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Leitfaden: Trauerfeiern bei extremer Hitze professionell begleiten

In den vergangenen Jahren sind Temperaturen von 35 Grad Celsius und mehr längst keine Seltenheit mehr. Immer häufiger finden Trauerfeiern bei 38, 39 oder sogar 40 Grad statt. Das stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.

Ich schreibe aus leidvollen, persönlichen Erfahrungen. 1976 ist bei der Beerdigung einer lieben Tante ein Cousin tot umgefallen. Gerade einmal 42 Jahre alt, hat sein Kreislauf die große Sommerhitze nicht vertragen. Zwanzig Jahre später, im Jahr 1996, ist auf einer von mir organisierten Beerdigung ein Trauergast am Grab tot zusammengebrochen.

Diese beiden Vorfälle haben mich dazu gebracht, schon damals einen Leitfaden für Beerdigungen an Hitzetagen zusammenzustellen. Der ist heute wertvoller und wichtiger denn je:

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Beerdigungen bei Hitze – Das kann der Bestatter tun, um Trauergäste zu schützen

Gerade bei Beerdigungen bei Hitze besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Schließlich gehören viele Trauergäste zur älteren Generation. Hinzu kommen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen. Die emotionale Belastung einer Beerdigung kann den Kreislauf zusätzlich beanspruchen.

Für Bestatter bedeutet das: Wir tragen zwar keine medizinische Verantwortung für die Gäste, können aber mit einigen einfachen Maßnahmen erheblich dazu beitragen, gesundheitliche Zwischenfälle zu vermeiden.

Warum Hitze bei Trauerfeiern besonders gefährlich ist

Eine Beerdigung ist keine gewöhnliche Veranstaltung. Die Trauergäste sind besonderen Belastungen ausgesetzt.

Das sind die gefährlichen Probleme:

Die Trauergäste

  • stehen oft lange in der Sonne,
  • tragen dunkle, zu enge und wärmespeichernde Kleidung,
  • trinken aus Pietätsgefühl häufig zu wenig,
  • sind emotional angespannt,
  • müssen ungewohnt weite Wege laufen,
  • scheuen es, sich bei Problemen bemerkbar zu machen,
  • wollen oft mit aller Gewalt zeigen, wie fit sie noch sind,
  • hören oft schlecht und stehen deshalb nicht im Schatten, sondern nahe beim Redner

Gerade ältere Menschen verspüren zudem häufig weniger Durst als jüngere. Dadurch droht eine Dehydratation1, ohne dass die Betroffenen sie rechtzeitig bemerken. Kommt dann noch ein längerer Fußweg über den Friedhof hinzu oder muss längere Zeit am Grab gestanden werden, kann der Kreislauf schnell versagen.

Die Planung beginnt bereits vor der Trauerfeier

Bestatter sollten die Wettervorhersage bereits einige Tage vor der Beerdigung im Blick behalten. Ist extreme Hitze angekündigt, kann man gemeinsam mit den Angehörigen überlegen, ob sich der Ablauf geringfügig anpassen lässt.

Leider höre ich von fast allen Bestattern immer die gleichen Antworten:

„Das haben wir noch nie gemacht.“
„Das macht hier auch kein anderer Bestatter.“
„Das ist uns alles viel zu aufwändig.“
„Das kann ich nicht abrechnen, das bringt nichts.“

Meine Meinung dazu: Selbst wenn Sie als Bestatter für diesen Extra-Service nichts direkt abrechnen können, könnte dieser Service ein Alleinstellungsmerkmal sein, das positiv von den Kunden wahrgenommen wird. Der Aufwand ist vorhanden, das gebe ich zu, aber er ist mit 2 bis 3 Leuten zu bewerkstelligen und kostet kaum etwas. Und selbst, wenn es etwas kostet, können Sie das den Kunden als wirklich notwendigen Service gut vermitteln.

Was kann der Bestatter tun?

Bei der Planung sollten Sie als Bestatter auf drei Dinge besonders achten:

  1. möglichst frühe Uhrzeiten wählen,
  2. unnötig lange Wege vermeiden,
  3. Reden und Musikstücke kürzer halten.

Natürlich lassen sich Friedhofstermine nicht beliebig verschieben. Viele Friedhofsverwaltungen vergeben feste Zeitfenster. Dennoch lohnt sich eine Nachfrage.

Tipp: Viele Ratgeber schreiben, man solle einen Termin am späten Nachmittag wählen. Das ist aber falsch! Die Mittagssonne ist auf jeden Fall zu meiden, das ist klar. Aber im Laufe des Nachmittags heizt sich alles dramatisch auf, sodass die höchsten Temperaturen in Deutschland oft erst zwischen 16 und 18 Uhr erreicht werden.

