Der elende Pisser ist endlich tot

Wenn Du als Bestatter zu einer Adresse gerufen wirst, weißt Du gar nichts über die Menschen, zu denen Du gleich kommen wirst.
Du stellst dich darauf ein, daß es eine weinende Familie sein wird, die, bestürzt über den Tod eines lieben Menschen, trauert.
Meist ist eine oder einer von denen diejenige oder derjenige, der Stärke beweisen muß oder will. Er oder sie klärt dann alles mit Dir.
Dann kommen die Sargträger, holen den Verstorbenen ab, und Du stehst mit den Angehörigen vor der Tür und schaust zu, wie die Trage mit dem Verstorbenen eingeladen wird.
Normalerweise verhalten sich die Nachbarn zurückhaltend, man sieht höchstens, wie hier und da eine Gardine hastig vorgezogen wird, wenn man mal auf eines der umliegenden Fenster schaut.

Ja, es gibt immer auch den vorwitzigen Jupp, der atemlos aus dem Haus gerannt kommt, auf den Bestattungswagen zeigt und dann fragt: „Is wat passiert?“
Oder die Nachbarin, die ansonsten für die Verteilung von kurzlebigen verbalen Informationseinheiten zuständig ist, die wie ein kopfloses Huhn um die Träger herumflattert und immer wieder ruft: „Ach Gott, ach Gott, ach Gott!“

Aber an diesem nieseligen Freitagabend war das alles anders. Etwa zwei Dutzend Menschen hatten sich an den Fenstern, im Hausgang, vor dem Haus und auf der gegenüberliegenden Straßenseite versammelt.
Keine atemlose, der Trauer geschuldete Stille. Allgemeines Palaver, so als warte man auf den Durchzug der Christopher-Street-Day-Parade.
Als die Männer die Trage aus dem Haus bringen, brandet Applaus auf. Jubel, Gelächter, höhnische Rufe. „Endlich!“, „Wurde aber auch Zeit!“, „Meine Fresse, der hat et aber auch verdient…“

Herr Bogdanov schrieb irgendwas in seine Schreibmappe, dann nickte er mir zu: „So, können wir?“
Der 46-jährige war der Hausverwalter und hatte für den Verstorbenen alle Vollmachten; er sollte mit mir alles weitere besprechen.

Als der Bestattungswagen wenige Minuten später abfuhr, flog ein Plastikbecher mit Bananenmilch hinterher, verfehlte das Auto nur knapp. Allgemeines Gejohle.
Erst als der Wagen um die Ecke gebogen war, verkrümelten sich die Leute. Man spürte allgemeine Zufriedenheit.

„Ich habe das Gefühl, der Verstorbene erfreute sich nicht gerade allgemeiner Beliebtheit“, sagte ich zu Herrn Bogdanov.
Herr Bogdanov und ich standen inzwischen vor der Wohnungstür des Verstorbenen. Der Verwalter nickte nur und meinte dann: „Wenn wir jetzt in die Wohnung kommen, seien Sie vorsichtig. Nicht an die Wände lehnen. In der Küche habe ich ein bißchen aufgeräumt, da geht es. Aber sonst bitte nichts anfassen.“

Er schloß auf.

Als die Tür aufschwang, hatte ich das Gefühl, jemand habe die Tür zur Pinkelrinnenhütte auf dem Oktoberfest aufgestoßen.
Ein scharfer, an Ammoniak erinnernder Geruch nach Urin, gemischt mit Anteilen faulenden Obstes drang in meine Nase. Ekelhaft.

Die Dreizimmerwohnung war vollgestopft mit Zeitungsstapeln und prall gefüllten Plastiktüten. In allen Ecken standen aufgerissene Pappkartons mit Abfall und Dutzende von gelben Plastikmüllsäcken, in denen dicke Fliegen herumbrummten.

„Mein Gott, wie lange hat der Verstorbene hier gelegen?“, erkundigte ich mich.

„Der Herr Planck? – Eine Stunde etwa, dann war der Arzt da und ich habe sie gerufen.“

Die Küche glich einem Schlachtfeld. So als habe man hier sechs Folgen der Küchenschlacht gedreht und zwar das Sonderformat „Asoziale kochen mit Abfall“.
Schimmelnde Töpfe, fettranzige Pfannen, faulende Konserven und Tiefkühlpackungen bis an die Zimmerdecke.

Aber Herr Bogdanov hatte am Tisch etwas Platz geschaffen. „Ich habe einfach alles runtergeschmissen, unter der Wachstuchdecke war sogar ein halbwegs sauberer Tisch.“ Er deutete in eine Ecke, wo die als Wachstuchtischdecke bezeichnete Fauligkeit wie ein steifes Segel im Wind aufrecht stand…
Über zwei der Stühle hatte der Mann Müllsäcke gestülpt. „Ich mach noch eben ein paar weitere Fenster auf“, sagte er.
„Ich helfe Ihnen“, bot ich mich an und während er sich im Wohnzimmer um die versifften Fettluken kümmerte, ging ich in den Raum, der wohl so etwas wie ein Schlafzimmer gewesen sein mußte. Ein schmaler Trampelpfad, kaum 20 Zentimeter breit, führte zur einer fleckigen, stinkenden Bettstatt.

„Warum hat der Mann überall Fanta rumstehen?“, fragte ich, unbedarft wie ich bin, den Verwalter.

