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Bestatter und Corona-Krise

Aus gegebenem Anlass stellt sich mir die Frage, ob denn Bestatter ein „systemrelevanter Beruf“ ist oder nicht. Ich meine doch, ja! Die Situation, wenn wir nicht mehr arbeiten würden, möchte sich ja keiner ausmalen…

Durch die Schul- und Kita-Schließungen kommen auch wir nun in Schwierigkeiten, was die Betreuung unserer Kinder während der Arbeitszeit betrifft. Da Bestatter wohl derzeit offiziell nicht als systemrelevant gelten, muss mein Mann, der in einem „nicht-systemrelevanten Beruf“ arbeitet, weiterhin zur Arbeit gehen. Oder zählen wir zum „medizinischen/pflegerischen Bereich“?

Was sagen Sie dazu?

Schöne Grüße, vielen Dank im Voraus und bleiben Sie gesund!

Natürlich ist der Bestatterberuf ein systemrelevanter Beruf. Aber wie immer wird an die Bestatter nicht gedacht. Im Fokus steht es derzeit, die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen und die bereits Erkrankten bestmöglich zu versorgen. Dass es aber auch jemanden geben muss, der „hinter dem Virus aufräumt“, wird allzu gerne vergessen.

Man kann aber derzeit nicht sagen, was wo genau gilt. Hier zeigen sich meines Erachtens die Nachteile des föderalistischen Systems.
Statt bundesweite Anweisungen und Regelungen zu schaffen, macht derzeit jedes Bundesland was Eigenes. Im Endeffekt wird vieles an Landratsämter und kommunale Gesundheitsämter delegiert.
Zu Deutsch: Da kocht derzeit noch jeder sein eigenes Süppchen.
Das verunsichert viele Bürger.

Ich selbst wohne im Bereich eines 4-Länder-Ecks, wenn man das mal so sagen will. Hier grenzen Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen aneinander und nach Bayern ist es auch nicht weit. Regelungen, die in Bayern gelten, sind in Hessen oder BW so nicht umgesetzt. Wie sollen die Menschen da wissen, wie was wann und wo richtig ist.

Es ist ganz klar: Wenn Menschen versterben müssen sie gemäß der Bestattungsgesetze rasch in Leichenhallen gebracht werden oder vom Bestatter versorgt werden. Das ist gerade in Hinblick auf den Seuchenschutz unabdingbar. Demnach dürfen Bestatter auch fahren, wenn andere es nicht mehr dürfen.

Was genau in Hinblick auf die Unterstützung bei der Kinderbetreuung den Bestattern gewährt wird, muss leider momentan im Einzelfall abgeklärt werden. Ansprechpartner sind hier ggfs. die Landrats- und Gesundheitsämter bzw. die Anbieter der Betreuungsangebote.

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Peter Wilhelm 17. März 2020


6 Kommentare von 141075.

  1. Es ist doch völlig egal ob etwas systemrelevant oder nicht ist. Das individueller Problem ist überall gleich.

    Ist eine Autowerkstatt systemrelevant? Wie holst du eine Leiche ab, wenn das Auto streikt? Was macht dann die Feuerwehr?
    Klempner?
    Maschinenhersteller?
    Seifenhersteller?
    Was passiert ohne Admins, wenn sehr viel mehr Digital läuft?

    Ist im Grunde aber egal. Jeder hat das gleiche Problem, wenn die Kinder Zuhause sind und betreut werden müssen. Alle Menschen sind gleich, niemand ist mehr oder weniger wert. Die Wahl eines Berufes ist frei und niemand darf daraus ein Nachteil entstehen.
    Die persönliche Problem hat jeder.