Wasser anbieten

Die wohl einfachste und gleichzeitig wirksamste Maßnahme: Kostenloses Trinkwasser.

Ich habe immer einige Sechserpacks mit 0,3-Liter-Fläschchen stillem Mineralwasser gekauft und in Kühlboxen gepackt.
Kaufen Sie kein Sprudelwasser, das wollen viele Ältere nicht. Stellen Sie nur kühles, aber kein eisgekühltes Wasser zur Verfügung. Eiskaltes vertragen viele nämlich auch nicht.

Stellen Sie am Ausgang der Trauerhalle einen Tisch auf und halten Sie die Trinkflaschen bereit. Ein Schild „Kostenlos – Bitte bedienen Sie sich“ hilft. Unerlässlich ist es aber, die Leute aktiv anzusprechen. Viele kennen das noch nicht, andere zieren sich. Deshalb sollten Sie regelrecht darauf drängen, dass sich vor allem Ältere ein Fläschchen mitnehmen.
Ein Mitarbeiter sollte jedem eine Flasche hinhalten: „Bitte scheuen Sie sich nicht, etwas zu trinken. Die Temperaturen sind heute außergewöhnlich hoch.“

Informieren Sie unbedingt auch den Pastor bzw. Trauerredner, damit er am Ende seines Vortrags die Menschen auffordert, sich das Getränk mitzunehmen.

Es ist falsch, die Getränke vor dem Beginn der Trauerfeier anzubieten. In den Trauerhallen ist es oft kühl genug, und da wollen die Trauergäste nicht mit einem Fläschchen herumsitzen.
Der richtige Zeitpunkt ist nach der Trauerfeier, bevor es auf den Weg durch die Hitze zum Grab geht!

Haken Sie am Grab noch einmal nach! Gehen Sie herum und halten Sie den Trauergästen die Wasserfläschchen hin.

Übrigens: Denken Sie auch an das Leergut. Sammeln Sie es mit einem Korb wieder ein, und gehen Sie den Weg noch einmal ab, um weggeworfene Flaschen einzusammeln.
Und: Ich weiß, dass Bestatter immer kurz vor dem Hungertod stehen. Aber pfeifen Sie drauf, wenn Leute die Fläschchen einfach mitnehmen. Das bisschen Pfand bringt Sie nicht um.

Sitzgelegenheiten schaffen

Nicht jeder Friedhof verfügt über ausreichend Bänke. Gerade ältere Menschen sollten nicht gezwungen sein, während der gesamten Zeremonie zu stehen.
Wir hatten für solche Fälle einige Dutzend Klappstühle. Ja, das ist Arbeit, die vor der Beerdigung zum Grab zu schaffen, aufzubauen und dann wieder wegzuschaffen. Aber ich habe festgestellt, dass sich die Leute auch setzen, wenn Stühle da sind.

Schatten nutzen

Wo immer möglich, sollte man Schatten bevorzugen.

Manchmal genügt es schon, wenn der Pastor/Redner sich einen Meter weiter zur Seite stellt, damit die Trauergäste im Schatten stehen können. Wo es keinen natürlichen Schatten gibt, können Sie Faltpavillons aufbauen. Pavillons mit Bestuhlung sind die Krönung und zeugen von Professionalität.

Auch Sonnenschirme können hilfreich sein, sofern sie sich würdevoll in das Gesamtbild einfügen.

Übrigens: Sie haben Regenschirme für Beerdigungen an nassen Tagen? Dann stellen Sie diese doch an Hitzetagen als Sonnenschirme zur Verfügung!

Und noch eins: Im Restpostenladen oder 1-Euro-Geschäft bekommen Sie Fächer für kleines Geld. Kaufen Sie mal zwei Dutzend und verteilen Sie die bei heißen Tagen am Grab. Sie werden staunen, wie dankbar die angenommen werden.

Den Weg zum Grab überdenken

Manche Friedhöfe verfügen über sehr lange Wege. Gerade bei großer Hitze können diese zur Belastung werden.
Sprechen Sie vorher mit dem Friedhofspersonal und den Angehörigen darüber. Oft wird ein längerer Weg gewählt, weil nur dort der Wagen mit dem Sarg fahren kann. Dabei gäbe es kürzere Fußwege.
In einem solchen Fall bietet es sich an, den Sarg von der Trauerhalle schon einmal den längeren Weg vorfahren zu lassen, während der Bestatter oder Pfarrer als Anführer des Trauerzugs den kürzeren Weg wählt. Kurz vor dem Grab finden Sarg und Trauergäste wieder zusammen.

