Automobilclub

Ja, Automobilclubs sind wirklich eine wirklich nette und fürsorgliche Institution.
Im Gedanken daran (wie naiv), dass man manches auch telefonisch erledigen kann, rief ich in XYZ beim Automobilclub an und informierte die Telefonistin darüber, dass mein Vater verstorben ist.

Sie drückte mir kurz ihr bedauern aus und sah in ihrem Computer, dass mein Vater bereits seit gut 30 Jahren Mitglied war.
Sie: „Ja, Ihr Vater hat eine Mitgliedschaft mit vollem Rund-um-Schutz, sollen wir diese auf Ihre Mutter überschreiben“?
Ich: „Nein, meine Mutter hat ja gar keinen Führerschein“.
Sie: „Sind Sie denn schon Mitglied bei uns? Eine Mitgliedschaft bietet Ihnen folgende Vorteile….(Die Dame am Telefon zählte mir alles mögliche auf und ließ mich nicht mehr zu Wort kommen)“.
Ich: „Nein, ich bin kein Mitglied, ich möchte nur die Mitgliedschaft meines Vaters kündigen und Ihnen mitteilen, auf welches Konto das Restguthaben meines Vaters überwiesen werden soll“.
Sie: „Mitgliedbeiträge werden nie zurückerstattet. Auf Wiederhören“.
Ich: „Haaaalt, Moment! Ich fahre beinahe täglich an einer Filiale Ihres Clubs vorbei, kann ich das dort erledigen ?“
Sie: „Nein, das geht nur schriftlich, die Sterbeurkunde nicht vergessen und vor allem den Mitgliedsausweis beilegen, damit kein Missbrauch damit entstehen kann. Auf Wiederhören“.

Klack, Verbindung unterbrochen.

Eine Woche später kam die Bestätigung der Kündigung mit einem kurzen Satz des Bedauerns und dass mein Vater ein ganz wichtiges Mitglied beim Automobilclub war.
Dem Schreiben zufolge hatte er quasi den halben Club gesponsert.
Eine Zeile weiter erfolgte dann wieder das Angebot der im Telefonat erläuterten vorteilhaften Mitgliedschaft in ausführlichster Form.

Ein Einzelfall aus dem Jahr 2010. Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert, wie man hört.
Mitunter schicken manche Vereine der Witwe einfach eine neue Mitgliedkarte zu, so als habe sie nicht ihren Mann abgemeldet sondern sich selbst angemeldet…

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  • Veröffentlicht am: 4. August 2010
  • 34 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

34 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Das ist ein gewinnorientiertes Unternehmen.
    Die Rechtsschutz meines Grossvaters war auch nicht besser. Die hatten aber gleich verloren, als sie nachschoben, sie würden keine Erbschaftsstreitigkeiten machen.

  2. Naja. Wenn man mal fünf Sekunden nachdenkt könnte man eigentlich auch selber drauf kommen daß man nicht irgendwo einfach so mal anrufen kann um telefonisch irgendwelche Mitgliedschaften oder Konten zu kündigen.

    – Grüß Gott, ich bin der Dimpfelmoser junior, mein Vater ist letzte Woche verstorben und ich ruf jetzt an um Ihnen mitzuteilen wo Sie sein ganzes Geld hinüberweisen sollen.
    – Ja mein aufrichtiges Beileid, wie ist denn ihre Kontonummer, Geld geht heut noch raus.
    – Ja das ist doch mal ein Kundenservice.

  3. Nicht nur Automobilclubs sind so fürsorglich, auch DSL-Anbieter. Irgendwem wird man doch einen neuen Zweijahresvertrag an die Backe hängen können. Und gebt bloß nicht Eure Email-Adresse an, wenn Ihr bei irgendeinem ISP den Vertrag eines Verstorbenen kündigt: Man landet unweigerlich in deren Spam-Verteiler.

