Bei uns in der Oberrheinebene werden an Hitzetagen an einigen Orten spielend Temperaturen jenseits der 40 Grad im Schatten erreicht. Solche Temperaturen sind für jedermann nicht nur eine Belastung, sondern auch ein gesundheitliches Risiko. Wie können Bestatter und ihre Mitarbeiter sich bei solchen Ausnahmewetterlagen schützen?
ansehen/verstecken
- Bestatter bei großer Hitze: Wie Mitarbeiter gesund und sicher arbeiten können
- Hitze im Bestattungswesen ist eine besondere Belastung
- Der Arbeitsplatz: Büro, Besprechungsraum, Kapelle und Vorbereitung
- Kleidung: würdevoll, aber hitzetauglich
- Fahrzeuge: Hitze beginnt oft schon auf dem Parkplatz
- Tätigkeiten im Freien: Friedhof, Grab, Trauerhalle
- Trinken: nicht erst, wenn der Durst kommt
- Essen: leicht statt schwer
- Pausen: kurz, regelmäßig und wirklich erholsam
- Arbeitszeiten anpassen
- Gefährdete Mitarbeiter besonders schützen
- Warnzeichen ernst nehmen
- Checkliste für Bestattungsunternehmen an heißen Tagen
- Fazit: Würde und Arbeitsschutz gehören zusammen
- Quellen
Ich habe bereits neulich einen großen Leitfaden zum Thema „Beerdigungen bei Hitze“ veröffentlicht. Jetzt kamen Anrufe von Bestattern, die mich darum baten, auch mal über sie selbst etwas zu schreiben. Als Chefredakteur der Fachpublikation „Bestatter heute„, die im Verlag der Deutschen Wirtschaft über Jahre erschien, bin ich ja vielen Kolleginnen und Kollegen als kompetenter Ratgeber bekannt. Deshalb will ich gerne darauf eingehen.
Bestatter bei großer Hitze: Wie Mitarbeiter gesund und sicher arbeiten können
Bestatter arbeiten nicht nur in klimatisierten Beratungsräumen. Sie fahren Verstorbene ab, tragen Särge, bereiten Trauerfeiern vor, stehen auf Friedhöfen, arbeiten in Kapellen, an Gräbern, in Fahrzeugen, in Kühlräumen und manchmal unter erheblichem Zeitdruck. An heißen Sommertagen kann daraus eine echte gesundheitliche Belastung werden.
Hitze ist kein bloßes Komfortproblem. Sie kann Kreislauf, Konzentration, Leistungsfähigkeit und Reaktionsvermögen deutlich beeinträchtigen. Gerade im Bestattungswesen kommt hinzu: Die Arbeit muss würdevoll, ruhig und zuverlässig erledigt werden. Fehler, Schwächeanfälle oder Unfälle dürfen nicht einfach „passieren“, nur weil es draußen fast 40 Grad hat.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie die DGUV empfehlen bei Sommerhitze technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen. Für Tätigkeiten im Freien weist die DGUV darauf hin, dass bereits ab 26 Grad Maßnahmen sinnvoll sein können und ab 30 Grad eine Schutzplanung besonders wichtig wird.1
Hitze im Bestattungswesen ist eine besondere Belastung
Bestatter verrichten körperliche Arbeit, die oft unterschätzt wird. Ein Sarg muss getragen werden. Blumenschmuck, Urnen, Aufsteller, Lautsprecher, Stühle, Kränze und Dekorationen müssen bewegt werden. Verstorbene werden aus Wohnungen, Pflegeheimen, Kliniken oder Unfallorten abgeholt. Das geschieht nicht immer unter idealen Bedingungen.
Im Sommer kommen mehrere Belastungen zusammen:
- hohe Außentemperaturen,
- direkte Sonneneinstrahlung auf Friedhöfen,
- schwere körperliche Arbeit,
- dunkle oder formelle Kleidung,
- aufgeheizte Fahrzeuge,
- Zeitdruck vor Trauerfeiern,
- psychische Anspannung, weil Angehörige Ruhe und Würde erwarten.
Deshalb reicht es nicht, den Mitarbeitern zu sagen: „Trinkt halt genug.“ Hitzeschutz muss geplant werden.
