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Tatöwierung

Von

Ich habe erst mal schlucken müssen, als der Sohn eines Verstorbenen heute Nachmittag eine Bitte äußerte.

„Mein Vater ist am rechten Arm und am Rücken tätowiert. Können wir die Tätowierungen haben?“

Mir fielen sogleich einige Parallelen ein, die ich jetzt gar nicht weiter ausbreiten möchte, weil sich sonst wieder einige Gutmenschen über politisch nicht korrekte Vergleiche aufregen werden. Aber was kann der meinen? Wir können dem Toten doch nicht die Haut abziehen?
Deshalb frage ich vorsichtig nach: „Und wie stellen Sie sich das vor?“

Die Antwort und Lösung erleichterte mich: „Na, Fotos machen, odda?“

Ja, das machen wir!

Kühlung kaputt 2

Von

Wie ja im letzten Bericht zu sehen und zu lesen war, ist der Boden der Kühlkammer aufgerissen worden. Wir haben da einen ‚allround-Handwerker‘ in der Nachbarschaft, der schon mal das Grobe erledigen konnte, damit ich nicht zuviele teure Monteurstunden bezahlen muss. Die große Kühlkammer um die es hier geht, fasst 12 bis 16 Verstorbene, je nachdem ob sie auf Tragen oder in Särgen gelagert sind. Die kleinere und viel ältere Kühlkammer fasst nur 6 Personen und das fest installierte Regalsystem lässt auch keine größere Beschickung zu.

Noch ist es relativ ruhig an der Sterbefront, weshalb ich so gesehen froh bin, daß der Schaden jetzt und nicht Mitte/Ende Oktober aufgetreten ist. Erfahrungsgemäß wird ja im Winter viel häufiger gestorben.

So wie es aussieht, wird die Reparatur der Leitungen sogar heute noch abgeschlossen, noch arbeiten die Techniker. Aber das anschließende Zumauern, Verputzen und Kacheln wird länger dauern.

Ich rechne mit einer guten Woche Ausfall, das können wir so gerade noch verschmerzen und müssen unsere Logistik entsprechend darauf einstellen.

Kühlung kaputt

Von

Das ist jetzt nicht gerade der Super-GAU, aber ärgerlich ist es allemal: Die Kühlung ist doch kaputt und zwar an einer Stelle, die echt fies ist.
Soviel ich verstanden habe, sind es die Rohrleitungen für die Kühlflüssigkeit, die es da zerrupft hat.

So sieht es derzeit in einer der beiden Kühlkammern aus:

kuehl2.jpg

und so:

kuehl1.jpg

Und bitte keine Fragen, warum die Kühlzellenreparaturfirma so einen Kiosk-Papierkorb verwendet. Den haben die mitgebracht. Wir verkaufen definitiv kein Eis.

Gegenüber mal wieder

Von

Die [[Eichenlaubs]] sind jetzt fertig mit dem Einzug in ihre neue Filiale gegenüber. Im Schaufenster hängen jetzt zwei Schautafeln von der Decke und unten rechts steht ein Blinkeschild. Ich weiß gar nicht, wer so häßliche Reklameschilder herstellt. Das Schild ist Din-A-2 groß und an sich schwarz. Man kann mit einem speziellen Filzstift eigenen Text daraufschreiben und diese Schrift leuchtet dann in der Farbe des Stiftes. Das allein geht ja noch, aber das Ding blinkt und auch der Rahmen dieser Tafel blinkt rhythmisch und dabei verändert sich die Farbe ständig.

Auf dem Schild steht:

Tradition seit 10 Jahren

Ich kann ja nur lachen. Unser Geschäft ist viiiiiiel älter.
Vor allem finde ich, daß dieses bunte Geblinke überhaupt nicht zur Werbeaussage passt.

Bis jetzt ist noch nicht ein einziger Kunde da drüben gesichtet worden und irgendwelche Eichenlaub-Mitarbeiter waren auch nur stundenweise mal zu sehen.

