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Energiegewinnung aus Leichenverbrennung

Viele Leser schicken mir Hinweise auf Medienberichte, nach denen das Krematorium in Taipeh/Taiwan nun die Abwärme zur Energiegewinnung einsetzen will. Die Reaktionen darauf sind überwiegend von ungläubigem Entsetzen geprägt.

Ein Leser schreibt: „Das ist ja pietätlos und ekelhaft. Ich will doch nicht mein Badewasser mit der Wärme meiner toten Oma aufheizen.“

Dabei ist die Nutzung der Abwärme von Krematorien nichts Neues. Schon 1982 berichtete „Die Zeit“ unter http://www.zeit.de/1982/12/Sine-Krematorien-Kraftwerke über die Nutzung der Abwärme des Darmstädter Krematoriums:

Die Krematoriumswärme soll nicht nur die Feierhallen im Winter beheizen, sondern auch Schulen, Schwimmbäder und Wohnräume. Was den Berlinern eventuell noch bevorsteht, wird in Darmstadt seit über zwei Jahren im kleineren Maßstab praktiziert. Dort wird die Abwärme, die in der Leichenverbrennungsanlage anfällt, bereits genutzt. Mit ihr wird die Feierhalle beheizt, Frühstücksund Mannschaftsräume, Dienstwohnungen und Verwaltungsräume der Krematoriumsbediensteten. Am liebsten würden die Friedhofsverwalter auch Leitungen hinüber zu näheren umliegenden Firmen legen, um so beispielsweise eine Gärtnerei zu beheizen.

und im vergangenen Jahr berichtete der Focus unter dem reißerischen Titel „Mit Leichen heizen„:

Dänemarks 31 Krematorien sollen an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. … wollen die Abwärme von Feuerbestattungen zum Heizen nutzen … . Landesweit könne so der Wärmebedarf von 500 bis 600 Einfamilienhäusern befriedigt werden, rechnen die Unterstützer vor.

Das ist insgesamt nichts Besonderes, weil Krematorien oft von den gleichen Firmen gebaut und betrieben werden, die auch Fernheizkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und Industrieöfen bauen bzw. betreiben. Hier stellt sich immer die Frage, wie die überschüssige Wärmeenergie sinnvoll genutzt werden kann. Solange die Menschen nicht ums Leben gebracht werden, um sie zu Heizzwecken verbrennen zu können, finde ich auch nichts Dramatisches dabei. Wir trinken ja auch Wasser in dem schon Leute ertrunken sind…

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Peter Wilhelm 10. Dezember 2014


44 Kommentare von 140684.

  1. mensch tom, da haben die aber mal gleich noch nen fall aufgedeckt, wie ihr bestatter uns ahnungslose leute abzockt! verbrennt einfach unsere verstorbenen, um die wärme an nichtswissende kindergärten und schulen zu verkaufen! wo ist die bild, wenn man sie braucht?

  2. In Zeiten hoher Energiekosten bzw. schwindender Ressourcen finde ich nichts Anstößiges an diesem Procedere. Schulen, Kindergärten usw. sind von Kommunen (mit-)finanzierte Einrichtungen, für deren Bewirtschaftung letztendlich auch der Bürger zahlt.
    „Skandalös“ wird das Ganze erst, wenn Medien effektheischend von verheizten Leichen usw. reden.
    Wenn Firmen ihre Abwärme in das allgemeine Fernheiznetz einspeisen, regt sich auch niemand darüber auf, daß in diesem Betrieb Dinge produziert, veredelt oder behandelt werden, über deren „Gemeinwohl“ man auch geteilter (moralischer) Meinung sein kann.

  3. Ich kann da auch nix Schlimmes bei finden. Ekelhaft finde ich ganz andere Dinge, z.B. wenn die einen Lebenden den anderen Lebenden ins Hallenbadwasser (wahlweise auch gern Freibadwasser) pinkeln.