„Das ist keine Fanta, das ist Pisse.“

„Was?“

„Ja, Pisse!“

Und dann erzählte mir Herr Bogdanov von Herrn Planck.

„Herr Planck hat diese Wohnung vor 11 Jahren gekauft. Da ging es ihm offenbar noch ganz gut. Das war aber vor meiner Zeit, ich mach das hier erst seit 8 Jahren. Das sind hier alles Eigentumswohnungen, müssen Sie wissen. Er war der Erste der hier einzog, die anderen sind alle so seit 8 bis 9 Jahren hier.
Damals hat der noch gearbeitet. Ich glaube, der war Vertreter für Kosmetikartikel oder so was. Aber dann wurde der Frührentner. Eines Tages tauchte der in meinem Büro auf und brachte einen Umschlag vorbei. ‚Wenn mal was mit mir ist, kümmern Sie sich bitte um alles.‘ Ich bin eigentlich für die privaten Belange der Wohnungsbesitzer nicht zuständig. Aber ich hab mir nichts dabei gedacht und den Umschlag in seine Eigentümerakte getan.
Vor zwei Jahren hab ich mal in den Umschlag geguckt. Da ist eine Vollmacht für mich drin, die über den Tod hinaus geht, eine Visitenkarte von Ihrem Beerdigungsinstitut und die Police von einer Sterbegeldversicherung über 8.000 Euro. Und dieser Zettel hier.“

Ich Hartmut Planck, geboren am 13.5.1966, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, verfüge hiermit, daß nach meinem Tod keine Trauerfeier stattfindet. Meine Asche soll an einem nicht näher bezeichneten Ort vergraben werden. Keiner soll mein Grab kennen. Ich will keine Anzeige in der Zeitung, keinen Pfarrer und keine Trauerfeier. Die Sterbegeldversicherung soll für die Beerdigung verwendet werden. Was übrig ist, geht an mein Patenkind Jutta in Österreich. Sie soll auch meine Wohnung erben. Mein Testament liegt bei Anwalt Dr. Brock.

Hartmut Planck

Ich deutete auf die Müllberge und fragte: „Das hier sieht nicht so aus, als habe der die Prämien für die Sterbegeldversicherung auch wirklich bezahlt.“

„Oh, lassen Sie sich nicht täuschen. Herr Planck hat früher gutes Geld verdient und ihm gehört neben dieser Wohnung hier noch eine im Nachbarhaus. Außerdem verfügte er über ein nicht unbeträchtliches Vermögen auf der Bank. Ich habe da Einblick.“

„Und warum sieht es hier so aus?“, fragte ich, und nach kurzem Zögern fügte ich hinzu: „Und die Reaktionen der Nachbarn waren ja auch -sagen wir es mal so- sehr seltsam.“

„Nein, da ist nichts Seltsames dran. Die sind alle froh, daß er weg ist. Herr Planck hatte mit allen Streit. Das fing damit an, daß er als Frührentner immer zu Hause sein konnte, während alle anderen tagtäglich ihre Wohnungen verließen, um zur Arbeit zu gehen. Zuerst ist er nur im Haus herumgeschlichen und hat den Leuten auf ihre Fußmatten gepinkelt.“

„Was hat der gemacht?“

„Ja, Sie haben richtig gehört, der hat den Leuten auf die Fußmatten gepinkelt. Deshalb stehen auch überall diese Plastikflaschen mit Urin herum. Er sammelte das und bespritzte und besprühte alles und jeden mit Urin.“

„Der war gaga, oder?“

„Schon, irgendwie. Wenn die anderen Eigentümer auf ihren Balkonen, auf der Terrasse oder im Garten saßen, hat er seine Wasserpistole mit Urin gefüllt und die Leute bespritzt.“

„Und die haben sich nicht gewehrt?“

„Doch, natürlich. Aber die Polizei hat gesagt, das sei keine Sachbeschädigung, weil man Urin einfach wegwaschen könnte. Wenn die Polizei bei ihm geklingelt hat, hat er nicht aufgemacht. Und wegen einem Urinspritzer rufen die nicht das SEK. Nach dem hundertsten Anruf sind die dann irgendwann gar nicht mehr gekommen.“

„Das geht doch nicht. Sowas ist doch strafbar.“

„Bestimmt sogar. Aber da braucht man erst mal Polizisten, die da eine Anzeige aufnehmen. Eine Bewohnerin hat sogar Anzeige direkt bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Die Folge, das Verfahren wurde eingestellt. Je mehr die sich beschwert haben, umso weniger haben sich die Behörden interessiert. Das wurde als Nachbarschaftsstreit abgetan. Irgendwann hat Planck mal selbst Anzeigen gegen alle Nachbarn geschrieben und wollte die wegen Mobbing verklagen… Tja, und seitdem hieß es bei der Polizei umso mehr, daß es sich nur um einen läppischen Nachbarschaftsstreit handelt. ‚In kleine Kabbeleien zwischen Nachbarn kann sich die Polizei nicht einmischen.‘.“

