Peinliches Vorkommnis um einen Mann auf dem Damenklo

Bei uns im Haus ist eine Trauerfeier zu Ende gegangen.
Es waren sehr viele Leute da und wenn so eine Trauerfeier herum ist, stehen hier und da in unserer Eingangshalle oder vor dem Haus oft noch Grüppchen zusammen.

Ich mag dann nicht unbedingt gerne durch die Halle laufen, weil mich dann für gewöhnlich die Leute ansprechen und von der Arbeit abhalten.
Nach einer Trauerfeier haben sie das Schlimmste überstanden, sind etwas gelöst und dann haben sie oft Hunderte von Fragen an den Bestatter.

Heute konnte ich es aber nicht vermeiden und mußte da durch, die nächste Trauerfeier stand nämlich an und ich wollte die Trauerhalle etwas umdekorieren.
Den Sarg hätte ich eigentlich stehenlassen können, bei beiden Trauerfeiern kam „Palme braun“, in unserer Sprache „Modell Kassel“ zum Einsatz.
Zumindest die, die drin liegen, hätten sich gewiß nicht beschwert.

Nach dem Umbau komme ich in die Halle zurück, es steht nur noch ein Grüppchen beisammen und ein älterer Herr steuert geradewegs in Richtung der Waschräume. So nennen wir euphemistisch die Toiletten.
Als ich sehe, daß er zielsicher in Richtung Damentoilette steuert, weise ich ihn höflich auf seinen Fehler hin.
Nun erlebe ich aber eine der peinlichsten Situationen meiner beruflichen Laufbahn. Die Person fährt herum und raunzt mich an: „Was fällt Ihnen eigentlich ein? Ich werde ja wohl am Besten wissen, wo ich hin muß!“

Peinlich! Das war eine Frau!

Meine Güte, wie kann man bloß so häßlich sein?
Ich schiebe gleich eine Entschuldigung nach, hier für die Leser und auch real an die Dame.

Aber wirklich, die sieht nicht nur aus wie ein Mann, sondern ist auch so gekleidet.

„Entschuldigung“, sage ich, „Ich habe meine Brille nicht auf“ und obwohl ich ohne Brille doch recht gut sehe, tue ich so, als müsse ich mir meinen Weg fast ertasten und suche das Weite.

Dieser Text ist in gesprochener Version auch im Podcast Mr. 25 zu finden.

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  • Veröffentlicht am: 30. März 2009
  • 23 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

23 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. hahahahahahahahahahahahahahahaha,

    ist ja nicht so, als wenn wir mir das nicht auch schon mal passiert wäre lol. Aber immer wieder schön zu wissen, dass nicht nur ich in solche fettnäpfchen trete :D

  2. Oh herrlich.

    Heute begegnete mir auch wieder der alte Transsexuelle?/Travestit?, der hier immer mit seinem Atombusen durch die Gegend schiebt…
    Nein, der ist geschätzte 70.

    Salat

  3. Ist mir mal am Telefon passiert. Eine Stimme wie Charles Bronsons Synchronsprecher. Aber als ich die Dame dann in natura sah, war das auch nicht besser. Gesicht wie eine Kröte, Figur ebenfalls, Bartwuchs. Und verheiratet. Ich frage mich, was den Mann dazu bewegt hat…

  4. Wie jetzt? Ihr lasst bei Trauerfeiern mit gleichem Sargmodell den vorigen stehen, obwohl da wer anderes drin liegt??
    Was ist denn, wenn da doch nochmal einer reinlubscht??

  5. Manche sind so häßlich, dass sie schon wieder schön sind. Sie sind einfach einzigartig.
    ….. …. … ……….. …..!

  6. *gacker* Das war aber echt Fettnapf mit Anlauf ;)
    Aber hätte mir auch passieren können…dumm ist nur, daß ich meine Brille ständig trage :D

  7. Oh ja, das kann sehr schwer sein.. Ich hatte mal über Monate sporadisch mit jemandem zu tun und wusste nie so genau, was das nun sein soll. Kleidung männlich, Stimme neutral, Brüste soweit vorhanden nicht erkennbar, Verhalten mal so und mal so, Ansätze von Bartwuchs, usw. Irgendwann war aber klar, dass es eine Frau ist. Also glaube ich.. ;-) Doch heute weiß ich es und man muss mir zugute halten, dass es sich hier um eine gleichgeschlechtliche Verbandelung handelt, wovon sie eindeutig den männlichen Teil einnimmt.

  8. Ja ja, wahnsinnig witzig. Aber habt Ihr schon mal überlegt, wie sich die Kollegin, die mit „Herr XY“ angesprochen wurde, jeweils fühlen muss?

    Und nur so zur allgemeinen Erinnerung: Glatze, Bierbauch, krumme Beine, picklige Haut, strähnige Haar oder Hüften wie ein Pferd etc. gehören auch nicht unbedingt zur den optischen Krachern… Also, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ok?

  9. Als Brillenträger ist man im Schwimmbad ohne Brille ganz schön aufgeschmissen und orientiert sich an den Farben der Badeanzüge (OK, man läuft auch mal der falschen Person hinterher).

    Wir im Schwimmbad und ich sag zu den anderen Jungs, he da hinten ist die Bille.

    Als Antwort kommt grölendes Gelächter. Statt einer jungen Frau mit traumhafter Figur, handelte es sich um eine uralte, total faltige Oma. :-((

  10. Moment: Glatze: Nö. Krumme Beine: Nö. Bierbauch: Trinke kein Bier. Pickelige Haut: Nö. Strähniges Haar: Nö. Hüften: Pferde haben keine Hüften.

    Also, ich bin nicht gemeint.

  11. @ Tom:

    Weshalb fühlst Du Dich eigentlich so explizit angesprochen? Mirella schreibt doch, es sei zur [b]allgemeinen[/b] Erinnerung? :-O

    denkt nur mal so
    Christina :-D

  12. Das ist mir auch schon passiert, aber aus der anderen Perspektive… Hab mal in den Ferien bei der Post gearbeitet, und eine ältere Dame hat sich regelmäßig darüber gefreut, was für ein nettes Mädel ihr da doch die Post bringt. Ja, ich hab zwar etwas längere Haare, aber eigentlich auch nen relativ prominenten Bart…

    Aber gut, die Frau war etwas verwirrt, und bei dem fürstlichen Trinkgeld, dass mir die regelmäßig zugesteckt hat, beschwer ich mich auch nicht… ;-)

  13. Ich hatte auch eine Kommilitonin… die war kein bischen haesslich, aber mit den kurzen Haaren, sehr mager und dementsprechend flachbruestig und dann auch noch in einem ingenieurwissenschaftlichen Studium…
    Mei, sowas kann passieren…

  14. So.

    Jetzt hat er Erna Bratz persönlich gesehen.

    Ich hätte mich danach in einen meiner Särge gelegt :-)

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