  4. @4, @5: Alles Ansichtssache.
    In einen See, in dem Fische, Enten, alle möglichen Tiere pinkeln und …….. da stört auch mein Urin nicht!

    Wurde hier eigentlich schon mal erwähnt, dass Urin steril ist?

  5. Die können wirklich spitz rechnen, die in Taipeh.

    Schon nach knapp 43 Jahren haben sich bei konstanten Strompreis die Investitionskosten wieder amortisiert (sofern nicht noch Schuldzinsen für die Investitionssumme zu zahlen sind, dann könnte es noch ein Jahre länger dauern …)

  6. Manche tun gerade so als wäre der abstrakte Rest des Verstorbenen, in diesem Fall meine ich damit die bei der Verbrennung entstehenden Gase und eben die Abwärme, das Fleisch desselbigen, welches ihnen jetzt in einer Art Biorückgewinnung als Nahrung vorgesetzt würde.
    Vielleicht bin ich zu abgehärtet durch jahrelanges Bloglesen und Beschäftigung mit dem Thema Tod, aber ich kann an der Nutzung von Abwärme keinen moralischen Makel finden und Äußerungen wie: „Das ist ja pietätlos und ekelhaft. Ich will doch nicht mein Badewasser mit der Wärme meiner toten Oma aufheizen.“, einfach nicht nachvollziehen.

  7. Wie ich sie hasse diese „das ist pietätslos“-Schreier. Erstmal groß rumschreien und dann nachdenken, wenn diese Leute überhaupt mal nachdenken.

    Wo bitte ist das Problem mit der Abwärme zu heizen? Niemand würde auf die Idee kommen, die Oma unter die Badewanne zu legen und anzuzünden. Es wird nur die Restwärme genutzt, die sonst durch den Schornstein verpufft. Die nicht zu nutzen ist umweltfeindlich.

  8. Zumal die Abwärme ja nichtmal von den toten Menschen selber, sondern, wie wir hier gelernt haben, von dem brennenden Sarg kommt. Welcher zuvor durch eine Art „Herdplatte“ zum brennen gebracht wurde. Leichen brennen meines Wissens ohne Hilfsmittel ziemlich schlecht. ;-)

  9. Wenn es sich denn tatsächlich rechnet (was offensichtlich der Fall sein kann), finde ich das eine durchaus positive Lösung.
    Jedenfalls besser als [url=http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/printmedien/zapp2058.html]Benzin aus Katzen[/url].

  10. Aber Hallo, denkt denn niemand daran, dass nun so auch das ganze, fiese Leichengift in unseren Heizkörpern herumrumort? Da kann man ja Kopf bekommen oder so was …

  11. Bei uns in Pforzheim werden schon seit einiger Zeit die Mitarbeiterwohnungen durch das Krematorium beheizt. Ich persönlich finde das in Ordnung, warum sollte man die Wärme, die sonst durch den Schornstein verpufft, nicht nützen?

    @ 6: Pipi ist allerdings nur steril, solange es
    noch in der Blase ist…

  12. Das, was da an Abwärme genutzt wird, ist ja nicht die Wärme, die durch den eigentlichen Verbrennungsvorgang der Leiche erzeugt wird. Da entsteht überhaupt nichts an Überschußwärme, weil zuerst große Energiemengen für die Verdampfung des Wassers zugeführt werden müssen, aus dem wir überwiegend bestehen. Erst wenn das verdampft ist, kann der Rest verbrennen und Wärme abgeben. Und das ist mit Sicherheit weniger, als das, was zuvor hineingesteckt wurde.

    Genutzt werden soll die Abwärme, die durch das künstliche Aufheizen der Verbrennungsabgase entsteht, die so nochmals sterilisiert werden. Warum sollte diese Wärme ungenutzt verpuffen?

  13. So schlimm finde ich das auch nicht.

    Wie schon gesagt wurde: Die Menschen werden ja nicht extra zum verheizen umgebracht.