„Das kanns aber auch nicht sein. Dagegen hätte man doch was machen können.“

„Ja, was denn? Glaube Sie mir, die Nachbarn haben alles versucht. Die haben Anzeigen erstattet, die haben das Gesundheitsamt, das Ordnungsamt und was weiß ich für Behörden eingeschaltet. Letztlich hat es aber immer an verlässlichen Zeugen gefehlt. Eine Frau hat er mit einem Kondom beworfen, das mit Urin gefüllt war. Zeugin war die Tochter der Frau. Aussage der Polizei: ‚Als Tochter sind sie als Zeugin unglaubwürdig.‘ Ja, die haben sogar vorgehabt, den zusammenschlagen zu lassen. Irgendein Ausländer hätte das für 500 Euro übernommen. Aber dann wollte letztlich keiner was damit zu tun haben und das Ganze ist im Sand verlaufen.
Dann hat ein Nachbar einen Detektiv eingeschaltet. Die angefertigten Fotos hat sich die Polizei gar nicht erst angeschaut. Das sei ein Eingriff in die Privatsphäre des Mannes. Man solle besser einen Schiedsmann aufsuchen und diesen Nachbarschaftsstreit gütlich beilegen.
Dann hat der Detektiv vorgeschlagen, vom gegenüberliegenden Haus einen Richtlautsprecher auf die Wohnung von Herrn Planck zu richten. Man wollte ihn mit einem unhörbaren Ton wahnsinnig machen. Dafür wollte der Detektiv aber 2.000 Euro – am Tag.
Glauben Sie bloß nicht, die hätten nicht alles versucht. Anwälte haben sich da schon eine goldene Nase verdient. Aber immer fehlte es an Zeugen, dann hat Betroffene wieder der Mut verlassen und schließlich ging das Gerücht um, Herr Planck habe auch Schusswaffen.
Ich habe bis jetzt keine gesehen, außer der Wasserpistole. Vielleicht liegt irgendwo unter dem Müll noch was. Aber so wie ich das sehe, stimmt das mit den Schusswaffen nicht.
Aber seitdem das Gerücht herumging, haben die Leute noch mehr Angst vor dem gehabt.

Und es wurde immer schlimmer. Seine Wohnung liegt ja oben und ist etwas zurück versetzt. Man sieht von unten nicht, ob der da oben zugange ist. Aber sehen Sie da: Der hat diese Besenstiele mit den Spiegeln. Da in der Ecke steht einer.
Damit konnte er nach unten schielen und zielen…“

„Sauerei.“

„Da haben’se Recht! Und ich als Verwalter… Was meinen Sie, wie oft mein Telefon klingelte. Aber ich bin nur der Verwalter, nicht der Hausmeister oder Nachbarschaftspfleger. Außer seinem Besuch bei mir, als er mit den Umschlag brachte, habe ich den nie wieder zu Gesicht bekommen. Der antwortet nicht auf Briefe, der macht die Tür nicht auf und ans Telefon geht der schon dreimal nicht – äh, ging der schon dreimal nicht.“

„Ich kann mir das gar nicht vorstellen, daß man gegen so jemanden nichts unternehmen kann.“

„Ja doch, auf die Fresse hauen… Aber dann? Dann hat er fünf Tage Schmerzen und das Theater geht weiter wie zuvor. Ich weiß gar nicht mehr, wann das losging, aber so sieben, acht Jahre sind es bestimmt.“

„Langsam wird mir der Gestank hier zuviel“, merkte ich an, „Können wir nicht in unserem Büro weitermachen?“

„Nee, obwohl es schon spät ist, habe ich bei Harry Stubner angerufen. Der Entrümpler kommt noch heute Nacht und fängt an, hier klar Schiff zu machen. Die brauchbaren Sachen, sofern es welche gibt, kommen alle in einen Container, den Rest lassen wir verbrennen. Morgen will ich schon hier saubermachen lassen. Das haben die anderen Bewohner verdient, daß endlich dieser Gestank aus dem Haus kommt. Morgen Abend soll es hier sauber sein.“

Herr Bogdanov kam am nächsten Tag dann doch noch in unserem Büro vorbei. Er hatte die Patentochter aus Österreich erreicht. Sie war von dem Erbe völlig überrascht, hatte aber schon angedeutet, daß sie die Wohnung zum Verkauf anbieten wolle.
„Ich werde sehen, daß da eine junge Familie mit kleinen Kindern reinkommt“, meinte Herr Bogdanov.

Nach Herrn Planck hat sie niemand mehr erkundigt. Der Sarg mit ihm wurde eingeäschert und seine Urne anonym auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.
„Tut die vorne an die Ecke, wo immer die Hunde hinpieseln“, hatte ich zum schwitzdicken Friedhofsmann gesagt. Ich weiß, pietätlos.

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  • 17. Juli 2017 - 25 Kommentare - Lesezeit ca.: 10 Minuten - Kategorie: Geschichten

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm17. Juli 2017

25 Kommentare von 138217.

  1. Kenne auch so einen Fall. Vielleicht nicht ganz so krass. Aber ich kann bestätigen: die Bullen machen nichts.

    Wenn Aussage gegen Aussage steht und außer Verschmutzung nicht mehr passiert, sind denen die Hände gebunden.

    • @Benjamin: Ich bin so ein „Bulle“.
      Seit 1996 bin ich bei der Polizei, also bei den Leuten, die Tag und Nacht den Kopf für Leute wie Dich hinhalten.

