicht doch nicht dabei war.

    Man sieht hieran, wie hilfreich ein Abschied vom verstorbenen Menschen sein kann, um die Tatsache des Todes zu begreifen. Schlimm, wenn es nicht möglich ist.

    Viele Grüße aus Halle
    Juliane Uhl

  2. Wir sind Betroffene. Wir haben diese Fragen uns schon wie oft gestellt. Die Psychologin hat uns das versucht zu erklären, aber sie fand nicht die passenden Worte.
    Herrn Wilhelm sind wir dankbar für seine klare Erklärung. Keine Sensationslust, keine schrecklichen Details und doch alles erklärt.
    Diesen Blog kannten wir vorher nicht, aber wir lesen sei einigen Wochen gemeinsam oft hier.
    Er hilft uns mit unserer Situation fertig zu werden.

  3. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass man nach so einem Aufprall überhaupt noch etwas findet. Großen Respekt für die Suchmannschaften und an alle anderen, die an der Identifizierung etc gearbeitet haben bis alle Angehörigen zumindest etwas hatten, von dem sie Abschied nehmen können.

    • @sakasiru: Auch beim Unglück des Swissair-Fluges 111 im September 1998 war das Flugzeug zu zerschmettert, dass man so gut wie alle Trümmer- und Leichenteile mit einem Saugschiff vom Meeresboden geborgen hatte. Der Aufprall geschah mit 560 km/h – langsamer als beim Germanwings-Absturz.

      147 der 229 Opfer konnten aufgrund von Fingerabdrücken, Zähnen und Röntgenbildern identifiziert werden. 81 wurden mittels DNA-Vergleich bestimmt, und nur ein Toter konnte visuell erkannt werden.

      Das Saugschiff barg übrigens gewichtsmässig mehr als 95% der Flugzeugs.

      Solange die Umstände nicht gerade extrem sind (z.B. World Trade Center, wo Leichenteile auch noch von den x hundert Tonnen Gebäudeteilen zermalmt werden), findet man erstaunlich viel. Es hilft auch, wenn kein Feuer ausbricht.

  4. In einem Essay eines Hubschrauberpiloten der französischen Gendarmerie wurde erzählt, dass die Suchmannschaften auch für kleinste Leichenteile jeweils Tragbahren verwendeten – gerade für den Symbolcharakter: „Hier kommen Überreste eines Menschen.“

  5. In einem Artikel bei web.de steht, dass Teile von Verstorbenen, die keiner Person zugeordnet werden konnten, in einem Sammelgrab nahe der Unglücksstelle beigesetzt werden. Finde ich auch eine gute Lösung.

  6. Über die Kommentarbenachrichtigungen per e-mail sind ein paar sehr beschämende Dinge eingetroffen.

    Auch wenn die betroffenen Angehörigen und Freunde des Germanwings-Fluges eher im „Mittelpunkt“ stehen als zum Beispiel ein 25jähriger, der gerade seinen Vater nach einer Krebsgeschichte verloren hat: Neid ist völlig fehl am Platz.

    Angehörige sind auch schlau genug, um von sich aus zu fragen – wenn sie überhaupt wollen – in welchem Zustand ihre Liebsten vom Unfallort zurückkommen. Manchen hilft es, diese Fragen zu stellen. Andere möchten auf eine andere Weise abschliessen. Und wieder andere Leute sind etwa Flugunfallermittler, die sich für sowas interessieren müssen. Denn das Verletzungsmuster (charakteristisch sind etwa Abschürfungen durch die Sitzgurten, oder Wirbelsäulenverletzungen) gibt Aufschluss über die Unfallverlauf.

    Immerhin – zum Glück wird mit dem Germanwings-Flug weniger Unfug getrieben als mit MH370, dem Flug von Singapur, der nie in Peking angekommen ist.

    • Das war einer der höchst seltenen Fälle, bei denen ich eine ganze Reihe von Kommentaren gelöscht habe. Unter den verschiedensten Namen hatte eine Person hier teilweise Unterhaltungen mit sich selbst geführt.
      Ausdruckweise = unsäglich, Rechtschreibung = augenschmerzend, Absicht = Trollerei.

  7. Die Entfernung der Kommentare geschah völlig zu Recht, wer in diesem Blog körperliche Gewalt androht, ist fehl am Platz! Die Dame wurde von Jens hart und direkt kritisiert, was aber in keinem Fall so ein schlechtes Benehmen rechtfertigt. Bis auf ein paar kleine Reibereien, die hin und wieder vorkommen, ist die Kultur des Umgangs hier im Blog als vorbildlich zu bezeichnen!!
    Lg Josef

  8. Hallo Herr Wilhelm, hierzu hätte ich noch einige Fragen auf welche Sie hoffentlich auch eine Antwort wissen. Ein Verstorbener wird ja vorher angekleidet und meistens auch zugedeckt den Sarg gelegt bevor dieser verschlossen wird. Wie sieht das aber in diesem Fall aus? Ankleiden stelle ich mir hier als nicht machbar vor, es wurde ja schon einiges über den Zustand der sterblichen Überreste gesagt. Liegt alles einfach so im Sarg, oder wird das evtl. doch noch irgendwie abgedeckt? Vorstellbar wäre ja auch das Einschlagen in einem Tuch. Meine zweite Frage bezieht sich auf die Särge selbst. Sind bzw. waren diese nur für den Rücktransport bestimmt oder werden die Verstorbenen auch in diesen dann bestattet? Ein Umsargen ist unter diesen Umständen sicher auch für einen erfahrenen Bestatter bestimmt nicht gerade einfach.
    Zum Schluss möchte ich mich gern noch dem Kommentar von Juliane Uhl anschließen, er sagt eigentlich alles zu dieser traurigen Geschichte.
    LG

    • @John: Hallo, Sie haben sich die Fragen eigentlich schon selbst beantwortet. Bei Unfallopfern wird immer das getan, was notwendig und möglich ist.
      Ist vieles nicht mehr möglich, wird es beim Einschlagen in ein Tuch bleiben.
      Der Vollständigkeit halber statten viele Bestatter alle Särge grundsätzlich mit Kissen und Decke aus.

      Werden bei Katastrophen direkt am Unglücksort durch die Verwaltung oder Bestatter Särge für die Opfer zur Verfügung gestellt, ist man natürlich nicht verpflichtet, diese auch unbedingt zu nehmen.
      In aller Regel bleibt es aber bei diesen Särgen, es sei denn, es handelt sich um sehr einfache oder bei uns nicht gebräuchliche Särge, wie sie manchmal (Stichwort Tsunami) aus der Not heraus im Land des Unglücks verwendet werden.

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