  4. Also ich konnte mitsamt der Sterbeurkunde alle Dinge kündigen, selbst diese die noch eine Laufzeit hatten. Vielen reichte sogar die Sterbeurkunde als FAX aus.
    Vor einiger Zeit rief ein Callcenter bei mir an und fragte nach dem Verstorbenen (Sie waren eben nicht Up to Date nach 4 Jahren).
    Callcenter: Schönen Guten Tag, spreche ich dort mit Herrn G. ?
    Ich: Nein, ich bin die Frau von ihm. Um was geht es denn?
    CC: Dazu müssten wir Herrn G. persönlich sprechen:
    Ich: Oh, das tut mir aber Leid, der ist vehindert. Außerdem lebt er nicht mehr.
    CC: Wann können wir ihn denn persönlich erreichen am besten und wissen Sie auch wo?
    Ich: Ja klar, Öffnungszeiten hängen am Friedhof aus in Bad Driburg. Dort erreichen Sie ihn wann Sie möchten. Schönen Tag noch..

    :)

  5. @ MaRode.
    Hähä,
    Tante Jay lebt.
    Nur das Mopped ist öfter scheintot.
    Kommt aber immer wieder wie Jopi auf die Füße, ähem, Reifen, also das Mopped.
    B. A.

  6. Eine der wenigen Lesermails, die es ins (in den?) Blog geschafft haben und außerdem in verständlichem, fehlerfreiem (so auf den ersten Blick zumindest) Deutsch geschrieben sind …

  7. Kann nicht der ADAC gewesen sein. Dort (u.a.) habe ich einen Sterbefall abwickeln müssen, lief alles problemlos, höflich, unbürokratisch und ohne Belästigung. Anruf, kurzes Fax, das war’s. Rückerstattung gab’s auch.

  8. Ich versteh das Problem des Schreibers nicht so ganz. Man kann sich dich denken, dass sich eine Mitgliedschaft nicht einfach so per Telefon kündigen lassen kann. Außerdem versteh ich nicht wirklich, warum nicht einfach mal Sterbeurkunde und Mitgliedsausweis eingepackt wurde und damit in der Filiale nachgefragt wurde, wenn man täglich (und wie der Leserbrief suggeriert auch zu den Öffnungszeiten) vorbeikommt. Und dass sie als Unternehmen versuchen dem Erben ihre Dienstleistungen anzubieten, ist doch auch nichts verwerfliches. Wenn es bei der Aufzählung und dem Schreiben geblieben ist, finde ich das auch nicht wirklich nervend oder belästigend.

  9. Solange Tantchens Bike immer wieder auf – und kein anderer unter die Räder kommt, sollte doch alles in Butter sein…

  10. Bei meiner Mutter konnte ich alles mit Kopien der Sterbeurkunde erledigen.
    einzig Payback brachte zur auszahlung von 8,65€ Guthaben eine Beglaubigte kopie.

  11. Meine Erfahrung mit dem ADAC sind anders. Nach dem Tod meines Vaters ein formloser Brief (möglicherweise sogar ohne Mitgliedsnr., habe ich vergessen) und ohne Kopie der Sterbeurkunde, das war es. Allerdings gab es keine Beitragsrückerstattung, ich hatte auch nicht danach gefragt. Übrigens auch mit allen anderen Institutionen ging alles per formlosem Brief und alles ohne Probleme. Sein Briefmarkenabo bei der Post konnte ich sogar per Telefon kündigen. Und der Vermieter verzichtete von sich aus auf die Einhaltung der Kündigungsfrist der Wohnung.

  12. Gut, die Dame hätte etwas mehr Einfühlungsvermögen beweisen können, aber den prinzipiellen Ablauf finde ich so schon in Ordnung.

    Schriftliche Verträge müssen nun mal schriftlich gekündigt werden – viele Leute würden sich bedanken, wenn jemand Fremdes einfach ihren Vertrag auflösen könnte. Da kommt man als Dienstleister in Teufels Küche, wenn man da nichts vorlegen kann.

    Und heutzutage schrecken genug Leute vor nichts zurück um aus Verträgen herauszukommen, da ist es schon ratsam, sich Belege vorlegen zu lassen.

    Dass die Frau nicht an die Filiale verwiesen hat, ist auch recht logisch: Die würde das sowieso nur per Hauspost in die Zentrale weiterleiten. Wenn man da direkt hingeht, weisen die aber einen natürlich nicht ab.