      In unserer Wache gehen tagtäglich 20-30 solche Meldungen und Beschwerden ein.
      „Mein Nachbar sitzt Tag und Nacht hinter seiner Wohnungstür und ahmt einen bellenden Hund nach.“
      oder: „Mein Nachbar fotografiert uns alle vom Balkon aus.“
      „Unser Nachbar schreit die ganze Zeit in seiner Wohnung herum.“
      „Der Nachbar wirft immer seine Kippen auf unseren Balkon.“

      Ganz ehrlich? Ich weiß, daß solches Theater in der Nachbarschaft einem den letzten Nerv rauben können. Aber wir sind die Polizei und keine Nachbarschaftsstreitschlichter.
      Wir kommen, wenn uns jemand ruft, keine Frage. Aber wie sollen wir vor Ort etwas unternehmen, wenn Aussage gegen Aussage steht, wenn es keinen handfesten Zeugen gibt, wenn sich die Angaben widersprechen? Wie um alles in der Welt sollen wir da tätig werden?

      Wir können Empfehlungen aussprechen, wir können den Nachbarn auch mal ermahnen. Aber was, wenn der gleich das Gegenteil behauptet? Wir können kein Objekt observieren, weil jemand vom Balkon uriniert.

      • Moin,

        kennzeichnet trefflichst ihre und die mentale Einstellung weiter Teile ihrer Kollegen. Sorry aber wenn icxh derartig blödsinnige Rechtfertigungen lese kommt mir das kalte Erbrechen.
        Menschlicher Urin ist – auch getrocknet und in Spuren – nachweisbar, in 6 von 10 Fällen lassen sich sogar verwertbare DNA Spuren gewinnen und damit im Bedarfsfall die Urheberschaft bestätigen.
        Von möglichen Finger-/Handflächenabdrücken auf ‚Kondombomben’resten und ähnlichen – hier mit Sicherheit vorhandenen – Spurenträgern mal ganz abgesehen. Einmal vorm Posten das Gehirn einschalten.

        • @Frank von Stein:

          lach, ist dein Post wirklich ernst gemeint?
          Ich nehme an, du bist Jurist, da du dich so genau auskennst?

          Zwischen Theorie und Praxis ist ein riesen Unterschied.

          • Nicht ganz – vielmehr seit nunmehr fast 40 Jahren nicht uniformierter ‚Kollege‘ des Herrn ‚polmeister‘. Toxikologe und Kriminaltechniker um genau zu sein – womit dann wohl auch der vermeintliche Unterschied zwischen Theorie und Praxis geklärt sein sollte.

        • @Frank von Stein: Einmal davon abgesehen, dass hier vielleicht tatsächlich eine Sachbeschädigung vorliegt, fehlt die rechtliche Voraussetzung, um dem Mann eine DNA-Probe abnehmen zu können. Insofern ist Dein Geschwurbel kalter Rauch vom Nachmittag.

        • @Frank von Stein:
          Ja, bitte vor dem Posten das Hirn einschalten.
          Wer soll denn das alles bezahlen?
          Wer soll denn die ganze Arbeit machen? Und wann? Denkst du, das läuft wie beim CSI im Fernsehen, wo die komplette Spurenanalyse in ner Stunde vorliegt? Selbst in einem Mordfall dauert sowas Tage und Wochen.
          Und noch mehr: wenn sich das rumspricht und dann jedermann und sein Tantchen die Kavallerie wegen sowas ruft, wo sollen die denn alle sein, wenns dann wirklich mal zur Sache geht und es um Lebenwichtiges geht?

      • @polmeister:
        Ich verstehe dies und dass die Polizei anderes zu tun hat. Aber was soll man den machen? Warten bis einer wirklich ausrastet? Bis einer wirklich mit der Pistole um sich ballert?

        • @max:
          Tscha, das nennt sich Grauzone. Es laufen ne ganze Menge Irre frei rum, weil es zum wegsperren nicht langt.

  2. Der Mann war krank, ihm hätte geholfen werden müssen. Das war keine Aufgabe für die Polizei, sondern für die Sozialen Dienste. Finde das nicht witzig.

  3. Der Mann war schwer krank und hätte psychologische Hilfe gebraucht und das wissen Sie eigentlich auch ganz genau. Aber es ist einfacher zu sagen, Joa, Asoziale kochen halt mit Müll und sich auf diesem unterirdischen Niveau darüber lustig machen, wie Herr Planck seine letzten Jahre verbringen musste. Alleine, schwer psychisch krank in einer feindseligen Umgebung, die ihn „komisch“ findet. Mei, wenn ich jahrelang ignoriert werde, würd auch alle mit Pisse bewerfen. Dass hier alle so eklatant versagt haben kenne ich aus dem Bereich schon zur Genüge. Da werden akut psychotische Menschen einfach ihrer Psychose überlassen, aber es werden schnell die Cops gerufen, wenn der Mann dann mit einem Jagdmesser auf der Feuerleiter hängt und heult weil ihn „jemand umbringen will“. Da wird dann martialisch mit 8 Mann (ein Ordnungsamtsmensch, der sowas von überzeugt war, dass das nicht seine Aufgabe ist, zwei Sanitäter die wortlos aber gewaltreich den Mann einfach packen, auf den Bauch schmeißen und ihn fixieren und 4 Polizisten, die hilflos in der Gegend rumstehen und deren Reviere mir ebenso überzeugt mitgeteilt haben, dass das nicht ihre Aufgabe ist. Als der Vermieter dann endlich mal angerufen hat, konnte man den Mann nach 3 verdammten Wochen endlich zum Arzt bringen. Mit der Polizei und dem Ordnungsamt, was dafür gar nicht zuständig ist. Das hat aber nur geklappt, weil wir Nachbarn nicht solche Arschgeigen waren wie in diesem Fall.