    Es ist wohl – wenn überhaupt – eine moralische Frage. Gleichgeschlechtliche Paare waren aber auch mal unmoralisch. Und heute ziehen die Kinder groß.

    So lange die Presse etwas zum aufbauschen hat wird drüber geredet. Wenn die Presse das Thema aus den Augen verliert ….. isses weg.

  14. ich kann da auch nichts schlimmes dran finden, wenn die Abwärme aus Krematorien zur Energiegewinnung eingesetzt wird.

    Da gibt es so viel ekelhaftere Dinge die gruselig sind.
    z.B. Kühen Tiermehl zu verfüttern und dann von diesen Kühen die Milch zu trinken.
    Oder Fleisch zu essen wo die Tiere mit Antibiotika, Hormonen und anderen Dreck vollgestopft wurden sind, da ich sehr gern Fleisch esse.
    Oder wie schon o.g. die Pinkelbecken in Schwimmbädern. :-(

  15. Ich weiß nicht….. Klar kann ich verstehen daß man die Wärme nutzen will. Aber andererseits … ich weiß nicht, wenn man die Abwärme aus Krematorien zum Heizen benutzt bekomme ich das Gefühl als wäre der Tod für jeden so alltäglich daß es einen nicht mehr kümmert wo die Wärme herkommt. Klar gehört der Tod zum Leben aber Abwärme aus Krematiorien nutzen kommt mir irgendwie taktlos vor.

  16. [quote]Pipi ist allerdings nur steril, solange es
    noch in der Blase ist…[/quote]
    Im Becken wird es sofort vom Poolwasser verunreinigt :-D

  17. Ich muß Lutz da beipflichten – es ist ja nicht so, daß die Toten mit ein paar Holzlatten in den Ofen kommen und jemand ein Streichholz ranhält…
    Ich sehe das eher positiv, sollte mir ein solches Schicksal einmal widerfahren, daß ich sogar post mortem meinen Mitmenschen noch ein wenig Wärme geben kann!

  18. … wenn man dann die Anlage soweit optimiert, das man noch eine Turbine ´dranhängt und den produzierten Strom in Netz einspeist, gibt es auch noch bare Münze nach dem KWK-Kadaver-Wärmekopplungsgesetz … (Heisst natürlich Kraft-Wärmekopplungsgesetz).

    Naja, und zum Thema „Abwärem aus Krematorien: Bei Kohle und Öl handelt es sich ja auch um fossile Brennstoffe. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, das wir neben alter Vegetation auch mit toten Tieren heizen (die zugegebenermaßen vor ein paar Millionen Jahren zu ihren Ahnen abgeritten sind …)

  19. @6 nur, solange du ihn selber trinkst.

    Also mein Großvater hätte, wäre er früher gestorben als meine Oma, auf deren Grab Radieschen gepflanzt – der war so. Immerhin 2 Quadratmeter bester Mutter(!)boden, auf 25 Jahre gemietet, sowas kann man doch nicht brach liegen lassen!
    Die Nutzung von Abwärme aus Krematorien finde ich auf alle Fälle weniger unethisch als das Verbrennen von Weizen zur Energiegewinnung.
    Mein Vater wäre dann auch noch zu was gut, der war nämlich zeitlebens Beamter und hat wirklich keine Gelegenheit ausgelassen, um sich vor Arbeit zu drücken.

  20. Ehrlichgesagt finde ich es ziemlich taktlos und unethisch, die Umwelt zugunsten von Leuten, die es sowieso nicht mehr wuerdigen koennen, zu verschmutzen, und die Lebenden haben dann den Dreck.