Ich habe es selbst erlebt, dass der Chef eines Bestattungsunternehmens sich Gott weiß wie großartig vorkam, als er seinen Männern im Fahrdienst einen Kasten Wasser hingestellt hat. Er glaubte, damit mehr als genug getan zu haben. Das ist aber Humbug! Zu solchen Maßnahmen ist er sowieso verpflichtet (s.u.), das ist keine besondere Leistung oder Vergünstigung. Nein, der richtige Umgang mit seinen Mitarbeitern erfordert weitaus mehr.
Der Arbeitsplatz: Büro, Besprechungsraum, Kapelle und Vorbereitung
Im Bestattungshaus selbst sollten Arbeitsräume so organisiert werden, dass sie sich möglichst wenig aufheizen. Dazu gehören Außenjalousien, Rollos, Sonnenschutzfolien, Ventilatoren, mobile Klimageräte oder fest installierte Klimaanlagen. Besonders wichtig sind Räume, in denen Mitarbeiter längere Zeit körperlich arbeiten oder konzentriert beraten müssen.
Auch Angehörige leiden unter Hitze. Ein kühler Beratungsraum ist deshalb nicht nur Arbeitsschutz, sondern auch Kundenservice. Wer gerade einen Sterbefall zu bewältigen hat, sollte nicht in einem überhitzten Zimmer sitzen müssen.
Nach der ASR A3.5 „Raumtemperatur“ sind bei erhöhten Raumtemperaturen abgestufte Maßnahmen vorgesehen. Dazu gehören unter anderem Sonnenschutz, Lüftung, Reduzierung innerer Wärmelasten, Lockerung von Bekleidungsregeln und geeignete Getränke.2
Kleidung: würdevoll, aber hitzetauglich
Viele Bestatter tragen schwarze Anzüge, Hemden, Krawatten, Kostüme oder dunkle Dienstkleidung. Das wirkt würdevoll, kann im Hochsommer aber zur Belastung werden.
Die Lösung ist nicht, ungepflegt oder beliebig aufzutreten. Die Lösung ist hitzetaugliche Berufskleidung:
Die Anbieter von Bestatterkleidung haben auch leichte Sommervarianten im Angebot.
Ich hatte für meine Männer und mich beispielsweise dünne, schwarze Jacken aus sogenannter Wildseide angeschafft. Damit sieht man würdevoll gekleidet aus, der extrem dünne und atmungsaktive Stoff erleichtert aber das Arbeiten bei Hitze.
Im Zweifelsfall genügen aber immer auch weiße Hemden mit kurzen Ärmeln. Bei Temperaturen über 30 Grad sollte insbesondere auch auf Krawatten verzichtet werden.
Es gibt ganze Anzüge aus leichtem Material. Stellen Sie auch ausreichend Hemden zum Wechseln bereit, so können Mitarbeiter verschwitzte Oberhemden gegen frische austauschen.
Denken Sie auch an Kopfbedeckungen! Die gute alte Schirmmütze tut hier als Sonnenschutz immer noch gute Dienste.
Viele Kollegen meinen, nur der schwarze Anzug mit steifem Hemd und Krawatte sei das einzig zulässige Outfit für ihre Mitarbeiter. Das mag immer stimmen, jedoch nicht an Tagen mit so extremer Hitze.
Suchen Sie für diese extremen Wetterlagen nach leichten Alternativen.
Klar ist, dass Sandalen, kurze Hosen, Sportbekleidung und vor allem Baseball-Caps und Sneaker keine Alternativen sein können.
Verlangen Sie nicht, dass immer formelle Kleidung getragen wird. Bei Trauerfeiern kann weiterhin leichte, formelle Kleidung getragen werden. Gewähren Sie aber Umkleidepausen und -möglichkeiten. Denn beim Aufbau, beim Transport, beim Herrichten des Grabes oder bei Fahrten ohne Angehörige sollte praktische Sommerkleidung erlaubt sein. Würde entsteht nicht durch Hitzestau, sondern durch Haltung, Sorgfalt und respektvolles Verhalten.
Fahrzeuge: Hitze beginnt oft schon auf dem Parkplatz
Bestattungsfahrzeuge, Transporter und Dienstwagen heizen sich im Sommer sehr schnell auf. Wer in ein überhitztes Fahrzeug steigt, startet den nächsten Einsatz bereits belastet.
Die meisten Bestattungsfahrzeuge haben sehr kleine Fahrerkabinen, in denen sehr schnell ein überhitztes Klima herrscht. Deshalb sind Klimaanlagen in solchen Fahrzeugen heute ein Muss.
