Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Frau Müller ist tot – Tag 1

Im Altersheim

Langsam biegt unser schwerer, langer Volvo zum Hof des Altersheimes ein, die Räder knirschen auf dem Kies und das Auto gleitet mehr, als dass es fährt. Der Fahrer lenkt es zum Hintereingang, fährt einen leichten Bogen, setzt etwas zurück und stoppt. Majestätisch schwingt die hydraulische Heckklappe auf. Der Fahrer und sein Beifahrer steigen aus, sie tragen schwarze Tuchhosen, geputzte schwarze Schuhe und weiße Halbarmhemden mit dunkelgrauen Krawatten.

Aus dem Laderaum ziehen sie die Fahrtrage hervor, das Gestell mit den Rädern klappt herunter. Die beiden Männer schieben die Trage zur Hintertür, klingeln und werden eingelassen. Mit dem Aufzug geht es in den dritten Stock, Zimmer 317 soll es sein, eine Frau Müller.
Frau Müller liegt in ihrem Bett auf dem Rücken, ihre Hände hat man gefaltet. Außer den beiden Bestattern und der Toten ist niemand im Zimmer. Die Männer kontrollieren die Sterbepapiere, die auf dem Nachttisch liegen, alles scheint in Ordnung. Dann ziehen sie sich Latexhandschuhe an. Der eine öffnet den Reißverschluss der blauen Abdeckung aus Cord, die die Fahrtrage oben bedeckt. Der andere schiebt das Bettzeug der Verstorbenen an die Seite. Die Bettdecke ist noch warm, Frau Müller kann noch nicht sehr lange tot sein.

Weiterlesen

Männer, Frauen, Mitarbeiter

Zwei Fragen hätte ich noch: Du schreibst oft von deinen „Männern“. Gibts auch Bestatterinnen? Und dann: Wie lange sind deine Angestellten bei dir tätig? Bleibt man in so einem Unternehmen „lebenslang“ oder gehen die auch fix mal wieder, wenn ein Konkurrent 100 € mehr bietet?

Der Ausdruck „meine Männer“ oder „unsere Herren“ hat sich so eingebürgert. Das wird auch von den Kunden sehr gut angenommen und verstanden. Alternativ sagen wir auch „unsere Mitarbeiter“ usw.

Selbstverständlich gibt es auch Mitarbeiterinnen und das auch im technischen Bereich. Wir haben einen kaufmännischen Bereich, der sich mit allgemeinen Verwaltungsfragen des Bestattungshauses befasst und einen Bereich für die Verwaltung der Sterbefälle sowie natürlich einen technisch, handwerklichen Bereich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich haben mit den Verstorbenen nichts zu tun.

Die Mitarbeiter des Bestattungsbereiches hingegen haben sowohl mit der Verwaltung der Sterbefälle, als auch mit der technischen Abwicklung zu tun. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die ausschließlich im technischen Bereich arbeiten.

Frauen sind in der Branche in allen Bereichen tätig, aber wie in fast allen handwerklichen Berufen in der Minderheit. Entsprechende Bewerberinnen haben wir aber immer bevorzugt eingestellt.

Weiterlesen

Grabmal für die Ewigkeit

Der Gedanke das mein Grab nach ein paar Jahren „rausfliegt“ und mein Leichnam verrottet behagt mir nicht. Ich wollte mal fragen ob es möglich ist, sich ein Grab zu besorgen, welches nicht entsorgt wird. Also die nächsten 1000 Jahre steht? Kann man sich mumifizieren lassen, damit der Leichnam so lange wie das Grab erhalten bleibt?

Du könntest versuchen, Pharao zu werden…

Gräber für die Ewigkeit gibt es auch auf jüdischen Friedhöfen. Ansonsten ginge es noch auf die Weise, daß man sich einbalsamieren lässt, einen Metallsarg wählt und einen passenden Friedhof findet, der solche Metallsärge in speziell ausgemauerten Gräbern beisetzt.
Ein andere Methode wäre es, ein Mausoleum auf dem Friedhof bauen zu lassen, also eine überirdische Kammer, in die der Sarg eingestellt wird. Auch das ist in manchen Gemeinden möglich.

Als nächstes muss man die notwendigen finanziellen Aufwendungen für eine 1000jährige Grablaufzeit treffen. Auf großen städtischen Friedhöfen liegen die Kosten für eine maximal mögliche Laufzeit von 40 Jahren schon bei bis zu 8.000-12.000 Euro. Das kann auch wesentlich mehr sein, je nach Wohnort oder auch weniger.
Nehmen wir an, 40 Jahre würden 10.000 Euro kosten, nur um mal eine Berechnungsgröße zu haben, Du kannst Dir die Beträge ja, nachdem Du Dich vor Ort erkundigt hast, entsprechend umrechnen. Für 1000 Jahre kämen wir in unserem Beispiel auf eine Summe von 250.000 Euro, Preissteigerungen für die Grabverlängerung nicht eingerechnet.