    • @Melanie:

      Bei so armen Kranken macht der Sozialpsychiatrische Dienst aber merkwürdigerweise auch nix.Eine Nachbarin im Nebenhaus an unserem ehem. Wohnort hatte arge Alkoholprobleme und durch den Alkoholmißbrauch stimmte in ihrem Oberstübchen schon lange nichts mehr,die Mutter wurde als Finanzbetreuerin eingesetzt und die zahlte ihr wöchentlich ein kleines Taschengeld.Sie hatte einen Bekannten der für Alkohol seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt bekam,regelmäßig gab es Krach zwischen den Beiden und dann schmiss sie seine Sachen aus dem Fenster.Es kam schon vor das Passanten die an dem Haus vorbeigehen mussten fast einen Glasaschenbecher oder eine Box von einer Stereo-Anlage an den Kopf bekamen.Polizei kam schon lange nicht mehr,der SPD kam kurz und ging dann wieder,Vermietungsgesellschaft kümmerte sich auch nicht da die Wohnung an den SPD vermietet war.Erst als sie in einem Anfall einem kleinen Kind auf dem Spielplatz der Wohnanlage starke Beruhigungsmittel als Bonbons andrehte,meine Frau sah es durch Zufall , schritt ein und informierte die Mutter,kam die Polizei,nahm die Aussage meiner Frau auf,der SPD kam Wochen später mit einem Möbeltransportunternehmen,räumte die Wohnung und die Frau terrorisiert jetzt andere Menschen im nächsten Stadtteil.
      Menschen mit psychischen Problemen soll man helfen Richtig,dafür gibt es Spezialisten aber wenn die auch lieber die Kohle kassieren aber nix machen was dann?

    • @Melanie: Wenn ich so ein Zeug lese, kommt mir das keuchende Kotzen hoch. Du machst hier die Opfer zu Tätern. Es spielt zunächst überhaupt keine Rolle, aus welchen Beweggründen der Mann so handelt.
      Für die Nachbarn sind allein die Folgen von Relevanz.

      Was der Geschichte an Kommunikationsversuchen vorangegangen ist, lässt die Geschichte offen. Aber wenn so etwas über so viele Jahre geht, kann man einfach grundsätzlich davon ausgehen, dass alle normalen Schritte gegangen wurden. Man wird das Gespräch gesucht haben, Briefe geschrieben haben, die notwendigen Stellen benachrichtigt haben.

      Aber was will man machen, wenn alles das nichts bringt?

      Du besitzt sogar die Frechheit, die Menschen, die von einem offenbar geistig Verwirrten mit Urin beworfen werden, als Arschgeigen zu bezeichnen.
      Das ist ja wohl das Letzte und zeugt von einer recht niedrigen Intelligenz Deinerseits. Du hast die Situation nicht erfasst. Dir fehlt es an Hirn, um die Reichweite des Ganzen umfassend genug begreifen zu können.

  4. @Leo: Ich meine die Person, die diesen Text verfasst hat.

    @Georg: Ja, eben. Auch in deinem Fall bzw. der Nachbarin hat die so super-solidarische, inklusive Gesellschaft völlig versagt. „Messis“ brauchen Leute wie den sozialpsychiatrischen Dienst, die die Patienten aufsuchen. Dazu braucht man aber halt auch Geld, damit man niederschwellige Zugänge zur Hilfe etablieren kann. Welches komischerweise nie vorhanden ist, wenn es um Menschen geht. 138 Milliarden für Banken gehen aber voll klar. An Alkohol verrecken jedes Jahr 70 000 Leute, aber es wird munter weiter gesoffen, als wäre es so normal wie Wasser. Und statt sich tatsächlich mit den Problemen der Menschen professionell auseinander zu setzen, nennt man sie halt lieber Asoziale die mit Müll kochen und verscharrt sie unter der Hunde-Puller-Ecke. Dass er ein anonymes Grab wählte und die letzten Jahre alleine war, das reicht nicht, der Bestatter muss auch noch ein bissl bestrafen. Also echt, mir schiessen ob des gelebten Humanismus im so zivilisierten Friedensnobelpreisträger Europa glatt Tränen des Stolzes in die Augen. Ein Träumchen ist das alles.

    • @Melanie: Mensch, das ist doch nur eine Geschichte. Immer wieder schreibt Peter, dass die Geschichten an Wahrheiten angelehnt, aber dennoch künstlerisch frei gestaltet sind. Ich wette, dass es sich nicht wirklich so zugetragen hat.
      Und wie bei allen Geschichten kann der Autor seine Worte frei wählen.

      Das hier ist keine Bestatter-Seite.
      Es handelt sich um ein informatives Blog mit Geschichten und Erklärungen.

    • @Melanie:
      Du scheinst da auch Einiges nicht so recht zu verstehen. Wenn so ne Bank draufgeht, trifft es am Ende auch Menschen. Und zwar ungleich mehr.

  5. Urin ist keine Sachbeschädigung, kann man abwaschen? Aha. Würde das die Polzei auch sagen, wenn man Herrn Seehofer anpinkeln würde? Wieso müssen Wildpinkler mit Bußgeld rechnen, wenn das alles harmlos ist?