Sinnvolle Maßnahmen sind:
- Fahrzeuge möglichst im Schatten oder in Garagen abstellen,
- Klimaanlage vor Fahrtbeginn nutzen,
- Lenkrad, Sitze und Ladeflächen vor direkter Sonne schützen,
- Kühlbox mit Getränken im Fahrzeug bereithalten,
- keine längeren Standzeiten in praller Sonne einplanen,
- Fahrzeuge regelmäßig technisch prüfen, besonders Klimaanlage und Lüftung.
Wichtig ist auch die Ladeorganisation. Schwere Gegenstände sollten nicht unnötig weit getragen werden müssen. Rollwagen, Tragehilfen, Rampen und gut geplante Abläufe sparen Kraft und senken das Risiko eines Kreislaufproblems.
Tätigkeiten im Freien: Friedhof, Grab, Trauerhalle
Friedhöfe können im Sommer extrem heiß sein. Kieswege, Steinplatten, Mauern, Grabsteine und asphaltierte Zufahrten speichern Wärme. Oft gibt es wenig Schatten. Dazu kommen schwarze Kleidung, Sargtragen, Blumenschmuck und die Konzentration auf den Ablauf der Trauerfeier.
Bei großer Hitze sollte geprüft werden:
- Können Aufbauarbeiten früher am Morgen erledigt werden?
- Können schwere Arbeiten auf mehrere Personen verteilt werden?
- Gibt es Schattenplätze für kurze Pausen?
- Können Schirme, Pavillons oder mobile Sonnensegel eingesetzt werden?
- Sind Getränke für Mitarbeiter griffbereit?
- Ist ein Ersatzmitarbeiter verfügbar, falls jemand ausfällt?
Gerade auf dem Friedhof gilt: Niemand sollte aus falschem Pflichtgefühl bis zum Zusammenbruch durchhalten. Wenn einem Mitarbeiter schwindlig wird, wenn Übelkeit, Kopfschmerzen, starke Erschöpfung, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schwäche auftreten, muss die Arbeit sofort unterbrochen werden.
Trinken: nicht erst, wenn der Durst kommt
Bei Hitze muss regelmäßig getrunken werden. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee oder stark verdünnte Saftschorlen. Eiskalte Getränke sind nicht immer ideal, weil sie den Magen belasten können. Besser sind kühle, aber nicht eiskalte Getränke.
Alkohol ist bei Hitze tabu. Auch Energy-Drinks können ungünstig sein, wenn sie Getränke wie Wasser ersetzen sollen.
Eine einfache Betriebsregel kann lauten: Bei Hitze trinkt jeder Mitarbeiter vor dem Einsatz, nach dem Einsatz und zwischendurch in festen Abständen. Getränke müssen verfügbar sein, nicht irgendwo im Büro stehen, während das Team auf dem Friedhof arbeitet.
Essen: leicht statt schwer
Schwere Mahlzeiten belasten den Kreislauf zusätzlich. Wer bei 35 Grad mittags Schweinebraten, Pommes oder sehr fettige Speisen isst, wird danach kaum leistungsfähiger sein.
Das bedeutet nicht, dass Bestatter im Sommer nur noch Gurkenscheiben essen dürfen. Aber vor körperlich schweren Einsätzen sollte die Mahlzeit leicht bleiben.
Pausen: kurz, regelmäßig und wirklich erholsam
Bei Hitze sind Pausen keine Schwäche, sondern Arbeitsschutz. Gerade kurze Unterbrechungen helfen, den Körper wieder herunterzukühlen. Eine Pause im aufgeheizten Fahrzeug bringt allerdings wenig. Besser sind Schatten, ein kühler Raum, eine klimatisierte Fahrzeugkabine oder ein schattiger Bereich auf dem Friedhof.
Die Pausenplanung sollte zur Arbeit passen. Wer morgens eine Überführung, mittags eine Trauerfeier und nachmittags noch eine Abholung hat, braucht dazwischen echte Erholungsfenster. Es genügt nicht, nur die Fahrtzeit als Pause zu betrachten.
Arbeitszeiten anpassen
Nicht jede Tätigkeit muss zur heißesten Tageszeit erledigt werden. Viele Arbeiten lassen sich in den frühen Morgen oder in den späteren Nachmittag verschieben.
