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Warum Bestatter Mannequins an die Decke hängen

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Ja, es ist wahr! Grausames geht in meinem Arbeitszimmer vor.

Ich kaufe oft bei Amazon. (Das muss man heutzutage ja schon fast etwas verschämt sagen, tue ich aber nicht. Großes Angebot, morgen ist es da und günstig ist es meistens auch.)
Dabei profitiere ich auch von den Rezensionen anderer Kunden. Da ich schon so lange in den Netzen unterwegs bin, kann ich, so bilde ich mir ein, auch ganz gut zwischen nützlichen und doofen, gekauften und falschen Rezensionen unterscheiden.

Als Dankeschön stelle ich dann ab und zu auch mal eine Rezension online.

Jetzt hatte ich einen Polyamidfaden bestellt. Das ist son unsichtbarer dünner Faden, mit dem man, so wie ich ihn nutze, gebastelte Modelle an die Decke hängen kann.
Bei mir hängt so ein selbst mit dem 3D-Drucker gemachtes Raumschiff Enterprise an der Decke.

Da mein Raumschiff gut einen halben Meter lang ist und einige Kilo wiegt, benötigte ich einen etwas stärkeren Faden zum Aufhängen.

Danach habe ich eine Rezension bei Amazon verfasst:

*****
von Peter am 21. Januar 2022
Sehr gute Schnur – Modelle aufhängen
Ich habe diesen Polyamid-Faden erworben, um damit Modelle an die Decke hängen zu können. Wir haben eine dünnere Nylon-Schnur hier, aber die zog sich durch das Gewicht der Modelle in die Länge und drohte zu reißen.
Also habe ich diese Schnur mit 0,7 mm…

Doch leider hat Amazon diese Rezension abgewiesen.

Tja, ich hätte statt „Modelle“ vielleicht besser „Kunststoffmodelle aus dem 3D-Drucker“ schreiben sollen.
Sonst wäre bei Amazon niemand auf die Idee gekommen, ich würde Klamottenvorführerinnen an der Decke strangulativ abhängen lassen…

Ansonsten ist meine Lieblingsrezension immer noch die, die ich bei einem Pfefferspray zur Selbstverteidigung las:

„Das Spray kam gut verpackt und gewohnt schnell bei uns an. Es ist uns aber eindeutig zu scharf. Egal welche Speisen wir mit dem Pfefferspray würzten, alles war viel zu stark gewürzt. Wegen der Schärfe würden wir es nicht nochmal kaufen.“


BILDQUELLEN

  • enterprise-decke: Peter Wilhelm

Veröffentlicht von

Hier veröffentlicht der Publizist Peter Wilhelm Informationen und Geschichten rund um den Bestatterberuf.
Mehr über den an Allerheiligen geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier.
Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Texte rein zur Unterhaltung. Keine Rechts-, Steuer- oder Medizinberatung!


    



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Peter Wilhelm 23. Januar 2022

23 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich nehme für sowas immer Angelschnur – bei meinen kleineren und wesentlich leichteren Modellen ist die quasi unsichtbar, und das maximal zulässige Gewicht steht praktischererweise schon auf der Verpackung 🙂

  2. Könnte auch wegen einer vermeintlichen Verunglimpfung in einem automatischen Filter hängengeblieben sein.
    Ich hab früher auf ebay oft „Alles klar, schnell geliefert“ geschrieben – bis das gesperrt wurde.
    Erst am Telefon kamen wir gemeinsam darauf, daß hier das unschöne Wort „Arsch“ zu finden wäre. Der tolle Algorhythmus entfernt nämlich stumpf sämtliche Nicht-Buchstaben und sucht dann. Damit will man halt vermeiden, daß jemand „Du blö der Ar sch“ schreibt, unterbindet damit nur dummerweise auch ganz nette Formulierungen…

  3. vielleicht meinten die auch, daß bei einem durchschnittlich gewichtigem Modell die Schnur halten müßte, in dem Fall wurde Deine Kritik als „unberechtigt“ eingestuft und deshalb abgelehnt… ? Wäre eine Überlegung wert, findet Ihr nicht ?

  4. Eine Strippe aus dem Baumarkt oder Bastelladen tat es nicht,es musste eine von diesem XXXXXXX sein??

    • Vielleicht weißt Du es nicht, aber ich bin nicht in der Lage das Haus zu verlassen bzw. einkaufen zu gehen. Aber wenn Du mal in der Nähe bist, gebe ich Dir gerne eine Liste mit den Dingen, die ich benötige 😉

      • Soweit mir Bekannt lebst du aber nicht alleine,wenn ich malad bin schicke ich auch meine Frau zum einkaufen und fast immer wird auch das Richtige Produkt mitgebracht
        Wie weiter unten von Dirk-Boerge geschrieben,man sollte vermeiden dort Waren zu beziehen

  5. …aber es gibt unglaublich viele, ähnlich gut und günstig arbeitende Unternehmen, die nicht für das Schaffen einer marktbeherrschenden Stellung, Erpressen von Verlagen, Vertrieb von Naziliteratur und -devotionalien, Datenmissbrauch, Steuervermeidung, unsäglichstes Ausbeuten von Mitarbeitenden und Verhindern von Betriebsratswahlen bekannt sind. Möglich, dass auch andere Anbieter das tun, aber hier weiß man es. Amazon hat bei mir Hausverbot und ich wünsche mir sehr, dass das bei vielen anderen auch so ist. @Georg: Danke.
    Niemand MUSS bei Amazon kaufen. Niemand.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Amazon#Kontroversen_und_Kritik

    • Dann darfst Du bei fast allen Einzelhandelsketten nicht einkaufen.
      Unteranderem eine große Drogeriekette aus Süddeutschland macht es auch nicht anderst. Bis auf den Vertrieb von zweifelhafter Literatur vielleicht.
      Komischerweise hat da noch niemand demonstriert. Auch die Praxis das auffüllen von Regalen von Subunternehmern zu Dumping-Löhnen durchführen zu lassen stört Dich anscheinend nicht.
      Daher mach Dir lieber mehr Gedanken, ob Du selbst das richtige tust, und richte nicht vorschnell über andere.