Da die wenigsten Friedhofsverwaltungen so lange Verträge abschließen, würde es sich empfehlen, eine Stiftung zu gründen, deren Stiftungszweck, die Erhaltung Deiner Grabstätte ist. Berücksichtige, dass die Anfertigung eines Deinem Zweck entsprechenden Grabmales auch entsprechend viel kostet und dieses Grabmal in 1.000 Jahren ebenfalls mehrfach restauriert werden muss. Die Stiftung wird entsprechenden Verwaltungsaufwand haben und selbstverständlich muss das Grab ja auch gepflegt werden. Insgesamt sollte das Stiftungskapital deshalb deutlich über 1 Million Euro liegen, damit es sich nicht verbraucht, sondern die notwendigen Aufwendungen aus den Zinserträgen bezahlt werden können.

Außerdem muss sichergestellt sein, dass Sarg, Grab und Grabmal auch mehrfach umziehen müssen, falls der Friedhof aufgegeben wird.

Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht doch einfacher, Pharao zu werden.

Totenstarre – rigor mortis

Die Totenstarre (med.-lat. rigor mortisLeichenstarre“) wird die nach dem Tod (post mortem) eintretende Erstarrung der Muskulatur bezeichnet. Sie ist eines der sicheren Todeszeichen.

Ursache ist der durch Stillstand des Stoffwechsels bedingte Mangel an Adenosintriphosphat (ATP), einer energiereichen chemischen Verbindung, die die Energie für die Entspannung der Muskeln liefert. Fehlt ATP, so verharren die Muskelproteine Aktin und Myosin in einer festen Bindung zueinander, der Muskel wird starr.

Die Totenstarre beginnt bei Zimmertemperatur nach etwa 1 bis 2 Stunden an den Augenlidern, Kaumuskeln (2 bis 4 Stunden) und kleinen Gelenken, danach setzt sie ein an Hals, Nacken und weiter körperabwärts und ist nach 14 bis 18 Stunden voll ausgeprägt (bei Hitze schneller, bei Kälte langsamer). Diese Reihenfolge, beschrieben durch die Nysten-Regel, findet sich jedoch nur in etwa 50 % der Fälle.

Weiterlesen

Was zieht ein Toter an?

Talar, Totenhemd, Sterbehemd, eigene Kleidung, Anzug, Kleid

Was mich auch interessieren würde: man muss dem Toten ja nicht zwangsläufig in ein Totenhemd stecken, sondern kann eigene Kleidung mitbringen. (Was ich persönlich sehr gut finde. Klar, eigentlich ist das vollkommen schnuppe, aber wenn gerade jemand sehr nahestehendes gestorben ist, fällt meist rationales Denken schwer.) Warum gehen BHs nicht? Wegen dem Metall, dass da drin steckt (Verschlüsse, Bügel evt.)?

Welche Kleidung verwendet werden kann, ist örtlich unterschiedlich. Es gibt Krematorien, die genehmigen alles, was normal verbrennt. Dort wären also Taucheranzüge und Ritterrüstungen nicht möglich. In anderen Krematorien ist Bekleidung aus Naturfasern vorgeschrieben und bei wieder anderen muss es aus verschiedenen Gründen ein Talar, also ein Totenhemd verwendet werden.

Mir haben Angehörige schon einmal unterschwellig vorgeworfen, dass das doch Geldmacherei des Bestatters sei, dass er jetzt auch noch so ein Totenhemd verkaufen will. Das ist aber Blödsinn. Denn erstens kostet der preiswerteste Talar gerade einmal 12 Euro und zweitens ist die Position „Einbetten und hygienische Versorgung“ bei der Verwendung eines solchen Talars um 45 Euro niedriger.

Weiterlesen

Freimaurer und Bestattung

Hattest Du schon mal eine Freimaurerische Beerdigung abgehalten und wenn ja, wie lief diese ab?

Ja, das hatte ich schon ganz oft. Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass es so viele Freimaurer gibt.
In der Regel (aber nicht immer) bittet man darum, dass die christlichen Symbole in der Friedhofskapelle abgehängt werden. Wo das nicht geht, werden sie mit Tüchern verhüllt. Es kommt statt eines Pfarrers ein Redner. Entweder ist das ein freier Trauerredner oder ein Logenbruder.

Bei der Auswahl der Musikstücke orientiert man sich im klassischen, nicht-religiösen Bereich. Die Familien tendieren häufig zu schlicht aussehenden, aber hochwertigeren Särgen. Ansonsten unterschieden sich die Feiern nicht sonderlich, außer dass auch am Grab kein Pfarrer spricht.

Auf den Grabsteinen finden sich später oft freimaurerische Symbole, die dem Steinmetzberuf entlehnt sind oder auch mal eine Pyramide mit sehendem Auge usw.

In der Wikipedia steht ganz viel über Freimaurer.

Arme Freimaurer scheint es nicht zu geben…