Hier kann ich keine pauschale Empfehlung geben, dazu sind die Verhältnisse und Bestimmungen in den verschiedenen Regionen zu unterschiedlich.
Aber wenn Sie beispielsweise nur einen kleinen Friedhof zu bedienen haben, wo keine weiteren Bestattungen an diesem Tag stattfinden, können Sie ja bei Bedarf ruhig schon morgens um sieben die Trauerhalle vorbereiten und nicht erst in aller Eile bei höheren Temperaturen um elf.
Natürlich lassen sich Sterbefälle und Trauerfeiern nicht immer nach Wetterlage planen. Aber innerhalb des Möglichen sollte der Betrieb im Sommer anders organisiert werden als im November.
Gefährdete Mitarbeiter besonders schützen
Nicht jeder Mensch verträgt Hitze gleich gut. Besonders aufmerksam sollte man sein bei Mitarbeitern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, starkem Übergewicht, bestimmten Medikamenten, höherem Alter oder nach Krankheit.
Das bedeutet nicht, jemanden auszugrenzen. Es bedeutet, vernünftig zu planen. Ein erfahrener Mitarbeiter kann vielleicht die Trauerfeier leiten, während jüngere Kollegen schwere Tragearbeiten übernehmen. Oder ein Mitarbeiter mit Kreislaufproblemen übernimmt an Hitzetagen eher Büro, Beratung, Telefon, Dokumente oder Koordination.
Warnzeichen ernst nehmen
Typische Warnzeichen bei Hitzebelastung sind:
- Schwindel,
- Kopfschmerzen,
- Übelkeit,
- starkes Schwitzen oder plötzlich fehlendes Schwitzen,
- Muskelkrämpfe,
- Benommenheit,
- Verwirrtheit,
- Herzrasen,
- ungewöhnliche Schwäche.
In solchen Fällen gilt: raus aus der Sonne, hinsetzen oder hinlegen, trinken, kühlen, Hilfe holen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Kollaps oder Verdacht auf Hitzschlag muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
Checkliste für Bestattungsunternehmen an heißen Tagen
| ✔ | Maßnahme |
|---|---|
| Wetterbericht und Hitzewarnungen morgens prüfen. | |
| Einsätze nach Möglichkeit in kühlere Tageszeiten legen. | |
| Getränke in Betrieb und Fahrzeugen bereitstellen. | |
| Sommerkleidung und Wechselkleidung erlauben. | |
| Schwere Arbeiten auf mehrere Personen verteilen. | |
| Pausen aktiv einplanen. | |
| Fahrzeuge vorkühlen und im Schatten parken. | |
| Schattenmöglichkeiten auf Friedhöfen nutzen oder schaffen. | |
| Mitarbeiter über Warnzeichen unterweisen. | |
| Gefährdete Mitarbeiter besonders berücksichtigen. | |
| Notfallnummern und Erste-Hilfe-Material griffbereit halten. |
Fazit: Würde und Arbeitsschutz gehören zusammen
Bestatter leisten auch bei großer Hitze Arbeit, die zuverlässig, ruhig und würdevoll erledigt werden muss. Gerade deshalb darf der Schutz der Mitarbeiter nicht nebenbei laufen. Wer einen Sarg trägt, eine Trauerfeier vorbereitet oder Verstorbene überführt, braucht Kraft, Konzentration und gesundheitliche Stabilität.
Ein gutes Bestattungsunternehmen erkennt Hitzeschutz nicht als lästige Vorschrift, sondern als Fürsorgepflicht und Qualitätsmerkmal. Denn nur Mitarbeiter, die gesund bleiben, können Angehörige gut begleiten und Verstorbenen mit der notwendigen Würde begegnen.
Hitze ist kein Zeichen mangelnder Belastbarkeit. Hitze ist ein Arbeitsrisiko. Und Arbeitsrisiken muss man ernst nehmen.
Quellen
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A3.5 – Raumtemperatur
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A3.5 – PDF-Fassung
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Schutzmaßnahmen bei hohen Raumtemperaturen
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)
- Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM): Technische Regeln für Arbeitsstätten
- KomNet NRW: Haben Arbeitgeber bei hohen Sommertemperaturen Getränke bereitzustellen?
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Publikationsdatenbank (Suchbegriff „Hitzearbeit“)