  6. Bei uns im Haus wohnte bis vor zwei Jahren eine Frau, die Alkoholikerin war.
    Das Amt hat ihr alles bezahlt. Das Geld reichte aber hinten und vorne nicht. Sie hat sich in ihrer Wohnung deshalb Männern hingegeben. Für Geld und Schnaps.
    Die Frau hat aus dem Fenster gekackt.
    Die Nachbarn inklusive meinem Mann und mir, haben alles versucht. Wir haben mit der Frau zu reden versucht. Ergebnis: Wir wurden auf das Übelste beschimpft und bedroht.
    Wir haben ihr Hilfe angeboten, ohne Ergebnis. Sie hat alles abgelehnt.
    Dann hat sie angefangen mit Gegenständen nach den Kindern zu werfen.
    Der Hausmeister wollte ihr helfen und den hat sie mit einem Messer bedroht.

    Was sollst du denn als Nachbar in so einem Fall tun?

    Wir sind nicht für diese Frau und ihre Situation verantwortlich. Es ist nicht unsere Aufgabe, uns um einen kranken Menschen zu kümmern, der uns auch noch bedroht.

    Für so etwas gibt es Behörden.
    Aber da stösst man auf taube Ohren. Wie? Sie sind kein Angehöriger? Dann haben sie nichts damit zu tun!

    Also ging es irgendwann mal los, dass Nachbarn die Polizei gerufen haben. An manchen Tagen kamen die Polizisten drei mal.
    Aber sie können nichts machen. Die Frau macht die Tür nicht auf. Wegen einer runtergeworfenen Flasche brechen die Beamten die Türnicht auf.
    Einmal kam dann ein Kontrollarzt oder so. Die haben die Frau dann mit großem Aufwand in die Psychiatrie gebracht. Nach 48 Stunden war sie wieder zu Hause und das Theater ging weiter.
    Jetzt war auch die Psychiatrie keine Abschreckung mehr für die Frau.
    Sie wusste nun, die Polizei kann nichts machen.
    Die Psychiatrie ist keine Bedrohung, weil sie da ja auch wieder raus kommt.

    So Leute wie Melanie machen es sich einfach. Die geben dem sozialen Umfeld die Schuld. Die bösen Nachbarn hätten sich mehr kümmern müssen, um diese arme Frau oder den kranken Mann aus der obigen Geschichte.

    Wenn so was aber acht Jahre oder länger geht,. dann haben die Nachbarn alles mögliche versucht. Kein Mensch feindet sich mit so einem Kranken von jetzt auf nachher an. Erst versucht es doch jeder auf dem normalen Weg. Durch Gespräche, durch Nettsein und dem ganzen Repertoire an nachbarschaftlichen Mechanismen.

    Aber diese Frau war so krank, dass sie in jedem eine Bedrohung Odereinen Angreifer sah.

    Irgendwann sind die Leute dann zermürbt. Dann geben sie auf, sich zu kümmern und helfen zu wollen. Dann ist die Frau nur noch eine Bedrohung.
    Die wahren Opfer sind wir Nachbarn, die von dieser Frau mit Kot, Konservendosen, Flaschen und Unrat beworfen wurden.

    Die Behörden unternehmen am Ende gar nichts. Weder der soziale Dienst der Stadt, noch Ärzte, noch Polizei, noch sonst wer.
    Jeder schaltet sich ein, das ist kein Problem. Aber bei den ersten Einschaltungen bleibt es und dann sind die Nachbarn wieder alleine mit der kranken Person und ihrem Verhalten.
    Daraus wird erst Ablehnung und irgendwann Hass.
    Ich habe an manchen Tagen lieber länger gearbeitet, als nach Hause zu kommen.
    Wenn ich nur daran dachte, was mich zu Hause wieder erwartet. Muss ich wieder den Eimer und die Bürste nehmen und Kot von der Fassade schrubben? Hat das Auto meines Mannes wieder Beulen im Dach?
    Trauen sich die Kinder wieder nicht in den Garten, weil die Alte mit Flaschen nach ihnen wirft?

    Solange niemand verletzt wird, können wir nicht einschreiten, hat die Polizei gesagt.

    Zum Thema Polizei.
    Da hat oben einer geschrieben, man könnte da DNA-Spuren gewinnen oder Fingerabdrücke.
    Darüber kann ich nur lachen. Die Polizisten haben sich die Schweinereien noch nicht einmal aus der Nähe angesehen. Ich sag, hinterm Haus im Garten liegt schon wieder eine Kotbombe. Da sagt der Polizist, er muss nicht mitkommen, und sich das anschauen, er weiss wie Kacke aussieht.

    Originalton: In der Stadt geschehen in dieser Minute 5 Einbrüche, da können wir nicht unsere Zeit hier mit einer Störung des Nachbarfriedens vertrödeln.

    Dieses Gutmenschengerede von wegen, diesen armen Menschen muss geholfen werden, kann ich nicht mehr hören.
    Wir leben alle unser Leben. Wir gehen arbeiten, wir wollen in der Freizeit unsere Ruhe, wir wollen unseren Frieden. Jeder hat seine eigenen Probleme. Der Schwiegervater ist ein Pflegefall, die Oma liegt im Krankenhaus, meine Tochter hat Diabetes.
    Ich habe genug damit zu tun, meinen eigenen Scheiß auf die Reihe zu bekommen.