    • Es ist aktuell eben nicht egal. Es gibt Berufe, da wird jeder einzelne gerade gebraucht, die Arbeitbelastung ist eigentlich schon viel zu hoch für die verfügbaren Arbeitskräfte, da kann es die Gesellschaft sich momentan nicht leisten wenn dann ein gewisser Anteil wegen notwendiger Kinderbetreuung zu Hause bleibt. Und dann gibt es andere Berufe, die natürlich auch wichtig sind, wo aber momentan nicht jeder einzelne händeringend gebraucht wird. Wenn zum Beispiel weniger Autos fahren, weniger Menschen in den Urlaub fahren, gehen erstmal weniger Autos kaputt und das schaffen dann die Werkstätten auch mit etwas reduzierter Belegschaft. Um Glück oder Pech des einzelnen geht es jetzt nämlich gerade nicht. Manch einer in einem „systemrelevanten“ Beruf würde wohl aktuell lieber ein paar Tage mit den Kindern Zuhause bleiben als Überstunden zu schieben…
      Ich erwarte auch, dass die Regelungen notfalls den Gegebenheiten angepasst werden. Vielleicht sind aktuell die Bestatter zum Beispiel noch nicht soooo ausgelastet weil es wegen Veranstaltungsverboten weniger Trauerfeiern zu planen gibt, sollte es dann aber im Verlauf deutlich mehr Todesfälle geben werden sie dann leider plötzlich wichtiger. Vielleicht haben auch in dem einen Landkreis nur wenige Bestatter überhaupt jüngere Kinder, in dem anderen aber fast jeder Bestatter, so dass man da ohne Kinderbetreuung wirklich keinen mehr hat der die Arbeit machen kann…
      Das ist für alle erstmal eine neue Situation und auch die Entscheidungsträger vor Ort sind nicht allwissend…

      • Und doch weißt du nicht was systemrelevant ist. Wir stellen z.b. unter anderem beschichtete Spezialdisplays und Schalter her. Ist hauptsächlich in Fahrzeugen verbaut.
        Und als ip69 in Krankenhausinstrumenten. Systemrelevant sind wir nicht, du wirst aber einiges im Krankenhaus finden was ohne uns nicht verfügbar ist. Ohne Klebstoffe und Glas läuft da auch nichts. Ist auch alles nicht systemrelevant.

        Und ohne Schrauben werden die georderten neuen Beatmungsgeräte nie gebaut werden können. Ohne Platinen auch nicht. Ist aber alles nicht systemrelevant.

        Und was du nicht betrachtest ist das es da nicht um das Glück der einzelnen geht.

        Vielleicht hört es sich verlockend an Zuhause zu bleiben. Das bedeutet aber auf Dauer sicherlich einen Verdienstausfall, außer dem Staat kann sich kein Arbeitgeber leisten dauerhaft Arbeitnehmer zu zahlen.
        Sicher braucht das System aktuell keine eventmanager. Aber sobald die dauerhaft kein Geld haben, haben sie ein Problem. Und das haben dann viele in vielen Unternehmen. Selbst wenn das Unternehmen nicht’systemrelevant‘ ist kannst du davon ausgehen, das es ein Problem gibt wenn du als Arbeitnehmer weiter arbeiten musst und ein Kind zu Hause hat. Du hast nicht so viel Urlaub zur Verfügung. Und viele nicht dass finanzielle Polster.
        Heißt: das führt auch zu großen Entlassungen, Armut. Und Einbindung von Großeltern zur Betreuung- einfach weil das oft die einzige Möglichkeit ist. Auch wenn gerade das ja aktuell nicht gemacht werden soll.

        Eine Unterscheidung in systemrelevant und nicht systemrelevant führt daher eher schon relativ mittelfristig zu kollabieren sozialen Systemen.

        Es ist einfach zu sagen: dann zahlt halt der Staat so lange Gehälter. Aber der hat ja bei Arbeitsausfällen auch keine Einnahmen. Folgen sind: Geld drucken ohne Gegenwert, Geld wird wenig Wert. Das geht recht schnell. Sieht man auch bei einigen afrikanischen Staaten bei denen erst eine stabile Wirtschaft da war. Die Inflation kam teilweise schnell wenn Markt Weg fiel.

        Und damit hat du eine Systemweite Krise, will du nur auf systemrelevant schaust.

        Wenn du das nächste Mal was von einem 850 Milliarden Euro Projekt zur Stützung der Wirtschaft hörst- das ist Geld was es schlicht bislang nicht gibt. Und anderes weniger wert macht.

        Das ist nicht das aktuelle Problem, kommt dann aber sicher nach.

        Die große Depression 29-2.WK. nach drei Jahren waren Löhne 60% runter, Arbeitslosigkeit bei 25%. Erschütterung der Märkte (aktueller freier Fall der Börsen). Massiv gestiegene Selbstmorde. Massiv gestiegene zahlen an Toten – Hunger, Mangelernährung, Kälte.