    Habe mich mal einen Monat lang nur mit Kündigungen beschäftigen dürfen in unser Firma.

  13. @ Ma Rode

    och ich sehe es nur noch sportlich. Wer nicht hinhören kann und in einem Callcenter arbeitet, der hats nicht anders vierdient.
    Bei meiner ehemaligen Arbeit gabs einen Leitfaden für Kundengespräche u.a stand dort drinne den Kunden min. 3x mit dem Nachnamen anzusprechen (wenn man diesen nicht verstanden hatte am Anfang konnte man nachfragen) und aktives Zuhören war auch angebracht.

  14. Mein Opa is vor einem Jahr verstorben, ich wohne in seinem Haus, und habe seinen Telefonanschluss übernommen.

    Die Tage rief ein Werbefuzzi an, er wollte meinen Opa sprechen. nachdem ich meinte, der sei verstorben, wurde einfach aufgelegt.

    hatte nicht erwartet, dass er sein Beileid ausspricht, aber wenigstens ein Danke für die Information oder einen schönen Tag noch…

    *kopfschüttel*

  15. Wenn ein naher Verwandter verstorben ist, ist man meisstens etwas „dünnhäutiger“. Da gehn einem auch tausend Sachen durch den Kopf, irgendwann fällt einem die Mitgliedsschaft des/der Verstorbenen im Automobilclub, im Buchclub, etc. ein. Das will man dann „mal schnell“ erledigen und ruft an. Man könnte evtl. auch hinfahren, hat aber „kein Bock“ mit jemanden persönlich zu reden (warum auch immer), hat keine Lust auf Parkplatzsuche und so weiter. Man ruft also an um die Sache zu erledigen. Die Person am andern Ende der Leitung sollte dann in etwa so reagieren: „Mein Beileid. Leider können sie die Mitgliedschaft telefonisch nicht kündigen. Lassen sie uns bitte eine Sterbeurkunde und den Mitgliedsausweis zukommen. Per Post, oder direkt in einer unserer Servicestellen. Rückerstattung von Beiträgen ist leider nicht möglich. Wünsche, trotz der Umstände, einen schönen Tag“.

  16. @Big Al: hab ich jemals behauptet, dass Tante Jay untot sei? Nicht mal ansatzweise würde ich auch sowas nur heimlich ins Unreine denken.
    @Tante Jay: Niemals nie nich würde ich über Dein Mopped lästern, walte Hugo!
    @Kirstin: Ich habs nur deshalb lobend erwähnt, weil mir das Gleiche auch passiert ist, ich aber noch nicht souverän genug war, so zu reagieren wie Du. Hast Du fein gemacht!

  17. @ MaRode.
    Ich habe es ja auch nur noch mal, ähem, sozusagen verdeutlicht (wer/was öfter tot ist) und sortiert: Mopped öfter (schein)tot, Tantchen lebendig.
    Bin mal gespannt wann Moppeds beim ADAC anrufen dass ihre Benutzer defekt sind…
    *weghusch*
    B. A.

  18. Big Al, solche „Fietschers“ sind ja schon geplant, dass z.B. kaputte oder verunfallte Autos ihren Pannenstandort via GPS weitergeben sollen / werden … big brother is watching you, gell?
    Und ansonsten, Tantchen, ja logo will ich ins Blog.

  19. @ MaRode.
    „Fietschers“.
    *lach*
    Interessant an diesen „Fietschers“ ist allerdings dass sie bevorzugt in hochpreisigen PS-Monstern angeboten werden.
    DAS würde mir zu Denken geben.
    Verunglücken die Oberklassewagen öfter?
    Und kriegen die Bestatter im Umkreis um die Unfallstelle auch gleich eine Meldung vom „Fietscher“ über wieviel, wie tot, was an Gerätschaften wird zur Bergung gebraucht usw…?
    Duck unn wechroll…
    B. A.

