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Wolfgang der Matrose

Von

Frau Rabenacker ist bei uns im Ort ziemlich bekannt, sie hatte früh ihren Mann verloren und dann mit viel Fleiß sich selbst und ihren Sohn Wolfgang allein durchbringen müssen. Das hat ihr, wenngleich das so ungewöhnlich nicht ist, dennoch die Bewunderung der allwissenden Dorfbevölkerung eingetragen.

Bevor ich jedoch weitererzähle, muß ich kurz mal erklären, warum ich manchmal von Ort, Dorf, Stadtteil und dann wieder von Großstadt schreibe.

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Die geheimnisvolle Speise

Von

Heute Abend war ich mit der Familie essen. Ein paar Tische weiter saßen zwei alte Damen, nach dem Essen rief die eine den Kellner zu sich: „Herr Ober! Bitte bringen Sie mir doch zum Nachtisch noch einen schönen großen Palastschinken!“

Da mußte ich doch glatt mal in die Karte schauen. Ah ja, am Ende der Saisonkarte „Wild und Geflügel“ steht unter Desserts: Österreichischer Palatschinken. Na denn!

Normal

Von

Ganz normale Leute, Sterbefälle ohne große Ereignisse, mein täglich Brot. Als Leser meines Weblogs könnte man ja den Eindruck bekommen, bei uns sei immer was los, die Kunden hätte zu 50% einen mittleren Dachschaden und es würde allenthalben sehr viel schieflaufen, weil ich oft von Reklamationen usw. berichte.
Nein, das ist in Wirklichkeit ganz anders. Dutzende von ganz braven und netten Kunden, Sterbefälle die problemlos abzuwickeln sind, ohne daß irgendetwas Nennenswertes passiert.

Aber letztendlich sind diese normalen Fälle auch langweilig, zumindest für das Weblog, weshalb hier ja auch immer nur eine Essenz wiedergegeben wird. Auf der anderen Seite sind es die vielen normalen Sterbefälle, die uns das Geld einbringen und die es uns ermöglichen, in schwierigen Fällen so ausführlich reagieren zu können.

Größere Bestattungen mit allem Drumherum sind zwar anspruchsvoller und fordern uns ein wenig mehr, aber oft ist der Gewinn sogar schmaler, als bei einer ganz normalen Beerdigung.

Aber gut, daß es immer mal wieder so „besondere“ Leute gibt, sonst hätt‘ ich ja nichts zu erzählen.

Billigbestattungen

Von

Was hältst Du von den Billigbestattungen aus dem Internet?

Nicht viel.
Ich bin der Auffassung, daß jeder Bestatter auch eine extrem günstige Variante im Angebot hat. Ich lese oft Preis knapp unter oder um 600 Euro herum. Der im Moment günstigste Sarg bei uns kostet unter 200 Euro, einfache Sterbewäsche kostet 15 Euro, Sargausstattung liegt in der Billigvariante bei 20 Euro. Hinzu kommt die Überführung und Einbettung, die wir für zusammen 150 Euro anbieten können. 200 + 15 + 20 + 150 = 385 Euro. Huch, da sind wir ja billiger….

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Neulich im Fernsehen

Von

„Das kann doch nicht sein, daß da keiner mitmachen will“, kräht der Moderator wie ein Hahn auf dem Mist, deutet mit dem Finger auf eine Tafel, auf der Franz Meier steht, weitere Namen sind noch mit Pappe abgeklebt. Dann legt er wichtig den Zeigefinger senkrecht über seine Lippen, Fingerspitze an Nasenspitze. Er läuft im Studio herum und ruft: „Noch ein paar Minuten, vielleicht nur Sekunden, dann schlägt der Hot Button zu, ja und irgendwann ist das Spiel vorbei und das ist doch Euer Spiel, anrufen, ab in die Leitung, mitmachen!“

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Schwamm drüber

Von

Frau Tochter war jetzt da. Sie wollte die Ansprüche ihrer Mutter geltend machen, die der Meinung war, ein Fehler in der Todesanzeige müsse im Fernsehen berichtigt werden.

Inzwischen hatte ich mit dem Zeitungsverlag telefoniert, dort bedauert man den Fehler und bietet der Familie einen für solche Fälle recht hohen Preisnachlaß von 80% an, sowie eine kleine Berichtigungsanzeige am nächsten Tag. Wahlweise kann die Familie aber auch die komplette große Anzeige noch einmal kostenlos geschaltet bekommen, dann wird es aber nichts mit dem Preisnachlaß.

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Loslassen

Von

Der Vater von Gärtnermeister Rosenbauer ist gestorben. Der alte Rosenbauer war selbst über 60 Jahre in seinem Betrieb tätig, bis man ihm, weit über 80jährig, die Schaufel und die Rosenschere quasi mit sanfter Gewalt aus der Hand nehmen mußte.

Das ist schon bald 10 Jahre her und jetzt war es Zeit, das der Alte gehen durfte, er hatte sich zwei Jahre lang mit dem Sterben gequält und zum Schluß gar nichts mehr mitbekommen. Bewundern kann ich nur die junge Frau Rosenbauer (die ja so jung gar nicht mehr ist, denn es gibt inzwischen noch eine jüngere Frau Rosenbauer in Form ihrer Schwiegertochter). Sie steht von morgens bis abends hinter der Ladentheke des Blumengeschäftes, kocht, wäscht, putzt, kauft ein und pflegte ihren Schwiegervater.

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