        Herbert hat die große Depression ja dann bekannterweise mit… Hass auf Fremde, Aufstieg Hitlers, zweiter Weltkrieg. Damit kann dann massive Produktion von Gütern und damit endete auch die Depression.

        Was nützt dann das Gesundheitssystem, wenn sich danach niemand mehr leisten kann behandelt zu werden?

        • Krise haben wir so oder so, so bitter dass jetzt sein mag. Sicher ist es notwendig, die wirtschaftlichen Folgen so gut wie möglich abzufedern bzw gleichmäßig zu verteilen. Jetzt nur zu schreien:“ das geht aber nicht, das hat ja negative Konsequenzen“ hilft jetzt auch nicht. Aber zum Glück haben nicht alle Angestellten kleine Kinder, und Kinder haben meistens zwei Eltern, so dass nicht alle Arbeitskräfte ausfallen und die Eltern sich auch z.B. mit der Betreuung abwechseln können anstatt dass einer ganz Zuhause bleibt. Es ist also wirklich nicht so, dass bei geschlossenen Kitas und Schulen die gesammte Wirtschaft stillsteht.
          Aber Kinder sind noch schlechter in der Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Abstandsempfehlungen als Erwachsene und dazu häufig infiziert ohne Symptome, sie sind also leider aktuell die idealen Seuchenverbreiter. Deshalb sind Kita- und Schulschließungen leider notwendig und die Notbetreuung eine Abwägung des geringeren Übels. Daher werden in möglichst kleinen Gruppen eben nur die Kinder betreut, deren Eltern beide auf gar keinen Fall in ihrer jeweiligen Branche fehlen dürfen.
          Welche Jobs alle „systemrelevant“ sind muss ich selbst gar nicht wissen, wichtig ist dass es die Entscheidungsträger vor Ort wissen und auch nach Bedarf anpassen.
          Ja, das ist gerade eine Krise und ja, die Wirtschaft wird leiden und es ist jetzt auch Aufgabe des Staates, ruinöse Folgen so gut wie möglich abzufangen aber wir haben halt keine wirkliche andere Wahl. Der gesellschaftliche Konsens ist immerhin nicht unzählige unnötige Todesfälle in Kauf zu nehmen! Heute die Nachrichten gesehen wie es in Italien ist? Das ist auch dort noch nicht der Höhepunkt, trotz drastischer Maßnahmen…

          • Jetzt machen wir es mal andersherum.

            Die aktuelle Betreuung Kinder „systemrelevanter“ Menschen findet gemischt mit Kindern von Krankenhausmitarbeitern und von Polizei etc.pp. statt.

            Gerade die belgischen Berichte sagen ja deutlich, das Klinikangestellte übermäßig häufig erkranken. Heißt genau deren Kinder haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Also sind gerade die Notkindergärten ideale Virenschleudern.

            Übrigens.. Wir machen als Firma jetzt erstmal Kurzarbeit 100%. Das heißt: Medizinische Panels aus Deutschland wird es jetzt seltener geben.

            Ob wir „danach“ wieder aufmachen ist unklar.

            Das mit Unternehmen und Kindern sehe ich daher übrigens nicht ganz so.
            ->
            das machen Erwachsene

            Viele sehen da immer noch keinen Ernst.

  2. Mal ne andere Frage. Kann man die Beisetzung denn nicht einfach verschieben und die Trauerfeierlichkeiten später nachholen (ohne Begrenzung der Anzahl der Trauergäste)? Also, ist sowas erlaubt?
    Ich meine, Abschiednehmen am Sarg und dann einäschern lassen (machen glaube ich eh die meisten).
    Aber die Beisetzung und auch das gemeinsame Zusammensitzen und den/die Verstorbene(n) bei Kaffee und Kuchen noch mal „hochleben“ zu lassen. Sowas hat doch eigentlich jeder Verstorbene und jeder Hinterbliebene verdient, die Chance richtig Abschied zu nehmen und zu Trauern.
    Dann wären die Bestatter vielleicht im Moment entlastet (weil ja einige Mitarbeiter ausfallen wegen Kinderbetreuung, Quarantäne u.ä) und sie hätten aber vielleicht auch nicht so große finanzielle Einbußen (können nur wenige „Fälle“ annehmen, entgangene Miete und Vorbereitung vor Trauerfeierlichkeiten)

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