    Mir fehlt die Energie und die Lust, mich auch noch um einen psychisch kranken Menschen in der Nachbarschaft zu kümmern, der andere auch noch bedroht, beleidigt beschimpft und beschmutzt.

  7. Gut, der Mann war krank und konnte sein Verhalten nicht kontrollieren. Aber die Nachbarn mussten sich den Terror Jahrelang gefallen lassen, das ist für diese Menschen eine unvorstellbare Zumutung! Hier ist der Staat gefragt, um hier Lösungen zu finden. Bei so massiven unzumutbaren Verhaltensweisen muss man dann über eine dauerhafte Unterbringung in einer Klinik nachdenken. Da muss es schnell Ansprechpartner geben, die Kompetent und Handlungsfähig sind!

  8. Jeder hat grundsätzlich das Recht, Entscheidungen für sich zu treffen. Das betrifft auch, sich bewusst für ein Leben als sozial unverträgliches Ar…loch zu entscheiden.
    Aber: Die Nachbarn haben auch das Recht, die Erleichterung zu feiern, wenn das Problem gelöst ist! Denn knallhart gesagt: Sie sind mit der Situation alleine.

    In der Geschichte steht nicht, dass der Mann tatsächlich krank war, aber aus Laiensicht scheint es wohl so gewesen zu sein. Und selbst wenn er es war, dann gilt auch hier: Es gibt keine Pflicht, sich psychotherapeutisch oder sonstwie medizinisch behandeln zu lassen, solange kein entsprechender Gerichtsbeschluss vorliegt.
    Das Eingreifen der Ordnungsbehörden und Sozialdienste ist und kann immer nur ein kurzzeitiger Eingriff in die Autonomie des Ar…lochs sein – für alles andere fehlt die Handhabe. So ohne weiteres kann keiner „von der Straße weggefangen“ und in einer Klinik untergebracht werden. Wenn sich also der Kranke beharrlich einer Behandlung verweigert, sind alle machtlos.

    An dieser Stelle möchte ich auch eine Grundsatzfrage stellen:
    Warum sollten Nachbarn in besonderem Maße füreinander einstehen und sorgen? Sicher, bis auf ganz wenige Ausnahmen ist jeder allen Menschen gegenüber höflich und hilfsbereit (je nach Situation: Tür aufhalten oder Krankenwagen rufen). Warum sollte es bei Nachbarn über diese allgemeine Anstandsregeln hinausgehen? Das sind doch zunächsteinmal nur Fremde, die nebenan wohnen. Bestenfalls entwickelt sich aus der Bekannschaft eine zwischenmenschlich intensive Beziehung, in der man sich umeinander kümmert. Prima, wenn es so läuft. Andererseits muss es auch mit gegenseitigem Grüßen und Respekt getan sein. Denn die Kehrseite eines fürsorglichen und aufmerksamen Nachbarn sind Neugier, Klatsch und Einmischung.
    Und wie Erika weiter oben schon geschrieben hat: Jeder hat sein Päckchen zu tragen und muss sich seine Ressourcen einteilen. Und wenn nach jahrelangen kräftezehrenden Belästigungen endgültig Schluß ist, darf man sich darüber freuen, braucht sich seiner Erleichterung nicht schämen und muss sich auch nicht als Arschgeige titulieren lassen.
    PS: Ich habe sowohl nette Nachbarn (die Freunde wurden) als auch weniger nette (Gott sei Dank keinen so extremen Fall).

    • @Letti Scarletti: Vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Als ich diese Geschichte erlebte, war ich baff. Da ist es einem Mann gelungen, über viele Jahre seine Nachbarn zu terrorisieren. Ich habe mir vorgestellt, wie die Menschen sich gefühlt haben müssen. Sie haben sich einen schönen Fleck zum Wohnen ausgesucht. Sie haben schätzungsweise knapp 300.000 € für ihre Wohnungen bezahlt und möchten nun mit ihren Familien ein Zuhause genießen.

      Und dann kommt man nicht zur Ruhe, weil eine Person Tag und Nacht schreit, poltert, laut Musik spielt und bei jeder Gelegenheit Urin verspritzt, mit Wasserpistolen verschießt und als Ballonbomben auf Tiere, Menschen und Gegenstände wirft.

      Ein solches Verhalten muß niemand tolerieren. Da spielt es auch gar keine Rolle, ob der Mann einfach nur bösartig ist oder an einer Krankheit leidet. Wer sich so durch sein Verhalten außerhalb der geltenden Normen außerhalb der Gesellschaft stellt, der ist im wahrsten Sinne des Wortes asozial.

      Wie weiter oben ganz richtig geschrieben wurde, hat jeder sein eigenes Päckchen an Sorgen, Kümmernissen und Verantwortung zu tragen. Das ist für jeden vorrangig. Für die Betroffenen zählt wirklich nur das Resultat: Sie können nicht in Frieden leben und sie werden aufs Übelste beschmutzt.

      Aus den Erzählungen der Betroffenen weiß ich, daß dem Ganzen ein viele Jahre währender Versuch, dem Mann zu helfen, vorausgegangen ist.
      Nur ganz ehrlich: Wenn ich einmal oder zweimal das Gespräch gesucht hätte, um meine Hilfe anzubieten und der Mann mich dann durch die Tür als Arschloch und sau beschimpft und durch den Briefkastenschlitz literweise Urin ausgießt, ich würde jeden weiteren Hilfeversuch unterlassen.