  20. Big Al, ich bewundere Deinen Scharfsinn … mein preisgünstiger und damit schmalbrüstig mit PSsen ausgestatteter, wenn auch nagelneuer russischer Bolide würde definitiv niemals solche „Fietschers“ an sich heranlassen. Ich tippe mal, so wie die PS-Piloten fahren (mit eingebauter Vorfahrt, versteht sich), ist die Gefahr ungleich größer zu verunfallen, als wenn ich mit meinem Niva durch den märkischen Wald quietsche …

  21. Als mein Vater dieses Jahr im Mai starb, schrieb die Versicherung an meine im vergangenen Jahr verstorbene Mutter!

  22. Schön ist auch die GEZ: Die verlangen recht nachdrücklich zu wissen, was denn wohl mit dem Fernsehgerät eines Verstorbenen passiert sei. Und als ich dann sagte, ich hätte das jetzt, es würde mein nicht mehr wirklich funktionierendes Gerät ersetzen, hätte die am liebsten noch eine notariell beglaubigte Bestätigung der Abfallwirtschaftsbetriebe gehabt oder so, daß die mein Altess tatsächlich entsorgt haben.

    Ich hab mich dann mal höflich nach der Rechtsgrundlage dieser etwas dreisten Fragerei erkundigt, erst dann bekam ich die gewünschte Auskunft, was die denn an Papieren brauchen.

  23. @ Ma Rode.
    Schönes Auto hast Du.
    Ein Bekannter von uns fährt auch einen Niva, bei den Ersatzteilen für den Niva kann ich als „Volks“-Wagenbetreiber nur weinen, bitterlich weinen….
    B. A.

  24. Big Al: die zwei Großbuchstaben fuhr ich auch bis vor kurzem, deswegen der zwingend notwendig gewordene Wechsel zum kostengünstigen Altvertrauten und Flucht von den Customer-Care-Anrufen jedsmal nach einem Werkstattbesuch! Ich kann sogar wieder ein bisschen russisch!

  25. Was gerne übersehen wird: Vereinsmitliedschaften (auch ADAC u.sw.) sind erblich, es sei denn es wird in der Vereinssatzung ausddrücklich erwähnt das die Mitgliedschaft mit dem Tod endet. Wenn dies nicht der Fall ist, ist es Kulanz des etreffenden Vereins, die Mitgliedschaft nicht auf ein anderes Familienmitglied zu überschreiben.

  26. Hallo Tante,

    um bei Pannen „billig wegzukommen“ muss man aber nicht Mitglied in diesem durchaus fragwürdigen Verein sein. Da reicht ein Schutzbrief eines gängigen Versicherers. Das ist deutlich günstiger und man hat auch nicht das Realspamproblem (Motorwelt)…

  27. Ob man mit dem ADAC glücklich ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden.

    Ich habe mir die Schutzbrief-Angebote meines Versicherers angesehen und mit dem verglichen, was der ADAC mir anbietet. Für mein Profil (viel unterwegs, ab und an auch im Ausland, und auch öfters mal nicht mit dem eigenen PKW) hat mir beim Autoversicherer einiges gefehlt. Da zahle ich dann auch entsprechend für.

    Ich habe auch schon einige Male die Hilfe des Clubs in Anspruch genommen. Grob überschlagen würde ich sagen, Geld hat es mir nicht unbedingt gespart. Dafür aber einiges an Zeit und Nerven. (Und einiges an gutem Willen bei meinen Freunden ;-) )

    Nicht immer hat ein Freund Zeit, dich irgendwo abends mitten in JottWeDe zu suchen und dann überland (Autobahn und Schnellstraßen sind fürs Abschleppen tabu!) dein Auto zur heimischen Werkstatt zu schleppen.

    Was Kündigungen angeht:
    Ich konnte fast alles schnell und unkompliziert mit einem kurzen Brief (mit einer Kopie der Sterbeurkunde im Anhang) regeln. Nur eine Bank wollte etwas mehr Papiere, Dienstsiegel und Unterschriften sehen…

  28. Hey T. Ich glaube das mit dem Vorbeifahren hätte ICH gemacht – inklusive Risiko eines Verfahrens im Nachgang :-) Bis bald hoffentlich auf einen Kaffee…

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