Tratsch im Treppenhaus

Von

Ich glaube es gibt kaum einen Dialekt in dem nicht schon das gleichnamige Theaterstück auf irgendeiner Volksbühne aufgeführt worden ist, den meisten wird es mit Heidi Kabel und Henry Vahl in den Hauptrollen besonders in Erinnerung sein.

An dieses Theaterstück fühlte ich mich heute Nacht erinnert, als wir einen Verstorbenen aus einem Mietshaus abgeholt haben. Nun ist es sowieso oft schon nicht so ganz einfach, eine Trage mit einem Verstorbenen durch ein enges Treppenhaus zu bugsieren. In diesem Treppenhaus wurde das zunächst mal dadurch erschwert, daß auf den Treppenabsätzen ganze botanische Gärten angelegt waren und an den Wänden überall Bilder hingen.

Da heißt es doppelt aufpassen und dicke Arme haben, denn es geht oft um Zentimeter und wenn die fehlen, muß man sich um so mehr plagen und die Trage oft weit über Kopf stemmen, dann wieder ganz tief herablassen, um dann wieder hochzustemmen. Das gibt kräftige Arme, geht aber auch verdammt auf den Rücken.
Je mehr Krempel in einem Treppenhaus herumsteht, umso schwieriger wird die Arbeit für uns.

Heute Nacht war es der vierte Stock, also das 4. OG., mit der Eingangstreppe also neun Treppen.
Auf jeder Etage gab es zwei Wohnungstüren und in wirklich jeder Wohnungstür standen Leute, entweder einzeln, im Doppelpack oder sogar ganze Familien. Alle steckten neugierig ihre Köpfe vor. Das ist nicht normal, denn üblicherweise bekommt in so einem Haus jeder alles mit und die wissen ganz genau, daß der Bestatter da ist und jeder bleibt angesichts unseres Auftauchens in seiner Wohnung. Hier war das anders. Vor allem gab es eine Frau, die sogar nachts einen geblümten Haushaltskittel trug, die uns schon unten an der Tür in Empfang nahm. Zunächst dachte ich, das sei eine Verwandte, erst später stellte sich heraus, daß das die Hausmeisterin war. Die wich auch nicht von unserer Seite, lediglich beim umbetten d. Verstorbenen blieb sie, wie alle anderen auch, außen vor.
Dann aber übernahm sie das Gesamtkommando. Wild mit den Armen fuchtelnd bahnte sie uns den Weg, wies ständig darauf hin, daß wir ja das neugestrichene Treppengeländer nicht verkratzen und bloß keine Bilder von der Wand reißen oder Blumen umwerfen.
Auf jeder Etage blieb sie kurz stehen, wir mit der schweren Trage hinter ihr, um den jeweiligen Nachbar eben mal zu erzählen, daß Frau M. gestorben sei und wir die jetzt wegbringen. Nachdem sie das das dritte Mal erzählt hatte, stieg in mir der unbändige Wunsch auf, der Frau einfach einen kleinen Tritt zu geben, Platz hätten wir im Wagen noch gehabt!

Schon viermal hatte ich ihr gesagt: „Das ist schwer hier, halten Sie uns nicht auf!“

Und jedesmal hatte sie genickt und irgendwas wie „Bahn frei!“ gerufen, ist dann aber doch wieder an der nächsten Tür stehengeblieben…

Als wir endlich unten waren, war sie offenbar so froh, daß wir nichts kaputt gemacht hatten, daß sie mir und dem Fahrer ein Trinkgeld geben wollte, jedem einen Euro. Sowas kommt manchmal vor, aber Münzen sind da eher selten. Jetzt haben wir beim Abtransport einer Leiche naturgemäß beide Hände voll und ich hätte gar nicht gewusst, wie ich ihre Münze annehmen soll.
Gerade fuchtelt sie dem Fahrer mit dem Euro vor dem Gesicht herum, da fällt mir auf, was der für eine dicke Unterlippe hat. Wenn der die jetzt ein wenig vorstülpt, denke ich, könnte man den Euro…… Ich muss mir wirklich Mühe geben, nicht zu lachen und Würde zu bewahren.