      Wir -auch ich nicht- wissen nichts über die Vorgeschichte. Wir wissen nicht, was den Mann so gemacht hat. Die Nachbarn sind alle nicht an dieser Situation schuld, sie sind samt und sämtlich erst nach ihm dort eingezogen und da hatte er dieses Verhalten schon.

      Nun trägt der Mann ja kein Schild mit der Aufschrift: „Ich werde Dich morgen vollpissend“ auf der Stirn. Die neu Eingezogenen haben nichts davon geahnt. Vielleicht war das Verhalten auch anfangs nicht ganz so extrem.

      Aber man hat mir erzählt (mein Masseur wohnt gegenüber) dass selbst bei Leuten, die erst zwei Tage dort wohnten, am nächsten Tag schon Urin in den Briefkasten oder auf die Fußmatte geleert worden war.

      Insbesondere die Tatsache, daß immer wieder gemunkelt wurde, der Mann verfüge auch über scharfe Schusswaffen, hat die Menschen Vorsicht walten lassen. Da hat sich -wiederum im wahrsten Sinne des Wortes- niemand zu weit aus dem Fenster lehnen wollen.

      Die Leute waren am Ende ihrer Kraft und hatten keine Nerven mehr. Der geschilderte Applaus war ein Zeichen der Erlösung. Ich kann diese Leute verstehen.

      Im Übrigen: Auf dem geschilderten Friedhof sind Hunde überhaupt nicht erlaubt. Die sogenannte Pinkelecke liegt an einem Papierkorb und dort wuchern immer Brennnesseln. Mir hat der Friedhofsarbeiter mal erzählt, das käme vom Ammoniak im Urin. „Da machen bestimmt die Hunde hin.“
      Denn Verbot hin, Verbot her, manche Oma nimmt doch ihren Fifi mit.

      Und da neben dem Papierkorb kann man niemanden bestatten. Das war nur ein lockerer Spruch von mir, dem noch tagelang der scharfe Geruch von Urinal und Klo in der Nase hing.

      Inzwischen hat meine Frau einen sehr guten Kontakt zu der jungen Frau, die direkt unter dem Urinspritzer wohnte. Von ihr haben wir die Geschichte nochmal und nochmal in vielen Details gehört.
      Nein, es bleibt dabei, ich finde keine Schuld bei den Nachbarn, sondern nur bei dem Mann, der sich so verhalten hat, und eventuell bei den Stellen, die informiert wurden, aber nichts unternommen haben.

      Ob denn nun das Ordnungsamt dafür zuständig ist oder nicht, spielt gar keine Rolle.
      Wenn über Jahre 2 Dutzend Familien immer wieder anrufen und derartige Umstände schildern, kann auch ein nicht zuständiger Beamter oder Angestellter einmal zum Hörer greifen und die richtige Stelle anrufen.
      Dem Geschädigten muß geholfen werden.

  9. Bei meiner Mutter wohnte in der Nachbarwohnung ein noch recht junger, massiv übergewichtiger Mann. Irgendwann war das Gewicht so extrem, dass er nicht mal mehr die paar Etagen zum Briefkasten geschafft hat. Ab und an kam ein Betreuer und brachte Lebensmittel und Futter für die Katze. Ansonsten bekam man von dem jungen Mann nicht viel mit, außer dass er ab und an sehr laut TV schaute oder Musik hörte und dass es aus der Wohnung nicht gerade sauber roch
    Dann gab es ein paar sehr warme Tage, der junge Mann wurde nicht mehr gesehen und meldete sich nicht und die Tür mußte geöffnet werden. Er lag dort schon einige Zeit. Ich glaube, für die abholenden Bestattungshelfer war das nicht gerade ein toller Job
    Bei geöffneter Tür konnte man dann sehen, dass die Wände voller Fäkalien und sonst was geschmiert waren. Auf die Frage an den Betreuer, warum er nichts unternommen hätte, antwortete er: „Was glauben Sie, warum ich nicht mehr hergekommen bin“ Dann schnappte er sich den großen Fernseher des Verstorbenen und verschwand….
    Da sieht man mal, dass – wenn so jemand „Hilfe“ hat – das auch nicht eine Garantie ist, dass alles gut läuft.
    Wenn es dann so ausartet, wie in Peters Beitrag, ist das Daheim für die Bewohner nur noch der Horror

  10. Traurig,dass man so einen Titel wählt,aber der Titel hat mich schon interessiert,also las ich. Und kann sagen: über den Tod der Oma meines Kindes (diese Frau war nicht meine Mutti!) hab ich nicht eine Träne geweint,ich kannte sie lange genug. So etwas wie Erleichterung machte sich in mir breit, hoffe, das sie nicht zuviel Schaden im Leben meines nun erwachsenen Sohnes angerichtet hat.Wegen ihrer Lügen und ihres Verhaltens vermeidet wohl mein Sohn den Kontakt zu mir,da trauere ich nicht eine Minute,weiß auch gar nicht,ob sie ein sogenanntes ordentliches Begräbnis bekommen hat,sicher nicht,weil ihr Sohn dafür zu geizig war.Ich vermeide da aber Schimpfwörter, ist für eine Geschichte,die sich so oder ähnlich abgespielt hat,i.O.Dichterische Freiheit eben…

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