    • Ich sehe Amazon bei weitem auch nicht als DEN Superbösewicht. Was den Schutz meiner persönlichen Daten angeht, da verzichte ich auf Alexa… ich nutze auch keine Clouddienste von Amazon.
      Lohndumping und Steuervermeidung, ja sorry, das sind keine Wohlfahrtskonzerne und der Kapitalismus bedingt das Gewinne maximiert werden… ist nicht schön, aber „normal“, hier ist es am Gesetzgeber dort die Grenzen aufzuzeigen. Das Lagerarbeiter wie im Einzelhandel bezahlt werden möchten halte ich im übrigen für Unfug. Ausbeuten der Arbeitnehmer? Ich gehe davon aus das Sklaverei nicht mehr existiert, wer da einen Vertrag unterschreibt, sieht im Vertrag was er bekommt… wenn sich Amazon nicht dran hält, dann klagt man und/oder geht man, dann müssen die mit besseren Konditionen winken wenn sie keine Mitarbeiter bekommen.

      • Ich benutze Alexa, aber nur wegen „Amazon Music Unlimited“. Musik auf Zuruf bzw. aus einer Playlist finde ich einfach praktisch. Und da genügt ein Echo Dot, wenn man ihn an einen Verstärker hängt. Wenn ich keine bzw. andere Musik hören möchte, schalte ich den „Lauschsprecher“ per Steckdose einfach aus.
        Und ich bestelle auch immer mehr bei Amazon. Covid hat da einen Teil dazu beigetragen. Einkaufen mit Maske ist kein Einkaufserlebnis. Wenn ich also genau weiß, was ich will, dann bestelle ich eben. Klar, ich könnte mich bei diversen Online-Shops anmelden und mich mit diversen Passwörtern und Zahlungsmethoden rumärgern. Bei Amazon kann ich aber sogar relativ anonym, zumindest der Bank gegenüber, bestellen: Einfach Gutschein mit Bargeld im Supermarkt kaufen, und schon verliert sich die Datenspur.

  6. Sagt mal, geht’s eigentlich noch?
    Man müsste auf mehr als die Hälfte aller angebotenen Produkte und Dienstleistungen verzichten, würde man eure Massstäbe anlegen.

    Es kann euch doch furzegal sein, wo, wann und bei wem Peter einkauft?

    Wenn ihr meint, durch bewussteres Einkaufen die Welt retten zu wollen, so macht das doch! Aber schwingt hier bitte nicht die Gutmenschenkeule.

    Es geht um eine Angelschnur nicht um den Kauf von Quecksilber oder Uran.

  7. Müsste man neudeutsch nicht „Models“ schreiben für die Personen, die man früher in sauberem Deutsch „Mannequins“ nannte?
    „Modelle“ habe ich in diesem Zusammenhang tatsächlich noch nie gelesen.

    • Ja, stimmt, das Wort ist selten geworden in dieser Schreibweise.
      Wikipedia meint dazu: „Der Begriff Model (Aussprache: [‚mɔdl]) kommt aus dem Englischen und wird mit kurzem, offenem „o“ und ohne „e“ ausgesprochen. Die bis noch in die 1960er Jahre übliche deutsche Bezeichnung „Modell“ [moˈdɛl] wird heute nicht mehr benutzt.“

  8. Was bei mir immer noch Kopfschütteln verursacht: Wir hatten in Deutschland mit „Quelle“ (auch Neckermann etc.)eines der europaweit führenden Versandhandelsunternehmen am Start. Ein Unternehmen, dass über eine umfassende und eingespielte Versandlogistik verfügte… ALLES, was man hätte tun müssen wäre neben dem kiloschweren Katalog noch eine Online-Plattform hochzuziehen und das Sortiment etwas „aufzupeppen“. Es hätte gar kein radikaler Bruch sein müssen; ein sanfter Umbau wäre möglich gewesen. Stattdessen hat man das Internet rigoros ignoriert, weiter auf den teuren Katalog gesetzt und einem anfangs unbedeutenden amerikanischen Online-Buchhändler das komplette Feld überlassen. Wenn man als Unternehmer das Offensichtliche so derart ignoriertmuss sich nicht wundern…

      • Internet, davon hat mir schon wer erzählt, das was der Gleiche der gesagt hat, es gäbe irgendwann 10 MB Festplatten… im Computer eingebaut… Klasse! Was mach ich dann mit der Kiste Floppy-Disc´s ? Vielleicht kann der Amazonas sie ja verkaufen … ?!

  9. Das fürchte ich auch … klingt auch zu abgefahren … 10 MB und dann noch festverbaut … vom Internet ganz zu schweigen … was will man mit diesem neumodischen Zeugs … Auf meinem Balkon wohnen jetzt Tauben, die werde ich zu Brieftauben abrichten … DAS wäre mal ein Fortschritt …

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