  21. Hallo Anita (#25),
    wie stellst Du Dir denn ein umweltverträgliches Ableben oder eine „ökologische“ Beisetzung vor?
    Tststs….
    Fassungslos, Lechthaler

  22. Wie wäre es mit einer ökologischen Vogelbestattung ? [url=“http://bestatterweblog.de/archives/Vogelbestattung,-Luftbestattung/3905″] Vogelbestattung / Luftbestattung[/url]
    Da bleibt kein Dreck über, nur bleibt die Frage zu klären, ob bei einer solchen Kadaver-Restverwertung nicht auch gelegentlich ein Fall von Tierquälerei auftreten kann, mensch denke da mal nur an eine zugeteerte Lunge mit Nikotinüberschuß.

  23. Zuhause kommt der Kaminfeger, um die Abwärmemenge der Ölheizung zu messen. Ist diese zu hoch, gibt es keine „TÜV“-Bescheinigung. Die neuen Heizungen haben im Kamin sogar nur noch ein acht Zentimeter dünnes Kunststoffrohr.
    Und in einem Krematorium sollen 1000° Grad Abwärme in die Umwelt gejagt werden, welche einfach über Wärmetauscher entnommen werden können?

  24. Im ersten Moment fand ich das auch merkwürdig, was auch daran liegen mag, dass bei mir gleich Assoziationen zu Leichenverbrennungen in KZs kamen – vielleicht ist das Thema deswegen auch so kontrovers. Aber mit etwas Nachdenken bin ich auch der Meinung, dass es höchst verschwenderisch wäre, derartige Energie einfach durch den Schornstein zu jagen, ethische Bedenken hin oder her.

  25. Ersatztreibstoffe sind auch ein schönes Thema. Ich halte es für fragwürdig, Grünzeug extra anzupflanzen, um damit hinterher ein Kraftwerk oder ein Fahrzeug zu „füttern“, ich weiss nicht, ob das von der Ökobilanz her besser ist als fossiler Brennstoff. Richtiger Unfug wird es spätestens dann, wenn dieser vermeintliche Biosprit dann noch importiert wird – am besten aus Südamerika, wo dafür womöglich noch Tropenwald abgeholzt wird…

  26. Vielleicht kann man mit der Oma aber auch noch eine Runde um den Block drehen, ersatztreibstofftechnisch gesehen.
    Gruselige hessische Grüße
    vom Lechthaler

  27. Unterschätzt nicht die Likörchen bei Omas Kaffeekränzchen!
    Gibt es besondere Vorsichtsmaßnahmen bei der Verbrennung von Alkoholikern wegen Verpuffungsgefahr? Wären bei einer Vogelbestattung die Geier danach fluguntauglich? Fragen über Fragen…
    Grübelig, Lechthaler

  28. Wärmegewinnung im Krematorium? Warum nicht…
    Obwohl es noch eine andere Möglichkeit gibt mit denen die aus dem Leben geschieden sind: Die Tot-o-voltaik. Es gibt mitlerweile soviele Verstorbene die sich ob der aktuellen Situationen mit soviel Umdrehungen im Grabe rumdrehen das man durch anbringen einer Sargturbine eine riesen Menge postmortale Rotationsenergie auffangen kann.
    ;>

  29. Der Wassergehalt des menschlichen Körpers beträgt (laut Wikipedia) etwa 67 Prozent. Bei den Kaninchen dürfte das auch nicht viel anders sein.
    Das entspricht in etwa dem Wassergehalt von einem Stück Holz, das zwei Jahre im Wasser gelegen hat. Wer je versucht hat mit solch nassem Holz ein Lagerfeuer zu entfachen, weis, daß das nicht geht. Da muß kräftig Wärme in Form von trockenem Holz zugebuttert werden, damit da überhaupt was brennt.
    Wenn man dem Karnickel den Heizwert von solch nassem Holz unterstellt, bleibt unter dem Strich tatsächlich eine leicht positive Bilanz: Es hätte dann etwa ein Fünftel des Heizwert von trockenem Holz. Berücksichtigt man, daß der Kadaver vorher noch eingefroren und wieder aufgetaut wird, bleibt allerdings nichts übrig.

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