Das muss angesprochen und geplant werden. Von nix kommt nix.

Die Kleidung wird zum Problem

Traditionell erscheinen viele Menschen komplett schwarz gekleidet. Hinzu kommt, dass man oft den Eindruck hat, dass Opa sich nochmal in seinen Kommunionsanzug gezwängt hat.
Enge und schwarze Kleidung speichert jedoch besonders viel Wärme.

Bestatter können Angehörigen bereits im Trauergespräch vorsichtig vermitteln: Bei den angekündigten Temperaturen ist gepflegte, aber leichte Sommerkleidung völlig angemessen.
Niemand wird pietätlos wirken, wenn statt eines dicken schwarzen Wollanzugs ein leichter Leinenanzug getragen wird.
Bei großer Hitze sind auch kurzärmlige Hemden und der Verzicht auf Krawatten erlaubt.

Trauerredner informieren

Auch freie Redner und Geistliche sollten über die Wetterlage informiert werden. Eine Rede muss bei 40 Grad keine 30 Minuten dauern. Eine würdevolle, konzentrierte Ansprache von zehn bis fünfzehn Minuten ist oftmals sogar eindrucksvoller.
Der Trauerredner sollte auch unbedingt, wie oben erwähnt, auf die Trink- und Hitzeschutzmaßnahmen hinweisen.

Blumen können leiden

Nicht nur Menschen leiden unter der Hitze. Auch Blumenschmuck welkt bei extremer Sonneneinstrahlung sehr schnell. Deshalb empfiehlt es sich,

  • Gestecke möglichst lange kühl zu lagern,
  • sie erst kurz vor Beginn aufzustellen,
  • gegebenenfalls mit Wasser zu besprühen.

Floristen kennen hierfür geeignete Maßnahmen.

Welche technischen Möglichkeiten gibt es?

Die Technik hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Viele Hilfsmittel, die früher nur bei Stadtfesten oder Sportveranstaltungen eingesetzt wurden, eignen sich heute auch für Trauerfeiern unter freiem Himmel.

Wichtig ist allerdings: Alle Maßnahmen sollten dezent bleiben und den würdevollen Charakter der Beisetzung nicht beeinträchtigen. Es geht nicht darum, aus einem Friedhof eine Freizeitanlage zu machen, sondern den Trauergästen ein Mindestmaß an Komfort und Sicherheit zu bieten.

Akkubetriebene Ventilatoren

Besonders praktisch sind große Akku-Ventilatoren. Moderne Geräte verfügen über leistungsstarke Lithium-Ionen-Akkus und können je nach Leistungsstufe zwischen vier und zwanzig Stunden betrieben werden.

Sie lassen sich unauffällig neben Sitzgruppen oder unter einem Pavillon aufstellen und sorgen für eine angenehme Luftbewegung. Schon ein leichter Luftzug verbessert das Hitzeempfinden deutlich.

Akku-Nebelsprüher

Inzwischen gibt es auch mobile Nebelsprüher, die keinen Wasseranschluss benötigen. Sie arbeiten mit einem eingebauten Wassertank und einem Akku. Der erzeugte Wassernebel besteht aus feinsten Tröpfchen, die nahezu sofort verdunsten und dadurch die Umgebungsluft spürbar abkühlen.

Bei zurückhaltender Einstellung entsteht kein sichtbarer „Nebelvorhang“. Die Kühlung wird von den meisten Menschen als sehr angenehm empfunden.

Allerdings sollte ein solcher Sprühnebel niemals direkt auf den Sarg, Blumenschmuck oder technische Geräte gerichtet werden.

Mobile Powerstations

Wer häufiger technische Geräte im Freien einsetzt, sollte über die Anschaffung einer tragbaren Powerstation nachdenken.

Diese leistungsstarken Akkus liefern – je nach Modell – genügend Strom für Ventilatoren, Beleuchtung, Lautsprecher oder sogar kleine Kühlboxen. Da sie geräuschlos arbeiten, stören sie die Trauerfeier nicht.

Ergänzender Tipp aus der Praxis: Akku-Ventilatoren aus dem Handwerkerbereich (z. B. von Herstellern wie Makita, Bosch Professional, Einhell oder DeWalt) sind oft robuster und deutlich leistungsfähiger als Camping- oder Haushaltsventilatoren. Wer bereits Akku-Werkzeuge dieser Hersteller besitzt, kann häufig dieselben Akkus verwenden – das spart Kosten und erhöht die Flexibilität.