Endlich sind wir am Auto und können die Trage hineinschieben und endlich kann die Hausmeisterin dem Fahrer seinen Euro geben, dann kommt sie zu mir, drückt mir auch einen Euro in die Hand, hält kurz inne und fragt: „Sind Sie der Chef?“
Ich nicke und ‚zack‘ ist der Euro wieder verschwunden: „Dem Chef gibt man ja kein Trinkgeld…“.

Menno, ich hätte soviel vorgehabt mit dem Geld!

Katze und Kühlraum

Von

Da machen sich ja wirklich einige meiner Leser Gedanken darüber, was wohl mit der Katze geschehen mag. Die Antwort ist: Nix!
Die kann ruhig weiter bei uns ein und aus gehen und sich an warmen Plätzen ausschlafen. Unsere Männer gucken jetzt erst mal, bevor sie die anfüttern. Denn eigentlich sieht der Kater, und genau darum handelt es sich, recht wohlgenährt aus und ich vermute, daß er jemandem in der Nachbarschaft gehört und wir nur eines seiner bevorzugten Streunerziele sind.

Daß der Kater immer in die Kühlkammer will, ist eher eine etwas verschobene Darstellung. Er geht unseren Männern immer um die Beine. Katzen machen das so, wenn sie was wollen usw. Wenn dann einer in die Kühlkammer geht, streicht Katze mit hinein. Mehrmals am Tag rein und raus, so wurde mir das jetzt geschildert. Ab und zu fliegt die schwere Tür auch schon mal etwas heftiger zu, vor allem wenn die Männer etwas Schweres heraustragen. Und dann bleibt’s Kätzchen eben manchmal drin.

Irgendeine Tendenz dazu, das Tier zu verjagen oder gar zu töten, hat hier niemand, warum auch?

Was mir aber mehr zu schaffen macht, ist unser großer Kühlraum. Während ich nämlich wegen der Katze jetzt ein paar Mal unten war, habe ich gemerkt, daß dieser Kühlraum innen viel zu feucht ist. Es ist normal, daß sich an den Kacheln der Wände Feuchtigkeit bildet, vor allem wenn die Tür oft auf und zu gemacht wird. Aber so naß war es eigentlich noch nie.

Hoffentlich ist da nichts an der Technik, denn auch eines der Aggregate brummt recht laut.

Täter und Opfer

Von

Gestern am Nachmittag: Aus dem Keller poltert es. Das ist ungewöhnlich, denn die Decken sind dick und man hört normalerweise von unten gar nichts. Da können die hämmern und bohren, während oben eine Trauerfeier oder Abschiednahme läuft.

Hoffentlich sind nicht wieder Säge umgekippt, denke ich und gehe besser mal runter.
Unten sehe ich drei meiner Angestellten, wie sie hinter einer kleinen grauen Katze herjagen.
Was denn los sei, will ich wissen. Man fange eine Katze. Aha.
Warum man denn die Katze fangen wolle, erkundige ich mich weiter. Jaja, man habe ja nichts dagegen, daß die Katze immer mal wieder ins Sarglager schleicht und zwischen den Kisten herumtollt oder in einer warmen Ecke schläft. Aber diese spezielle Katze habe es sich angewöhnt, den Männern ständig um die Beine zu gehen und sich dann in einem unbeobachteten Moment in die Kühlkammer zu schleichen.
Weiter berichtet man mir, die Katze habe schon eine halbe Nacht bei 4-8 Grad zugebracht, bevor wieder jemand die Tür geöffnet und die Katze gefunden habe.

„Und was wollt ihr mit der machen, wenn ihr sie gefangen habt?“

„Na, nach draußen setzen!“

„Aha, und wie macht ihr der Katze klar, daß sie da bleiben soll? Das Tor steht doch den halben Tag auf.“

Drei Männer schauen mich ratlos an. In diesem Moment witscht die Katze dem Huber zwischen den Beinen durch, der will sie packen, die Katze schlägt einen Haken und saust in meine Richtung. Reflexartig packe ich zu und erwische sie am Nackenfell.

Und das ist dabei herausgekommen:

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