Bestattung interkulturell: USA – Laufen Gräber irgendwann ab?

Laufen Gräber in den USA ab? Ein Blick über den Atlantik – Wer durch Deutschland reist, kennt das System: Gräber werden für eine bestimmte Zeit vergeben – 15, 20, 25 oder 30 Jahre sind üblich. Danach kann das Grab aufgelöst oder verlängert werden. Ganz anders hingegen auf jüdischen Friedhöfen: Dort gilt das Prinzip der ewigen Ruhe. Ein Grab wird nicht neu belegt, nicht aufgehoben, nicht angetastet.

Doch wie sieht es eigentlich in den USA aus? Dort stößt man häufig auf Friedhöfe mit erstaunlich alten Grabstätten – nicht selten 150 oder sogar 200 Jahre alt. Laufen diese Gräber nie ab?

Das amerikanische Prinzip: „Perpetual Care“

In den Vereinigten Staaten funktioniert das Bestattungswesen grundsätzlich anders als in Deutschland. Das wichtigste Stichwort lautet „Perpetual Care“, also dauerhafte Pflege.

Wer in den USA ein Grab erwirbt, kauft in der Regel kein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht, sondern ein dauerhaftes – oft tatsächlich auf unbegrenzte Zeit angelegtes Recht an der Grabstätte. Gleichzeitig wird ein Teil des Kaufpreises in einen Fonds eingezahlt, aus dem die Pflege des Friedhofs langfristig finanziert wird.

Das bedeutet: Viele Gräber sind tatsächlich für die Ewigkeit gedacht – zumindest aus rechtlicher Sicht.

Warum gibt es so viele alte Gräber?

Das erklärt auch, warum man auf amerikanischen Friedhöfen so häufig sehr alte Grabsteine findet. Anders als in Deutschland werden Grabstätten in der Regel nicht nach Ablauf einer Frist eingeebnet oder neu vergeben.

Ein Grab aus dem 19. Jahrhundert bleibt also einfach bestehen – selbst wenn sich längst niemand mehr darum kümmert oder die Familie ausgestorben ist. Die Friedhöfe sind dadurch oft auch historische Orte, gewissermaßen Freilichtarchive der lokalen Geschichte.

Gibt es wirklich gar keine Auflösung?

Ganz so absolut ist es allerdings nicht. Auch in den USA gibt es Ausnahmen.

In dicht besiedelten Regionen, etwa in großen Städten, kann es vorkommen, dass Friedhöfe erweitert, umgestaltet oder in seltenen Fällen sogar aufgegeben werden. Dann können Gräber umgebettet oder Flächen neu genutzt werden.

Solche Maßnahmen sind jedoch rechtlich und gesellschaftlich heikel und deutlich seltener als in Europa. Das Prinzip der dauerhaften Grabruhe hat in den USA einen hohen Stellenwert.

Ein wichtiger Unterschied: Platz ist (noch) vorhanden

Ein Grund für diese Unterschiede liegt auf der Hand: Die USA sind groß. Sehr groß.

Während in Europa – und insbesondere in Deutschland – Friedhofsflächen knapp und teuer sind, gibt es in vielen Regionen der Vereinigten Staaten schlicht weniger Druck, bestehende Gräber nach einiger Zeit wieder aufzulösen.

Das erlaubt ein großzügigeres, langfristigeres System.

Und was ist mit anonymen oder einfachen Bestattungen?

Natürlich gibt es auch in den USA schlichtere Formen der Bestattung, etwa auf sogenannten „Potter’s Fields“, also Armenfriedhöfen. Dort kann es durchaus vorkommen, dass Gräber weniger dauerhaft gekennzeichnet sind oder anders verwaltet werden.

Das ändert jedoch nichts am Grundprinzip vieler regulärer Friedhöfe: Ein Grab ist dort nicht auf Zeit angelegt, sondern auf Dauer.

Fazit

Während in Deutschland Gräber in der Regel zeitlich befristet sind und nach Ablauf der Ruhefrist neu vergeben werden können, gilt in den USA oft ein anderes Modell: Das Grab wird einmal erworben – und bleibt bestehen.

Die Folge sind Friedhöfe, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und die Geschichte ganzer Generationen sichtbar machen.

Und so erklärt sich auch der Eindruck vieler Besucher: In den USA wirken Friedhöfe oft weniger wie Orte des Kommens und Gehens – sondern eher wie Orte, an denen die Zeit einfach stehen geblieben ist.

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