Das Personal schützen

Denken Sie unbedingt auch an Ihr Personal! Auch Bestatter selbst arbeiten oft stundenlang in dunkler Kleidung. Regelmäßige Trinkpausen gehören deshalb unbedingt dazu.
Ebenso wichtig sind Sonnenschutz, Kopfbedeckung außerhalb der Trauerzeremonie und vor allem leichte Kleidung für den Sommer.

Nur wer selbst fit bleibt, kann anderen helfen.

Auf Warnzeichen achten

Das gesamte Team sollte wissen, wie sich ein Hitzekollaps ankündigen kann.

Typische Warnzeichen sind:

  • Blässe
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Zittern
  • Verwirrtheit
  • glasiger Blick
  • starkes Schwitzen
  • plötzlich fehlendes Schwitzen trotz Hitze
  • unsicherer Gang
  • Atemnot

In solchen Fällen sollte sofort reagiert werden.

Erste Hilfe bei Kreislaufproblemen

Zeigt ein Trauergast deutliche Beschwerden:

  • Person sofort aus der Sonne bringen
  • hinsetzen oder hinlegen
  • Beine leicht hochlagern
  • enge Kleidung lockern
  • Wasser anbieten (wenn die Person bei Bewusstsein ist)
  • langsam kühlen

Bei Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf einen Hitzschlag gilt: Sofort den Rettungsdienst alarmieren.

Ein kleiner Notfallrucksack

Viele Bestatter führen ohnehin einen Organisationskoffer mit.

Während einer Hitzewelle gehören zusätzlich hinein:

  • mehrere Flaschen Wasser
  • Kühlpacks
  • Traubenzucker
  • Einmalbecher
  • kleines Handtuch
  • Fächer
  • Erste-Hilfe-Set

Die Kosten sind gering, der Nutzen kann enorm sein.

Wenn doch der Rettungswagen kommen muss

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lassen sich gesundheitliche Notfälle nicht immer verhindern. Sollte während einer Trauerfeier der Rettungsdienst benötigt werden, gilt vor allem: Ruhe bewahren und Angehörige beruhigen.

Das ist wichtig, damit Ihnen vor lauter Aufregung nicht noch ein paar Senioren umfallen.

Unterbrechen Sie die Zeremonie kurz.
Schicken Sie Leute, die den Zufahrtsweg für die Einsatzkräfte im Auge behalten, damit der Rettungswagen und die Leute mit der Trage möglichst schnell den Einsatzort finden.
Schaffen Sie Platz für die Einsatzkräfte.
Sorgen Sie dafür, dass die Behandlung des Patienten ohne Schaulustige erfolgen kann, bitte Sie die anderen zur Seite.
Erst nach Freigabe durch die Rettungskräfte fortfahren.

Professionelles und besonnenes Handeln vermittelt Sicherheit und verhindert zusätzliche Unruhe.

Angehörige dürfen ruhig informiert werden

Viele Familien denken gar nicht daran, welche Belastung extreme Temperaturen darstellen. Ein kurzer Hinweis im Trauergespräch genügt häufig: „Es wird am Tag der Beisetzung sehr heiß. Vielleicht weisen Sie ältere Angehörige darauf hin, ausreichend zu trinken, leichte Kleidung zu tragen und möglichst eine Kopfbedeckung mitzubringen.”

Das wird in aller Regel als aufmerksamer Service empfunden.

Und: Wenn Sie als Bestatter Ihren Service vorher behutsam kommunizieren, kann daraus durchaus eine gute Einnahmequelle erwachsen. Sie müssen ja nichts umsonst machen. Aber machen Sie es lieber umsonst als gar nicht!

Fazit

Extreme Hitze wird in den Sommermonaten zunehmend zum Alltag. Bestattungsunternehmen sollten sich deshalb ebenso sorgfältig auf hohe Temperaturen vorbereiten wie auf Regen oder Schnee.

Mit einigen einfachen Maßnahmen – ausreichend Trinkwasser, Sitzgelegenheiten, Schatten, kürzeren Abläufen und einem wachsamen Blick auf gefährdete Trauergäste – lässt sich das Risiko gesundheitlicher Zwischenfälle deutlich verringern.

Eine Beerdigung soll ein würdevoller Abschied sein. Gerade an Tagen mit über 30 Grad zeigt sich, dass gute Bestatter nicht nur organisatorisch denken, sondern auch das Wohl der Menschen im Blick behalten. Diese Aufmerksamkeit wird von Angehörigen und Trauergästen meist dankbar wahrgenommen und ist Ausdruck echter Fürsorge – einer Eigenschaft, die den Beruf des Bestatters seit jeher auszeichnet.

Habe ich noch etwas vergessen? Welche Tipps hast Du?

Bildquellen:

  • hitze_800x500: Peter Wilhelm KI

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(©si)